„Was Pfarrer gerade so machen“
Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.08.2022
Ich gehöre seit einigen Wochen zu einer Minderheit. Bisher gehörte ich irgendwie zur Mehrheit, glaube ich. Normal eben. Seit einigen Wochen gehöre ich zur Minderheit der Maskenträger:innen. Ich erlebe, wie man als Außenseiter angeschaut wird. Wie man plötzlich an sich selbst zu zweifeln beginnt, obwohl man doch ganz genau weiß, dass man das Richtige tut. Für sich selbst, wohlgemerkt. Ich will niemandem vorschreiben, ob er oder sie ebenfalls Masken tragen sollte. Nur ich möchte es für mich eben tun. Ich habe Gründe dafür. Ich belästige oder behindere niemanden dadurch, dass ich eine Maske trage. Trotzdem! Immer wieder diese Blicke, die immer gleichen Fragen (Na, immer noch so viel Angst?). Gestern sagte jemand zu mir: Machen Sie immer noch den Quatsch mit? Ich lächelte nett und ging weiter. Und fing den Blick der Mutter auf, die mir mit ihren beiden Kindern an der Hand entgegenkam. Verständnis lag darin, ein bisschen Wehmut, ein bisschen „Jetzt siehst du mal, wie das ist!“. Die Mutter trug eine Maske. Und sie war eine person of colour. Ich erlebe längst nicht das, was diese Familie vermutlich kennt. Aber es war ein Augenöffner, wie es sein könnte. Und es war ein Schubs in die richtige Richtung. Anders sein ist nicht schlimm. Anders behandelt werden aber schon! Ich bedankte mich – die Mutter wird sich gefragt haben, wofür eigentlich😊 Vielleicht liest sie das hier!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.07.2022
Der Blick in die Zukunft macht Angst! Nicht so sehr, weil wir nicht wüssten, was zu tun ist gegen Krieg und Klimakrise, gegen Hunger und Flucht, gegen soziale Ungerechtigkeit und Hass. Eher macht mir Angst, dass wir so langsam sind. Dass es so viele unterschiedliche Meinungen zu allem gibt, die diskutiert werden müssen (was total wichtig ist), uns aber trotzdem ausbremst. Dass es nie die eine gute Lösung für alle gibt. Dass immer irgendjemand auf etwas verzichten muss. Manchmal kommt so ein Moment, da verstehe ich die, die sagen, dass sie sich nur um sich kümmern, es sich schön machen und einfach die Augen vor dem Rest verschließen. Ich verstehe das. Aber so dürfen wir nicht denken! Denn dann haben wir Stillstand. Und steuern sehenden Auges auf die nächste Katastrophe zu. Vielleicht war das schon immer so! Und vielleicht steht deshalb genau 365mal in der Bibel „Fürchte dich nicht!“. Einmal für jeden Tag! Als Erinnerung, dass es da mehr gibt als all das vor unseren Augen. Dass wir uns mehr zutrauen können, dass wir mutiger sein können. Und das kleine Schritte sehr wohl eine sichtbare Veränderung bewirken! Und dass wir alle Teil dieser Veränderung sein können!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.07.22
Heute, am vorerst heißesten Tag des Jahres, fällt es schwer, sich die Regenmassen vorzustellen, die vor einem Jahr so viel Leid gebracht haben: im Ahrtal und der Eifel, aber auch hier bei uns und an vielen anderen Orten. Der Gottesdienst am vergangenen Donnerstag, dem Jahrestag der Flut, ist mir noch lange nachgegangen. Wir saßen in der Unterburger Kirche – die Bänke zerstört, ebenso der Boden und sämtliches Inventar. Ein provisorischer Holzboden wurde verlegt, Stühle aufgestellt und der feuchte Putz von den Wänden geschlagen, so dass man nun sehen kann, wie hoch das Wasser damals stand. Heute scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel, 36 Grad, sogar in Remscheid. Ich liebe dieses Wetter! Aber ich weiß auch, dass Hitzeperioden ebenso wie Starkregen eine Ursache haben. Keine, die vom Himmel gefallen ist, sondern eine, die Menschen, auch du und ich, verursacht haben. Durch unseren Lebensstil, durch Gewohnheit, Bequemlichkeit, wirtschaftliche Interessen, politische Ambitionen, Ignoranz. Aber es hilft jetzt nicht, Schuldige zu benennen. Jetzt hilft nur noch Handeln. Und das müsste so viel schneller gehen, als es das gerade tut. Was braucht es, damit Politik schneller ins Umsetzen kommt? Und wir alle auch, denn politische Entscheidungen müssen wir mittragen, wenn wir Veränderung wirklich wollen. Superintendentin Menn sagte in ihrer Predigt in Unterburg einen Satz, der mir ebenfalls seitdem nachgeht: „Die Klage hat das Talent zur Hoffnung!“ Ich glaube, dass dieser Satz zutrifft, weil ich es schon erlebt habe. Klagen verändert etwas und zwar zuerst bei mir. Wer klagt, macht sich einen Missstand bewusst. Aber wer klagt, will auch Veränderung. Und wer Veränderung will, sucht nach Lösungen. Wer aber nach Lösungen sucht, der hat Hoffnung, dass es gelingen kann. Und wer Hoffnung hat, der steckt andere damit an! So könnte es gehen 😊
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.07.2022
Wir in Deutschland sind privilegiert! Das bedeutet nicht, dass es nichts zu verbessern gäbe oder dass nicht viel zu viele Menschen auch bei uns viel zu wenig zum Leben haben. Aber wir sind trotzdem privilegiert. Denn wir haben hier eine Stimme. Wir haben die Freiheit Parteien zu wählen oder selbst einer Partei beizutreten. Wir können uns engagieren in Vereinen oder Gruppen, für den Umweltschutz, kulturelle Einrichtungen, Kirchen, NGOs. Wir können wählen, wo wir und was wir einkaufen. Und wir haben Zugänge zu Bildung, damit wir uns informieren können, wofür sich welche Partei oder Organisation einsetzt oder woher unsere Jeans und unser Joghurt kommen. Wir können unsere Stimme hörbar machen und wir dürfen alles sagen, was wir denken. Und deshalb geht es uns NICHT wie den Menschen, die sich im Nationalsozialismus im Widerstand engagierten. Und genau deshalb irritiert es mich, wenn Menschen wieder durch unsere Stadt ziehen und das Wort „Widerstand“ skandieren, um gegen Staatgängelung zu demonstrieren. Wir haben Menschen in unserer Stadt, die aus solchen gängelnden Staatssystemen kommen – ein Gespräch mit ihnen rückt so manches Bild hierzulande wieder gerade!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.07.2022

Nach einer entspannten Fahrt durch zwei europäische Länder mit Tempolimit habe ich meine Freude am Autofahren wiederentdeckt. Kein nerviges Rechtsüberholen und Hupen, weil man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält; kein ständiges Abbremsen und Gas geben im Autobahn-Stop-and-Go-Chaos – stattdessen Wälder, Seen und Felder wahrnehmen und den weiten Himmel darüber. Das Auto dankte die gemächliche Fahrweise mit minimalem Spritverbrauch. Natürlich wäre gar nicht Autofahren für die Umwelt immer noch besser gewesen, aber langsamer zu fahren bringt zumindest einen gewissen Anteil an CO2 Ersparnis. Aber wir in Deutschland machen lieber mal nicht mit beim Tempolimit. Weil unsere Freiheit dann eingeschränkt wäre, höre ich immer wieder. Das muss mir erst mal jemand erklären, fürchte ich 😉


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.04.2022 
Der Musiker Lenny Kravitz kennt mich! Also, nicht persönlich, leider, aber wir ärgern uns über die gleiche Sache. Mich stresst es total, wenn ich irgendwo bin, wo es coole Sachen zu entdecken gibt und ich das Gefühl bekomme, ich müsste davon jetzt aber ein Foto machen und das bei Instagram hochladen. Sonst bin ich ja nicht dagewesen und habe nichts gesehen. Tatsächlich habe ich aber keine Lust Fotos zu machen, weil ich ja gerade irgendwo bin und coole Sachen anschaue. Lenny Kravitz hat im Bezug auf seine Konzerte gesagt, er sehe manchmal gar keine Menschen, nur Handys, so als ob es das Größte sei, anderen zu beweisen, dass man da war, anstatt einfach da zu sein! 
Also: ich will in Zukunft „einfach da sein“ und suche jetzt jemanden, der immer danebensteht, wenn ich gerade coole Sachen anschaue, und die dann nett in Szene setzt, damit ich beweisen kann, dass ich auch da war 😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.04.2022
Als Kind habe ich nicht verstanden, warum es Kriege gibt. Die Leute müssten doch nur miteinander reden und sich wieder vertragen. Heute verstehe ich, dass es manchmal ein langer Weg ist, bis sich entfremdete Parteien versöhnen können. Aber warum es Kriege gibt, das verstehe ich immer noch nicht. Bei all den bewaffneten Konflikten, von denen ich gehört oder gelesen habe, gab es nie Gewinner. Auf allen Seiten starben Menschen, Familien hatten Verluste zu beklagen, Wohnungen, Krankenhäuser, Schulen und Fabriken wurden zerstört und „Kollateralschäden“ genannt und aus jeder Gewalttat entstand immer nur wieder Gegengewalt. Es ging immer nur um Macht, nie um gute Lösungen. Ob die Familie Mensch irgendwann lernt, dass wir nur gemeinsam ein gutes Leben für alle erreichen können? Und dass alle dafür Kompromisse machen müssen? Und dass alle dann Gewinner sein könnten? Träumen muss ja noch erlaubt sein 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.04.2022
Muss mir heute mal die Worte eines weisen Mannes ausleihen:
„Goodness is stronger than evil. Love is stronger than hate. Light is stronger than darkness. Life is stronger than death.” (Desmond Tutu)


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.03.2022
Die Hilfsbereitschaft der Menschen in Krisenzeiten berührt mich immer wieder. Und deshalb ärgern mich die Bemerkungen derer, die finden, dass das sowieso nicht ausreiche, was man da tue, und dass es ohnehin nichts bringe: Friedensgebete, schöne Aktionen für geflüchtete Familie, Hilfstransporte u.s.w.
Ich frage mich: woher wissen die immer so genau, dass das sowieso gar nichts bringt? Ich halte mich lieber an einen Ausspruch der Frauenrechtlerin Kate Sheppard: „Glaubt nicht, dass eure Stimme nicht viel bewirkt. Auch der Regen, der auf den trockenen Boden fällt, besteht aus lauter einzelnen Tropfen.“
Vielleicht besteht das Problem ja darin, dass die hilfsbereiten Menschen noch Unterstützung brauchen könnten! Dann wären sie mehr und könnten mehr bewirken!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Annette Cersovsky, 15.03.2022
Ich muss zugeben, dass es mich mittlerweile wahnsinnig macht, wenn ich SMS, Mails  (oder gerne auch Briefe) bekomme, in denen einfach alle Wörter hintereinander stehen. Ohne Punkt und Komma erschließt sich der Sinn des Geschriebenen manchmal nur, wenn man sich den Text langsam vorliest oder aus dem Gesamtzusammenhang errät, worum es geht.
Ein Instagram-Post von Deutschlandfunkkultur gibt ein sehr einleuchtendes Beispiel, warum Satzzeichen doch eine gewisse Bedeutung haben:
„Nicht aufhören!“
„Nicht, aufhören!“
Manchmal macht ein Satzzeichen eben doch einen Unterschied!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Annette Cersovsky, 11.03.2022
Kennt Ihr die Wimmelbilder Ali Migutsch? Der in diesem Jahr verstorbene Künstler verstand es meisterhaft Geschichten in Geschichten zu verstecken. Er zeichnete zum Beispiel eine große Baustelle. Aber bei näherem Hinsehen lernte der Betrachter etwa, dass der Baggerführer gerne Brot mit Tomate aß. Und die alte Dame, die mürrisch aus dem Fenster schaut, weil sie der Baustellenlärm nervt, steht bei genauem Hinsehen in einem Krankenzimmer, wo vielleicht ein Mensch Ruhe braucht. Ali Migutsch lehrte uns das Hinschauen. Das Schlimme und Furchtbare, aber auch das Interessante und Schöne, das in allem verborgen ist. Wir müssen nur genau Hinschauen 😊


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.03.2022
Seit 1921 schon gilt der 8. März als Weltfrauentag. Wieso eigentlich, fragte kürzlich jemand. Weil jeder andere Tag ein Männertag ist, ging mir durch den Kopf. Das ist natürlich Unsinn. Aber mal ehrlich: wenn wir die ganze Welt in den Blick nehmen, dann ist doch offensichtlich, dass Frauen (die ca. 50% der Weltbevölkerung ausmachen😊) nicht auch 50% Anteil an Entscheidungen haben. Oder 50% an Positionen. Oder 50% an Kapital. Oder 50% Zugang zu Bildung. Und auch bei uns ist noch viel Luft nach oben.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine „Firma“ keinen Gender Pay Gap hat, dass man jede Position bekleiden kann, die man will und für die man geeignet ist, ganz unabhängig vom Geschlecht. Und dass es keine Diskussion darüber gibt, ob das überhaupt richtig so ist. Aber das wünsche ich mir auch für jede andere Frau in jeder anderen Firma!
Und heute schleicht sich bei mir noch die leise Frage ein, ob es gerade einen Krieg geben würde, wenn eine Mutter von vier Söhnen Präsidentin eines riesigen Landes wäre!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.02.2022
Man möchte sich bei jedem Blick auf die Nachrichten aus der Ostukraine gerade Friedrich Dürrenmatt anschließen. Der hat mal gesagt: „Man darf nie aufhören, sich die Welt vorzustellen, wie sie am vernünftigsten wäre.“
Leider versteht sich das gerade nicht mehr von selbst, was „vernünftig“ ist, wie Trumps Reaktion auf die ganze Situation zeigt ☹


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.02.2022
Zum Sonntagsprogramm gehörte in meiner Familie ein Spaziergang. Wenn das Wetter wenigstens einigermaßen war, suchten meine Eltern irgendein Ziel heraus und los ging es. Manchmal mit dem Auto zu Stauseen, Burgen oder schönen Landschaften. Manchmal aber auch einfach nur eine Runde ums Haus oder durch „unseren“ Wald, gleich hinter dem Garten. Ich fand Spaziergänge als Kind spannend. Ich war gerne draußen, es gab immer etwas zu entdecken und ich erfand meine eigenen Geschichten zu den Orten, an denen wir gerade waren und Freunde durften auch immer gerne mitkommen. Meine Erinnerungen an Spaziergänge sind schön und geprägt von überraschenden Aussichten, spannenden Orten und viel Spaß. Ich gehe immer noch gerne spazieren, aber ich mag es nicht mehr so nennen. Heute hat das Wort einen bitteren Beigeschmack. Die überraschenden Aussichten erschrecken mich und Spaß habe ich keinen, wenn ich heute Spaziergängern zuschaue. Nicht denen im Wald, an Stauseen, Burgen und Feldern mit Kindern und Großeltern, Fahrrädern, Skatern und Bobby Cars. Sondern die, die abends durch die Städte ziehen und für einen sachbezogenen Dialog kaum noch erreichbar scheinen. 
Gar nicht weit weg von uns ereignen sich in diesen Tagen dramatische Szenen. Wir brauchen jetzt gerade Zusammenhalt und eine sinnvolle, auch kontroverse, Diskussion über das, was unser Land braucht. Aber keine Parolen, im Dunklen gerufen und mit Fackeln gespenstisch beleuchtet!


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.02.2022
Kennt Ihr das, wenn jemand etwas scheinbar Unmögliches doch noch schafft? Der hat dann Berge versetzt, sagen wir. Berge versetzen – das geht nicht so richtig gut. Berge stehen zwar manchmal im Weg und versperren die Sicht aufs Meer, aber versetzen?
Reinhold Messner, von dem wir wohl annehmen dürfen, dass er sich als Extrembergsteiger gut mit Bergen auskennt, sieht Berge ganz woanders: „Die Berge, die es zu versetzen gilt, sind in unserem Bewusstsein“, hat er gesagt.
Oha, da ist was dran, glaube ich. Zum Beispiel der Berg „ich will mir das nicht eingestehen“, oder der unbezwingbare Gipfel „wem soll ich denn noch vertrauen“. Ganz doof auch der Berg „ich wusste es doch eigentlich besser“. Und ganz besonders doof „ich mache den gleichen Fehler nochmal“.
Diese Berge stehen richtig im Weg rum, aber im Gegensatz zu den echten Bergen lassen sie sich versetzen, wenn wir uns da herantrauen. Mit viel Geduld, guten Freunden und der Bereitschaft zum Dazulernen.


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.02.2022
Wenn ein lieber Mensch verstorben ist, gehört das Vermissen und die Sehnsucht zur Trauer dazu. Man kommt abends nach Hause, will erzählen, was auf der Arbeit los war – aber da ist niemand mehr, der sich die lustigen und traurigen Geschichten anhören kann. Dabei gäbe es doch noch so viel zu sagen….
Ein alter Mann aus der Präfektur Iwate in Japan hatte die Idee, in seinem Garten ein „Jenseits-Telefon“ aufzustellen. Es ist eine ganz normale Telefonzelle, aber ohne irdischen Anschluss an ein Netzwerk, die Leute nennen sie das "Telefon des Windes". 
Man kann dort mit seinen Verstorbenen „telefonieren“. Alles ist erlaubt: weinen, schweigen, erzählen.
Ich hatte einen WDR-Bericht über dieses Jenseits-Telefon gehört und mich sehr gewundert. Suggeriert es nicht den Trauernden, ein Kontakt auf die andere Seite wäre so einfach möglich?
Aber nun las ich etwas über das Trauern in Japan. Dort gilt es nämlich als geradezu pietätlos, Trauer oder Schwäche oder Ängste in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das Jenseits-Telefon im Garten des alten Mannes ermöglicht das Trauern unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wo sich niemand seiner Gefühle schämen muss.
Wie ist das eigentlich bei uns? Trauernde müssen bei uns auch ganz schnell wieder „funktionieren“. Dabei weiß doch jeder, dass das nicht geht. Das Leben hat sich für immer verändert – man kann lernen damit umzugehen, aber das Leben einfach weiterleben wie vorher? Wohl kaum! Es fehlt ja jemand, der vorher wichtig war. Und der immer wichtig bleiben wird – nur anders.
 


Unsere Vision

Es gibt eine einfache Wahrheit: Wenn Sie an das glauben, was Sie tun, können Sie Großes erreichen. Das ist der Grund, warum Ihnen bei der Erreichung Ihres Zieles helfen möchten.

„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.01.2022
Immer mehr Veranstaltungen laufen zur Zeit wieder digital. Letzte Woche fand die gesamte Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland mit rund 200 Delegierten und zahlreichen Gästen digital statt. 
Ja, das können wir inzwischen. Wir sind digital unterwegs. Aber immer noch meinen wir damit hauptsächlich, dass wir die Technik des Digitalen in unserer Arbeit beherrschen. Wir wissen, wie wir eine Zoomsitzung einrichten und welche Tasten wir drücken müssen, um mitreden zu können in einer digitalen Sitzung. Gottesdienste können wir streamen oder vorher aufnehmen und dann bei Youtube hochladen.
Manchmal frage ich mich allerdings, ob es nicht einen Unterschied gibt zwischen der Digitalität als Alternative zur Analogie im persönlichen Kontakt und den digitalen Formen einer Kirche, die nicht nur Gemeindehäuser und Kirchen öffnet, sondern auch digitale Räume für Kommunikation, Austausch, Kritik, Ideen. Partizipation vor allem der Digital Natives, der Mobilen, der beruflich und/oder privat Eingespannten wäre ein ergänzendes Angebot einer Kirche, die wahrgenommen hat, dass sich ein Teil unserer Lebenswelt längst im Digitalen ereignet. Und dennoch real ist!
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.01.2022 
Zum Theologiestudium gehört auch ein Sprachkurs „Biblisches Hebräisch“. Die althebräische Sprache ist völlig anders aufgebaut als die deutsche Sprache. Das macht die Auslegung biblischer Texte manchmal total spannend, weil altvertraute Worte plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommen können. 
Mir ging das jetzt mit der Arche Noah so. Eine Arche ist in jedem Bilderbuch ein Riesenschiff, das ein wenig an ein Kreuzfahrtschiff erinnert. Nun heißt „Arche“ im Hebräischen „Teva“ und das wiederum meint eigentlich ein kleines Kästchen und kommt nur noch ein weiteres Mal vor, nämlich in der Mose-Erzählung. Da bezeichnet „Teva“ das Weidenkörbchen, in dem Mose überlebte, nachdem seine Mutter ihn darin auf dem Nil aussetzte, um sein Leben zu retten. „Teva“ als Überlebensraum! 
Aber „Teva“ meint auch die kastenförmigen Buchstaben, aus denen die hebräische Schrift besteht. Das Wort Gottes als Überlebensraum? Ja, manchmal ist das wohl so. Immer dann, wenn Entdeckungen in der Bibel neue Perspektiven aufmachen, wenn ein Bibelvers Trost spendet, wenn ein Gebet aus alter Zeit den eigenen Nerv so genau trifft…..! 
Deshalb ist das ja alles so spannend 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.01.2022 
Uns fehle allen Präsenzerleben, las ich in einem Beitrag des Psychologen Karsten Wolf. Ich dachte natürlich sofort an Corona und die damit verbundene Verlagerung vieler Aktivitäten aus der Präsenz ins Digitale. 
Aber das meinte der Psychologe gar nicht. Er sah etwas viel Gravierenderes, das mich nun nachdenklich macht. Wir Menschen seien denkende Wesen und könnten uns unsere Wirklichkeit mit dem Verstand erschließen. Zum Beispiel können wir den Zusammenhang zwischen dem Wind und einem fliegenden Blatt erklären. Was uns dabei aber fehlt: auch den Wind zu spüren, der das Blatt bewegt. Das Knirschen von gefrorenem Laub beim Spazierengehen zu hören. Die Sonnenstrahlen im Gesicht zu fühlen. Die nasse Erde zu riechen. 
Wer dieses richtige Präsenzerleben kann, bei dem treten die Gedanken für einen Moment in den Hintergrund und man ist einfach nur da und spürt den Augenblick. Kommt bei mir mit auf die Merkliste 😊 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.01.2022
Ich bin nicht so für Waffen! Mir scheint, sie sind meistens in den falschen Händen. Man mag dagegenhalten, es gäbe ja nun auch Sportwaffen. Okay, ist aber trotzdem nicht mein Ding. Jede Waffe ist eine Waffe, ganz einfach. Und jede Waffe ist potenziell geeignet eine Menge Unheil anzurichten. Und Unheil haben wir schon genug. Unter anderem, weil zu viele Menschen in zu vielen falschen Händen Waffen tragen.
Dabei gibt es ganz andere Waffen – ebenso gefährlich, aber ohne Unheil zu bringen. Viele haben in den letzten Tagen so eine Waffe mit der Post bekommen: Einen blauen Bleistift! Die Waffe der Frau, so der Slogan von Plan International, die sich diese Kampagne ausgedacht haben. Plan International ist eine der großen Kinderhilfsorganisationen in der Welt, aber die Einzige, die sich speziell auf die Förderung von Mädchen fokussiert. Bildung ist manchmal die einzige Waffe, die Mädchen und Frauen zur Verfügung steht. Bildung hilft im Kampf gegen Armut und Ausbeutung. Bildung hilft auch gegen alternative Fakten und Fremdbestimmung, gegen Polarisierung und dummes Nachplappern irgendwelcher Phrasen. Bildung hilft gegen Spazierengehen, trainiert aber auf andere Weise den scharfen Blick. Ich bin dafür!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.01.2022
Ein neues Jahr! Viel Zeit, um etwas damit zu machen. Meist macht allerdings die Zeit, was sie will, so scheint es. Wenn ich sie dringend brauche, rennt sie davon, wenn ich sie gerne schnell los wäre, schleicht sie dahin. 
Von Zsuzsa Bánk stammt eine sehr schöne, kleine Geschichte über die Zeit, die sehr nachdenklich macht. Da wird eine gefragt, was sie eigentlich jeden Tag um drei Uhr macht. Natürlich weiß das niemand so genau – jeder Tag ist anders. Und so lautet denn auch die Antwort: dafür habe ich keine Zeit. Mal ist es viertel nach drei, mal ist es schon halb fünf, keine Ahnung, was genau um drei Uhr war.
Und dann kommt ein Plan für das neue Jahr: suche dir eine Zeit aus, zu der du an jedem Tag des neuen Jahres kurz inne hältst und dir bewusst machst, was du gerade tust. Warum nicht um drei Uhr? Das ist eine Zeit mittendrin – der Tag hat längst begonnen, hört aber noch lange nicht auf. Zeit nur für mich – und für den, der mir die Zeit geschenkt hat 😉
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.12.2021
Das Bundesverfassungsgericht hat sich heute mit der Frage einer gesetzlichen Regelung beschäftigt, wenn es zur Triage kommen sollte.
Ich wünschte, wir müssten darüber gar nicht nachdenken! Jeder Mensch sollte die bestmögliche Behandlung im Krankheitsfall erhalten, unabhängig von der Person. Aber die Pandemie hat gezeigt, dass wir auch in Deutschland in Situationen geraten können, in denen diese Diskussion nötig werden kann. 
Geklagt hatten Menschen, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen oder Behinderungen davon ausgehen mussten, dass sie wegen schlechterer Überlebenschancen im Krankheitsfall bei einer angewandten Triage vielleicht keine lebensrettenden Maßnahmen erhalten würden. 
Der Schutz dieser Menschen soll nun endlich auch gesetzlich geregelt werden. Richtig so!
Den Impfstatus kann ich mir weitestgehend selbst aussuchen – eine Vorerkrankung oder Behinderung hat sich niemand ausgesucht!
 
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.12.2021
„Dich schickt der Himmel“ – das habe ich in diesem Jahr ganz oft gedacht oder gesagt. Immer wieder gab es jemanden, der ein gutes Wort für mich hatte, wenn ich gerade keines für mich selbst übrig hatte. Wenn mir die Ideen ausgingen, dann hatte jemand anderes eine gute Idee. Wenn ich mal wieder mehr geplant hatte, als normalerweise in einen Tag reinpassen kann, dann war da eine Unterbrechung. An schlechten Tagen passierte doch noch irgendetwas Schönes. Nichts von all dem war geplant oder vorherbestimmt oder eingefordert – wie vom Himmel geschickt eben.
Deshalb „Danke“ Euch allen, die Ihr solche Himmelsgeschenke gewesen seid! An Euch musste ich denken, als wir unser Weihnachtsbanner am Kirchpark aufgehängt haben. „Dich schickt der Himmel“ steht drauf. Und daneben ein Sternenhimmel. Gottes Geschenk an uns? Ja, ich glaube, das war ein Geschenk, dass damals in Bethlehem nicht im Palast ein neuer Machthaber geboren wurde, der erstmal überall für Ordnung sorgte. So stelle ich mir Gott auch gar nicht vor. Aber dass Gott sich so klein machen kann, um als Menschenkind anderen Menschenkindern von Gott zu erzählen? Doch, das passt in mein Bild. „Dich schickt der Himmel“ – das werden wir heute Abend feiern. Bleibt alle behütet!


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.12.2021 
Kennt Ihr das, diesen Frust, wenn sich Dinge einfach nicht bewegen wollen? Irgendwas spricht immer dagegen, weil sich gar nichts verändern soll oder weil eine Veränderung zwar sinnvoll, aber auch schwierig umzusetzen wäre. Manchmal ist es eben leichter, bei dem zu bleiben, was man kennt. 
Nun fand ich einen Spruch von Mahatma Gandhi, der mich wieder neu zum Nachdenken animiert hat: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ 
Es wird immer Dinge geben, die nicht in unserer Hand liegen, die wir selbst nicht verändern können. Aber ich verstehe den Satz so: Wenn ich mir ein friedlicheres Zusammenleben auf der Welt wünsche, dann muss ich in meinem eigenen Wirkungsbereich ein friedvolles Zusammensein vorleben. Wenn ich möchte, dass keine Schutzsuchenden mehr auf der Flucht ertrinken, muss ich mir überlegen, wie ich mich für diese Menschen einsetzen kann. Wenn ich den Plastikkonsum in unserem Land verringern möchte, muss ich beim nächsten Einkauf damit anfangen genauer hinzuschauen. Und so weiter….. 
Veränderung macht Arbeit! Schafft aber auch Bewegung 😊 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.12.2021
Ich teile nicht unbedingt jeden Gedanken, den Martin Luther je zu Papier gebracht hat. Aber ich mag seine einfache Art, kluge Dinge kurz und verständlich auf den Punkt und dann an den Mann (und an die Frau) zu bringen.
So wie diese Erkenntnis einer unbedingten Beziehung zwischen Glaube, Gott und Mensch. Denn das schrieb Martin Luther dazu: „Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.“
Ich weiß nicht, ob Luther diese Intention hatte, aber ich lese den zweiten Teil des Satzes durchaus doppelt – die Liebe bringt den Menschen zu anderen Menschen. Aber auch: Durch die Liebe bringen Menschen Gott zu anderen Menschen.
Okay, das klingt jetzt wieder kompliziert – also bleiben wir bei Luther 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.12.2021
Die meisten Pfarrkolleg*innen kennen das: in Gesprächen wird uns manchmal gesagt, dass wir für unseren Job ja wohl berufen sein müssen. Meist kommt dieser Satz im Zusammenhang mit unseren Arbeitszeiten oder der manchmal sehr schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weil wir oft antizyklisch zur Familie unterwegs sind. Oder auch – weniger nett gemeint – weil wir uns den ganzen Tag lang Gedanken über Fragen machen, deren Antworten doch keiner sucht😉
Meist machen uns aber ganz andere Dinge Sorgen, zum Beispiel jetzt gerade, wo wir verantwortliche Lösungen in der Pandemie suchen müssen, wo wir Entscheidungen treffen müssen, die irgendwie zwischen Pest und Cholera angesiedelt sind, weil es gerade keine „richtige“ Entscheidung gibt.
Deshalb hoffe ich, dass die Österreicherin Maria Luise Prean-Bruni Recht behält. Sie ist in Uganda mit einem großen Kinderchorprojekt tätig und hat sich vielleicht auch manchmal gefragt, ob Berufung nicht auch ein ganz schön schweres Los sein kann. Von ihr stammt dieser tröstliche Ausspruch: Gott beruft nicht die Begabten, sondern er begabt die Berufenen. Und der gilt uns allen, denn sehr frei nach Martin Luther sind wir als Christen alle berufen😊


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.12.2021
 
Das war so eine Sache mit der Wohnzimmertür bei uns zu Hause. Schon ein paar Tage vor dem Heiligen Abend war das Wohnzimmer für uns gesperrt. Natürlich versuchten wir herauszubekommen, was die Eltern drinnen machten. Aber das Schauen durch das Schlüsselloch gab nicht viel her. Allerdings sah es irgendwie nach Geheimnis aus.
 
In vielen Familien ist das bis heute so – das Weihnachtszimmer wird liebevoll geschmückt, der Tannenbaum aufgestellt und die Geschenkpäckchen unter den Baum gelegt. Und die Tür bleibt zu – bis es soweit ist.
Und bis es soweit ist, dürfen die Kinder (und manchmal auch Erwachsene) die Türchen am Adventskalender öffnen, die dabei helfen, dem ersehnten Tag in gespannter Erwartung entgegen zu gehen. Und ein bisschen Geheimnis liegt immer noch über dieser verschlossenen Tür.
 
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Das bekannte Adventslied erzählt auch von Türen, allerdings von den Herzenstüren, die wir Menschen öffnen müssen, damit von der Weihnachtsfreude etwas in unser Herz einziehen kann. Aber wie macht man das, eine Herzenstür öffnen? 
 
Vielleicht so wie die Kinder: 24 Tage lang jeden Tag eine kleine Tür im Herzen aufstoßen. Vielleicht die eine, auf der schon so lange steht, Weihnachten sei nur etwas für die Kinder. Und vielleicht ist dahinter die Sehnsucht wieder zu entdecken, die gespannte Erwartung, dass eine große Freude auf uns zukommt. Oder die eine Tür, die so fest verschlossen ist und hinter der die großen Enttäuschungen schlummern. Vielleicht ist es Zeit diese Tür zu öffnen und Frieden zu schließen mit verpassten Chancen und vertanen Möglichkeiten. 
 
Wenn alle Türen offen sind – dann kann Neues einziehen. So, wie es der Prophet Sacharja versprochen hat: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“ (Sacharja 2,14)
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.11.2021
Alles Mögliche machen wir jetzt wieder (oder besser gesagt noch) „präsentisch“ – will heißen: da sind Menschen an einem Ort tatsächlich physisch anwesend und tun etwas gemeinsam - im Gegensatz zu den digitalen Formen wie Zoom oder Skype, die während der Lockdowns viel Präsentisches ersetzen mussten.
Bin jetzt im 1. Samuelbuch über eine ganz einfach Erklärung für „präsentisch“ gestolpert: Gott ruft den jungen Samuel und der sagt: „Hier bin ich.“ Hier bin ich – nicht da, wo ich eigentlich schon sein müsste. Hier bin ich – so, wie ich jetzt gerade bin und nicht, wie ich gerne wäre. Hier bin ich – nicht gestern oder morgen, sondern jetzt! 
An dieser Art von präsentisch müssen wir noch üben, denke ich 😉
 


„Was Pfarrer gerade so machen“ 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.11.2021
„Siehe, es kommt die Zeit…“, dieser Vers aus dem Gottesdienst heute Morgen geht mir nach.
Damals, als der Prophet Jeremia seine Rede so begann, war nichts in Ordnung und niemand zufrieden mit dem, was war. Aber es wird eine andere Zeit kommen – genau genommen wird sie uns entgegenkommen – und diese andere Zeit ist es wert, auszuhalten, was ist, auch wenn es jetzt noch nicht gut ist. 
Advent ist Wartezeit, aber auch Lichterzeit. Mit den Adventslichtern erinnern wir uns und andere daran, dass diese andere Zeit auf uns zukommt. Aber auch daran, dass wir ihr entgegengehen und Lichtpunkte setzen können, da, wo wir heute Dunkelheit wahrnehmen. 
Ich finde besonders schön, dass wir mit diesen Lichtpunkten nicht alleine unterwegs sind. Der erste Advent fällt in diesem Jahr mit dem Beginn des jüdischen Lichterfestes zusammen. Jüdische Geschwister erinnern jetzt an drei besondere Ereignisse in ihrer Geschichte. Gemeinsam ist uns das Anzünden der Lichter, die von Mal zu Mal mehr werden und Licht in die Dunkelheit bringen. 
Euch allen einen gesegneten ersten Advent und Chanukka sameach! 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.11.2021
Wieder einmal überlegen wir in den Gemeinden, wie wir coronakonform und sicher für alle Weihnachtsgottesdienste feiern können.
Und während wir das tun, prallen die Meinungen mit Wucht aufeinander. „Kirche darf sich nicht verkriechen“, „Kirche muss Zeichen setzen und alles absagen“, „Kirche ist sowieso nur Weihnachten wichtig – da soll sie aber stattfinden“, „Kirche kann auch digital sein“…….
Irgendwo dazwischen müssen wir nun unsere Entscheidungen treffen – angesichts einer Inzidenz von über 400 tun wir uns damit schwer!
Was kann denn jetzt noch helfen, fragte heute jemand. Verstand, dachte ich. Jenseits aller Bedürfnisse und Sehnsüchte und Befürchtungen kann jetzt nur noch helfen, was die Infektionsketten verlässlich durchbricht, wenn wir nicht wieder im Lockdown landen wollen. Jeder und jede von uns kann helfen, damit es dazu kommt. Wir müssen nicht einmal alles aufgeben, was uns wichtig ist, aber wir müssen uns und andere schützen. Ein Gottesdienst mit Abstand und Maske gehört dazu. Gemeindegruppen ohne Kaffeetrinken, dafür aber mit Austausch auf Augenhöhe, Gruppenangebote draußen, digitale Andachten, Telefonketten in der Nachbarschaft, Gespräche an der Haustür, Familientreffen mit Test vorab – es gibt doch so viele Möglichkeiten. Warum nutzen wir sie nicht einfach?


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.11.2021
„Wir reden immer noch davon, dass die Umweltgefahren drohen. Sie drohen nicht, sondern wir stehen mit beiden Beinen knietief drin!“
Was denkt Ihr, von wem stammt dieser Ausspruch?
Klingt doch sehr nach dem „Es ist eins vor zwölf“, das uns aus Glasgow von der Weltklimakonferenz erreichte. Aber nein, ganz anders, erschreckend anders: Der Journalist Hoimar von Ditfurth sagte diesen Satz im Jahr 1986 über die Klimakrise!
Wir brauchen lange, bis wir verstanden haben. Zu lange!


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.11.2021
Fehlerkultur – Wikipedia sagt, das sei „die Art und Weise, wie Gesellschaften, Kulturen und soziale Systeme mit Fehlern, Fehlerrisiken und Fehlerfolgen umgehen“. 
Ich frage mich immer öfter, ob wir mit Fehlern – eigenen und denen anderer – noch so umgehen, dass es den Beinamen „Kultur“ verdient.
Zu gemachten Fehlern stehen und sie aufarbeiten, das ist für mich Kultur. Und ebenso bei anderen nicht auf Fehlern herumreiten, sondern nach Wegen suchen, wie es besser werden kann. Dass man Fehler auch benennen darf und muss, ist für mich keine Frage, aber auf das „wie“ kommt es an.
Heute beginnt die Karnevalszeit! Auch eine Möglichkeit Fehler zu benennen – in Reimform und lustigen Kostümen, aber pointiert und treffsicher😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.11.2021
Der Tag heute mahnt uns! Ein Tag gegen das Vergessen!
Aber auch ein Tag gegen das Verstummen, denn wenn keiner mehr die Stimme für oder gegen etwas erhebt, dann geschieht Geschichte – ob sie uns gefällt oder nicht.
Wer zu lange schweigt, findet am Ende keine Worte mehr. Oder wie Astrid Lindgren es viel deutlicher gesagt hat: „Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht.“


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.11.2021 
Wenn andere ihre Wut an uns auslassen, dann ist das nicht schön! Vor allem ist es dann nicht schön, wenn wir gar nichts für den Wutausbruch können, sondern nur als Blitzableiter herhalten müssen. 
Trotzdem macht so ein Wutanfall ja auch etwas mit dem, der ihn abbekommt. Schnell wird der dann auch laut, schließlich kann er ja nichts für die Situation, die den Wutanfall ausgelöst hat. 
Ab und zu bekomme ich so einen Wutanfall ab, wenn Menschen ihren Frust über Gott und die Kirche und ihr Bodenpersonal loswerden müssen. Ich neige dazu, als erstes mich selbst zu fragen, ob ich etwas hätte verändern können, um den Frust zu verhindern. Aber oft hätte ich nichts tun können. Trotzdem hilft es mir, mir klarzumachen, dass Wut immer einen Grund hat. Dann kränkt der Wutanfall nicht mehr persönlich und man kann versuchen, den Grund herauszufinden, denn nur so lässt sich etwas verändern. 
Soweit die Theorie – in der Praxis braucht das Übung, habe ich festgestellt. Ich arbeite daran 😉 
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.11.2021
Wir haben in unserer Gemeinde eine „Blumenfrau“. Blumenfrau deshalb, weil sie jede Woche Blumen auf den Altar stellt. Wobei – „auf den Altar stellen“ wäre das, was ich machen würde: Blumenstrauß kaufen, rein in die Vase und auf den Altar.
Nicht so die Blumenfrau! Sie überlegt erstmal, wer im Laufe der Woche die Kirche betreten wird, ob am Sonntag vielleicht eine Taufe gefeiert werden soll oder ob der Gottesdienst ein bestimmtes Thema hat. Die Blumen werden dementsprechend liebevoll ausgesucht, arrangiert und stehen jede Woche neu und überraschend in der Kirche. 
Die Blumenfrau macht das, was sie tut, ehrenamtlich. Sie hat eine besondere Gabe und setzt sie zum Wohl von uns allen ein. Sie will nie erwähnt werden oder einen besonderen Dank bekommen, bleibt am liebsten im Hintergrund.
Heute soll sie hier mal auf dem Podest stehen und lesen, wie wunderbar das ist, was sie jede Woche zaubert und wie dankbar wir alle dafür sind, dass sie ihre Gabe bei uns einsetzt!
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.10.2021
„Geht mit dem Segen Gottes in diesen Tag und all die Zeit, die vor euch liegt“ – so oder so ähnlich leite ich meist am Ende eines Gottesdienstes den Segen ein. 
Segen ist für mich ein Zuspruch Gottes, den ich weitergeben darf, den ich selbst geschenkt bekomme und auf den ich mich verlassen kann.
Aber was genau heißt das eigentlich? Eine schöne Beschreibung des Segens habe ich bei Anselm Grün gefunden: „Du bist gesegnet, das heißt, dass in Dir etwas Neues aufblühen kann.“
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Annette Cersovsky, 27.10.2021 
Ich gebe mir wirklich Mühe, die jeweils gerade aktuelle Form der gegenderten Sprache in richtiger Weise zu verwenden, habe mich mit Binnen-I, dem Gender * und dem Gender : angefreundet und darüber hinweggesehen, dass ich beim Lesen über manche Formulierung immer noch stolpere („liebe Mitglieder:innen“). Ich verstehe das Anliegen und unterstütze es. Ich profitiere nämlich von den Bemühungen um Gleichberechtigung auf allen Ebenen, die Frauen lange vor mir auf sich genommen haben. 
Ich fürchte allerdings, dass uns die veränderte Sprache erst dann weiterbringt, wenn bei allen in Köpfen und Herzen angekommen ist, dass es in der Familie Mensch keine unterschiedlichen Wertigkeiten geben kann. Gender, Herkunft, Hautfarbe, Religion – in der Familie Mensch müssen sich alle mit der gleichen Achtung voreinander begegnen, wenn wir wirklich vorankommen und die großen globalen Aufgaben ernsthaft angehen wollen. Solange wir noch Sprache brauchen, um darauf aufmerksam zu machen, haben wir noch ein Problem mit der Gleich-Wertigkeit. 
 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.10.2021
Der Prophet Jeremia hat seinem Volk etwas von Gott auszurichten. Und es klingt so, als wäre Gott not amused: „Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: „Auf und hilf uns!“ (Jeremia 2,27).
Kann ich gut verstehen, ich mag es auch nicht, wenn jemand nur nett zu mir ist, wenn ich etwas für ihn tun soll.
Aber – ein Atemzug später – fällt mir etwas ein: Wie war das letzte Woche nochmal, als nichts so lief, wie es sollte, und ich dieses „Auf und hilf mir!“ selbst im Kopf hatte?????
Warum fällt uns Beten so leicht, wenn wir in Not sind und warum fällt es uns manchmal überhaupt nicht ein, wenn alles gut läuft? Machen wir doch bei guten Freunden auch nicht so!


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.10.21
Geht Euch das auch so, dass Ihr manchmal morgens aufwacht und Euch wundert, dass es schon wieder dunkel draußen ist? Gefühlt hatte ich noch gar nicht Sommer und schon ist der Herbst da. Den Herbst mag ich grundsätzlich (wenn er wärmer wäre, sogar noch mehr), aber ich mag nicht, was dann kommt. Diese Wochen, wo es kaum richtig hell wird, wo wir die vielen Gedenktage haben, wo uns die besonders fehlen, die wir verloren haben. Und es hilft überhaupt nicht, wenn andere schon vorzeitig die Adventsbeleuchtung anwerfen, weil die Dunkelheit in diesen Wochen nicht nur draußen herrscht, sondern auch in sehr vielen Menschen. 
Da ich eigentlich immer friere, hat mir mal ein Spaßvogel einen Spruch von Albert Camus geschickt: „Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.“
Temperaturtechnisch stimmt das leider nicht. Aber ich denke, dass es mit dem Licht so ähnlich sein könnte. Jesus hat einmal über sich selbst gesagt, er sei das Licht der Welt. Wer ihm nachfolge, werde nie wieder so sehr in der Dunkelheit sein, dass er kein Licht mehr sehen kann. Selbst die Nacht des Todes würde nie nur dunkel sein, sondern immer auch ein Hoffnungslicht in sich tragen.


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.10.2021 
Ohne angefangenes Buch fühle ich mich unvollständig. Ich werde sofort unruhig, wenn ein Buch ausgelesen ist und ich noch nicht weiß, welches ich als nächstes anfangen möchte. Ich kann nämlich nicht einfach eins aus dem Stapel ziehen. Es muss mich unwiderstehlich anziehen und mir eine ganze Welt voller Träume versprechen, wenn ich es öffne (es ist übrigens völlig egal, ob es ein „echtes“ Buch ist oder ein E-Book oder ein Hörbuch😉). 
Aber wieso mich das eine sofort in den Bann zieht und das andere nach drei Seiten ausscheidet, kann ich einfach nicht erklären. 
Die Verlegerin Felicitas von Lovenberg scheint meine Probleme zu teilen. Sie schrieb: „Für mich ist der Besuch von Buchhandlungen wirtschaftlich gefährlich. Weil ich die Tendenz habe, spontan zu Büchern zu greifen – und gar nicht weiß, warum.“ 
Glücklicherweise gibt es unsere gut sortierte Stadtbibliothek. Durch deren Besuch werden die wirtschaftlichen Folgen doch sehr abgemildert 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.10.21 
Dass Zeit nicht gleich Zeit ist, das wussten wir ja schon immer, weil eine Stunde Zahnarzt um ein Vielfaches länger ist, als eine Stunde Quatschen mit netten Leuten. 
Aber jetzt ist mir noch ein anderes Phänomen aufgefallen: Manchmal habe ich einen supervollen Kalender und diverse Stapel auf dem Schreibtisch, die mich vorwurfsvoll anschauen, und trotzdem ist abends alles erledigt und ich habe noch Lust was zu unternehmen. An anderen Tagen ist der Kalender nur entspannt gefüllt, aber abends sieht die To Do Liste noch exakt so aus wie morgens, und ich bin trotzdem total erledigt, weil ich den ganzen Tag die Stapel von einer Seite zur anderen sortiert habe. 
An beiden Tagen habe ich gleich viele Stunden gearbeitet, daran kann es also nicht liegen, oder? 
Zum Glück gibt es kluge Frauen 😉 Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin, Bücherliebhaberin, Vordenkerin und schon im 19. Jahrhundert eine überzeugte Gegnerin des Antisemitismus, war eine gute Beobachterin. Und so kam sie zu dem Schluss „Müde macht uns die Arbeit, die wir liegen lassen, nicht die, die wir tun.“ 
Wäre mir dieser Spruch doch schonmal im Wahlkampf begegnet😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.09.2021
Corona ist vorbei! Lasst uns wieder das Leben feiern!
Corona ist ein Fake, da wollte uns jemand Angst machen, um uns zu kontrollieren!
Lasst uns vorsichtig bleiben, denn Corona ist noch nicht vorbei!
Lasst uns zuhause bleiben, das Ganze ist noch längst nicht vorbei!
 
Aussagen nur allein von heute. Nichts scheint mehr klar zu sein. Selbst wissenschaftlich fundierte Texte werden unterschiedlich gelesen und interpretiert. 
Der Psychotherapeut und Philosoph Paul Watzlawick hat sich in seiner Forschungsarbeit unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie wirklich die Wirklichkeit ist. Seine Erkenntnis: Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist.
 
Ich wünsche mir Klarheit zurück und Erkenntnis, die hilft, Entscheidungen zu treffen und Haltung zu entwickeln. Das setzt natürlich voraus, dass wir die ganze Wahrheit über etwas kennen und nicht nur ein Teilstück. Aber was ist Wahrheit?


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.09.2021
„Kirche für Klima – Schöpfung bewahren“ – unter diesem Motto starten wir am Sonntag, dem 5. September, unser Themenjahr im Kirchenkreis.
Seit wir unsere Absicht bekannt gegeben haben, passieren zwei Dinge: Leute kommen auf uns zu und wollen mitarbeiten oder ihre Ideen bei uns unterbringen und Leute teilen uns mit, dass dieses Thema überholt und überflüssig ist und sich sowieso niemals etwas ändern wird.
Wir haben eine ganz einfache Lösung entwickelt😊auf letztere Aussagen hören wir nicht, dafür freuen wir uns über erstere und planen weiter an einem bunten Programm für die Zeit von September 2021 bis September 2022 mit ganz unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen, Vorträgen, Gottesdiensten und Mitmachaktionen. Wir wissen, dass wir keine Fachleute sind, deshalb haben wir kompetente Kooperationspartner eingeladen, mit denen wir uns auf den Weg machen. Wir wissen auch, dass wir mit diesem Jahr nicht die Welt retten. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen, wann dann?
Wer gerne mehr wissen möchte: www.kirchenkreis-lennep.de oder einfach bei mir nachfragen 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.08.21 
 
Erinnerungen sind so eine Sache! Aus den Ferien bringen wir Muscheln mit oder eine besondere Süßigkeit, irgendetwas, das uns an einen schönen Ort erinnert, an dem wir glücklich waren. Wir haben Selfies gemacht von uns an diesem Ort, damit wir nicht vergessen, wie sich das angefühlt hat in jenem Moment, als alles gut war. Erinnerungen bringen uns zurück an einen Ort. 
Aber genauso geht es auch mit den anderen Erinnerungen. Die, die uns alles noch einmal erleben lassen, die die schrecklichen Bilder wieder heraufbeschwören. Bilder von der Unwetterkatastrophe – die sind noch ganz frisch. Und ebenso frisch der Verlust der Kinderfotos, der Liebesbriefe, der alten Taschenuhr, die das Wasser mit fortgerissen hat. 
„Memories“ – Maroon 5 hat ein Lied über Erinnerungen geschrieben und darüber, dass immer beides zusammengehört. Die Erinnerungen rufen uns die schönsten und die schlimmsten Momente ins Gedächtnis. Daran können wir nichts ändern. Aber daran, wie wir mit den Erinnerungen umgehen. 
“Toast to the ones here today, toast to the ones that we lost on the way” – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören zusammen, machen unser Leben aus. 
Musikkritiker verrissen den Song, als er im September 2019 erschien. Da wussten wir noch nichts von Pandemien und Katastrophen – jedenfalls nicht bei uns. Jetzt ist uns beides nah. Der Song sei für alle, die die Erfahrung von Verlust gemacht haben, so die Band. Und für alle, die trotz und manchmal wegen der erlittenen Verluste wieder aufstehen und weitergehen. 
In der Bibel heißt Erinnern oft Gedenken. Aus dem Gedenken wachsen Dank und Tat. 
https://www.youtube.com/watch?v=SlPhMPnQ58k 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.08.21 
Wir haben in unserem Leben schon längst Avatare. Ganz unterschiedliche Formen künstlicher Intelligenz helfen uns, unseren Arbeitsalltag oder die Freizeit zu gestalten. Alexa macht uns Musik, künstliche Greifarme setzen Autotüren ein, Küchenmaschinen helfen beim Kochen, mit erdachten Figuren spielen wir uns durch virtuelle Welten auf immer neue Level. 
Nun gab es einen Radiobeitrag über die Möglichkeit, einen Avatar als Gesprächspartner zu entwickeln. Menschen, die wenige Kontakte haben, sich einsam fühlen, jemandem einfach mal etwas erzählen wollen, könnten von so einem Avatar profitieren, so die Hoffnung der Entwickler. 
Aber da gibt es ein Problem: die Avatare können nur empathisch sein. So wurden sie programmiert, weil unempathische Gesprächspartner meist keine Hilfe sind. Aber nun stimmen die Avatare ihrem Menschen einfach immer zu. Was wäre, wenn ich eine ehrliche Meinung brauche, um eine Entscheidungshilfe zu haben? Was wäre, wenn ein einsamer Mensch dem Avatar von seinen Suizidabsichten erzählt? Der Avatar würde wohl sagen: Das ist eine gute Idee. Du hast immer so gute Ideen. Mach das, das wird dir guttun! 
Ich bin dafür, dass an dieser Technik noch sehr lange gefeilt wird und habe lieber echte Freunde, die mir auch mal die Meinung sagen 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.08.2021 
Habt Ihr schonmal von Ley-Linien gehört? Der britische Hobby-Archäologe Alfred Watkins beschrieb erstmalig das Phänomen sogenannter Energielinien. Wissenschaftlich belegt ist das Phänomen nicht. Dennoch interessieren sich Menschen dafür und es ranken sich allerlei Mythen um diese Linien. Um sie herum sollen besondere Energien sprudeln, in ihrer Nähe sollen Menschen einen leichteren Zugang zu ihrer Intuition finden. Dort, wo sich Ley-Linien kreuzen, zum Beispiel am „Ippinger Riesen“ in Baden-Württemberg, soll eine erhöhte Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit zu spüren sein. 
Ich habe keine Ahnung, ob da etwas dran ist. Aber dass es Kraftorte gibt, davon bin ich überzeugt. Der Ehrenberg in Wuppertal ist so ein Ort für mich, obwohl da keinerlei Linien verlaufen – glaube ich jedenfalls. Aber es ist ein Ort, mit dem ich etwas verbinde, wo ich auftanken kann, wo sich die Gedanken sortieren und Ideen formen. Ich denke, jeder Mensch braucht so einen Ort – ob nun mit oder ohne mystischem Hintergrund 😉 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.07.21 
Kommunikation ist so eine Sache. Manchmal läuft alles super. Einer fängt ein Thema an und andere knüpfen an und ergänzen und diskutieren und finden kreative Lösungen. 
Manchmal läuft Kommunikation aber auch wie ein schlechtes Ping Pong Spiel: einer sagt etwas, der andere antwortet. Und dann fällt der Ball herunter und der andere hat wieder den Aufschlag. 
Alle, die in Arbeitskreisen und Teams unterwegs sind, kennen das vermutlich auch. 
Der Kommunikationsforscher Simon Sinek hat eine eigene Theorie zum Gelingen von Kommunikation in Gruppen aufgestellt. 
Er führt aus, dass eine wenig erfolgreiche Kommunikation meist von außen nach innen erfolgt. Sie startet beim „Was“, geht dann über zum „Wie“ und kommt schließlich zum „Warum“. 
Erfolgreicher wäre Kommunikation, wenn sie andersherum verliefe, also beim „Warum“ starten würde. 
Man komme schneller auf den Punkt, so Sinek, und könne sich manchmal die anderen Fragen gleich sparen. „Start with why“ – eine gute Anregung für die nächste Teamsitzung, finde ich 😉 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.07.2021 
Lese gerade ein Buch, das als Science Fiction begann, dann Polit-Thriller wurde und jetzt als Krimi zu enden scheint. Aber das Thema ist faszinierend: einer jungen Neurowissenschaftlerin ist es gelungen, Erinnerungen zu speichern und sie die Menschen wieder erleben zu lassen. Die Frau hat eine demenzkranke Mutter und möchte ihr gerne schöne Erinnerungen ihres Lebens bewahren und wieder zugänglich machen.  Und dann passiert das, was immer passiert: irgendjemand entdeckt das Ganze als Geschäftsmodell. Menschen bekommen plötzlich falsche Erinnerungen, die sie zur Verzweiflung treiben und in den Suizid. Vorher tun sie noch irgendetwas, dass ihnen mit der falschen Erinnerung mitgeliefert wurde und das natürlich jemand anderem nutzt. 
Gruselig! Das eine wie das andere, obwohl ich meinem demenzkranken Vater zu seinen Lebzeiten von Herzen die schönen Erinnerungen seines Lebens gegönnt hätte. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.07.2021
Die Bilder der letzten Tage lassen mich einfach nicht los. Unsere kleinen bergischen Rinnsale, die plötzlich ganze Zimmer mit sich reißen, Autos wie Spielzeuge durch die Straßen schieben, Existenzen überfluten und hilflose und fassungslose Menschen zurücklassen.
Gegen den Schrecken stemmt sich mit aller Gewalt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Das ist das Gute in all dem Furchtbaren.
Aber auch gut ist es, wenn Menschen jetzt einen klaren Kopf bewahren. Helfen ja, aber richtig! Nicht einfach in die Krisenregion fahren und die Einsatzkräfte dadurch behindern. Nicht einfach Möbel abstellen, weil zuerst die Häuser begutachtet, dann renoviert und erst dann wieder bezugsfertig gemacht werden können. Nicht einfach Kleidung abgeben, weil nicht alle alles verloren haben. Nicht einfach Lebensmittel vor den Haustüren abstellen, weil mancherorts noch kein Strom zum Kühlen da ist.
Und nicht traurig sein, wenn das, was man spenden möchte, gerade nicht gebraucht wird.
In unserer Gemeinde könnt Ihr Kleidung abholen und abgeben, wir versuchen Aufräumtrupps zu organisieren und trommeln handwerklich geschickte Menschen zusammen. Wenn etwas gebraucht wird, lasst es uns wissen, wir versuchen alles zu besorgen. Und wer einfach mal nur reden möchte, der findet bei uns ein offenes Ohr.
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.07.21 
Die Bestattungskultur hat sich in den letzten Jahren total verändert. Aber ob das alles so sinnvoll ist, was wir da an Neuem erfunden haben? 
Angehörige wünschen sich immer häufiger eine pflegearme Grabform (was verständlich ist, weil die Familie häufig nicht am Ort wohnt), dazu soll der Gottesdienst möglichst kurz und schmerzlos sein (kurz ist er sowieso, aber schmerzlos geht nicht, denn es fehlt ja nun einer oder eine) und die Musik soll nicht so traurig sein (was zwar geht, aber das Traurigsein nicht wegmacht, weil man ja traurig ist, wenn man einen Menschen beerdigt, den man gern hatte). 
Komme immer mehr dahin, dass es früher doch ganz gut war, wenn ausreichend Zeit war, um von dem Verstorbenen zuhause oder im Krankenhaus oder im Altenheim Abschied zu nehmen, wenn der Gottesdienst auch in aller Kürze doch etwas Würdevolles hat und das Leben, das gegangen ist, in den Mittelpunkt stellt und ihm an die Seite die Hoffnung, wegen der wir den Gottesdienst überhaupt feiern. Wenn Traurigsein und Weinen seinen Ort hat und wenn am nächsten Tag noch nicht wieder alles wie gewohnt laufen muss. Und manchmal hilft dann auch ein Ort auf einem Friedhof, zu dem man gehen kann. 
Und noch etwas: Kinder sind natürlich eingeladen mitzukommen. Die merken sowieso, dass etwas nicht stimmt und manchmal ist man dann selbst getröstet dadurch, denn Kinder haben einen ganz eigenen Bick auf den Tod. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.07.21 
„Alexa kann jetzt Kirche!“ – Schlagzeile am Wochenende im Kanal „Kirche und Social Media“. 
Die Alexa, die ich kenne, kann schon lange Kirche. 
Gemeint ist natürlich die zylinderförmige Box, die außer Bügeln und Boden wischen scheinbar alles kann. Bei uns wohnt sie allerdings nicht. Zu verstörend waren die Erlebnisse bei Freunden und Bekannten. Da mischte sich Alexa ungefragt in Diskussionen ein, wenn sie ein Stichwort aufgeschnappt hatte, zu dem sie ihren Senf dazugeben wollte. Auch fühle ich mich seltsam beobachtet von dem Teil. Wahrscheinlich registriert es, dass ich schon das dritte Stück Schokolade nasche. Sie belauscht uns, das Gefühl werde ich nicht los. 
Und jetzt kann sie also auch Kirche. Bin gespannt, welche Algorithmen da greifen. Offenbar hat sie noch konfessionelle Probleme. Wenn Ihr also Erfahrungen mit Alexa und der Kirche habt: ich warte gespannt auf Rückmeldungen (einziehen darf Alexa (oder gerne auch Alex) hier aber erst, wenn sie gelernt hat, Fenster zu putzen!). 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.06.21 
Vor genau 11 Monaten habe ich aufgehört jeden Tag meine Gedanken aufzuschreiben. Der Sommer war da und mit ihm eine Menge Lockerungen. Da war mir noch nicht klar, dass ich im November wieder im Lockdown sitzen und wieder mit Schreiben anfangen würde. Sieben Monate und 15 Tage später sieht es wieder nach Sommer und Lockerungen und Lockdown-Ende aus. Sind wir klüger geworden? Weiser? Haben wir dazugelernt und mehr Verständnis füreinander gewonnen? Werden wir an einer neuen Welt bauen oder wiederentdecken, was wir zurückließen? Werden wir im nächsten November wieder vor der Frage stehen, wieviel Einschränkung nötig ist? 
Meine Glaskugel macht Urlaub, ich habe keine Ahnung, was uns erwartet und ob wir uns als Gesellschaft verändert haben. Das wird die neue Freiheit zeigen, die wir nun zum Greifen nah haben und mit der wir hoffentlich vorsichtig umgehen werden, weil sie zerbrechlich ist. 
Ich werde Neues ausprobieren und ab und zu hier berichten – wie immer 😉 
Bleibt alle behütet! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.06.21 
Wusstet Ihr, dass man an der Impfeinstichstelle magnetisch wird? Wäre ungemein praktisch, wenn es so wäre, da könnte man seinen Schlüssel befestigen 😉 
Aber mal im Ernst: diese ganzen Fake News bringen uns nicht wirklich weiter. 
Ich halte es für nicht ganz unklug, den Wissenschaftlern ein Ohr zu gönnen, die tatsächlich zum Corona-Virus forschen und gesicherte Ergebnisse veröffentlichen. Dann kann man immer noch diskutieren über Sinnhaftigkeit von Maßnahmen oder den Wahrheitsgehalt alternativer Studien, aber solche Erkenntnisse wie den Magnetismus an Einstichstellen müssten dann nicht mehr die Internetforen füllen. 
Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim hat es ziemlich einfach auf den Punkt gebracht: „Das einzige Mittel gegen Desinformation ist verlässliche Information.“ 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.05.2021
Wie stellst du dir einen Engel vor???? Solche Fragen sind tricky, denn ich weiß nicht, was der Fragende erwartet, was er vielleicht hofft zu hören. Ich könnte in Anlehnung an unsere Weihnachtsengel von dem erzählen, der im Advent aufs Klavier umzieht und sich dort die Ohren zuhält.
Ich könnte erzählen, wie Abraham einmal drei Gestalten in seinem Zelt empfing, die ihm gute Nachrichten brachten. Ich könnte von der unsichtbaren Hand erzählen, die sanften Halt gab, als er gebraucht wurde.
Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort. Tina Willms schreibt: „Nicht jeder Engel ist eine Lichtgestalt. Manch einer steht auch im Schatten. Und erwartet am Rande des Tages den einen Menschen, der ihn braucht, auf dem Weg durch die Nacht.“ 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.06.21
Alle wollen Frieden! Trotzdem zerbricht überall der Frieden. In Nahost sehen wir das gerade wieder. Aber längst nicht nur dort gibt es brüchige Friedensabkommen, anhaltende Auseinandersetzungen, Ignorieren von Menschenrechten, Vertreibung von Minderheiten, Unterdrückung und Einschüchterung.
Wenn doch alle Frieden wollen und alle tatsächlich alle wären, dürfte es doch eigentlich nicht so schwer sein. Aber alle sind eben nicht alle.
Papst Franziskus wird in diesen Tagen immer wieder mit einem älteren Tweet zitiert: „Es kann keinen wahren Frieden geben, wenn jeder immer und nur sein eigenes gutes Recht einfordert und auf das Wohl des anderen nicht achtet.“ 
So ist es wohl! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.06.2021
Was für eine Tageslosung heute! Aus dem 33. Kapitel des Jesajabuches: „Der Herr ist unser Richter, der Herr ist unser Meister, der Herr ist unser König; der hilft uns! (Jesaja 33,22) 
Da spricht ein Volk in einer Notlage und besinnt sich darauf, welche Stärken ihm noch zur Verfügung stehen. 
Könnte ich das auch so sagen? Richter, Meister, König? Das wären nicht unbedingt meine Worte gewesen, wenn ich mein Gottesbild hätte beschreiben sollen. 
Andererseits: Gott soll Gerechtigkeit schaffen, gerade da, wo Menschen ungerechte Systeme produzieren. Gott soll mir Erkenntnis und Weisheit schenken, damit ich meine Zeit und Energie sinnvoll zum Wohl anderer einsetze. Gott soll der Maßstab meiner Wirklichkeit sein, als Orientierungshilfe im Durcheinander der Zeit. So ganz weit weg ist das Bild doch nicht. 
Am besten gefällt mir das Ausrufezeichen am Ende: Gott hilft uns! Da ist sich einer sicher. Auch wenn die Hilfe vielleicht manchmal anders aussieht als erwartet oder später kommt als gedacht. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.06.21 
„Beten ist auch Arbeit“, sagte einmal ein sehr alter Mann, den ich zum Geburtstag besucht hatte (damals, als wir noch Geburtstagsbesuche machen konnten 😉). 
Wieso Arbeit, fragte ich. Seine Antwort war eindrücklich: Weil wir nicht nur eben mal schnell „danke“ sagen sollten, wenn alles gut gelaufen ist, sondern auch dann mit Gott sprechen können, wenn scheinbar nichts Besonderes ist.  Einfach so, wie ein Ritual. Aber wird es dann nicht schnell Routine? So mein Gedanke. Aber dann fiel mir Daniel ein, der Prophet aus dem Alten Testament. Von ihm wird erzählt, dass er dreimal an jedem Tag in seinem Zimmer betete. Seine Gebete hatten Kraft und Tiefe, keine Spur von Routine. 
To Do für morgen: feste Gebetszeiten festlegen und ausprobieren 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.06.2021
„Beten bringt nichts!“ Das hat wohl jede/r schonmal gedacht. Klar, solche Bitten wie „lass die Ampel jetzt nicht rot werden“ sind nicht wirklich wichtig. Anders sieht es aus mit Fürbitten für andere, die nach einer Operation nur schwer wieder auf die Beine kommen, oder Gebete um das eigene Heil, das durch was auch immer bedroht ist. Wenn Gott solche Gebete hört, dann müssten sie ihn doch anrühren und zum Handeln bewegen.
Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard war da anderer Ansicht. Von ihm stammt dieser Ausspruch: „Das Gebet verändert nicht Gott, sondern den, der betet.“ 
Ich bin nicht sicher, ob das stimmt, aber ich werde daran denken, wenn ich das nächste Mal versucht bin zu sagen „Beten bringt nichts!“ 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.06.21 
Ein unbekannter Mensch hat ein Gegenmittel gegen ausgeprägtes Prokrastinieren gefunden: 
„Wer heute nicht aufbricht, kommt morgen nicht an!“ 
Leider logisch😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.06.21 
Am Samstag telefonierte ich mit Helga. Helga ist eine der guten Seelen aus der Kleiderstube und vermisst seit inzwischen mehr als einem Jahr (solange ist die Kleiderstube schon geschlossen) die Arbeit, die anderen guten Seelen, die mitarbeiten, und die vielen Kontakte, die sich meist ganz beiläufig ergeben und oft zu Herzen gehen – so wie diese Geschichte, die ich teilen darf: 
Als noch Kund*innen die Kleiderstube besuchen durften, war auch eine Mutter mit ihren Kindern gekommen – people of colour. Für Kinder stehen in der Kleiderstube Kisten mit Spielzeug, damit auch ihnen das Einkaufen Spaß macht. Während also die Mutter Kleidung heraussuchte, spielten die Kinder. Als alles gefunden, bezahlt und verpackt war, forderte die Mutter die Kinder auf, die Spielsachen wieder in die Kisten zu legen. Sie konnten sich sichtlich schwer trennen, taten es schließlich aber doch. 
Helga ging der traurige Blick der Kinder zu Herzen, sie nahm ein wenig von dem Spielzeug wieder aus der Kiste und schenkte es den Kindern. Das älteste Mädchen, acht oder neun Jahre alt, fragte Helga, warum sie denn so nett zu ihnen wäre. Helga antwortete, dass sie ja auch nett zu ihr gewesen wären. Warum sollte sie also nicht nett sein? Daraufhin ging das Mädchen zu Helga, umarmte sie und sagte leise „Danke!“ 
Wir hoffen sehr, dass wir bald die Kleiderstube wieder öffnen dürfen: für Begegnungen mit Menschen aller Hautfarben, aller Religionen, aller Herren (und Frauen) Länder! Sie alle können bei den vielen guten Seelen erfahren, dass es egal ist, wo sie herkommen, wie sie aussehen und an was sie glauben. In der Kleiderstube zählt nur, wie jemand ist. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.06.2021 
Die Poetry-Slamerin Jelena Herder hat mich mit ihrem Beitrag beim Ökumenischen Kirchentag sofort erreicht 😊 Wir (Christen) sind viele, wir sind Teil einer langen Geschichte. Und wenn Du heute mal gerade nicht glauben kannst, dann kann es ein anderer für Dich mit. 
Was für ein schöner und tröstlicher Gedanke! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
 von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.06.21
 Ich lese wahnsinnig gerne! Beim Lesen kann ich verreisen, andere Berufe ausprobieren, verrückte Sachen machen, Kriminalfälle lösen und vieles mehr.
 Und es macht mir gar nichts aus, ein Buch, das mich gefesselt hat, auch ein zweites, drittes und hundertstes Mal zu lesen.
 Und nun versteht mich endlich jemand! Diesen Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach habe ich im Netz gefunden:
 „Ein schönes Buch nicht wieder zu lesen, weil man es schon gelesen hat, das ist, als ob man einen teuren Freund nicht wieder besuchen würde, weil man ihn schon kennt.“ 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.06.2021 
Schöne neue Welt der Anglizismen 😉 
Wann ist man eigentlich „gesettled“? Dem Wortsinn nach heißt das „bodenständig sein“. Es kommt vom englischen Begriff "to settle down", sich niederlassen, oder – im übertragenen Sinne – in der Gesellschaft einrichten, beständig werden. 
Wann ist dieser Punkt wohl erreicht? Denke eher, dass wir flexibel bleiben müssen, was das angeht. Sicher, irgendwann sind Parameter wie Wohnort, Familie oder keine Familie, Beruf etc. festgelegt. Aber doch nicht für alle Zeiten. Es könnte ja auch sein, dass man aus irgendwelchen Gründen nochmal anders anfängt, sich neu „settled“. Und sich in der Gesellschaft einzurichten, das darf nicht heißen, dass man sich mit allem abfindet. Auch die Gesellschaft verändert sich und wir uns mit ihr und in ihr. 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.06.21 
„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So heißt es in Psalm 98,1. Spaßvögel merken dann gerne schonmal an: Singet dem Herrn ein NEUES Lied. Tatsächlich ist unser Gesangbuch, das in den Kirchen ausliegt und überall verwendet wird, eine Mischung aus Musik vieler Jahrhunderte. Natürlich klingen manche Texte heute seltsam oder Melodien lassen sich nur schwer singen. Aber auch die Lieder aus vergangenen Zeiten erzählen von Glaubenserfahrungen, aus denen wir heute lernen können. Trotzdem ist ja an der Kritik etwas dran: in unsere Gottesdienste (falls wir irgendwann mal wieder als Gemeinde singen dürfen😉) gehört eine Mischung aus alt und neu und auch ganz neu, denn wir wollen ja auch Lieder lernen, die es bisher noch nicht gab. 
Vor diesem Hintergrund klingt es komisch, dass gerade eine Gesangbuchreform angestoßen wurde mit dem Ziel, 2030 ein überarbeitetes Gesangbuch herauszubringen. Hoffentlich ist dann das neueste Lied nicht von 2020 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.06.21 
Wenn Fridays for future darauf hinweisen wollen, dass es zu langsam mit den Klimaschutzmaßnahmen vorangeht, dann sagen sie immer wieder, „es sei jetzt schon fünf nach zwölf“. 
Was damit gemeint ist, ist klar: es ist nicht mehr fünf vor zwölf, also allerhöchste Zeit, sondern eigentlich schon zu spät. Aber wo kommt diese Redewendung „fünf vor zwölf“ eigentlich her? Und warum nicht fünf vor sieben oder fünf vor drei? 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.06.21 
Sir Isaac Newton war alles Mögliche – beruflich gesehen. In der Sprache seiner Zeit war er Philosoph. Aber dahinter verbarg sich eine Fülle damals bekannter Künste: Naturwissenschaften, Theologie, Alchemie, Physik, Mathematik. Nach unserem Verständnis hatte er ein überwältigendes Wissen. Und wie hat er das gesehen? Er hat das so gesehen: Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean. 
Jede beantwortete Frage bringt neue Fragen auf – das ist Lernen 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.05.21 
Wir alle leben in unserer Bubble – den Satz habe ich schonmal gehört. Habe ihn ganz allgemein darauf bezogen, dass jeder Mensch seinen Aktionsraum hat und in diesen sein Leben einordnet. Und dass es vielleicht manchmal nicht ganz einfach ist, seine Bubble zu verlassen und in eine andere einzutauchen. 
Dieser Begriff der Bubble wird aber hauptsächlich für die Millenials verwendet. Die Generation Y ist ganz selbstverständlich mit Social Media und digitalem Network groß geworden. In ihrem Fall bedeutet Bubble dann auch, dass die Informationen, die sie bekommen, oder die Jobangebote oder die Tinder-Dates einem Algorithmus entspringen. Dann wird die Bubble zur Filterblase, die unter Umständen auch Wichtiges herausfiltert. Man muss schon aktiv immer auch einen Bubble-Ausgang im Blick haben, um gewissermaßen hinter die Kulissen schauen zu können. 
Klingt irgendwie logisch – und immerhin so beängstigend, dass wir alle unsere Bubbles ganz gut im Blick behalten und ab und zu den Blick in anderer Leute Bubble wagen sollten 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.05.21
Bei vielen Themen hat man doch mittlerweile das Gefühl, dass es weniger um die Sache als vielmehr um Macht geht, oder? Nicht nur auf dem politischen Parkett (obwohl der Gedanke ganz schön naheliegt😉).
Jeder behauptet sein Recht, pocht darauf, wird zunehmend unversöhnlich und immer weniger kompromiss- und gesprächsbereit. Natürlich spielt Corona dabei eine Rolle – alle werden immer dünnhäutiger und das ist auch verständlich. Trotzdem sollten wir alle aufpassen, denn Wikipedia erklärt „Macht“ SO:

Macht bezeichnet die Fähigkeit einer Person oder Gruppe, auf das Denken und Verhalten einzelner Personen, sozialer Gruppen oder Bevölkerungsteile so einzuwirken, dass diese sich ihren Ansichten oder Wünschen unterordnen und entsprechend verhalten. 

Wäre es nicht viel besser, wenn es uns gelänge, im Konsens Lösungen zu finden? Ich will nicht, dass sich jemand meinem Denken unterordnet. Ich möchte über meine Gedanken mit anderen diskutieren und dann möglicherweise auch von meinem Gedanken absehen und einem anderen Gedanken des Vorzug geben, weil ich an Erkenntnis gewonnen habe😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.05.21 
Wie kommen wir Menschen eigentlich darauf, dass Schafe dumm sind? Wissenschaftlich ist das nicht nachgewiesen. Alle, die mit Schafen zu tun haben, sagen ebenfalls, dass es keinen Hinweis darauf gäbe. Es gibt eben kluge und weniger kluge Schafe, aber dass sie generell dumm wären, das ist ein Gerücht. 
Und mit dem räumt die Schriftstellerin Leonie Swann gewaltig auf. In ihrem Roman „Glennkill“ spielt eine Schafherde die Hauptrolle und klärt mit Finesse und Weisheit den Mord an ihrem Schäfer George auf. Und ganz nebenbei bekommt man beim Lesen Einblicke in das Denken der Schafe. Sie halten die Menschen für ziemlich dumm, weil die nie als Herde denken, sondern jeder für sich eigene Ziele verfolgt, wobei dann mancher auf der Strecke bleibt. Am Ende steht ein wahrhaft genialer Gedanke: sie, die Schafe, haben es immer nur mit einem sichtbaren Wolf zu tun. Den kann man bekämpfen, wenn man zusammenhält. Aber die Menschen haben alle einen Wolf in sich. Den können sie nicht sehen und deshalb auch nur schwer bekämpfen. Arme Menschen! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.05.21
Kennt Ihr das auch? Wenn man sich wegen etwas Sorgen macht, dann drängeln sich die Sorgen durch jeden schönen Gedanken. Sie lassen einen nachts schlechter schlafen und tagsüber das Schöne weniger genießen.
Der chinesische Philosoph Laotse hatte da einen Gegenmaßnahme:
„Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für deine Sorgen – und in dieser Zeit mache ein Schläfchen.“ 
Erster Eindruck: Da nimmt einer meine Sorgen nicht ernst! 
Zweiter Eindruck: Wenn ich ausgeruht bin, kann ich besser mit schwierigen Situationen umgehen😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.05.21 
Wenn ich mich gerade so umschaue, was hier bei uns und in der Welt los ist, dann wird mir ein bisschen sehr flau. Lockern um jeden Preis könnte unsere Erfolge bei der Bekämpfung der Pandemie gefährden. Eine allzu schnelle Rückkehr zur „Normalität“ könnte verhindern, dass wir ernsthaft in Angriff nehmen, die Welt in eine gerechtere und friedlichere und sicherere umzubauen. Wenn wir wieder alles tun und lassen können, wird uns der Klimaschutz nicht mehr ganz so wichtig sein. 
Und für nichts gibt es einfache Lösungen. Nur eines scheint mir völlig klar zu sein: 
Für Diktatoren haben wir keine Zeit mehr! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.05.21 
#Pfingsten 
#Geist 
#Begeisterung 
#???????? 
Gott=Schöpfer, Vater, Hirte, Allmächtiger, Barmherziger 
Sohn= Lehrer, Meister, Rabbi, Krippenkind 
Geist= 
Mit dem Geist Gottes tun wir uns schwer. Also nicht theologisch, sondern lebenspraktisch, glaubenstechnisch. 
Meine liebste Deutung: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7) 
Und manchmal ist es auch der Geist der Nachdenklichkeit, der Geduld, der Vorsicht, der Zurückhaltung, der Ideen, des Mutes, des Aufbruchs……….Geist ist Bewegung und Überraschung und Geschenk! 
Euch allen gesegnete Pfingsten 😊 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.05.21 
Wir wollen alle so alt wie möglich werden und dabei so gesund wie möglich bleiben. Verständlich! 
Nun hat sich die Journalistin Sophie von der Tann mit der Frage beschäftigt, was denn wäre, wenn wir alle unsterblich würden? Nicht als Fantasy- oder SciFi-Realität, sondern ganz normal und jeder? 
Sie hat ein paar Fragen formuliert, die zu einem Gedankenexperiment einladen: Werden wir mit künstlichen Organen leben? Wird uns nie langweilig werden? Wandert unsere Seele ins Digitale? Schaffen wir uns neue Realitäten? 
Die Frage, die sich mir gerade stellt: Würden wir wissen wollen, was auf uns zukommt? 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.05.21 
Pfingsten wird wohl auch in diesem Jahr anders gefeiert werden müssen. Wir verzichten zur Zeit noch größtenteils auf Präsenzgottesdienste, aber natürlich gibt es auch diesmal ganz unterschiedliche Alternativen: Am Pfingstsonntag ist ein aufgezeichneter Gottesdienst aus der Pauluskirche zu sehen und am Pfingstmontag gibt es einen Zoom-Gottesdienst, den alle Remscheider Gemeinden gemeinsam feiern (Link dazu auf allen Gemeinde-Homepages oder bei mir zu erfragen). 
Wer weniger digital unterwegs ist, könnte Sonntag und Montag einen Gottesdienstspaziergang rund um den neuen Lindenhof, Honsberger Str. 38, machen. Dort wird an beiden Tagen ein Gottesdienst für groß und klein an sieben Stationen zu finden sein. Coronakonform müsst Ihr bitte eine Maske tragen und mit einem Haushalt plus maximal einer Person unterwegs sein. 
Die Pfingstgeschichte erzählt von dem, was verbindet, und nicht von dem, was trennt. In diesem Jahr höre ich das vor dem Hintergrund der coronabedingten Spaltungen in unserer Gesellschaft, mit den Eindrücken des Krieges im Nahen Osten und den unversöhnlichen politischen Haltungen in Zukunftsfragen, die mir allesamt große Sorgen machen. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.05.21
Segler wissen das schon längst 😉 Aber für uns andere ist das wohl auch eine kluge Lebensweisheit, die von Aristoteles überliefert ist: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ 
Ein Spruch gegen allzu gemütliches Einrichten im Gewohnten und für schnelleres Reagieren auf das, was gerade in der Welt und in unserem Leben passiert. 
Wir müssen uns das auch als Kirchengemeinde neu auf die Fahne schreiben, denn im Augenblick weht der Wind von allen Seiten und die Segel müssen mit Sorgfalt so gesetzt werden, dass sie uns weiterbringen. Seid Ihr dabei? 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.05.21 
Sprach kürzlich mit jemandem, der, genau wie ich, gerne Konzerte besucht oder Kleinkunstbühnen oder Theateraufführungen. Die Situation von Künstler*innen macht allen zu schaffen, die deren Kunst vor Corona gerne genossen haben. Aber leider kann man ja nichts tun, so schloss das Gespräch mit einem resignierten Ausspruch. 
Ich glaube, wir können sehr wohl etwas tun. Wir können, wenn wir es uns selbst im Moment leisten können, unsere Abos behalten. Wir können, wenn es wieder möglich ist, öfter ins Konzert gehen als bisher. Wir könnten Karten für schöne Theateraufführungen in der Familie verschenken. Wenn das viele machen, dann ist es für jeden Einzelnen nicht zu viel, aber in der Anzahl wäre es ein deutliches Zeichen, dass uns Kunst und Musik wirklich wichtig ist! 



 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.05.2021 

Wer Kinder hat, kennt das: Verlieren muss man lernen. Beim Brettspiel als letzter ins Ziel gehen und dann das Brett genervt durch die Luft werfen, gefolgt von Wutausbrüchen und Türenknallen 😉- das ist nervig, aber ein wichtiger Lernprozess. Andere sind eben manchmal einfach besser in diesem oder jenem oder am Sonntag besser als am Dienstag oder wie auch immer. Manchmal ist Verlieren ein Ansporn, um mehr zu lernen. Aber manchmal ist es auch einfach Glückssache oder Tagesform, ob einem etwas gelingt oder nicht. Kinder lernen im Spiel mit der Familie oder in der KiTa, dass Verlieren dazugehört und nichts mit dem persönlichen Wert zu tun hat. 

Erwachsene tun sich schwerer damit. Erstaunlich oft hat man es doch mit „schlechten Verlierern“ zu tun. Menschen, die einfach nicht verkraften können, dass ihre Idee nicht umgesetzt wird, sondern die vom Kollegen, der erst so kurz in der Firma ist. (Wahrscheinlich fallen euch Beispiele ganz anderer Art ein 😊). Wie viel einfacher wäre unsere Welt, wenn es keine schlechten Verlierer mehr gäbe, sondern Menschen, die sich mit anderen freuen, wenn denen etwas gelingt? 

 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.05.21 
Wann immer auf der Facebookseite der Stadt Remscheid ein Post zum Thema „Impfen“, „Corona“ oder „Testen“ erscheint, stehen sie darunter: die Kommentare der Menschen, die einfach Fakten leugnen. 
Mein liebstes Beispiel: Je mehr wir testen, desto mehr Infizierte haben wir. Deshalb muss das Testen eingestellt werden. 
Ersteres stimmt, weil mehr Infizierte entdeckt werden, wenn wir mehr testen. Letzteres ist aber Quatsch, denn die Tests helfen, symptomlose Infizierte davon abzuhalten, andere anzustecken. 
Hin und wieder schreibt das auch mal jemand in die Kommentare, aber dann lautet die Antwort: Warum sollte ich beweisen müssen, dass ich gesund bin? 
Sorry, aber da komme ich einfach nicht mehr mit 😉 


  

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.05.21 

In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth hat Paulus eine Menge komplizierter Sätze formuliert. Aber einer spricht mir als Urban Gardening Fan im kalten Frühjahr aus der Seele. Als ich die Tageslosung heute las, musste ich sofort an meinen Pflücksalat denken, der trotz Nachtfrösten, vergessener Gießung und nicht aufgelockertem Boden wunderbar aussieht und nun in die Salatschüssel wandern kann. 

Und das hat Paulus geschrieben: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.“ (1. Korinther 3,6) 

Im Garten sehen wir, dass wir aus uns alleine heraus nie alles schaffen können 😊 



 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.05.21
Hineh ma tov uma naim schewet achim gam jachad, hineh ma tov schevet achim gam jachad.
Schön ist’s, wenn Brüder und Schwestern friedlich beisammen wohnen. In Gemeinschaft finden wir Gottes Frieden. (Dieter Trautwein nach Psalm 133,1) 
 
Bevor wir unser Urteil über den Konflikt in Israel und Palästina fällen: Wie schwer fällt es bisweilen schon in unseren Familien und Gemeinden, an Arbeitsplätzen und in Freundeskreisen, Schwestern und Brüder friedlich beisammen zu halten! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.05.21
In biblischen Geschichten ist immer wieder die Rede davon, dass ein Bund geschlossen wird, zum Beispiel zwischen Gott und Noah oder zwischen Gott und dem Volk Israel. Ein Bundesschluss zwischen ungleichen Partnern also, deshalb wird ein Bund von Gott eingesetzt.
In den „Losungen für junge Leute“ gibt es eine schöne Definition, was es bedeutet, wenn ein Bund geschlossen wird:
B edingungslos
U nauflöslich
N ichtsdestotrotz
D azugehörig 
Ob wir den Bund eingehen, liegt allein bei uns! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.05.21 
Der Stadtteil Honsberg hat schon wieder etwas Neues 😉 Eine Urbane Nachbarschaft! 
Sogenannte „urban neighborhood“-Projekte entstehen gerade in vielen Städten. Sie stehen dem Wortsinn nach zunächst einfach für urbane Stadtviertel. 
Die Montagsstiftung hat für den Honsberg eine gemeinnützige Projektgesellschaft gegründet, die diesen Begriff mit Leben füllen soll. Ziel ist, zu einer „sozial behutsamen und chancengerechten Stadtteilentwicklung“ beizutragen. Gemeint ist eine sozialverträgliche Wirtschaftsweise, bei der das Wohl der Menschen und nicht ökonomischer Gewinn im Vordergrund steht, so heißt es auf der Website des neuen Projektes. Wir als Stadtkirchengemeinde sind Teil dieser urban neighborhood und gespannt, wie sich das Projekt im Faktencheck darstellt 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.05.21 
Was ist eigentlich Heimat? Im Gemeinschaftshaus „Neuer Lindenhof“ ist das immer wieder ein Thema. Heimat hat mit Identifikation zu tun. Aber auch mit den Menschen, die an einem Ort leben, mit Familie und den eigenen Wurzeln, mit dem inneren Bild von einem Zuhause oder dem Sehnsuchtsort der Kindheit. Je nachdem, wen man in welcher Lebensphase danach fragt, die Antwort fällt immer anders aus. Nur eines ist immer gleich: Der Begriff „Heimat“ verweist auf eine Beziehung zwischen einem Menschen und einem Raum. 
Unter dem Aspekt lese ich einen Vers aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi noch einmal ganz neu: Unsere Heimat aber ist im Himmel (Philipper 3,20). Wenn Heimat ein Beziehungsgeschehen ist, dann kann ich das auch weiter fassen. Dann gibt es einen Raum, aus dem ich in die Welt gekommen bin und in diesen Raum kehre ich auch wieder zurück. Das heißt dann aber auch, dass ich nie verloren gehe und heimatlos werde. Hm, sehr philosophisch heute 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.05.21 
„Die Zukunft hängt davon ab, was du heute tust!  Dieser Satz wird dem Rechtsanwalt und Publizisten Mahatma Gandhi zugesprochen. 
Mir ist der Spruch in die Hände gefallen und mein erster Gedanke: Das trifft so sehr auf unseren Umgang mit der Corona-Pandemie zu (die fällt einem eben in diesen Wochen immer als erstes ein😉). 
Aber dann kamen mir immer mehr Beispiele, auf die der Satz so unglaublich zutrifft: Unser Umgang mit den Klimazielen, eine Stärkung der Beschäftigten im Gesundheitssystem, eine gesündere Ernährung…..Beispiele im Großen, wie im Kleinen. 
Was tue ich heute? Was tut ihr heute? 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.05.21 
Eigentlich doch ein Unding, was Jesus da verlangt. Weiß er nicht, wie sich das anfühlt? Der versteht uns doch gar nicht! Trotzdem sagt er dies: „Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“ 
Ich habe keine Ahnung, ob mich schonmal jemand verflucht hat, aber ich weiß, wie schwer es fällt, jemandem Gutes zu wünschen, der einen sehr verletzt hat. 
Martin Luther King hatte sich mit seinem unermüdlichen Einsatz für die Rechte Schwarzer in den USA nicht gerade Freunde gemacht. Aber er interpretierte Jesus‘ Satz so für sich: „Liebe ist die einzige Kraft, die einen Feind in einen Freund verwandelt.“ 
Ob das stimmt, kann man nur herausfinden, indem man es ausprobiert. 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.05.21 
Der Schriftsteller Max Frisch hat einmal dies gesagt: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ 
Mal auf Pandemie übertragen, was könnte das für uns heißen? Als Gemeinde sehe ich uns in der Verantwortung, die zu unterstützen, die die Pandemie in den Griff bekommen wollen. Ja, es ist nicht schön, dass vieles gerade nicht geht, aber wichtiger ist, dass nicht noch mehr Menschen erkranken und sterben, dass nicht noch mehr Existenzen zerstört werden und dass wir nicht vergessen, dass wir aus der Krise auch lernen können für die Welt von morgen und übermorgen. Und nach den Diskussionen über mehr Freiheiten für Geimpfte sollten wir unseren Zusammenhalt nicht aus den Augen verlieren. Auch das droht gerade, wenn ich mir die Kommentare in den sozialen Medien anschaue. Noch ein wenig Geduld – das bekommen wir doch hin 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.05.21 
Herzlichen Glückwunsch, Anna-Nicole Heinrich, zur Wahl ins Präsesamt der EKD-Synode! 
Ein mutiger Schritt und ein deutliches Zeichen in Richtung Veränderung. Evangelische Kirche muss sich verändern – das sagen gerade alle. Aber die meisten tun sich schon schwer mit allerkleinsten Veränderungsversuchen. 
Menschen der jungen Generation in die Gremienarbeit und in Leitungsaufgaben einzubeziehen, wird langfristig dazu beitragen, dass mehr junge Menschen sich in „ihrer“ Kirche wiederfinden können. 
Es ist ja nicht so, dass wir „Alten“ da in jeder Hinsicht nur blühende Landschaften hinterlassen würden. 
Die Junge Generation sollte nicht nur mitmachen und Angebote nutzen dürfen, sondern mitentscheiden und selbst entwickeln, damit Kirche lebendig und offen und wahrhaftig bleibt. Und wir „in Amt und Würden“ sollten das tatkräftig unterstützen und fördern, sonst machen wir bald das Licht aus! 
 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.05.21 
Mein Großvater erzählte, anders als andere seiner Generation, oft vom Krieg. Er war im ersten Weltkrieg in Frankreich gewesen. Seine Erzählungen ließen keinen Zweifel daran, wie er darüber dachte: So etwas darf nie wieder geschehen! Als er mir das sagte, war der zweite Weltkrieg längst dennoch geschehen und unzählige andere Kriege ebenso. Trotzdem! Ich habe diese Mahnung nie vergessen, denn er beendete seine Erzählungen immer mit dem einzigartigen Moment, den er in den 60er Jahren auf einem Soldatenfriedhof in Verdun erlebt hatte: während er vor den unzähligen Kreuzen stand, kam ein Franzose auf ihn zu, hielt ihm die Hand hin und sagte, im Krieg seien sie Feinde gewesen, aber nun seien sie Freunde. Mein Großvater sprach gut Französisch, er wiederholte diesen einen Satz bis zu seinem Lebensende immer wieder. Versöhnung ist möglich und Krieg ist keine Lösung – so einfach und doch so schwer. Auf jeden Fall alternativlos! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.05.21 
Komme gerade aus Lennep zurück. Der Autotemperaturanzeiger sagt, dass wir 3 Grad haben. Das alleine ist für Anfang Mai schon etwas verstörend. Mehr verstörend ist allerdings der Schnee auf der Windschutzscheibe. Und noch verstörender ist die Meldung im Radio, dass es in 48 Stunden 24 Grad wärmer sein wird! 
Nicht, dass ich mich über zu viel Wärme beschweren möchte, aber das kommt doch jetzt recht plötzlich, so von Ugg Boots zu Bikini in zwei Tagen 😉 
Was ich mir allerdings dringend wünsche: dass die Wärme wieder mehr Leichtigkeit in unser Leben bringt, mehr Lust aufs Handeln und mehr Liebenswürdigkeit im Umgang miteinander. Dann würden nicht nur die kalten Füße wieder warm, sondern auch das Herz 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.05.21 
„Der Herr festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt.“ (Psalm 37,23) 
Das ist genau die Art von biblischen Aussagen, die so vielen Menschen Kopfzerbrechen machen oder auch Kopfschütteln auslösen. Ein Gott, der nur dann zu mir steht, wenn ich tue, was er gut findet????? Das ist eine Form schwarzer Pädagogik, die sofort Widerspruch auslöst. 
Wie schön also, dass unsere heutige Tageslosung noch den nächsten Vers dazu genommen hat, denn der klärt auf: „Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der Herr stützt seine Hand.“ (Psalm 37,24) 
 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.05.21 
Mehr Freiheiten für Geimpfte!? Ich bin gerade sehr zwiespältig gestimmt im Bezug auf dieses Thema. Einerseits logisch, dass diejenigen Grundrechte zurückerhalten, wenn von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. Andererseits haben wir gerade erneut Infizierte unter den Geimpften in Altenheimen, wo niemand so genau weiß, warum eigentlich. Auch Virologen mahnen zu umsichtigem Vorgehen. 
Und dann ist da noch die ganz andere Frage: Was ist mit den jungen, mobilen Menschen, die noch keine Chance aufs Impfranking hatten? Wäre nicht jetzt Solidarität der Älteren mit den Jüngeren gefragt? Sie sind es doch, die wieder Clubs und Bars besuchen würden, die Auslandsjahre planen und die Welt bereisen wollen. Eigentlich wären die doch jetzt auch mal dran. Dann allerdings wäre das wieder ein Nachteil für Gastronomen und Ladeninhaber u.a., die mit dem Öffnen warten müssten, bis die Jungen geimpft sind. Hm, schwierige Fragen! Möchte gerade auch keine Politikerin sein. Werde deshalb klaglos alle Entscheidungen mittragen. Wenn A und B gleichermaßen schlecht sind, C aber nicht zur Verfügung steht, dann muss es manchmal eben A oder B sein😉 Und wir müssen das bestmögliche aus A oder B machen! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.05.21 
Die Möglichkeit zum Protestieren gegen etwas, das man aus tiefster Überzeugung für falsch hält – das ist ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie. 
Dass die Veränderungen am Infektionsschutzgesetz heftig diskutiert wurden und immer noch werden, das ist gut und wichtig. Es müssen alle Fragen auf den Tisch und alle Argumente ebenso. Dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen dagegen protestieren, das ist ihr gutes Recht. So funktioniert Demokratie! 
Und genau deshalb irritiert es mich, dass immer wieder für Frieden, Freiheit und Demokratie demonstriert wird. Wir leben sicher nicht im Paradies und es gibt vieles zu verbessern, aber wir leben im Frieden und in Freiheit und dass jeder Mensch alles sagen kann, was ihm in den Sinn kommt, zeigt, dass wir definitiv in einer Demokratie leben. Worum geht es euch wirklich? Ich möchte das verstehen, aber es gelingt mir nicht! 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.05.21

Nun ist es auch bei uns auf dem Hasten passiert: Unbekannte haben sich an Gräbern zu schaffen gemacht und Gedenktafeln und Blumenschmuck entfernt.

Das kommt immer wieder und überall vor und hat verschiedene Motivationen: Antisemitismus oder eine Mutprobe oder eine gezielte Racheaktion noch über den Tod hinaus oder einfach die Lust am Zerstören.

In unserem Fall sind alle Baumgräber betroffen, aber kein anderes, „normales“ Grab. Was soll uns das sagen? War da jemand gegen diese Art der Bestattung? Oder gegen Namensschilder? Oder hatte jemand Langeweile?

Aus der Perspektive der betroffenen Familien ist gerade das Entfernen der Namensschilder schmerzhaft. Das Grab steht für einen besonderen Menschen, der geliebt wurde und Spuren im Leben anderer hinterlassen hat. Seinen Namen zu lesen und zu wissen, wo er begraben wurde, gibt vielen Trost und einen wichtigen Anlaufpunkt in der Trauer. Wird der Name entfernt, ist das mehr als das unerlaubte Abmontieren einer Gedenktafel: es ist das symbolische Auslöschen einer Lebensgeschichte. 

Erklärt uns bitte, was das soll? Wir verstehen es nicht!

 

 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.05.21 
Ich habe ein schönes, neues Wort gelernt: Topophilia! 
Ich hatte keine Ahnung, dass das Wort existiert und ich wusste schon gar nicht, was es bedeutet, aber ich habe eine ausgeprägte Topophilia 😉 
Dem Wortsinn nach ist Topophilia die Liebe zu einem Ort. Klingt seltsam, kennt aber wahrscheinlich jeder. Es gibt Orte, die uns stressen, an denen wir uns nicht gerne aufhalten. Urlaubsorte, die wir nie wieder besuchen würden, Wohnungen, die bei der Suche sofort ausgeschlossen werden. Und auf der anderen Seite gibt es Orte, die uns sofort ansprechen, die etwas in uns zum Schwingen bringen, die uns Leichtigkeit und Lebensfreude vermitteln. Sehnsuchtsorte, sagen wir dann manchmal. Ich habe solche Orte im Kopf. Und zum Glück auch zuhause😊Wenn es zu stressig oder doof wird, dann suche ich diese Orte auf – in Gedanken oder tatsächlich. Forscher haben sich nun mit diesem Phänomen beschäftigt und schlagen vor, den sogenannten Topophilia-Effekt bei der Stadtplanung anzuwenden. Wir sollten diese Forschergruppe mal auf die Alleestraße einladen! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.05.21 
Der Schriftsteller Max Mannheimer war Shoah-Überlebender. Überlebt hatte er Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und fast seine gesamte Familie. In seinen Werken ist er Mahner geblieben. Für uns! 
Hier ein Zitat von ihm: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ 
Ja, das sind wir! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.04.21 
Wie oft habe ich DAS schon gehört! 😉 Wer an Gott glaubt, der muss ganz streng Gebote befolgen!!!! 
Zunächst mal: niemand muss irgendetwas. Wer an Gott glaubt, hinterfragt, was er tut, so wie viele andere Menschen auch. Aber er hinterfragt manchmal tatsächlich die Dinge im Licht der Gebote. 
Denn die lauten nicht: „Du musst“ und „du darfst nicht“, sondern sind als Angebote zu einem guten Miteinander gedacht. Man könnte sie nämlich beispielsweise auch mal so lesen: Die Gebote bewahren dich davor, andere zu verletzen. Sie verhindern, dass du nur auf deinen eigenen Vorteil schaust. Sie ermutigen dich, versöhnlich zu sein und nicht nachtragend. Sie bewahren dich davor, undankbar und ungerecht zu sein. Am besten zusammengefasst hat das ganze Thema allerdings Jesus: Geht so mit anderen um, wie ihr wollt, dass mit euch umgegangen wird! Klingt total logisch (und ist nicht ganz so leicht, wie es sich liest😉) 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.04.21 
Gleich am Anfang der Menschheit geht es los, so erzählt es das erste Buch der Bibel. Die Menschen wollen sich nicht gängeln lassen, wollen selbst entscheiden, was für sie gut und richtig ist. Wir kennen die Geschichte und bezeichnen sie oft als „den Sündenfall“. 
Viel spannender finde ich eine kleine Frage, die in dieser Geschichte auftaucht. Gott fragt Adam: Wo bist du? Adam ist kein einzelner Mensch, denke ich. Er steht für die Menschheit, die alles selbst in die Hand nimmt und sich dann versteckt, keine Verantwortung übernehmen will und die Schuld auf andere abschiebt. Das ist wohl menschlich und kann jedem passieren. 
Wo bist du? Eigentlich will ich doch dann gesehen werden, wenn mir bewusst ist, dass ich nicht gerade genial gehandelt habe. Ich will doch, dass einer weiß, wie es wirklich in mir aussieht. Ich will doch, dass mir einer die Last von den Schultern nimmt und mir einen neuen Anfang schenkt. Wo bist du? Ich möchte gehört, gesehen und gefunden werden. Und dann wieder auf den Weg geschickt werden, diesmal auf einen anderen. 



 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.04.21 
„Behindert sagt man nicht“, so wies vor ein paar Tagen eine Mutter ihre Tochter zurecht, die sich über irgendetwas aufgeregt hatte mit den Worten „das ist doch wohl echt behindert“. 
Ist das so? Sagt man „behindert“ nicht? Ich würde sagen, der Einwand der Mutter war berechtigt, weil mit dem Wort etwas oder jemand ganz offensichtlich schlecht gemacht werden sollte. Aber das Wort an sich drückt etwas aus, dass sich schlecht umschreiben lässt. Mit einiger Überraschung las ich nun ein Interview, in dem Menschen, die gemeinhin mit „behindert“ bezeichnet werden, wie sie selbst das sehen. Behinderung, so sagte eine junge Frau, sei kein rein individuelles Geschehen, sondern auch ein soziales. Menschen sind durch bestimmte körperliche oder geistige Merkmale in Bewegungen oder kognitiven Leistungen oder Wahrnehmungen behindert. Aber die Gesellschaft behindert nun wiederum diese Menschen, indem sie eine Welt schafft, in der beispielsweise Bordsteinkanten zu unüberwindlichen Mauern und Bandwurmsätze zu unverständlichem Durcheinander werden. Das Wort allein ist nicht schlimm. Aber wenn wir es benutzen, um die Welt in „die“ und „wir“ zu unterteilen, dann schon! Besonders schön fand ich die Aussage eines Kindes mit einer angeborenen Sehschwäche: Ich kann nur schlecht sehen, andere wollen nicht sehen! Recht hat sie!!! 

 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.04.21 
Ich bin ein großer Fan vom Urban Gardening Konzept😉 Gemüse auf der Terrasse, Himbeeren vor der Tür, kleine Tomatensetzlinge auf der Fensterbank und noch ein paar Zucchinipflanzen auf einer anderen Fensterbank. Gewachsen sind sie in den letzten Tagen. Aber jetzt kommt etwas auf mich zu, das ich gar nicht mag. Die Pflänzchen müssen pikiert werden, vereinzelt, damit die jeweils stärksten Pflanzen genug Nährstoffe, Licht und Luft zum Weiterwachsen haben. Mir tun die Pflänzchen leid, die nicht stark genug sind. Letztes Jahr habe ich versucht alle zu retten, aber es hat nicht funktioniert. Die Natur tut, was sie eben tut. 
Aber wir Menschen können anders mit Schwäche und Stärke umgehen. Was des einen Schwäche ist, kann des anderen Stärke sein. Wo einer schwach ist, wurde er vielleicht nicht genug gefördert. Wo eine stark ist, hat sie vielleicht einfach ein Talent in die Wiege gelegt bekommen. 
In meinem Tomatenbeet siegt die stärkere Tomate. In meinem Leben darf alles vorkommen. Menschen sind immer beides: mal stark, mal schwach. Und zwar alle! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.04.21 
Heute steht die nächste Bund-Länder-Runde an. Unter anderem wird darüber diskutiert, ob es mehr Rechte für Geimpfte geben soll. Ich kann nachvollziehen, dass dieses Thema heftig umstritten ist. Es wirkt wie eine Impfpflicht durch die Hintertür, die doch eigentlich gerade nicht kommen sollte. Andererseits gehen mir die Bilder vom Wochenende aus Indien nicht mehr aus dem Kopf. So sieht es also aus, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht, wenn Menschen keine Chance haben sich auf Abstand zu halten, wenn kein Impfangebot für alle in Sicht ist. 
Wir haben all diese Chancen und tun uns so schwer damit, sie auch zu nutzen. Die Impfung schützt nicht nur mich, sondern auch andere. Ich würde mir wünschen, dass alle diese Chance nutzen, die es können, damit die, die sich aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht impfen lassen können, besser geschützt sind. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.04.21 
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ 
Das ist der Wochenspruch für den heutigen Sonntag aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth. Soweit wir wissen, waren die Korinther ganz schön zerstritten. Sie diskutierten darüber, wie Glaube „richtig“ gelebt wird, wer ein „echter“ Apostel ist, wer zur Gemeinde dazugehört und wer nicht und über tausend andere Dinge. Eine ganz normale Gemeinde eben😉 
Ich frage mich deshalb, wie wohl die Korinther diesen Satz in ihrem Brief empfunden haben. Haben sie wohl an ein neues Gewand gedacht, das sie mit ihrem Glauben übergestreift haben? Der alte Mensch ist nicht mehr sichtbar, der neue Mensch zeigt sein Gesicht der Welt? Oder ging die Veränderung tiefer, weil mit dem neuen Glauben sich der Blick auf sich selbst und die Welt verändert hatte? Wie hören wir heute diesen Satz? Hat uns Ostern verändert? Oder sind wir bei uns geblieben? Welches Gewand zeigen wir der Welt und was steckt darunter? Spannende Fragen, finde ich 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.04.21 
Als Kind war ich vermutlich eher Annika, wäre aber sehr gerne mehr Pippi gewesen 😉 
Die Villa Kunterbunt als Zuhause, ein Pferd auf der Terrasse und ein Äffchen als Haustier, keine Schule und Spaghetti mit der Schere abschneiden – welches Kind wäre da nicht gerne ein Mitglied der Langstrumpf-Familie gewesen. 
Die meisten von uns waren trotzdem eher Annika oder Thomas. Weil Kinder eben doch zur Schule gehen und irgendwann lernen, dass man Spaghetti auch mit der Gabel aufwickeln kann. 
Astrid Lindgren hat Pippi Langstrumpf eine Eigenschaft angedichtet, die uns Erwachsenen ganz eindeutig manchmal fehlt: das unbedingte Hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind und warum sie nicht auch anders sein könnten. „Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ (Astrid Lindgren) 
Das Hinterfragen von Strukturen und Organisationsformen – das haben wir heute im Kirchenkreis als Auftaktveranstaltung gemacht. Wie wird Kirche zukunftsfähig? Welche Struktur braucht Kirche, um ihren Auftrag zu erfüllen? Wen können wir wie mitnehmen auf dem Weg? 
Mit einem Kopf voller Ideen haben wir den virtuellen Konferenzraum verlassen😊 
Euch allen einen schönen sonnigen Samstag! 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.04.21 
Wie oft haben wir schon gehört, dass Leute sagen, die Kirchgänger seien auch nicht besser, als die, die sonntags ausschlafen und dann gemütlich frühstücken. 
Mich hat das immer geärgert, denn es ist doch klar, dass die Kirchgänger nicht besser sind als die anderen. Andererseits erwarten die Leute aber vielleicht, dass die Kirchgänger das, was sie als christliche Lebensführung propagieren, dann auch tun. Ich kann verstehen, dass kritisch auf diejenigen geschaut wird, die beispielsweise davon sprechen, dass Gott alle Menschen als gleich wichtig und wertig ansieht, dann aber selbst in der firmeninternen Hackordnung die Sekretärin oder den Hausmeister respektlos behandeln. Leider sind wir alle nicht perfekt – weder die Kirchgänger noch die, die nicht zur Kirche gehen. Deshalb hat der frühere Präses, Manfred Rekowski, in einem Interview des Evangelischen Pressedienstes zur Demut aufgerufen mit folgendem Satz: „In einem Gottesdienst versammelt sich nicht die Gemeinschaft der Fehlerlosen, sondern eine Gemeinschaft der begnadigten Sünder.“ 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.04.21 
Ist Euch zufällig schon die Tageslosung für heute begegnet? Sie steht im Brief, den Paulus an die junge Gemeinde in Rom geschrieben hat – vielleicht in eine schwierige Situation hinein. 
„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Römer 12,12) 
Ich höre das heute ziemlich persönlich. Fröhlich bleiben und Hoffnung empfinden, das ist gerade ein hartes Stück Arbeit. Geduldig bleiben auch. Und beim Beten dranbleiben? Hilft doch sowieso nichts, höre ich es schon tönen. Aber stimmt das? Beharrlich sein, also nicht lockerlassen, das bringt vielleicht nicht das Ende der Pandemie, aber möglicherweise mehr Fröhlichkeit, Hoffnung und Geduld. Wäre doch schonmal was für heute😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.04.21
Ein Kollege erfand einen schönen neuen Begriff für das, was gerade überall zu beobachten ist: wir entwickeln eine Empörungskultur!
Wir empören uns über alles und jeden, wir wissen alles besser und lassen das auch alle Welt wissen. 
Bei allen liegen die Nerven blank und der Geduldsfaden ist zum Zerreißen gespannt. Da fallen schnell Urteile und harte Worte. Aber lasst uns doch bitte wieder eine andere Kultur pflegen. Je schneller wir alle an einem Strang ziehen, umso besser wird es für alle sein. Jetzt müssen wir nur noch die Politik davon überzeugen 😉
 




„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.04.21
Alle sind Corona-müde! Kein Wunder, seit Monaten wurschteln wir uns so durch. Anders als vor einem Jahr ist die Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Gesamtsituation erheblich geschrumpft. Dafür sind die Sorgen größer geworden. Nicht alles, worum wir uns sorgen, wird auch eintreffen, aber trotzdem treiben uns die Fragen um und bescheren vielen schlaflose Nächte.
Nun war in einem Interview mit einem Psychologen (leider habe ich vergessen, wer das war) zu lesen, man müsse mit diesen sorgenvollen Gedanken umgehen wie Dumbledore. Wegzaubern? Oh ja, das wäre toll, aber das meinte er gar nicht 😉 Dumbledore hatte ein magisches Gefäß in seinem Arbeitszimmer, in dem er Gedanken ablegen konnte. In diesem Denkarium waren die Gedanken gut aufgehoben, bis er sich wieder mit ihnen beschäftigen konnte. Aber bis dahin ließen sie ihn in Ruhe.
Die Idee des Psychologen: die sorgenvollen Gedanken im Kopf in einem Extra-Raum ablegen. So fühlt sich das sorgenvolle Unterbewusstsein verstanden, aber die Gedanken stören nicht tagtäglich. Ob das funktioniert?????


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.04.21 

Wenn in den Nachrichten von der vielzitierten „Bundesnotbremse“ die Rede ist, dann ist als Bild oft ein Nothaltegriff aus der Bahn zu sehen. 

Lasst uns doch mal kurz nachdenken, was so ein Nothaltegriff macht: er wird von einem Menschen gezogen, der eine Not erkannt hat. Dieser Mensch hat begriffen, dass die Not nur verhindert oder begrenzt werden kann, wenn er die Situation ausbremst. Wenn die Notbremse gezogen wird, geschieht das spontan. Es wird weder mit dem Lokführer oder dem Zugbegleiter oder den anderen Fahrgästen diskutiert, weil es dann nämlich schon zu spät für eine Notbremse wäre. Die anderen Fahrgäste steigen nicht vorher oder währenddessen aus. Sie bleiben auf ihren Plätzen und versuchen denen behilflich zu sein, die bei der Bremsung vom Sitz gefallen oder ängstlich geworden sind. Wenn die Notsituation behoben ist, geht die Fahrt für alle weiter. Ist doch ein hübsches Bild, oder? 😉 

 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.04.21 
Sind Eure digitalen Gottesdienste eigentlich richtige Gottesdienste? So fragte kürzlich jemand. Ich dachte kurz nach….was ist ein „richtiger“ Gottesdienst? Unsere digitalen Gottesdienste sind natürlich anders als die präsentischen, es fehlen Elemente, die sonst dazugehören. Aber ist ein digitaler Gottesdienst deshalb weniger „richtig“? Ich habe mich entschieden, auf die Frage mit „ja“ zu antworten. Für mich ist ein Gottesdienst dann ein „richtiger“ Gottesdienst, wenn er in mir etwas anspricht oder mir einen neuen Gedanken mitgibt oder mich erfreut oder sonst etwas mit mir macht. Und wenn ich einen digitalen Gottesdienst aufnehme, dann sehe ich nicht die Kamera, sondern stelle mir Menschen aus meiner Gemeinde vor, zu denen ich jetzt gerade diese Worte sage 😉 



 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.04.21 

Ich würde von mir behaupten, dass ich ein dankbarer Mensch bin. Ich bin dankbar für meine Familie und meine Freunde, dafür, dass ich einen Beruf haben darf, den ich liebe. Auch für mein Zuhause bin ich dankbar und dafür, dass ich genug zu essen habe, all die Möglichkeiten, die sich auftun und so vieles mehr. 

Aber nun macht mich ein Bibelvers sehr nachdenklich: Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst. (5. Mose 8,12.14) 

Dankbar sein ist die eine Sache. Aber wann überhebt sich das Herz? Passiert uns das, die wir keinen Hunger leiden müssen und ein Dach über dem Kopf haben? Vielleicht überhebt sich das Herz schon dann, wenn wir mal wieder im Fernsehen Bilder hungernder Menschen sehen und nicht mehr Aufregung und Entsetzen darüber verspüren. 

 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.04.21 
In so ziemlich allen Bereichen unserer Gesellschaft kommt er vor. Manchmal ist man auch selber einer. Oft braucht man einen. Alle warten auf einen. Er kann auch eine sie sein. 
Habt Ihr Euch schonmal gefragt, was einen Menschen zum Hoffnungsträger macht? Ich denke, wir wissen alle, was gemeint ist: ein Hoffnungsträger ist eine Person, an die jemand Hoffnungen geknüpft hat. Mit Blick auf das zurückliegende Osterfest kann man wohl sagen, dass Jesus ein Hoffnungsträger war. Und wir? Wir können das auch. Ein Hoffnungsträger trägt Hoffnung in sich, dass die sichtbare Welt nicht alles ist, dass es im Tod ein Danach gibt, dass die Welt nicht bleiben muss, wie sie ist, dass Vergeben und Verzeihen funktionieren kann (wenn auch nicht Vergessen!). Und wie alle Träger, bringt auch der Hoffnungsträger seine Hoffnung irgendwohin. Im Idealfall dahin, wohin er gerade geht 😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.04.21
Ausgangssperre! Ultima ratio oder Flucht nach vorne, weil keiner mehr bessere Ideen hat?
Angesichts der Inzidenzentwicklung kann ich nur sagen (was ich schon ziemlich lange sage), dass es schon längst drastischere Maßnahmen und/oder mehr Kontrollen gebraucht hätte. Natürlich wünscht sich die keiner, ich auch nicht. Aber noch viel weniger will ich noch mehr Menschen beerdigen müssen, die einsam gestorben sind. Und ich möchte auch keinen Tag länger von unseren vielen Senioren hören müssen, dass sie befürchten, das Ende von Corona gar nicht mehr zu erleben. Und ich möchte, dass Kulturschaffende, Bar- und Restaurantbesitzer, Fitnessstudios und so viele mehr endlich wieder einen Grund zum Hoffen haben! Wenn wir uns endlich alle an die Vorgaben halten (ja, auch dann, wenn wir selbst so viel bessere Ideen gehabt hätten), dann müsste es doch möglich sein, dass es in 14 Tagen einen Lichtblick gibt. Also lasst es uns noch einmal versuchen mit aller Kraft, die wir haben! 
Nur, bitte, behaupte keiner mehr, es läge nur am Testen. Tests decken nur auf, aber sie infizieren nicht. 
Bleibt alle behütet😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.04.21
Mir geht eine Szene aus der Passionsgeschichte nicht mehr aus dem Kopf. Beim Evangelisten Lukas eher eine Begebenheit am Rande. Aber mich beschäftigt sie im Hinblick auf Trauer und Tod und die Frage, was in diesen Momenten trösten kann.
Jesus, so wird es erzählt, wurde nicht alleine hingerichtet, sondern mit zwei anderen Männern, die für ihre Verbrechen ebenfalls zum Tod am Kreuz verurteilt worden waren. Die Kreuzigung hatte nichts speziell mit Jesus zu tun. Sie war eine der Hinrichtungsmethoden, die die Römer häufig anwandten.
Diese beiden Männer gehen sehr unterschiedlich mit ihren Taten um. Der eine verspottet Jesus, er hat nichts zu verlieren und teilt noch einmal kräftig aus. Der andere will ihn davon abhalten. Sie beide hätten ihre Strafe zurecht verdient, sie hätten begangen, weswegen man sie angeklagt hatte, aber Jesus hätte nichts Unrechtes getan. Und dann bittet er Jesus, er möge an ihn denken, wenn er in sein Reich käme. Jesus‘ Antwort überrascht: Heute wirst du mit mir im Paradies sein! Heute – nicht irgendwann, sondern durch den Tod hindurch ins Leben. Heute wirst du mit mir im Paradies sein! Du wirst dabei sein – du hast deine Schuld eingestanden und ehrlich bereut. Heute wirst du im Paradies sein! – Im Paradies – keine Zweiklassengesellschaft im Himmel. 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.04.21 
Irgendwie verursacht der Schlingerkurs im Corona-Management allmählich ein Schleudertrauma. Kaum einer weiß noch so wirklich, was in seiner Region heute am Tage gilt. Leider führt das dazu, dass immer mehr Menschen abwinken und einfach irgendwas machen. Mir hätte die sogenannte Osterruhe epidemiologisch ein wenig eingeleuchtet. Andererseits ist es wahrscheinlich auch gut, dass die Mechanismen der Demokratie und der Gewaltenteilung greifen und niemand „einfach so“ Dinge tun kann, die nicht durch entsprechende Gesetze abgesichert sind. 
Frau Merkels Entschuldigung für das Durcheinander war sicher berechtigt, aber je länger sich das Chaos hinzieht, umso mehr nötigt mir die Entschuldigung im Nachhinein auch Respekt ab. Wer sich für etwas entschuldigt, gibt einen Fehler zu. Wenn aber ein Fehler zugegeben wurde, muss man keine Energie mehr darauf verwenden, den Fehler zu vertuschen oder irgendwie gerade zu biegen. Man kann dann nach vorne schauen und lösungsorientiert weitermachen. Allerdings braucht es dafür dann auch Menschen, die mitziehen, und nicht solche, die die Entschuldigung einfach nicht gelten lassen wollen, sondern lieber einen Schuldigen ausmachen, als eine Lösung zu finden. Jetzt stehen wieder Beschlüsse bevor, die uns Disziplin und Geduld abverlangen – ob wir es diesmal schaffen?😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.04.21 
Rassismus in der Kirche? Auf keinen Fall! Von dieser Aussage war ich überzeugt, bis ich den Workshop von Sarah Vecera mitgemacht habe. 
Es geht nicht darum, dass ich selbst keine rassistischen Äußerungen mache oder Menschen anderer Hautfarbe, Herkunft, Religion oder was auch immer ausgrenze. Es geht um einen strukturellen Rassismus, der daher rührt, dass wir uns noch nie Gedanken über unser Weiß-Sein machen mussten. Wir sind einfach Weiße und gehören damit zur Mehrheit. Dass uns dadurch auch eine Menge Privilegien zur Verfügung stehen, nehmen wir meist nicht wahr, weil es für uns normal ist. 
Niemanden bewusst auszugrenzen, dass ist in der Kirche 2021 selbstverständlich. Aber dafür sensibel zu werden, wie wir uns selbst sehen und wie wir damit umgehen, dass war für die meisten Teilnehmenden ein neuer Ansatz. 
Ein Beispiel aus dem Workshop, was Menschen anderer Hautfarbe extrem nervt: Wo kommen Sie her? (was diese Frage beabsichtigt: man zeigt aufrichtiges Interesse) Aus Bottrop! (was diese Antwort beabsichtigt: Ich komme wie Du aus Deutschland) Nein, ich meine, wo haben Sie Ihre Wurzeln? (was diese Frage meint: Ich habe registriert, dass du anders bist). 
Sehr entlarvend, finde ich! 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.04.21 

Neulich bei 1Live: es ging um die Frage, ob Menschen eigentlich gerne Sachen verleihen oder lieber nicht, wie sie damit umgehen, wenn die verliehenen Dinge erst nach mehrmaliger Aufforderung zurückgebracht werden und welche Tricks es gibt, um auf nette Art und Weise daran zu erinnern, dass jemand noch etwas ausgeliehen hat, das man gerne zurückbekäme. 

Die Aussagen waren naturgemäß sehr unterschiedlich. Nur bei einem Thema waren sich alle einig: wenn man etwas von Eltern ausleiht (Tupperdosen, Werkzeug, etc.), dann gehen diese Dinge automatisch in den eigenen Besitz über! Da ist was dran😉 

 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.04.21
Psalm 23 – die meisten Menschen kennen ihn – ganz oder teilweise - bezeichnen ihn als den wichtigsten der 150 Psalmen oder doch wenigstens als den, der ihnen am meisten gibt.
Aber was macht diesen Psalm eigentlich so besonders? Was gibt er Menschen?
Am übernächsten Sonntag ist Psalm 23 Wochenpsalm. Habt Ihr Lust, mitzudenken und den Psalm in Eure Sprache zu übersetzen? Was sind für euch dunkle Täler oder was ist für Euch wie eine sprudelnde Quelle? Wo sind für euch grüne Auen und wo wünscht Ihr Euch einen Hirten, der den Weg kennt?
Hier kommt der Text, so wie Martin Luther ihn übersetzt hat:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
 Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
 denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
 Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
 und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
 
Wenn Ihr eine Zeile, ein Wort oder auch den ganzen Psalm „übersetzen“ wollt, dann freue ich mich über Eure PN bei Facebook oder eine Email und Eure „Übersetzung“ landet im übernächsten Gottesdienst 😉 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.04.21 
„Der Mensch denkt, Gott lenkt.“ – Wenn wir diesen Satz sagen, dann ist meist etwas passiert. Wir hatten einen Plan und irgendwer oder irgendwas hat ihn scheinbar sinnlos durchkreuzt. Wenn kein Schuldiger auszumachen ist, dann eben Gott. 
Tatsächlich ist dieser Spruch nach einem biblischen Sprichwort formuliert: Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte. (Buch der Sprüche 16,9) 
Man kann das auf zwei Weisen hören: Alle Menschen werden ferngesteuert, es ist egal, was sie wollen oder denken, es geschieht, was ein anderer will. Diese Sicht macht aber nur Sinn, wenn wir davon ausgehen, dass es jemanden gibt, der uns fernsteuern kann. 
Anderer Blick: Da ist einer, der meine Lebensschritte sieht. Aber anders als ich sieht er schon weiter, und deshalb bekomme ich dann und wann eine Richtungsänderung. Manches gelingt einfach nicht, obwohl ich schon mit dem Kopf durch die Wand bin und es immer wieder versuche. Vielleicht soll ich etwas anderes probieren. Schwieriger ist es mit schlimmen Situationen im Leben. Da kann man keine Alternativlösung suchen. Aber wenn da einer ist, der meine Schritte kennt, dann kann ich dem auch vor die Füße werfen, was ich ungerecht und zu schwer finde. Und wenn dann einer da ist, der meine Schritte sieht, dann hört er mich auch! 



 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.04.21
Beim Stöbern gefunden:
 
What Jesus never said: „Feed the hungry only if they have papers.” “Clothe the naked only if they’re from your country.” “Welcome the stranger only if there’s zero risk.” “Help the poor only if it’s convenient.” “Love your neighbor only if they look like you.” 
(James Martin, S.J.) 
 
 



 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.04.21
 

Heute auf der Straße, ich treffe jemanden, den ich flüchtig kenne. „Jetzt ist Ostern auch schon wieder vorbei,“ schallt es mir entgegen. Ich darauf: „Ostern ist nicht vorbei, es fängt doch gerade erst an!“ 

Ein herzliches Lächeln und Winken und wir gehen wieder unserer Wege. Zuhause denke ich darüber nach. Theologisch ist das richtig: Ostern ist nicht vorbei, denn das, was Karfreitag und Ostern geschehen ist, macht die Grundlage unseres Glaubens aus, begleitet uns also. Aber leben wir nicht auch in diesem Widerspruch zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht? In einem Ostergebet heißt es sinngemäß: Die einen sagen, dieser Mann war verrückt, die anderen sagen, seine Worte und Taten haben berührt. Die einen sagen, es ist vollbracht, dieser Mann ist Gottes Sohn, die anderen sagen, dieser Mann ist tot, wieder ein Aufrührer kaltgestellt. Und was sagst du? Vielleicht „verrückt vollbracht“! 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.04.21

Wenn Ihr Lust auf schöne Musik und einen wunderbaren Text habt, dann schaut doch mal auf unsere Seite www.evangelischaufdemhasten.de und hört und seht Euch das an: „Der dritte Tag!“

Einen gesegneten Ostermontag wünsche ich Euch allen!


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.04.21
Ostersonntag! Normalerweise wäre ich bei Dunkelheit und Kälte irgendwann zwischen fünf und halb sechs zur Kirche gegangen. Noch sehr müde, aber voller Erwartungen. Die Osternacht gehört zu den beeindruckendsten Gottesdienstformen, die wir kennen. Unsere Kirche in völliger Dunkelheit, die Osterkerze wird hineingetragen, begleitet von Gesang. Erst wenn das Osterevangelium gelesen wurde, ertönt die Orgel mit vollem Klang, alle zünden ihre Kerzen an und wir singen gemeinsam: Christ ist erstandenp! DAS ist Ostern für mich! Gefühlt, erlebt, ergriffen – jedes Jahr von neuem gestärkt für den Weg des Glaubens, weil Hoffnung tatsächlich alles verändert!
Und dieses Jahr? Die Hoffnung ist nicht an die Osternacht gebunden oder an Präsenzgottesdienste oder überhaupt an uns Menschen. Die Hoffnung ist ein Geschenk. Ob wir es annehmen? Das liegt allein an uns! Gesegnete Ostern Euch allen😊


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.04.21
 

Tue Gutes und lass es alle Welt wissen! Im Prinzip ist das okay. Es bringt ja nichts, wenn ich beispielsweise eine Tafelausgabe in unserem Gemeindehaus einrichte, aber niemandem etwas davon verrate. Wenn etwas Gutes gemacht wird, dann muss es auch öffentlich gemacht werden, damit andere etwas davon haben, die Sache nutzen oder weitergeben können. 

Was allerdings völlig unmodern geworden ist, ist die Bescheidenheit. Ja, das ist ein „altes“ Wort, aber die Bedeutung könnte uns heute ein bisschen weiterhelfen, finde ich. Das Wort kommt von dem Verb „sich bescheiden“: sich selbst zurücknehmen, sich nicht in den Vordergrund stellen, sich selbst beschränken. Natürlich gibt es Lebenssituationen, wo das überhaupt nicht sinnvoll ist, aber es nervt auch, wenn Leute ständig von der Sache, über die sie eigentlich reden wollen, ablenken, weil sie das Augenmerk darauf lenken, was sie selbst alles dazu beigetragen haben. 

Ich würde mir außerdem wünschen, dass wir nicht Ideen eines anderen als eigene Idee ausgeben. Klingt logisch, kommt aber trotzdem immer wieder vor. Und wer so liebe Kollegen hat wie ich, der weiß, wie gut sich das anfühlt, wenn ein anderer erwähnt, dass es meine Idee war, die gerade gut läuft. Das motiviert dann sehr zum Nachmachen. Probiert es mal aus😉 

 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.04.21 

Karfreitag! Warum muss es den geben, habe ich einmal als Kind meine Mutter gefragt. Bei uns war es Karfreitag sehr still, es gab nur ein ganz einfaches Essen und keine Süßigkeiten und es wurden keine Freunde eingeladen. Karfreitag ist doof! Mein Fazit mit neun oder zehn. 

Aber die Antwort meiner Mutter, die mir damals kein bisschen geholfen hat, ist später der Schlüssel zu diesem besonderen Tag geworden: Du wirst das noch verstehen – in einer fernen Zeit. 

Ich habe es erst verstanden, als ich selbst in einer besonders dunklen Lebensphase darauf angewiesen war, dass da verlässlich einer an meiner Seite ist. Nicht nur dann, wenn sowieso alles super läuft, sondern dann, wenn alles auseinanderzubrechen droht und der sichere Boden voller Löcher ist. DAFÜR ist Gott in Christus in den Tod gegangen, damit niemand von uns jemals diese absolute Verlassenheit spüren muss. Selbst im Tod gehalten – das ist für mich die Botschaft von Karfreitag. 

Inzwischen gibt es ein Lied mit dem Titel „In einer fernen Zeit“ (Otmar Schulz, Andreas Brunion). Darin heißt eine Strophe: „Stirbst draußen vor dem Tor, stirbst mitten in der Welt. Im Leiden lebst du vor, was wirklich trägt und hält. Erstehe neu in mir, erstehe jeden Tag. Erhalte mich bei dir, was immer kommen mag.“ 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky 01.04.21
 

Heute würden wir uns im Neuen Lindenhof im Kirchsaal treffen. Die Stühle würden im Kreis stehen, in der Mitte ein langer Tisch mit frischem Brot, Krüge mit Saft und Wein, ein Körbchen mit Steinen und eines mit Teelichten. 

„Was ist das Besondere an diesem Abend?“ würden wir uns gegenseitig fragen und damit an eine Tradition des jüdischen Passahfestes erinnern, auf das unser Gottesdienst am Gründonnerstag zurückgeht. Das jüngste Kind der Familie stellt diese Frage und dann erzählen die Erwachsenen die Geschichte von der Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei. 

Jesus feiert am Abend vor seiner Verhaftung dieses Fest mit seinen Freunden. Auch auf ihrem Tisch stehen Brot und Wein. Beides teilen sie und Jesus verbindet das Brot und den Wein symbolisch mit sich selbst. Wer das Brot isst und von dem Wein trinkt, der erinnert sich an Jesus und an das, was er für unser Leben und Sterben bedeutet. Die Körbchen mit Steinen und Kerzen hatten die Freunde wohl nicht auf dem Tisch, sondern eher im Herzen. All die Steine der Sorge um den Freund, die Trauer darüber, dass er sie verlassen wird, die Angst, was aus ihnen werden soll, wenn er nicht mehr da ist. Und dann hören sie, dass es da auch Licht gibt. Jesus wird trotzdem bei ihnen sein, in ihren Herzen und ihren Gedanken, um sie zu stärken und zu ermutigen, damit sie ihren Weg weitergehen können. 

Heute werden wir all das tun – beim Gottesdienst zeitgleich – jeder für sich zuhause und doch verbunden im Glauben! 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.03.21 

„Wer will, dass Kirche so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass Kirche bleibt.“ Die Theologin Christina aus der Au hatte diesen Satz auf dem Kirchentag in Dortmund gesagt und sehr unterschiedliche Reaktionen damit hervorgerufen. „Sollen wir etwa alles über Bord werfen, was für Jahrhunderte richtig und wichtig war?“ Hinter solchen Einwänden steckt die Angst, dass Kirche nicht mehr Heimat ist, fremd wird für die, die in ihr leben. Das ist verständlich! Andererseits soll Kirche ja nicht nur Heimat für Insider sein. Alle Menschen, die Interesse haben oder neugierig sind oder Sehnsucht verspüren sollen sich zuhause fühlen können. Wenn wir aber das erreichen wollen, dann müssen wir uns doch ehrlich der Frage stellen, warum es jetzt noch nicht so ist. Welche Strukturen verhindern das? Und sind wir bereit, diese Strukturen zu verändern? 

Eines ist absolut sicher: die Kirche wird sich selbst dann verändern, wenn wir gar nichts tun. Aber jetzt ist die Zeit, wo wir daran mitarbeiten können, dass sich Kirche zum Besseren verändert, sich für mehr Menschen öffnet und gleichzeitig ihre Werte achtet. 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.03.21
Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.
Siebtes Thema: Neues wachsen lassen
Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter
https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/7_wachsen 
oder #klimafasten 
Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉 
 
 
 

7. WOCHE - THEOLOGISCHER IMPULS „NEUES WACHSEN LASSEN“ 
..., UM NEUES WACHSEN ZU LASSEN  


 „Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.“ 2.Kor.9,10
Immer wieder stehe ich staunend vor meinem Hochbeet. Im Frühjahr setze ich eine Zucchini-Pflanze, und sie kommt mir sehr verloren vor in dem 1x1 m großen Beet. Und im Herbst ist sie herangewachsen zu einem üppigen Strauch. Die Früchte werden größer und größer, wenn ich sie nicht rechtzeitig ernte. Am Ende sind es so viele, dass ich sie verschenke.
Kaum zu glauben, was aus so einem Mini-Pflänzchen, das aus einem Samenkorn herangezogen wird, entsteht. Wie verschwenderisch die Natur doch ist! – Ja, Gott meint es gut mit uns.
In der Bibel werden die Bilder des Säens und Wachsens oft in Zusammenhang mit Glauben und Gerechtigkeit gebraucht. Die Früchte Eurer Gerechtigkeit. Gott gibt den Samen, und er wird sie wachsen lassen. Das heißt doch, auch wenn es mir unbedeutend erscheint, was ich tue, hat es eine Wirkung. Und es kann eine große Wirkung haben. So groß, dass sie mich überwältigt, dass ich staunend davor stehe und am Ende Hilfe brauche, um die Früchte zu ernten und zu verteilen.
Im letzten Jahr erreichte uns eine Anfrage aus Kalabrien, ob wir fair gehandelte Bio-Orangen abnehmen würden, um eine Kooperative zu unterstützen, die sich gegen die Ausbeutung der afrikanischen Wanderarbeiter engagiert, die zu Hungerlöhnen als Erntehelfer arbeiten. 900kg Mindestabnahme. Das erschien uns machbar. Wir gaben die Idee weiter in unsere Netzwerke. – Wir säten den Samen. – Und am Ende waren wir überwältigt von der Welle der Solidarität, die daraus wuchs. 18 Tonnen Orangen wurden geliefert und verteilt an Gemeinden, KiTas, diakonische Einrichtungen, Schulen, Eine-Welt- und Unverpackt-Läden. Wir hätten die 2- oder 3-fache Menge loswerden können. Ein überwältigender Erfolg.
Für mich ein Beispiel dafür wie Gott ganz konkret die „Früchte der Gerechtigkeit“ wachsen lässt. Er gibt den Samen, und er lässt wachsen. Er braucht nur Leute, die den Samen säen. 
Die Initiative, die diese Orangen vertreibt und damit auf das Problem der modernen Sklaverei im heutigen Europa aufmerksam macht, heißt übrigens SOS Rosarno. Weitere Informationen gibt es hier (bitte klicken)
Vielleicht sind Sie nächstes Mal auch dabei? 

Pfrn. Annette Muhr-Nelson, Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der Ev. Kirche von Westfalen 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.03.21 

„Sorge um die Seele ist die Muttersprache der Kirche“, „jeder Mensch hat eine Seele“, „beim Tod verlässt die Seele den Körper“, „die Seele wiegt rund 21 g“. 

Das sind sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Begriff der „Seele“. Aber was ist eigentlich die Seele? Wir verstehen darunter die Gesamtheit aller Gefühlsregungen, vielleicht generell geistige und geistliche Vorgänge. 

Die Seele kann man nicht obduzieren. Ob sie 21 g wiegt? Das war ein sehr seltsames Experiment, das 1902 der Arzt Duncan MacDougall an Sterbenden vorgenommen hat. 

Wenn in unseren Bibelausgaben „Seele“ steht, dann ist das häufig die Übersetzung des hebräischen Wortes „Nefesh“. Aber wie bei vielen anderen Worten auch, gibt es für nefesh keine genaue Entsprechung. Die nefesh hat man nicht, man ist sie. Es ist die sprudelnde Lebensenergie, das Leben in all seinen Dimensionen zwischen leidenschaftlicher Liebe und ebenso leidenschaftlichem Hass. Im anthropologischen Denken des Alten Testaments gibt es keine Trennung zwischen Leib und Seele. Der Mensch ist eins. Vielleicht könnte man sagen, die Seele ist der Ort, wo Gott seinen Geist hineingegeben hat. 

Aber ob der 21 g wiegt? Eher unwahrscheinlich😉 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.03.21 

Nettes Bonmot gefunden, das zu denken gibt: 

„Warum hat Gott uns einen Mund und zwei Ohren geschenkt?“ – „Damit wir mehr zuhören als reden!“ 

😊 


 
„Was Pfarrer gerade so machen“ 
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.03.21 
Auch bei uns in der Gegend gibt es immer mehr Unverpackt-Läden. Eine feine Sache in mehrfacher Hinsicht. Die Umverpackungen vieler Waren sind schlicht und einfach nicht nötig. Sie müssten nicht produziert werden, benötigten also keine Rohstoffe und keine Energie. Wir als Käufer*innen schmeißen diese Umverpackungen ohnehin meist sofort nach dem Einkauf weg, wir könnten also unser Müll-Aufkommen verringern. 
Auf direktem Weg wandert das Eingekaufte in mitgebrachte Dosen und Gläser. Nächster Schritt wäre doch vielleicht, dass auch Supermärkte Strategien erfinden, wie das ganz einfach zu bewerkstelligen wäre. 
Wäre es nicht schön, wenn wir auch im täglichen Umgang miteinander „unverpackt“ agieren würden? Wir würden viele Worthülsen und Floskeln sparen und könnten gleich zum Kern kommen. Wir müssten nicht verstecken, was wir eigentlich sagen wollen, wir könnten es einfach sagen oder fragen. Würde auch Energie sparen😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.03.21
Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.
Sechstes Thema: Anders unterwegs sein
Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter
https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/6_Unterwegs
oder #klimafasten
Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉
 
Nicht wirklich ein Thema für den Lockdown, aber lesen könnt Ihr ja schonmal😉

 6. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS 
„MOBILITÄT“ 
EINE WOCHE ZEIT … ZUM ANDERS UNTERWEGS SEIN   Mose sprach zu den Israelit*innen: Ihr habt 
alles gesehen, was der HERR vor euren Augen in Ägypten  dem Pharao und allen seinen Großen und seinem ganzen Lande getan hat. 
Er hat euch vierzig Jahre  in der Wüste wandern lassen. (Aus 5. Mose 29)  40 Jahre durch die Wüste. Wandern zu Fuß. 40 Jahre Wüstenwanderung bevor sie in das verheißene  Land einziehen durften. Man kann viel über die Israelit*innen sagen: Da war die Geschichte mit dem  goldenen Kalb, das dauernde Murren über die Lebensbedingungen in der Wüste, Aufstände, und und  und. Aber sie waren klimaneutral unterwegs. Allerdings hatten sie auch keine andere Wahl.  Aber warum? Warum zogen die Israelit*innen durch die Wüste? Die Antwort ist einfach und tragisch.  Nach dem Auszug aus Ägypten, aus der Sklaverei hatten sie das verheißene Land Kanaan erreicht.  Das Land, das Gott ihnen versprochen hatte, das Land, für das sie Ägypten verlassen haben. Aber sie  mussten feststellen, dass es zwar sehr schön ist, aber schon bewohnt. Aus Angst trauten sie sich  nicht, sich dort anzusiedeln. Das war eine sehr schlechte Entscheidung, fand Gott. Und darum  bestraft er sie mit 40 Jahren Wüstenwanderung.  Eine Generation macht einen großen Fehler – die Nächste muss 40 Jahre in der Wüste umherziehen.  Staub, Hitze, Trockenheit und all die anderen harten Lebensbedingungen ertragen. Schaffen wir es,  schafft unsere Generation es, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, oder muss die nächste  Generation in der Wüste wandern? Und zwar für deutlich mehr als 40 Jahre.  Nun geht es nicht darum, uns, die wir uns sowieso schon damit beschäftigen, ein schlechtes  Gewissen zu machen. Wir sind uns der Dramatik der Lage ja bewusst.  Jeder und jede hat einen gewissen Teil der Verantwortung. Gleichzeitig haben wir auch als  Generation, als Gesellschaft eine Verantwortung. Und wir müssen die großen Entscheidungen über  Klimagerechtigkeit und Mobilität gemeinsam treffen – diesen  Weg gemeinsam gehen, als  Gemeinschaft. Darum müssen solche Entscheidungen politisch gefällt werden.  Wir brauchen einen anderen Lebensstil – nicht nur individuell sondern auch in unserer Gesellschaft.  Bis wir bei einem nachhaltigen Lebensstil sind, ist es noch eine weite Reise, aber eine die sich lohnt.  Ein gerechter, nachhaltiger Lebensstil ist wie das verheißene Land.  Es braucht Mut, um sich darin  anzusiedeln. Lasst uns nicht zu lange zögern, wie die Israeliten. Denn ich bin mir sicher, wenn wir  diesen Mut fassen und es wagen, werden wir feststellen, dass wir eine gute Zukunft vor uns haben.  Für uns und die kommende Generation.  Simon Schu, Pfarrer in Minden, Ev. Kirche von Westfalen

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.03.21 

Heute vor 88 Jahren trat das sogenannte „Ermächtigungsgesetz“ in Kraft. 

Das von der Hitlerregierung eingebrachte „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ gilt als ein Baustein der rechtlichen Hauptgrundlage der nationalsozialistischen Diktatur. Die Wahrung der Grundrechte war nicht mehr bindend, ebenso konnte die Gewaltenteilung außer Kraft gesetzt werden. 

Es gab damals eine Debatte über dieses Gesetz, wie eine Tagebuchaufzeichnung Joseph Goebbels belegt. Aber am Ende wurde abgestimmt und eine Mehrheit für das Gesetz erlangt. 

Wir sind mal wieder in einem Wahljahr. Das Corona-Auf und Ab hat viele verunsichert und zu Kritik an der Bundesregierung geführt. Manches war berechtigt, anderes vielleicht nicht, aber ich möchte auch zukünftig in einem Staat leben, in dem ich Kritik äußern und Verbesserungsvorschläge machen und an deren Umsetzung mitarbeiten darf. Ich möchte durch meine Stimme mitentscheiden können, ob Deutschland weiterhin auf einer breiten, demokratischen Basis agiert. Es ist nie zu früh, sich in einem Wahljahr gut zu informieren😉 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.03.21
 
Meine Erwartungen im Bezug auf die gestrige Bund-Länder-Konferenz waren nicht besonders hoch. Aber jetzt lassen mich die Beschlüsse doch etwas ratlos zurück. 
Natürlich werde ich auch diesmal alle Maßnahmen unterstützen – wir müssen etwas tun, das verstehe ich. Was ich nicht so richtig verstehe, warum wir nicht auch in anderen Bereichen als den jetzt genannten konsequenter werden. Wie wäre es, wenn alle Erstkontakte von Infizierten getestet würden? Ganz naiv dachte ich lange, dass das natürlich längst so wäre. Man muss nicht Nobelpreisträger sein, um das sinnvoll zu finden. Aber die Erfahrung mit Infizierten und Genesenen zeigt, dass das nur der Fall ist, wenn Symptome auftreten. Bei Kindern also so gut wie nie. 
Dass die Kirchen zum freiwilligen Verzicht aufgerufen werden, das hatten wir erwartet und sind schon längst dabei, digitale Ostern vorzubereiten. Auch das halte ich für vernünftig und sinnvoll und zumutbar. 
Schön wäre allerdings auch, wenn sich diesmal wirklich alle an die Regeln halten würden, damit unser Gottesdienstverzicht nicht umsonst war. Karfreitag und Ostern sind für uns wichtige Tage und es schmerzt, dass wir sie digital feiern müssen. Aber wir halten uns an die Regeln und erwarten das von euch auch😉#diesmalschaffenwirdasgemeinsam 



 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 
 von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.03.21
 Bund-Länder-Konferenz! Da liegt immer so viel Hoffnung auf diesem Tag, dass es danach irgendwas zum Freuen gibt. Wenigstens für irgendjemanden. Heute bin ich ausgesprochen pessimistisch. Angesichts der Inzidenzwerte muss ich mir leider wünschen, dass wir diesmal in einen harten Lockdown gehen. Sonst hat das nie ein Ende, bis alle geimpft sind. Und das kann dauern :-( 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.03.21
 

Irgendwie geht es in diesen Wochen nicht so richtig voran. Coronamäßig tut sich wenig an den Infiziertenzahlen, gleichzeitig tut sich auch wenig bei den Geimpften-Zahlen. Schnelltests sind schwierig zu bekommen, eine Registrierung auch nicht klar. Schulen und KiTas offen, beziehungsweise schon wieder zu, wegen neuer Corona-Fälle. Es geht einfach nicht voran. Stillstand! 

Den hatte das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste auch. Mehr als einmal sogar! Klar, sie waren froh, dass es das berühmte Licht am Ende des Tunnels gab. Sie waren frei, der Sklaverei entkommen und auf dem Weg in eine neue vielversprechende Zukunft. Aber jetzt gerade ist eben noch Wüste. Und da kommen die Gedanken: SO schlimm war Ägypten nun auch wieder nicht. Da gab es genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, einen Wasserbrunnen. In der Wüste gibt es nichts. Mose ist schuld an der Misere, der hat sie schließlich aus Ägypten herausgeführt! 

Kommt euch das bekannt vor? Wir erleben irgendwie Stillstand, aber wir wissen auch, dass es durch Impfungen und Tests bald besser werden wird. Aber eben jetzt noch nicht, nicht so schnell, wie wir das gerne gehabt hätten. Stillstand! 

Was hat eigentlich damals geholfen? Nach einem Tag, an dem der ganze Frust einmal abgeladen worden war, fanden sich am Abend Wachteln und Manna vor den Zelten. Keiner hatte gesehen, wie sie dahin gekommen waren. Aber sie waren da. Und die Leute sammelten alles, was sie bekommen konnten. Und dann stellten sie fest: so viel war es nicht. Es reichte nur für diesen einen Abend. Aber es reichte, um am nächsten Tag weitergehen zu können. Gott war da gewesen, er hatte sie nicht vergessen, er gab ihnen Kraft für ihren Weg. Aber nicht auf Vorrat, nur auf Vertrauen hin. Für diesen einen Tag! 


„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.03.21 

„Dein Reich komme.“ (Lukas 11,2) Eine der Bitten aus dem Vater Unser ist heute Tageslosung. 

Das Vater Unser ist wohl das bekannteste christliche Gebet. In jedem Gottesdienst wird es gemeinsam gesprochen, aber viele Menschen nehmen die Worte auch als Sprachhilfe für ihr Gebet, wenn eigene Worte schwerfallen. 

„Dein Reich komme“ – wollen wir das eigentlich wirklich? Was würde das für uns bedeuten? 

Ich denke zuerst an all die schönen Dinge, die dann sein könnten: niemand müsste mehr hungern, es gäbe weder Krankheit noch Tod, alle Gewalt hätte ein Ende, alle Völker, Religionen und Kulturen würden friedlich miteinander sein. 

Aber vermutlich wird es auch anderes bedeuten: ich werde feststellen, dass ich nicht wichtiger bin, als ein anderer. Ich werde erkennen, wo ich nichts dazu beitrug, dass die Welt ein besserer Ort sein konnte. Ich werde vielleicht mein Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten und mich fragen, warum ich so viele Dinge nicht anders gemacht habe. 

Aber worauf ich auch fest vertraue: wenn es soweit ist, dann zählen alle Fehler nichts mehr. Dann fängt alles neu an! 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.03.21 

In der jüdischen Allgemeinen vom 24. Februar 2021 geht es in einem Artikel um die Frage, inwieweit durch das ständige Vergleichen, das die sozialen Medien ermöglichen, Neid und Missgunst befördert werden. 

Zur Veranschaulichung wird die bekannte Geschichte von Sussja erzählt, dem großen chassidischen Meister, der weinend auf dem Totenbett lag. Seine Schüler fragten: »Rabbi, warum bist du so traurig?« Und Sussja sagte: »Ich habe mich mein ganzes Leben lang immer mit anderen verglichen. Aber in der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Mosche gewesen? Man wird mich auch nicht fragen: Warum bist du nicht David gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht einmal Sussja gewesen?« 

Was könnte heute unser Potenzial sein, das es auszuschöpfen gilt? 😊 

 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.03.21 

Ich bin den Frauen sehr dankbar, die lange vor meiner Zeit dafür gekämpft haben, dass in meiner Generation Frauen alles lernen können, was sie wollen. Dass Frauenrechte sich nicht von Männerrechten unterscheiden und dass wir auf sehr vielen Ebenen gute Strukturen in unserem Land entwickelt haben, um Ungleichheiten aufzuspüren und zu verändern. 

Und ich bin meiner Arbeitgeberin „Kirche“ sehr dankbar, dass bei ihr schon längst umgesetzt ist, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation, dieselben Aufstiegschancen in Leitungspositionen, paritätische Besetzung in Gremien, Gleichstellungsbeauftragte und vieles mehr. Ich erlebe, dass das funktioniert und dass Männer und Frauen in Teams gut arbeiten können, wenn alle gleich wichtig sind. 

Und das wünsche ich mir auch für alle anderen Firmen, Gremien u.s.w. Und ich frage mich, ob es gut ist, dass zur Zeit mehr das Thema „Sprache“ in den Fokus gerückt wird als das eigentliche Thema, die Gleichberechtigung der Geschlechter. 

Ich schreibe gerne überall *innen an Wörter, wenn es denn hilft. Wenn aber Arbeiter*innen immer noch schlechter bezahlt werden als Arbeiter, dann hakt es irgendwo. 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.03.21 

Was ist nur los mit uns? Wenn ich mal Coronaleugner und notorische Impfgegner ausklammere, dann haben wir doch monatelang geklagt, dass die Bundesregierung zu wenig auf Experten hört. Nach unserer Meinung hätten wir doch dann einen früheren und härteren Lockdown gehabt und wären gar nicht erst in die prekäre Lage geraten, die wir jetzt haben. 
Dann kam die Diskussion um Nutzen und Wirksamkeit von Astra Zeneca. Da wollten wir, dass Experten uns sagen, ob nun etwas dran ist an der Aussage, dass der Impfstoff nur zu 60% wirksam und für ältere Menschen nicht geeignet ist. 
Jetzt haben Experten dazu geraten, den Impfstoff im Hinblick auf eine Nebenwirkung zu überprüfen, die weit über Müdigkeit oder lokale Schmerzen im geimpften Arm hinausgeht und im schlimmsten Fall tödlich ist. Aber nun schimpfen wir über die Experten, die ja alle keine Ahnung haben. 
Das Paul-Ehrlich-Institut ist nicht gerade ein Trupp von Verschwörungstheoretikern und ahnungslosen Spinnern. Lasst uns doch abwarten, was sie herausfinden. Wenn Astra Zeneca weiter empfohlen wird, dann hilft die Überprüfung hoffentlich, den Imageschaden zu begrenzen, die Impfungen werden wieder aufgenommen und es geht endlich weiter. 
Gedanken könnten wir uns derweil machen, wie wir mit den ständig steigenden Infektionszahlen umgehen, nachdem nun geklärt ist, dass KiTas und Schulen nicht verschont, die Schnelltests aber ausbleiben. 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.03.21 

Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“. 

Fünftes Thema: Einfaches Leben 

Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter 

https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/5_einfaches-Leben 

oder #klimafasten 

Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉 

 

Meine Erfahrung: Das ist ein richtig schwieriges Thema! Ich kann sehr gut auf Schmuck und Antiquitäten verzichten, kann mir aber ein Leben ohne Bücher kaum vorstellen. Ich trage gerne Baumwollshirts. Jetzt lese ich, wieviel Wasser benötigt wird, um ein T-Shirt herzustellen. Wovon würden diejenigen leben, denen ich dann kein T-Shirt mehr abkaufe, wenn ich Wasser sparen will??? Ab und zu macht es einfach Spaß, sich etwas zu kaufen, das einen glücklich macht. Muss ich dann ein schlechtes Gewissen haben? 

Wahrscheinlich kommen Euch noch viel mehr Gedanken zu diesem Thema. 

Aber die Frage ist schon richtig: Was brauchen wir eigentlich wirklich an materiellen Dingen, um glücklich zu sein? 

Mein Ansatz für diese Woche: Zimmer durchforsten, was belastet und stört, womit kann ich anderen noch eine Freude machen, was macht mich glücklich? Und nein, liebe Marie Kondo, ich werde mich nicht bei jedem Gegenstand ausführlich bedanken (na ja, vielleicht doch bei Omas Blumenvase😉) 

Vielleicht ist es ja dann so, wie bei vielen anderen Dingen auch: wenn man erstmal angefangen hat, will man auch weiter machen! 

 

5. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS „EINFACHES LEBEN“  EINFACH LEBEN – MIT LEICHTEM GEPÄCK 

„Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die  Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ 
(Mt. 6,26) 
Mir wird offen gestanden immer ein bisschen mulmig, 
wenn mit diesem Zitat aus der Bergpredigt  Jesu für ein einfaches Leben geworben wird. 
Erstens gibt es auch Tiere, die „in die Scheunen  sammeln“, Eichhörnchen zum Beispiel  ‐ 
oder Mäuse wie Leo Lionnis Frederick. 
Und zweitens sind unsere klimatischen Bedingungen anders als die in Palästina. Obwohl ‐ selbst im Mittelmeerraum  sind die Nächte, die man im Freien verbringen kann, an zwei Händen abzuzählen. 
Berichte über Flüchtlingslager in der Ägäis oder Erdbebengebiete in der Türkei oder in Italien zeigen,  dass es zynisch ist, „einfaches Leben“ romantisierend mit Leben unter freiem Himmel und „von der  Hand in den Mund“ gleichzusetzen. Ob Jesus mit diesen Worten Menschen Mut zusprechen kann, die  in Armut leben?  Menschen, die sich wirklich darum sorgen müssen, wie sie morgen satt werden? 
„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe  einbrechen und stehlen.“ (Mt.6,19) Ja, das sind Sorgen, die mich beschäftigen! Wie lege ich mein  Geld gewinnbringend an? Wie schütze und pflege ich meinen Schmuck und mein Silberbesteck? Wie  sichere ich mein Eigentum? Und was kann ich gegen die Motten tun, die sich in meinen Teppichen  und in  meiner teuren Kleidung eingenistet haben? 
Ich muss zugeben, dass viel Besitz auch viel Arbeit und Mühe macht. Eigentum bindet und macht  unfrei. Manchmal – oftmals – ist all das, was ich habe, auch einfach nur Ballast. Mir fällt das Lied von  Silbermond ein: „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und  schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser mit leichtem 
Gepäck… Nur noch die wichtigen Dinge. Nur  noch die wichtigen Dinge!“ 
Was sind wichtige Dinge? Was ist unverzichtbar? Was 
brauche ich für ein gutes Leben? Was heißt  „einfach leben“ für mich? Diese Fragen stellen wir uns viel 
zu selten.  
Jesus macht darauf aufmerksam, indem er unseren Blick 
zum Himmel lenkt: „Schau dir die Vögel an,  wie sie fliegen – so leicht und unbeschwert. Der Inbegriff 
von Freiheit. Gott sorgt für sie. Und er sorgt  für Dich. Hör auf, Dich ängstlich an irdische Dinge zu klammern. Die sind vergänglich. Frag vielmehr  nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit. Das macht dich frei! Für alles andere ist gesorgt.“ 
Ja, ich will einfach leben. Wie und wo fange ich an? Dem reichen Jüngling sagt Jesus: „Verkaufe, was  Du hast, und gib’s den Armen.“  (Mt.19,21) Das zu verkaufen, was ich nicht brauche, wäre schon mal  ein Anfang – oder? 
 
Pfrn. Annette Muhr‐Nelson, Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche  Weltverantwortung (MÖWe) der Ev. Kirche von Westfalen 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.03.21 

Hudson Taylor, 1832 in England geboren, erlebte als junger Mann etwas, das er selbst als „Bekehrung“ beschrieb. Danach war sein Lebensplan klar: er studierte Medizin und bereitete sich auf ein Leben als Missionar vor. 1853 war es soweit: mit der Chinesischen Evangeliumsgesellschaft reiste er nach China aus. Nach gefährlicher Überfahrt endlich angekommen, war Taylor entsetzt über das, was er bei den Missionaren sah. Er folgte schon bald eigenen Wegen, lernte die Menschen, die Sprache, die Kultur und Lebenswelt seiner chinesischen Nachbarn kennen, tauschte sich mit ihnen aus über Gott und die Welt, setzte schließlich sein Medizinstudium fort, um effektiver arbeiten zu können. Er gründete dann die bis heute bestehende „China-Inland-Mission“ (heute unter dem Namen OMF International). 

Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Hudson Taylor hat schon früh erkannt, dass das Überstülpen eigener Überzeugungen selten ein guter Weg ist, dass aber Austausch und gegenseitiges Interesse ohne den Anspruch der Übernahme der jeweils anderen Überzeugung zu einer großen Weite, zu viel Erkenntnis und zu interessantem Austausch führen kann. 

 


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.03.21 

Wenn Jesus Geschichten erzählt, dann hören die Leute zu. Er braucht keine besonderen Räume oder spezielle Taktiken, damit die Leute auch bleiben. Er geht dahin, wo die Leute schon sind und spricht eine Sprache, die sie verstehen. Und seine Geschichten illustriert er mit Bildern, die die Leute kennen. Zum Beispiel dieses Bild, das heute zum Predigttext gehört: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Aber wenn es stirbt, bringt es viel Frucht.“(Johannes 12,24) 

Die Freunde ahnen, dass Jesus weggehen wird. Und diesmal nicht in eine andere Stadt, sondern zu seinem Vater im Himmel. Das kann ja wohl nur eines heißen. Aber warum? Hat Jesus nicht den Tod besiegt? 

Das Weizenkorn, das in der Erde abstirbt, trägt bereits alles in sich, was es braucht, damit ein Weizenhalm daraus wachsen kann. Der Halm sieht anders aus als das Korn, aber er ist unverwechselbar ein Weizenhalm. Sollte es so auch mit den Menschen sein, fragen sich die Freunde. In jedem Menschen ist schon angelegt, was es braucht, damit im Tod neues Leben entstehen kann? Die Freunde spüren, wie die Hoffnung zurückkehrt und der Mut, diese Geschichte weiterzuerzählen. Bis sie bei uns heute Morgen in unseren Gottesdiensten ankommt. 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.03.21

Normalerweise halten wir uns selbst für einigermaßen klug und vernünftig. Es sind meist die anderen, die dumme Sachen machen – zumindest aus der eigenen Perspektive heraus😉

Ein Psalmbeter des alten Israel war da schon einen Schritt weiter: „Gut und vernünftig zu urteilen, das lehre mich! So bittet er Gott im 119. Psalm. Dahinter steht die Erkenntnis, dass wir genauso häufig bei unseren Urteilen falsch liegen können, wie alle anderen Menschen auch. Klug und vernünftig zu urteilen, setzt auch voraus, dass wir Maßstäbe an unser eigenes Handeln legen. Zum Beispiel einen solchen Maßstab, wie der Verfasser des Jakobusbriefes ihn anlegen will: Wer von euch hält sich für weise und klug? Der soll seinem Glauben entsprechend leben und es durch sein Handeln beweisen – vor allem durch Bescheidenheit, die zur Weisheit gehört. (Jakobus 3,13)

Es gibt viel zu verändern, denke ich.


 
„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.03.21
2021 ist ein sehr besonderes Jahr im Hinblick auf die Geschichte der Juden in Deutschland. Seit 1.700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland (also lange bevor es tatsächlich Deutschland gab 😉).
An vielen Orten und mit ganz unterschiedlichen Formaten wird auf jüdisches Leben in Deutschland heute aufmerksam gemacht. Noch immer existieren Vorurteile. Drohungen und Anschläge und Übergriffe auf jüdische Gemeinden oder Einrichtungen geschehen immer wieder. 
Das Festjahr soll auch dazu beitragen, auf die Situation von Menschen jüdischen Glaubens aufmerksam zu machen, zu informieren, wie jüdisches Leben heute aussieht und was alles Vorurteil oder schlicht Unsinn ist. 
Auch wir im Kirchenkreis planen Veranstaltungen zum Festjahr. Besonders eindrücklich die Aussage von Schülern, die niemanden jüdischen Glaubens kennen und sich fragten, woher sie eigentlich anschauliche und aktuelle Informationen aus ihrer eigenen Altersgruppe bekommen können. Einer brachte es auf den Punkt: Sie sind alle ermordet oder vertrieben worden. Deshalb kennen wir niemanden! 
Glücklicherweise gibt es wieder jüdisches Leben in Deutschland! Lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass es auch sichtbar werden kann und Interesse an einem ehrlichen Austausch entsteht. 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.03.21
Liebe Bundesregierung, ich glaube, dass ihr grundsätzlich etwas Gutes für alle Bürger*innen wollt: die Wirtschaft soll wieder anlaufen, die Impfungen endlich vorangehen, die Pandemie eindämmen und wieder alle Freiheiten möglich machen. Das haben wir verstanden und dafür sind wir sehr dankbar.
Aber trotzdem hat unser Vertrauen in euer Handeln in den letzten Wochen gelitten. Vertrauen ist die subjektive Überzeugung eines Menschen in die Richtigkeit und Wahrhaftigkeit einer Handlung oder einer Aussage. Es ist deshalb nicht hilfreich, jeden Tag zehn verschiedene Aussagen zu den o.g. Themen zu lesen, von denen kaum eine wissenschaftlich fundiert ist. Arbeitet bitte daran, dass wir den Aussagen, die ihr macht, wieder mehr vertrauen können!
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.03.21
Manchmal ist das Netz ja doch eine Quelle der Weisheit 😊
Fand einen schönen Spruch, der auf so viele Themen passt:
„When you have more than you need, build a longer table, not a higher wall.”
 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.03.21

Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.

Viertes Thema: Bewusstes „Digital-Sein“

Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter 

https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/4_Digital-sein1

oder #klimafasten

Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉

 

Meine Erfahrung:

Es gibt diese Tage, wo man ständig aufs Handy schaut. Seit Corona ist der Blick auf die Infektionszahlen der Start in den Tag. Abends vor dem Einschlafen schnell noch Mails überprüfen und zwischendurch die aktuellen Tagesmeldungen checken – es ist schon etwas dran an der Ansage, dass wir kaum noch zur Ruhe kommen, weil wir von Infos geflutet werden. Das spricht übrigens nicht gegen die Infoflut oder die digitalen Räume, die wir nutzen, sondern nur gegen unseren Umgang damit. Mein Plan für diese Woche: feste Zeiten, um die Infoflut zu kanalisieren. Dreimal Mails checken am Tag muss auch reichen. 

Netflix, Spotify und Co. sind super, aber nicht als Hintergrundrauschen bei einer anderen Tätigkeit. Mich hat die Info sehr überrascht, dass eine Stunde Streamingdienst genauso viel CO2 kostet wie 30 Minuten Kuchenbacken. Also nachdenken, bevor wir etwas tun – und wieder eine Woche Zeit, um das Auszuprobieren 😉. 

4. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS „DIGITAL‐SEIN“
EINE WOCHE ZEIT … ... FÜR BEWUSSTES „DIGITAL‐SEIN“

Im 12. Jahrhundert schreibt der Kirchenlehrer, Mystiker und Abt des Zisterzienser‐Ordens Bernhard
von Clairvaux seinem ehemaligen Schüler, der als Eugen III. Papst wurde: „Es ist viel klüger, du
entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und
nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Wie lange noch schenkst du allen
anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem
kann er gut sein?“ Zu einem bewussten „Digital‐Sein“ heute ist es hilfreich, sich diesen Rat zu eigen
zu machen und sich darin auch von biblischen Erzählungen stärken zu lassen.
Elia muss vor seinen Feinden fliehen, wird im 19. Kapitel des ersten Buch Könige erzählt. Er will in der
Wüste unter einem Wacholder sitzend sterben. Ein Engel rührt in an und als er aufwachte, lag neben
ihm geröstetes Brot und Wasser. Elia schlief nach dem Essen wieder ein. Und der Engel berührte ihn
ein zweites Mal: “Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Elia ist gestärkt und nun
in der Lage vierzig Tage lang bis zum Berg Horeb zu laufen, wo er eine Höhle zum Übernachten fand.
Dort erschien ihm Gott. Nicht im starken Wind, der aufkam, nicht im Erdbeben, das den Berg
erschütterte und auch nicht im Feuer, das um ihn herum wütete. Er hörte Gottes Stimme in einem
„stillen sanften Sausen des Windes“.
Um sich von Gott anrühren zu lassen, brauchst es das Loslassen, das Ausruhen, das Sich‐Stärken und
Gestärkt‐Werden. Es muss ruhig werden um einen herum, um im leisen Sausen des Windes Gottes
Stimme zu vernehmen.
Jesus entzog sich der Welt nach seiner Taufe durch Johannes. Er ging in die Wüste. Ein Ort, an dem es
keine Ablenkungen gibt, keine Geräusche. Ein Ort, an dem man ganz auf sich selbst zurückgeworfen
ist und allein seiner inneren Stimmen lauscht. Bevor Jesus in der Wüste die Gegenwart der Engel
Gottes spüren kann, muss er den Versuchungen nach Reichtum, Macht und Ansehen widerstehen
und ganz zu sich selbst kommen.
Fortan wird sich Jesus auf seinem Weg mit den Jüngern immer wieder in die Stille zurückziehen,
wenn es zu hektisch und laut wird, um Gott in der Einsamkeit nahe zu sein.
Er schickt seine Jünger mit dem Schiff schon einmal voraus über den See Genezareth, damit ihn die
Menschenmassen, die ihm gefolgt sind, eine Zeitlang in Ruhe lassen und er allein und in der Stille auf
dem Berg beten kann (Mt. 14,22ff).
Jeder Zeit, an jedem Ort und immer digital erreichbar zu sein, von morgens bis abends online zu sein,
lässt uns nicht mehr zur Ruhe kommen. Wir überhören im lauten Rauschen und in der Thermik des
world‐wide ‐web die leise Stimme Gottes.
In der Woche des bewussten „Digital‐Sein“ kann „Online‐Fasten“ wieder die verstopften Ohren
öffnen, um die leisen Stimmen um sich herum, vielleicht auch die des Heiligen Geistes hören zu
können.

Volker Rotthauwe
Pfarrer für nachhaltige Entwicklung, Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen



„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.03.21

„Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der ist für das Reich Gottes nicht geeignet.“ (Lukas 9,62)

Ganz schön hart, was Jesus da zwei Leuten sagt, die ihm folgen wollen, aber nicht sofort, weil sie zuerst noch etwas Wichtiges zu erledigen haben. Und zwar etwas richtig Wichtiges, keine Peanuts: der eine hat gerade seinen Vater verloren und will das Begräbnis noch abwarten. Der andere hat eine Familie und will sich von ihnen verabschieden. Kann Jesus wirklich glauben, dass es diese paar Tage Verzögerung ausmachen? Eigentlich will ich mich empören, will Jesus für unbarmherzig halten und irgendwie gefühllos. Aber dann komme ich mir selbst gedanklich in die Quere. Ich bin eine Meisterin der Prokrastination, wenn ich mich lassen würde. Ich kann Dinge verzögern und mir selbst perfekte Gründe liefern, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass ich besser damit fahre, wenn ich die Dinge direkt angehe. 

Vor dem Hintergrund verstehe ich Jesus (leider) sehr gut: auch im Glauben geht es darum, sich klar zu machen, was man will, worauf man baut, was wirklich wichtig ist.

Natürlich sind ein Begräbnis und die Familie wichtig – aber nur, wenn es auch wirklich um sie geht und nicht darum, eine Entschuldigung fürs Prokrastinieren zu finden 😉

Foto: S.Landau 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.03.21
Kleiner Nachtrag zum gestrigen Weltgebetstag aus dem Inselparadies Vanuatu:
Die Menschen auf Vanuatu geben uns heute mit einem Gebet einen guten Einblick, wie die Lebenswelt die inneren Glaubensbilder und die Gebetssprache prägen.
 
Herr, sei mein Kanu, das mich über Wasser hält im Meer des Lebens.
Sei das Ruder, das mir hilft, den Kurs zu halten.
Sei mein Bootsausleger, der mich hält in stürmischen Zeiten.
Lass deinen Geist mein Segel sein, das mich täglich trägt.
Mach mich stark, damit ich sicher paddeln kann auf meiner Lebensreise.
(Gebet aus Vanuatu)
 
Wie würde das Gebet mit unseren Bildern und in unserer Sprache ausehen?


„Was Pfarrer gerade so machen“
 


von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.03.21

Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder, auch sie, o Herr, ist deine Zeit. Dich priesen unsre Morgenlieder, dir sei die Stille nun geweiht.

Kaum ist die Sonne uns entschwunden, weckt ferne Menschen schon ihr Lauf, und herrlich neu steigt alle Stunden die Kunde deiner Wunder auf. 

(Karl Albrecht Höppl)

Jeder Weltgebetstag endet mit diesem Lied. Es erinnert daran, dass die Gebete an diesem Tag einmal um die Welt laufen. Heute feiern Menschen in mehr als 150 Ländern einen Gottesdienst, den Frauen aus dem Südseeparadies Vanuatu vorbereitet haben. Analog oder digital werden wir erinnert, dass wir als Christ*innen verantwortlich sind für andere Menschen, für die Bewahrung unseres Lebensraumes und für mehr Gerechtigkeit in den Gesellschaften, in denen wir leben. Heute wird uns mit Texten aus Vanuatu sehr deutlich vor Augen geführt, was die Klimakatastrophe aus einem paradiesischen Stückchen Erde macht und wieso die Länder des globalen Nordens eine Mitverantwortung dafür haben.

Vanuatu liegt etwa 15.000 km von Deutschland entfernt, aber im Glauben sind wir verbunden und dafür bin ich heute, am Weltgebetstag, von Herzen dankbar!

 

Auf allen Homepages der Gemeinden in Remscheid findet Ihr heute Links zu den Gottesdiensten, die wir nach der Liturgie von Vanuatu gemeinsam feiern können. Herzliche Einladung!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrer in Annette Cersovsky, 04.03.21

Heute ist mal Schwarmintelligenz gefragt: versteht jemand die gestern angekündigten Regelungen? Aufgrund welches positiven Trends sind die Lockerungen möglich? Wie ist aus der magischen 35er Grenze eine 50 geworden? Wieso spielen die vielen Schulklassen, die schon wieder in Quarantäne sind, gar keine Rolle mehr? Warum dürfen Buchläden und Gartencenter öffnen, aber keine Baumärkte oder Elektroläden? Sind die Aerosole im Buchladen zurückhaltender als beispielsweise bei H&M?????

Da wir heute bei einer Inzidenz von 93,4 liegen müssen wir uns aber wahrscheinlich noch gar keine Gedanken machen.

Bin für aufschlussreiche Kommentare dankbar 😉…..und für zeitnahe Schnelltests und Impfungen!!!!!


„Was Pfarrer gerade so machen“


 

                                                            von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.03.21

Habt Ihr Euch schonmal gefragt, was Ihr tun würdet, wenn Jesus zu Besuch käme? 😉

Wahrscheinlich würde er unangemeldet kommen, so wie damals bei Zachäus, als er dem einfach nur sagte: Ich muss heute dein Gast sein!“ (Lukas 19,5) Zachäus hatte dann wohl keine Zeit mehr aufzuräumen, einen Kuchen zu backen oder sich zu überlegen, was er mit dem unverhofften Gast bereden würde. Und ich bin nicht sicher, ob wir es schaffen würden wie Zachäus zu reagieren. Er tat nämlich gar nichts, bat Jesus in sein Haus und schon war alles auf dem Tisch, was ihn schon so lange bedrückt hatte. Er musste nichts weiter tun, nur loslassen und sich einlassen.

In der Volksgruppe der Zulu gibt es ein sehr interessantes Sprichwort zu diesem Thema: Gott besucht uns häufig, aber meistens sind wir nicht zu Hause.

Was würde es brauchen, um gedanklich für diesen Besuch offen zu sein?

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.03.21

Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.

Drittes Thema: Vegetarische Ernährung

Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter 

https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/3_Vegetarisch

oder #klimafasten

Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉

 

Meine Erfahrung:

Bei der vegetarischen Ernährung bin ich gut aufgestellt. Ich liebe vegetarisches Essen, nutze schon lange Mandel- oder Hafermilch und vieles mehr. Bei veganem Essen muss ich ehrlich gestehen, dass mir das weniger gut gefällt. Aber ich gebe ihm diese Woche eine neue Chance😊

Zu gesunder Ernährung gehört für mich nicht nur der Verzicht auf Fleischprodukte, sondern auch die Umstellung von Zucker auf Alternativprodukte (mache gute Erfahrungen mit gerösteten Kokosflocken) und ein nachhaltiger Einkauf. Beim Einkauf muss allerdings dringend noch etwas mit den Preisen passieren, weil gesunde Ernährung keine Frage des persönlichen Wohlstands sein darf. Je mehr Menschen sich für ökofairen Einkauf interessieren, umso eher wird es möglich sein, moderate Preise für alle Produkte anzubieten. Ein Grund mehr, es diese Woche mal mit ein paar neuen Produkten zu probieren😉

3. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS „VEGETARISCH LEBEN“
ROSINEN IM KOPF
(ggf. zu Beginn der Andacht Rosinen verteilen.)
Abigail hatte Rosinen m Kopf. Das war klar. Immer schon hatte sie hoch fliegende Pläne gehabt, aber
jetzt war sie eindeutig verrückt geworden! Mara schüttelte den Kopf. Aber es blieb ihr nichts anderes
übrig als zu tun, was ihre Chefin ihr sagte: zweihundert Brote, zwei Krüge Wein, fünf zubereitete
Schafe, fünf Scheffel geröstetes Korn, hundert Rosinenkuchen und zweihundert Feigenkuchen auf
Esel verpacken! All das war vorbereitet für das große Fest der Schafschur. Tagelang hatten sie dafür
gearbeitet. Und nun wollte Abigail es David und seinen Leuten bringen! Die lebten irgendwo im
Nirgendwo und tauchten immer mal wieder auf, um die Herden Nabals zu beschützen. Mara war
klar, dass sie damit Anspruch auf Entlohnung hatten, aber alles, was für das Fest vorbereitet war?
Was Mara nicht wusste: David war in Rage. Bis an die Zähne bewaffnet näherte er sich mit
vierhundert Männern dem Anwesen Nabals. Denn der hatte ihm seinen gerechten Lohn verweigert.
Er hatte seine Dienste gern in Anspruch genommen, ihn dann aber gedemütigt, verhöhnt und in die
Wüste zurückgeschickt. Nun wollte David alles kurz und klein schlagen, was Nabal gehörte, die
Männer umbringen und die Frauen – naja.
Abigail hat Rosinen im Kopf. Sie träumt von einem Leben in Frieden und Freiheit. Sie glaubt, dass die
Spirale der Gewalt aufzubrechen ist. Sie traut sich, den Lauf der Dinge zu unterbrechen. Sie
widersteht dem Gedanken „da kann ich doch nichts machen“ und stellt sich mit dem, was sie hat
und kann, den wütenden Männern entgegen. Und sie ist damit erfolgreich! David hält inne. Der
Machtbesessene und Siegesgewohnte lässt sich irritieren. Am Ende dreht er um – mit den Rosinenund
Feigenkuchen im Gepäck. Später, als er König ist, heiratet er Abigail und zieht sie in schwierigen
Fragen oft zu Rate.
Diese Geschichte ist nachzulesen in 1. Samuel 25. Gott kommt da nicht vor, könnte man meinen. Und
doch ist es eine Geschichte von Gottes Wirken in dieser Welt. Erstens: es ist hier (wie so oft) eine
Frau, die etwas scheinbar Kleines tut und damit Großes verändert, eine Frau wie Rosa Parks, die im
Bus einfach sitzen blieb, wie Greta, die freitags fürs Klima streikt. Eine schlichte Idee mit großer
Wirkung. Rosinen im Kopf. Gottes Wirken mit und durch Menschen. Zweitens: Liebe geht durch den
Magen. Hier ist es die Liebe zum eigenen Leben. Miteinander essen besänftigt die Gemüter, weiß
Abigail, und diese Karte spielt sie aus. Gutes Essen macht gute Laune. Das Leben ist nicht nur Kampf
und Arbeit. Es soll vor allem Spaß machen. Rosinen für Kopf und Bauch. Gottes Geschenk an uns.
Drittens: Abigails Speisen sind nicht rein vegetarisch, aber sie zeigen einen respektvollen Umgang mit
den Tieren. Die Schafe sind kostbar. Sie gehören zur Familie und werden mit dem eigenen Leben
beschützt. Darum ist es nicht selbstverständlich, Fleisch zu essen. Nur zu besonderen Anlässen
werden Lämmer gebraten. Hier sind es fünf für vierhundert Mann. Vor allem aber gibt es Kuchen und
Körner und Wein. Es gibt eine Fülle von Lebensmitteln. So sorgt Gott für uns.
Wenn wir mit den Tieren zusammenleben würden, die wir essen, würden wir wesentlich weniger
Fleisch essen. Davon bin ich überzeugt. Es täte dem einzelnen Tier gut, es wäre gut fürs Klima – und
es ist auch gesünder für uns. Was hindert uns, vegetarisch zu leben und höchstens zu besonderen
Anlässen Fleisch zu essen? Vielleicht tun Sie das längst. Oder sind das Rosinen im Kopf?
Pfrn. Annette Muhr‐Nelson, Leiterin des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche
Weltverantwortung (MÖWe) der Ev. Kirche von Westfalen

 

 

 

 

 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.03.21

Am 1. März ist bei mir Frühling! Da kann es von mir aus schneien und nur 5° haben – ab jetzt ist Frühling! Ich habe Lust darauf, alle Pflanzen frühlingsfit zu machen, die Töpfe auf der Terrasse zu putzen, zu planen, welches Gemüse ins Hochbeet soll, Anzuchttöpfchen überall im Haus zu verteilen und zuzuschauen, wie alles wächst. Frühlingsgefühle eben😊

Und die gibt es wirklich, erklärt der Bremer Biologe Prof. Alexander Lerchl. Mehr Licht, höhere Temperaturen und ein langsam niedriger werdender Melatoninspiegel machen, dass wir mehr Energie haben, uns besser fühlen, positiver denken und uns gerne an der frischen Luft bewegen.

Wenn man jetzt auch noch Menschen treffen dürfte, wäre es nahezu perfekt😉


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.02.21

Können Menschen Briefe sein? Spannende Frage, die Paulus offenbar für sich beantwortet hatte. Im Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Ihr seid ein Brief Christi, nicht mit Tinte und auf steinerne Tafeln, sondern mit dem Geist Gottes in eure Herzen geschrieben.“

Der Brief, den Paulus nach Korinth schickte, ist fast 2.000 Jahre alt. Aber da ist heute viel Wahres dran, dass Menschen etwas über Gott und den Glauben meist durch andere Menschen hören und erfahren. Wir kennen doch alle solche Beispiele, wo uns Menschen beeindruckt haben durch ihre Art, Probleme anzugehen, anderen zu begegnen oder im richtigen Moment die richtigen Worte zu finden. Und ebenso kennen wir Beispiele, wo uns die Art, wie andere Menschen ihren Glauben leben, abschreckt und verunsichert.

Welche Art von Brief will ich heute sein?


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.02.21

Es fällt Eltern oft nicht so leicht, mit ihren Kindern über den Tod von Familienangehörigen zu sprechen. Verständlicherweise wollen sie ihre Kinder schützen und neigen dazu, das ganze Thema Tod und Beerdigung von den Kindern fernzuhalten.

Aber die Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt und machen sich ihre eigenen Gedanken. Auch über die Form der Beerdigung. 

Einer aufmerksamen Bestatterin war jetzt ein Bericht über die Forschung des niederländischen Trauerpädagogen Richard Hattink von der Universität Utrecht aufgefallen. Das Thema „Tod“ stecke immer noch in einer Tabuzone. Er votierte dafür, sich spielerisch dem Thema zu nähern. Im Spiel falle es Kindern leichter, den Verlust naher Angehöriger zu verarbeiten, Gefühle auszusprechen und ihre Fragen zu stellen. So entstand die Idee einer Legokollektion zum Thema. Trauerbegleiter und Therapeuten griffen die Idee begeistert auf, andere waren entsetzt von der Vorstellung, dass Kinder nun außer „Feuerwehr“ und „Bauernhof“ auch „Bestattung“ spielen könnten. Was sagt Ihr dazu???????


„Was Pfarrer gerade so machen“
 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.02.21

Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen? Darüber machen sich gerade viele Gemeinden und Kirchenkreise Gedanken. Auch wir in unserem Kirchenkreis tun das. Nicht nur übrigens, weil die Mitgliederzahlen rückläufig sind, sondern auch, weil es wichtig ist, immer wieder zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg noch der richtige Weg für die Gegenwart und geeignet ist, in die Zukunft zu führen.
Bessere Beteiligungsmöglichkeiten für alle Generationen und der Austausch im Sozialraum sind zwei wichtige Bausteine auf diesem Weg.
Der Ev. Kirchenkreis Düsseldorf hat mit Abstand das weitreichendste Konzept beschlossen: ein Bürgergutachten zu den Themen „Glaube in der Stadt“ und „Wie viel Kirche braucht die Stadt?“
Alle Menschen der Stadt, unabhängig von Herkunft, Religionszugehörigkeit oder Alter können mitmachen. 
Besonders klug finde ich diese große Öffnung über die evangelischen Mitglieder hinaus, denn längst ist es gängige Praxis, dass auch Menschen anderer Konfessionen und anderer Religionen interessiert an Gruppen teilnehmen, und dass Menschen ohne kirchliche Bindung engagierte Mitarbeitende werden.
Wie es dazu kommt und was Kirche daraus macht – das alles will der Kirchenkreis Düsseldorf herausfinden. Bin sehr gespannt!
 

"Was Pfarrer gerade so machen"



von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.02.21

„Meine Seele wartet auf dich, Gott, wie ein Wächter auf den Morgen.“

Ein Vers aus Psalm 130, der kürzlich Wochenpsalm war. Und der Ausruf eines Verzweifelten, der nur noch Dunkelheit um sich her wahrnehmen kann.

Aber dieses Bild vom Wächter, das spricht mich an. Wenn es dunkel wird, am Abend oder im Herbst oder im übertragenen Sinn in einer Lebenssituation, dann kommen die Fragen und die Angst und die Zweifel. Alles, was vom Trubel des Tages überdeckt wird, meldet sich dann. Im Schutz der Dunkelheit tauchen alle Gespenster wieder auf und der Weg bis zum Morgengrauen ist oft ganz schön lang. Und dann wacht man und findet einfach keinen Schlaf mehr und hofft auf den Morgen.

Sind wir dann Wächter über unsere Sorgen und Nöte? Solche, die den Blick nicht mehr lösen können, von dem, was sie ängstigt? Dann braucht es eine Wachablösung, jemanden, der sich unserer Sorgen annimmt, damit wir ausruhen können und den Kopf frei bekommen. In dem sehr alten Psalmgebet wusste einer, wohin mit seinen Sorgen!

 


„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.02.21 

Ich bewundere Menschen, die es scheinbar mühelos schaffen, sich für einen Moment in sich selbst zurückzuziehen und die dann, scheinbar erfrischt und voller Tatendrang, wieder auftauchen. 

Sie schaffen es, die Welt kurz anzuhalten, nachzudenken, zur Ruhe zu kommen und alles neu zu sortieren, während sie gleichzeitig alles andere ausschließen. 

Es wäre gut, wenn wir das schaffen würden bei all den Unsicherheiten, die im Augenblick unser Leben beeinflussen. Was wird morgen sein? Habe ich nächsten Monat noch meine Arbeit? Wird die Diagnose des Arztes meine Befürchtung bestätigen? Geht es den Kindern gut? Was wird aus mir, wenn ich mich infiziere und ins Krankenhaus muss? Wer wird sich kümmern, wenn ich es nicht mehr kann? 

Diese Liste lässt sich unendlich verlängern. Leider! 

Der junge Josua steckte auch mal in einem solchen Hamsterrad. Er hatte eine große Aufgabe vor sich, für die er sich nicht gewappnet fühlte. Er hatte Angst und traute sich selbst nicht mehr viel zu. Aber er hatte diesen inneren Raum gefunden, in den er sich zurückziehen konnte. Er wurde still und brachte seine Gedanken zur Ruhe. Und dann hörte er. „Gott spricht: Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst!“ (Josua 1,9) 

Lasst euch nicht entmutigen, wenn sich der innere Raum nicht sofort finden lässt. Bleibt geduldig und wartet, dann findet der Ort euch! 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.02.21

Und weiter geht es mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.
Zweites Thema: Sparsames Heizen (klingt nicht so sexy, ist aber wichtig 😊
Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter
https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/2_Heizen
oder #klimafasten
Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉
 
Meine Erfahrungen damit:
Leider diese Woche wenig praktische Übungen, dafür allerdings ein wichtiges Thema, weil ca. 70% des Energieverbrauchs eines Haushaltes durchs Heizen entstehen.
Habe mir zwei Aktionen herausgesucht: Temperatur im Haus um 1 ° C absenken und dickeren Pulli anziehen und – weil wir in einem sehr alten Haus wohnen – Fensterabdichtungen überprüfen.
Was habt Ihr vor? 😉
 
 
 

2. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS „SPARSAM HEIZEN“
Monatelang wurde äußerst sparsam geheizt für vier Musiker in Hamburg. Jede Woche trafen sie sich
in ihrem Proberaum mit der Nummer 318. Die Heizung in diesem Raum hatte zwei Probleme, sie
heizte nicht und sie heulte. Die unbequeme Lage, mit dicken Pullis Musik zu machen, brachte sie nun
auf die Idee, auch die Akustik des Raums für ihre Kompositionen zu nutzen. Um es genauer zu sagen,
sie nutzten ein Element des Raums: die drei defekten Heizkörper. Wenn man nämlich an ihrem
Thermostat drehte, änderte sich die Tonhöhe der Pfeif‐ und Brummtöne. So nahmen sie die
Geräusche der scheinbar nutzlosen Heizkörper über ein Raummikrophon auf, um sie in
elektronischen Bearbeitungen klanglich zu einem experimentellen Tonträger zu verarbeiten (CD
„heizung raum 318“ auf „1000füssler“). Nicht immer entsteht ein Kunstprojekt, wenn bei uns in den
kalten Monaten die Heizung nicht mehr richtig läuft. Und wohl fast jede, fast jeder, in deren
Wohnung oder Haus sie schon mal ausgefallen ist, weiß, was einem fehlt, wenn kein warmes Wasser
mehr durch den Heizkörper läuft. Wahrscheinlich dachte auch Martin Luther daran, wie angenehm
häusliche Wärme ist, als er in einer seiner Predigten formulierte: „Gott ist ein Backofen voller Liebe,
die da reichet von der Erde bis an den Himmel“ (WA 10 III,55‐58). Und diese göttliche Liebe besteht
für Luther darin, dass sie vom geliebten Geschöpf so erfahren wird, dass es selbst zu einem liebenden
Geschöpf wird. Die Liebe ist für ihn also eine Konsequenz aus der Erfahrung, von Gott geliebt und mit
dem beschenkt zu sein, was wir brauchen zum Leben.
Wenn dem aber so ist, stellt sich auch für uns die Frage, wo wir in den kalten Monaten doch etwas
kreativer auch mit funktionstüchtigen Heizkörpern um zu gehen wissen, als – vermeintlich
gottähnlich – einfach nur von der Erde bis an den Himmel durchzuheizen. Der häusliche
Energieverbrauch hängt im Privaten durchschnittlich zu 70 Prozent am Heizen. Hier lässt sich mit
kleinen Verhaltensänderungen und geringen Investitionen schon viel bewegen. Nicht nur für den
Geldbeutel, auch für das Klima. So nehme ich in dieser Fastenwoche auf jeden Fall an der
Energieberatung der Verbraucherzentrale teil. Und wer weiß: Wächst daraus vielleicht ein
Kunstprojekt? Oder finde ich meine Antwort auf das Bild von Gottes Backofen voller Liebe? Was will
es mir sagen? Wie spricht Gott darin zu mir? Gott ist leuchtende und wärmende Liebe, die Leben
schenkt und erhält. Diesen Zuspruch höre ich gerne und verstehe ihn auch als Anspruch an mich und
den Umgang mit meiner Heizung.
Dr. Constantin Gröhn, Pastor der Ev.‐Luth. Kirche in Norddeutschland,
Theologischer Referent für Diakonie und Bildung, Hamburg

 

 

 

"Was Pfarrer gerade so machen"

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.02.21

In den letzten Monaten wurde Sophie Scholl gelegentlich als Vergleich herangezogen, um darzustellen, wie schlimm die damals geltenden Corona-Beschränkungen sind.

Am 22. Februar 1943, also genau heute vor 78 Jahren, wurde Sophie Scholl ermordet! 

Jeder Vergleich erübrigt sich von selbst. Aber ich würde gerne diese außergewöhnliche Frau mit einem ihrer Zitate würdigen, dass uns heute, am Beginn des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, zu denken geben muss:

 

„Steh zu den Dingen, an die du glaubst. Auch, wenn du alleine dort stehst.“ (Sophie Scholl)
 
 
 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.02.21

Ein paar Wochen lang haben wir mit vereinten Kräften an einem kleinen Andachtsbuch gearbeitet, das ganz unterschiedliche Blicke auf die Monatssprüche dieses Jahres wirft. 

Inzwischen ist es fertig – für den Moment – eine Analogversion haben wir verteilt, aber jetzt ist das Büchlein auch auf unserer Homepage zu lesen und gerne weiterzuführen. Jeder und jede, die Ideen zu einem der Sprüche hat, kann mir die einfach zuschicken und dann landen sie auf der Homepage. Wie immer einfach hier als PN oder als Mail oder in meinem Briefkasten für die Schneckenpost 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.02.21
Nach dem Europäischen Bibeldialog zum Thema „Gedenken“ geht mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf, was wir später einmal zum Gedenken an die mittlerweile weit über 60.000 Corona-Toten in Deutschland tun werden. Der Bundespräsident plant im April eine öffentliche Gedenkfeier – das ist sicher ein erster guter Schritt, um denen eine Stimme zu geben, die während der Pandemie keine Stimme haben konnten.
Aus den Gesprächen im Bibeldialog nehme ich aber auch noch anderes mit: Gedenken muss immer auch dazu führen, dass eine Gesellschaft sich eingesteht, dass sie Fehler gemacht hat. Nicht nur die Regierung allein hat in dieser schwierigen Situation nicht alles im Griff gehabt, sondern viele andere haben in ihren jeweiligen Bezügen ebenfalls Fehler gemacht. Wir als Gemeinden müssen uns fragen, ob wir präsent genug waren, ob wir alle die erreicht haben, die wir hätten erreichen müssen, ob wir unsere Gottesdienste anders hätten gestalten können und und und…..
Und der zweite wichtige Aspekt: Gedenken muss immer auch dazu führen, wie man festgestellte und offen bekannte Fehler zukünftig vermeiden kann. Es werden andere Pandemien kommen, was können wir da besser machen? 
Gedenken ist eine Gemeinschaftsaufgabe!


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.02.21

Ich schaue mir ziemlich regelmäßig Nachrichtensendungen an, weniger regelmäßig, aber schon häufiger auch politische Talk-Shows. Aber so langsam habe ich da keine Lust mehr zu. Viele Journalisten haben die irritierende Angewohnheit, immer weiter zu fragen, nachdem der oder die Interviewte längst schon eine Antwort gegeben hat. Auf mich wirkt das so, als dürften bestimmte Antworten einfach nicht sein. Beispiel: Ewige Frage, warum es mit dem Impfstoff so lange dauert. Ewige Antwort: weil am Anfang die Produktion nicht voll anlaufen konnte, weil es Anfangsschwierigkeiten gab, weil man nicht so genau wusste, wie das alles läuft. 

Manchmal ist eine Antwort nur eine Antwort. Ja, es wurden Fehler gemacht. Ja, es läuft jetzt besser, aber noch nicht gut. Nein, wir wissen längst noch nicht alles. 

Wie wäre es damit: die Interviewten geben ehrliche und verständliche Antworten und die Interviewer versuchen nur, genau diese ehrlichen und verständlichen Antworten herauszuholen!

Dann wäre vielleicht auch mehr Zeit übrig, um noch andere Antworten zu finden und einen guten Impfplan zu stricken 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“


 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.02.21

An vielen Stellen in der Bibel ist davon die Rede, dass Menschen ihre Herzen nicht „verstocken“ sollen.

Nur, wie macht man das? Wenn man nachschaut, was „verstocken“ eigentlich meint, kommt dabei heraus „verhärtet, halsstarrig, trotzig, uneinsichtig“.

Okay, das gilt dann wohl uns allen von Zeit zu Zeit.

Auf Instagram fand ich zu einem solchen „Verstockungsvers“ Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3,15) folgendes Gebet:

In meinem Herzen ist’s unendlich leise und laut.

Buntes Stimmengewirr, vertrautes Gespräch.

Deine Stimme gibt mir Zuversicht.

Macht ruhiger; schenkt Frieden.

Heute und morgen.

Hoffentlich.

„Ich bin da“,

antwortest du mir.

#Sonntagsgebet

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.02.21

Heute geht es los mit der Aktion „Sieben Wochen handeln“.

Erstes Thema: Wasserfußabdruck

Schaut euch die Infos zum Nachlesen und die Aktionen zum Mitmachen an unter 

https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/1_Wasserfussabdruck

oder #klimafasten

Macht mit und probiert die Aktionen aus 😉

 

Meine Erfahrung mit dem ersten Tag:

Der Wasserfußabdruck-Rechner ist leider in englischer Sprache. Wer lieber eine deutsche Seite besuchen möchte, kann diese ausprobieren:

http://aquapath-project.eu/calculator-ge/calculator.html

Mein Ergebnis beim Wasserverbrauch ist besser als der bundesdeutsche Durchschnitt, liegt aber immer noch bei knapp 24.000 l pro Woche! Punkten konnte ich bei überwiegend vegetarischem Essen, kurzen Duschzeiten und einem fast völligen Verzicht aufs Autowaschen 😉

Aber da ist noch eine Menge Luft nach oben. Die Aquapath-Seite bietet Lernmodule an, wie man seinen Wasserverbrauch sinnvoll verringern kann. Die Seite habe ich mir abgespeichert und werde sie in Ruhe heute Abend lesen.

1. WOCHE ‐ THEOLOGISCHER IMPULS „WASSER“
EINE WOCHE ZEIT … ... FÜR MEINEN WASSERFUßABDRUCK
Kaum ein anderes Element hat eine ähnliche Bedeutung für die Erzählungen der hebräischen Bibel
und des Neuen Testaments wie das Wasser. Wasser steht zu Beginn der Bibel „und der Geist Gottes
schwebte auf dem Wasser“ (Gen1,2) und an deren Ende „… und wer da will, der nehme das Wasser
des Lebens umsonst“ (Offenbarung 22, 17).
Wenn die Bibel von Wasser spricht, ist immer zugleich das reale, lebenspendende, erfrischende,
reinigende Element gemeint und auch seine metaphorische Bedeutung. Wasser bedeutet
Fruchtbarkeit und Wachstum (Psalm 104,10), ist Segensgabe Gottes vom Himmel und aus der Tiefe
der Erde. Das frische Quellwasser ist Inbegriff göttlichen Segens: „Er weidet mich auf einer grünen
Aue und führt mich zum frischen Wasser“ (Psalm 23,2).
Wasser und Brot zu geben, sind die Zeichen der Gastfreundschaft von alters her. Allerdings ist
Wasser im Lebensalltag der Menschen des Vorderen Orients immer mit der Erfahrung von
Wasserlosigkeit verknüpft. Die Wüste als Ort fehlenden Wassers und das Meer als bedrohliches
Übermaß an Wasser sind immer zusammengedacht. Die Erzählung von der Sintflut (Gen 1,7)
reflektiert Wasser als das alles Leben zerstörende Element. In der Erinnerung des Volkes Israel ist
Gottes rettendes Handeln häufig mit der Eindämmung von Wassermassen verbunden. In der
Erzählung von Israels Durchzug durch das Schilfmeer (Gen 14) wird von der drohenden Gefahr des
Verdurstens und von der nicht minder gefährlichen Situation des Ertrinkens berichtet. Wasser ist
entweder zu wenig oder zu viel vorhanden. Doch Gott gibt es für alle im rechten Maß. Die Heilszeit
für alle Menschen wird mit dem Bild bewässerter Gärten und nie versiegender Wasserquellen
beschrieben (Jes. 12,3; 58,11).
Und das Neue Testament stellt sich in diese Hoffnungstradition. Von denen, die an Jesus glauben,
werden Ströme lebendigen Wassers ausgehen (Joh 7,38). In der Taufe verdichtet sich die reinigende
und rettende Wirkung des Wassers. Der Täufling wird untergetaucht, erlebt das Lebensbedrohliche
des Elements und entsteigt gereinigt und gerettet dem Wasser. „Ich taufe euch mit Wasser zur
Buße“, predigt Johannes der Täufer (Mt 3,11). Jesus ist im Neuen Testament derjenige, der den
lebensbedrohlichen Sturm auf dem See Genezareth stillt, die Jünger vor dem Ertrinken rettet und das
Element Wasser beherrscht. Er kann auf dem Wasser gehen, ohne unterzugehen (Mt 14,22ff).
Jesus ist der, der seinen Jüngern die Füße wäscht (Joh. 13 1ff) und mit dieser eigentlich nur für
Sklaven vorgesehenen Handlung die reinigende Kraft des Wassers mit dem Thema Gerechtigkeit
verknüpft. Er nahm in der rituellen Fußwaschung „Knechtsgestalt“ an (Phil 2,7) und solidarisiert sich
mit allen Entrechteten.
Wer in der Fastenzeit einen bewussten Umgang mit Wasser einübt, erneuert die Hoffnung der Bibel:
Das „Wasser des Lebens“ wird nie versiegen, und es wird für alle Menschen dieser Erde im rechten
Maß, weder als Dürre noch als Überschwemmung, umsonst vorhanden und gerecht verteilt sein.
Volker Rotthauwe
Pfarrer für nachhaltige Entwicklung, Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.02.21

Mitten in der Karnevalszeit bereiten wir in den Gemeinden meist eine Aktion für die Passionszeit vor. In unserer Gemeinde startet die Passionszeit mit einem Schulgottesdienst am Aschermittwoch. Es folgen thematische Einheiten in unseren Gruppen und jeweils dienstags ein kurzer Abendgottesdienst, der als Passionsandacht gestaltet wird. Oft spielen die Themen aus „7 Wochen ohne“ eine Rolle, aber manchmal auch Bilderreihen oder Geschichten oder kreative Methoden.

In diesem Jahr….ihr wisst schon😉

So ganz ausfallen lassen möchte ich die sieben Wochen aber nicht. Allerdings nicht zum Thema „7 Wochen ohne“. Wir waren 12 Monate „ohne“, haben Verzicht geübt bei Dingen, die uns wirklich am Herzen lagen und deren Verlust uns weh getan hat. Ganz zu schweigen von den Erkrankten und Verstorbenen.

Ich habe mich nun umgesehen, welche Themen vielleicht jetzt gerade gut umsetzbar, aber auch „dran“ sein könnten und bin auf die Seite „Klimafasten“ gestoßen. Und ich habe mir vorgenommen ab morgen jede Woche eine dieser sieben Aktionen vorzustellen mit ganz praktischen Hinweisen, was jeder von uns tun kann, um einen kleinen Beitrag gegen die Klimakatastrophe zu leisten.  Statt „7 Wochen ohne“ diesmal „7 Wochen mit – handeln“. Ich freue mich, wenn Ihr mitmacht und mir auch gerne Eure Feedbacks da lasst 😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.02.21
Heute ist der Tag, dem wir alle so entgegengefiebert haben: Lockdown-Ende und Start in ein unbeschwertes Frühjahr. Und jetzt? Aber klagen hilft gerade nicht: wir sollten die Warnungen der Virologen ernst nehmen und uns bestmöglich vor einer dritten Welle schützen. Die Virologen müssen im September keine Wahl für sich entscheiden. Sie beobachten einfach nur die Entwicklung, die das Virus nimmt, und die gibt noch keinen Anlass zur Entwarnung.
Also haltet durch! Und schaut Euch um, ob jemand in Eurer Nähe Hilfe braucht oder ein gutes Wort oder eine liebe Nachricht oder einen selbstgebackenen Kuchen oder was auch immer😊


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.02.21
Heute ist Valentinstag! Ist euch das schon aufgefallen? In unserer Straße ist ein Blumenladen, da fällt mir sowas auf. Und dann muss ich sofort an den Film zum Tag denken: Valentine‘s Day.
In Sienas Bouquet, einem Blumenladen in Los Angeles, laufen die Fäden verschiedener Geschichten zusammen, die am Valentinstag eine entscheidende Veränderung erfahren. Es wird erzählt von dem Paar, das den Valentinstag seit Jahrzehnten feiert und seine Liebe zelebriert, aber auch von dem schüchternen Jungen, der seine erste Liebeserklärung aussprechen will. Es geht um eine Soldatin, die einfach nur zu ihrem Kind will, und um den Mann, der endlich ein Coming out hat. Und es geht um die, die am Valentinstag niemanden haben, die vergeblich auf Blumen oder eine Karte warten und die, die schon lange nichts mehr erwarten.
Ein Episodenfilm mit sicherlich vielen hollywoodmäßigen Klischees. Aber eben auch ein Film, der die ganze Breite eines großen Themas zeigen will und Verständnis weckt für die, die diesen Tag ganz anders wahrnehmen als man selbst.
 
 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.02.21

„Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ (Psalm 34,19)

Als mir vor ein paar Tagen dieser Psalmvers in die Hände fiel, überkam mich die altvertraute Ungeduld: zerbrochene Herzen und zerschlagene Gemüter – das ist kein Kleinkram. Wer so sein derzeitiges Gefühlsleben beschreibt, hat ein existenzielles Problem und hat meist nicht das Gefühl, dass Gott ihm besonders nahe ist und schon gar nicht, dass er hilft. 

Oder doch? Auf den ersten Blick ist das so, aber mir fallen schon ein paar Situationen ein, wo es verrückterweise doch anders war – und zwar ohne, dass sich die Situation grundlegend verändert hätte. Da hat sich scheinbar grundlos die eigene innere Haltung verändert, es tat sich eine Perspektive auf, es sah nicht mehr alles nur schwarz aus, es kam der richtige Anstoß von außen……

War das Gottes Art zu zeigen: Ich bin da? Martin Luther hatte offenbar auch Erfahrungen mit solchen Überlegungen, denn von ihm stammt diese Aussage: „Gott ist dann am allernächsten, wenn er am weitesten entfernt scheint.“

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.02.21

In der letzten Predigt hat mein Kollege eine Geschichte erzählt. Sie wird Bernhard von Clairvaux zugeschrieben, einem der bekanntesten Mystiker des Mittelalters: „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter...

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle...

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.“

Ganz schön modern für einen Zisterziensermönch um 1100 n.Chr. – und bedenkenswert, finde ich!

(Skulptur:  Luther und Bernhard von Clairvaux
von Werner Franzen, Altenberger Dom
Foto: Siegfried Landau)


 

 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.02.21

Ich gehöre eher zu den Karnevalsflüchtern und mir fehlt heute nichts, aber mein Mitgefühl gilt trotzdem euch, liebe Karnevalisten: hätte Euch von Herzen eine lustige und unbeschwerte Zeit auf den Straßen gegönnt, noch dazu bei bestem Winterwetter! Mitten im Winter schonmal vom Frühling träumen, Spaß haben und ein paar Tage lang alles abschütteln, was einem so im Kopf herumgeht – das wäre dieses Jahr so nötig gewesen.

Beeindruckend finde ich, was sich die echten Fans so alles einfallen lassen, um trotzdem Karnevalsstimmung zu erzeugen. 

Mich habt ihr erreicht mit dem Zug aus Spielzeuglastwagen, der durch zwei Reihen Playmobil-Männchen fährt, während jemand Konfetti und Bonbons in die Luft wirft 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.02.21
Ich war in Mathematik nicht unbedingt begnadet, aber den Unterschied zwischen 60% und 94% habe ich schon verstanden!
Liebe Bundesregierung, ich unterstütze Euch in der Corona-Sache, aber ich wünsche mir mehr Transparenz. Wenn das Astra-Zeneca-Vakzin ausgeliefert und verimpft wird, gibt es zukünftig Menschen, die zu 94% vor einem schweren Verlauf geschützt sind und Menschen, die zu 60% vor einem schweren Verlauf und wahrscheinlich kaum vor bestimmten Mutanten geschützt sind.
Mir ist schon klar, dass man das in Kauf nehmen muss, weil nicht genug Impfstoff der beiden anderen Firmen verfügbar ist. Aber klärt bitte auf, was das für die bedeutet, die zu 40% immer noch einen schweren Verlauf befürchten müssen, falls sie sich anstecken. Werden sie weiter mit FFP2 Masken leben müssen – auch über den Sommer hinaus? Werden sie bei Beschränkungslockerungen Nachteile haben oder beim Verreisen? Bitte nicht falsch verstehen: es mag für alles gute Gründe geben, aber ich wüsste die gerne VOR der Impfung, bei der ich mir den Impfstoff nicht aussuchen kann!
 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.02.21
Was richtig nervt im Homeoffice ist einerseits das viele Sitzen und andererseits das „kein Ende finden“. Für letzteres hilft eine gute Serie im Streaming-Dienst, bei der man der Fortsetzung entgegenfiebert oder das nächste Kapitel im Krimi oder die nächsten Strickzentimeter oder das neue Rezept, das ausprobiert werden will, oder die Vokabeln, die in den Kopf sollen, oder das Renovierungsprojekt oder was auch immer euch beschäftigt.
Für ersteres habe ich jetzt auch was gefunden: gegen Schildkrötenhaltung vor dem Bildschirm gibt es jede Menge Youtube Videos für zwischendurch, um die Muskeln zu lockern und die Faszien zu dehnen. Super!
Liebe Youtube-Macher, jetzt hätte ich gerne einen Lifehack, um die Gedanken zu sortieren und für mehr Weite im Denken zu sorgen. Könnt ihr das auch? 😉



„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.02.21
Anker, Kreuz und Herz – seit langer Zeit christliche Symbole. Kreuz und Herz erschließen sich aber auf den ersten Blick schneller als der Anker. Da mich Boote und das Segeln besonders ansprechen, bleibe ich immer wieder beim Anker hängen. Der Überlieferung nach sollen das Kreuz den Glauben und das Herz die Liebe darstellen, der Anker steht für die Hoffnung. In meinem Kopf ist Hoffnung etwas Leichtes, Transparentes, schwer zu fassen und manchmal flüchtig. Ein Anker ist nichts von dem. Insofern hatte ich immer Probleme damit.
Andererseits ist ein Schiff nie ohne Anker unterwegs. Denn den benötigt es, wenn es nicht im Hafen liegt. Wer aber auf dem weiten Ozean unterwegs ist und an einem bestimmten Punkt innehalten will, der muss sich festmachen. Der Anker wird heruntergelassen, bis er den Meeresgrund erreicht und sich dort verhakt. Erst dann können Strömung und Wellen die Position des Schiffes nicht mehr beeinflussen. Dieses Bild bringt mir dann doch den Anker auch im übertragenen Sinne näher. Die Hoffnung ist es, die uns dann und wann innehalten lässt, die uns neu positioniert, im Glauben verankert und die Gedanken ruhig werden lässt.
Im nächsten Chaos werde ich den gedanklichen Anker mal auswerfen 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.02.21
Bin mal wieder beim Aussortieren – mein Arbeitszimmer ist winzig klein, ohne regelmäßiges Aussortieren geht es nicht. Das ist eine gute Übung, sich schnell von dem zu trennen, was sich auf Stapeln immer anhäufen will. Aber es stellt sich leider auch immer wieder neu die Frage, was eigentlich wertvoll ist. Die Danksagungskarte, nur weil ich einen Gruß mit der Schneckenpost geschickt habe, die ist wertvoll. Sie erinnert mich, dass kleine Dinge manchmal eine große Wirkung haben. Oder die Ein-Dollar-Note, die an die Wand gepinnt ist, weil sie mich an eine besonders gute Zeit erinnert, für die ich sehr dankbar bin. Oder das Buch, das schon so lange im Stapel liegt und jetzt endlich ganz nach oben gewandert ist, weil es unbedingt gelesen werden muss.
Was ist wertvoll für mich? Ich glaube, heute würde ich antworten: Zeit – Erinnerungen – Zukunftsideen!
Oh, und natürlich Menschen, mit denen ich das teilen kann😊


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.02.21

„When we’re not hungry for justice it’s usually because we’re too full with privilege.” (Carlos A. Rodriguez)

Einer meiner Lieblings-Whats-App-Kontakte hat diesen Satz gerade als Statusmeldung. Ich entdeckte ihn zufällig und werde ihn nun nicht mehr los. Die Liste der Themen, auf die dieser Satz zutrifft, ist endlos. 

Angefangen bei den FFP2 Masken, die sich viele gar nicht leisten können, über Antisemitismus bis zu Globalisierungsopfern. 

Ist das so, dass wir hier in Deutschland nur noch ein Gefühl für Gerechtigkeit entwickeln, wenn wir selbst uns ungerecht behandelt fühlen? Und auf der anderen Seite: wer Privilegien hat, soll sie sorgsam einsetzen und nutzen für die, denen sie fehlen. Ein Thema – mal wieder – auch für die Kirche! 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.02.21

Wen mag der Seher Jesaja wohl vor seinem inneren Auge gehabt haben, als er jenen Satz aussprach: „Alle, die verwirrt waren, kommen wieder zur Einsicht, und Widerspenstige lassen sich belehren.“ (Jesaja 29,24) Was für ein schöner Satz im Impfchaos und der gegenseitigen Schuldzuweisung. Denn: verwirrt sind ja grundsätzlich die anderen und eine Belehrung haben auch nur die anderen nötig. 

Aber da ist mal wieder Vorsicht angesagt! Jesaja war ein kluger Mensch – er weist keine Schuld zu, sondern bringt Hoffnung mit, dass eines Tages Einsicht und Weisheit siegen werden. Und damals wie heute gilt: je eher wir alle damit anfangen, umso schneller wird es wahr.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.02.21

Ist Jesus eigentlich lieb? Diese Frage drängte sich mir auf, nachdem ich in einem Gespräch vom „lieben Herrn Jesus“ erzählt bekam. Wenn „lieb“ das Gegenteil von „böse“ ist, dann ist Jesus lieb. Aber wenn „lieb“ gleichgesetzt wird mit „harmlos“, dann passt das nicht zusammen mit dem, was wir über Jesus lesen können. In vielen Begegnungen, die überliefert sind, hat Jesus sehr deutlich Position bezogen – auch gegen die Mächtigen seiner Zeit. Seine ganze Lebensweise widersprach dem, „was man so tut“. Gegen Ungerechtigkeit konnte er laut werden und in Geschichten und Bildern den Menschen einen Spiegel vorhalten. Und einmal hat er über sich selbst gesagt: „Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden. Und ich wäre froh, es würde schon brennen!“ (Lukas 12,49) Jesus als Brandstifter? Vielleicht tatsächlich im übertragenen Sinn: da wo ein Feuer brennt, passiert etwas. Menschen werden aktiv, begrenzen den Schaden, suchen nach Ursachen, verändern etwas, damit es nicht wieder zu einem Brand kommt. Manchmal ist „lieb“ eben auch unbequem😉

Foto: S. Landau, Fenster der Pauluskirche

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.02.21
Heute Nachmittag verreise ich! Ich fahre virtuell auf der Datenautobahn nach Berlin, um dort am nächsten Europäischen Bibeldialog teilzunehmen. 30 Menschen werden da sein und über das Thema „Vergeben, nicht vergessen“ nachdenken, diskutieren, an Bibeltexten arbeiten, Referenten hören und vor allem ganz viel austauschen. Bibeldialog – das ist für mich ein offener Austausch einerseits mit biblischen Texten und andererseits mit Teilnehmenden, über alle konfessionelle Grenzen hinweg, aus ganz Europa, aus verschiedenen Berufen und mit ganz unterschiedlichen Glaubenserfahrungen im Gepäck. Und wir alle werden anders wieder in unsere Gemeinden zurückkommen, als wir losgezogen sind 😉 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.02.21

Bei der Landessynode im Januar war ein Thema unter vielen auch „partizipative Kirche werden“. Schnell waren Kommentare im Netz zu lesen, dass wir das ja nun gar nicht mehr werden müssen, bei uns können doch schon alle mitmachen. Ja, das können alle, aber das wollen nicht alle und viele benennen auch sehr genau, warum sie das nicht wollen. Und schon sieht Kirche gar nicht mehr so partizipativ aus. 

Viele Jahrzehnte war Kirche so gestaltet, dass zwar jeder mitmachen konnte, aber nur im Rahmen dessen, was Kirche vorgab. Wer also einen Riesenspaß an Frauenhilfe, Gemeindebriefe verteilen, Jugendgruppe, Malkurs, Bibelgesprächskreis oder dem Kirchenchor hatte, der war gerne gesehen.

Aber das meint nicht Partizipation. 

Wir schließen oft immer noch Menschen durch Sprache aus. „Churchy“ und weltfremd, oft verstaubt und auch für Ü80 nicht attraktiv. Da hilft es nicht, wenn der Inhalt stimmt.

Oder anderes Beispiel: Viel zu lange fanden alle Angebote ausschließlich analog statt. Ausgeschlossen waren die, die weder Zeit noch Möglichkeit hatten einer Gruppe beizutreten. Digital wäre das alles möglich, sogar auf Geschäftsreise, am Studienort oder wann und wo auch immer. 

Und noch ein Beispiel: Ehrenamtliche wollen nicht immer nur teilnehmen an etwas, das es schon gibt. Viele wollen auch mitgestalten, ihre Ideen und Erfahrungen einbringen. Erst gestern wieder hat jemand unserer Diakonin von einer wunderbaren Idee erzählt. 

Ich hoffe sehr, dass wir nach Corona nicht so schnell wieder in alte Fahrwasser zurückfallen. Natürlich ist es schön und dringend herbeigesehnt, dass wir wieder persönliche Begegnungen haben, im Chor singen und Heilig Abend dicht gedrängt aus voller Kehle „O du fröhliche“ schmettern. 

Aber lasst uns sorgsam mit den neu gewonnen Erfahrungen umgehen und schauen, ob nicht beides geht, damit mehr Menschen Lust haben mitzumachen, zu gestalten und auch zu verändern, also Kirche zu „ihrer“ Kirche zu machen.

P.S. Die Diakonin ist schon Feuer und Flamme für die Idee – die wird auf jeden Fall umgesetzt und zwar MIT derjenigen, die die Idee eingebracht hat 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.02.21

Jeden Morgen lese ich die Tageslosung. Manchmal ärgert sie mich. Immer dann, wenn ich sie nicht verstehe oder wenn sie nicht zu meiner Stimmung passt oder wenn sie orakelartig Unheil anzukündigen scheint. All das hat dann allerdings mehr mit meiner Tagesverfassung als mit der Tageslosung zu tun. Manchmal freut sie mich einfach. Dann trifft sie irgendwie genau den richtigen Ton für den Tag. 

Und manchmal – heute zum Beispiel – lässt sie mich sehr nachdenklich zurück. „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ fragt sich Sara, nachdem ihr und Abraham, beide hochbetagt, noch Kinder versprochen worden waren. Sara und Abraham haben erlebt, dass ihr kleines großes Wunder tatsächlich passierte. Wir erleben doch oft, dass genau das nicht passiert, was wir aus tiefstem Herzen herbeisehnen. Und da hilft dann auch gar nicht der Vers aus dem Lukasevangelium, der Saras Frage an die Seite gestellt wurde: „Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke unseren Glauben!“ Aha, da haben wir es wieder - Wunder passieren dem, der genug glaubt. 

Und nun frage ich mich: Kann man gleichzeitig an etwas zweifeln und daran glauben? 

Sara hat kein bisschen daran geglaubt, dass sie noch ein Kind bekommen könnte. Im Gegenteil – als sie die Nachricht hört, bricht sie erstmal in Gelächter aus. Aber sie wünscht sich so sehr, dass es wahr werden würde, dass sie bereit ist, zumindest die Möglichkeit offen zu halten und sich zu fragen, ob es denn, wenn auch bei den Menschen unmöglich, bei Gott doch möglich sein könnte. Die Freunde bitten Jesus darum, dass er ihren Glauben größer machen soll, weil sie genau wie Sara voller Zweifel sind. Und dann erfahren sie, dass es ausreichen würde, wenn ihr Glaube nur so groß wie ein Senfkorn wäre. (Für die Küchenanalphabeten unter uns: ein Senfkorn ist winzig😉) 

Also ja! Man kann gleichzeitig an etwas zweifeln und daran glauben. Immer dann, wenn man die Möglichkeit offen hält, dass Gott uns noch überraschen kann!

 

 Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.01.21
Jetzt im Januar soll es losgehen: eine Expedition des „British Antarctic Survey“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wege und Zustände der Eisberge zu erforschen, die sich vom Festlandseis der Antarktis lösten.
Die Eisschmelze bewirkt einen Anstieg des Meeresspiegels – eine Folge des Klimawandels. Nun ist es relativ leicht danach zu rufen, „man“ müsse doch etwas dagegen tun. Tatsächlich ist „man“ aber niemand, es sei denn, wir selbst tragen uns dort ein und fragen, was WIR tun könnten. 
Das hat sich nun der Kirchenkreis Lennep auf die Fahnen geschrieben und initiiert ein ganzes Jahr mit Informationen, Aktionen und Events um Lust darauf zu machen, statt „man“ „ICH“ zu sagen.
Unsere Planungen sind noch im Anfangsstadium – Ideen und „Mittäter“ herzlich willkommen – im September geht es los 😊
 
 



„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.01.21
Kirche wird kleiner! Diese Aussage trifft seit mindestens 20 Jahren zu und bezieht sich auf die jeweils aktuelle Mitgliederzahl. Nicht nur Kirchenaustritte tragen dazu bei. In den meisten Gemeinden sterben mehr Kirchenmitglieder, als durch die Taufe hinzukommen. Und auch die Zahl der Taufen ist rückläufig, weil immer häufiger Eltern selbst keiner Kirche mehr angehören und die Taufe einfach kein Thema ist. 
In diesem Jahr hat sich die Landeskirche auf ihrer jährlichen Synode mit dieser Beobachtung sehr realistisch und ehrlich auseinandergesetzt. Und es war ein Schock, als der Noch-Präses, Manfred Rekowski, aussprach, was schon lange auf der Hand liegt: die christlichen Kirchen werden in Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft eine Minderheitskirche sein!
Dem ersten Schock folgte Erleichterung, so empfand ich es. Der Auftrag, den Jesus seinen Freunden gab, lautete: Seid Salz für die Erde und Licht für die Welt (Matthäus 5,13+14). Dieser Auftrag beinhaltet nicht eine Mehrheit zu sein. Aber er fordert heraus, Akzente zu setzen sich einzumischen, da wo unser Glaube etwas beiträgt zum Geschehen in der Welt. Hier in Remscheid haben sich die christlichen Kirchen gerade erst wieder öffentlich zu den Corona-Schutzmaßnahmen bekannt und dafür geworben, die gemeinsame Anstrengung nicht aufzugeben, in unserer Region 0 Covid-Fälle zu haben. Das ist ganz praktisch Nächstenliebe: der Schutz von Gefährdeten, die Entlastung von Menschen in Pflegeberufen und auf den Intensivstationen und der unbedingte Wille, dass bald alle wieder ihre Geschäfte und Veranstaltungsräume und Restaurants öffnen können, um Begegnung möglich zu machen und Austausch (auch darüber, was wir noch für unsere Region gemeinsam auf die Beine stellen können 😉)
 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.01.21

Nur wenige Menschen sind in diesen Tagen ohne Sorgen unterwegs. Die einen sorgen sich um ihre eigene Gesundheit oder die ihrer Lieben. Andere sorgen sich um ihren Arbeitsplatz oder ob die Kunden wiederkommen werden, wenn geöffnet werden darf. Eltern sorgen sich um ihre Kinder, die im Homeschoolingchaos versuchen, das Beste aus allem zu machen. Die „Systemrelevanten“ wissen vor lauter Arbeit nicht, wie sie ihren Alltag organisiert bekommen. Und die Einsamen wissen nicht, wie sie den Tag herumbekommen sollen.

Bevor die vielen Sorgen über einem zusammenschlagen und die Sicht nehmen, empfiehlt der Reformator Ulrich Zwingli dies: „Die Sorge treibt mich ins Gebet hinein und dieses wieder aus der Sorge heraus.“

Gebete sind keine Wunschautomaten, in die man eine Bitte steckt und dann kommt der erfüllte Wunsch heraus. Aber sie helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren, eine Sorge zu formulieren und auch auszusprechen und sie bewusst abzugeben in dem Vertrauen, dass Gottes Möglichkeiten immer anders sind als unsere. Und manchmal verändert sich dann etwas – oft schneller als gedacht – aber manchmal auch anders als gedacht😊

 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.01.2021
Homeoffice, Homeschooling, neue Maskenregeln, Impfchaos, vermutlich bald mehr Grenzkontrollen und kein Ende abzusehen. Dass das alles keine Freudenschreie auslöst, ist mehr als nachvollziehbar. Aber eben auch gerade nicht zu ändern. „Da müssen wir durch,“ sagen viele und machen tapfer weiter. Heute schickte mir jemand dieses „da müssen wir durch“ in einer besonders netten Form (Quelle leider unbekannt): „Man kann alles mit guter oder schlechter Laune tun. Die Arbeit bleibt gleich. Deshalb habe ich mich für gute Laune entschieden.“
Die Pandemie-Wochen hinterlassen den Eindruck eines Kontrollverlusts, als würden uns Pläne und Strategien entgleiten. Wie gut, dass wir wenigstens noch in der Hand haben, WIE wir diese Wochen angehen😉 Haltet durch!
 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.01.2021
Heute ist ein internationaler Gedenktag! Falls Ihr Euch gerade fragt, was für ein Tag heute ist, dann seid Ihr damit nicht allein. 2005 hat die UN den 27. Januar zu einem internationalen Gedenktag erklärt. Es wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und der Tag ist nicht unbegründet gewählt, denn am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. 
Dennoch findet dieser Gedenktag kaum Beachtung im öffentlichen Leben. Warum trotzdem ein offizieller Termin?
Es geht mir mit diesem Gedenken wie vielen anderen auch: Ich kann die schrecklichen Bilder nicht vergessen, die von diesem Tag dokumentiert sind. Wie es den Überlebenden mit ihren inneren Erinnerungsbildern gehen muss, kann ich nur erahnen. 
Was machen wir also mit den Bildern die wir kennen, den Geschichten von Überlebenden, die wir hören, und dem immer wieder aufflammenden Antisemitismus in unserem Land?
 
„Vergiss nicht, was deine Augen gesehen haben.“ Mose sagt das zum Volk Israel während seiner Wanderung durch die Wüste. Er erinnert an beste und schlechteste Erfahrungen aus der zurückliegenden Zeit und ermahnt dazu, nicht zu vergessen, sondern aus beidem zu lernen. 
„Vergiss nicht, was deine Augen gesehen haben.“ Ich höre diese Worte heute sehr persönlich. 
Nicht zu vergessen bedeutet für mich erinnern. Nicht nur an den Tag der Befreiung, sondern auch an die Geschichten, die sich hinter den Gesichtern auf den vielen Fotos von diesem Tag verbergen. In den Geschichten, die erzählt werden, sind Menschen sichtbar und es fällt leicht, sich hineinzuversetzen in Schicksale. 
 
„Vergiss nicht, was deine Augen gesehen haben.“ Nicht zu vergessen bedeutet für mich aber auch der unbedingte Einsatz für Jüdinnen und Juden in unserer Stadt und in der Welt. Dass auch nur eine von ihnen mit Angst auf die Straße gehen oder einer von ihnen die Synagogentür fest verriegeln muss – das ist nicht hinnehmbar!
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.01.21

Im Jahr 2010 eröffnete die Stadt Metz eine Dependance des Centre Georges Pompidou, das jedes Jahr Kunstbegeisterte nach Paris lockt. Aber auch die „kleine Schwester“ in Metz ist einen Besuch wert (wenn das denn irgendwann wieder gehen sollte 😉). Es dient als Zentrum für alle Formen zeitgenössischer Kunst und ist als riesiger Erlebnisraum konzipiert. Und der beginnt gleich im Foyer, einem Crossover von Wald, Licht und Form (ja, ich weiß, das klingt wirr, aber so wirkt es).Eingefangen hat mich sofort ein Spruch des chilenischen Künstlers Alejandro Jodorowsky, der die Decke des beeindruckenden Raumes ziert: „Sois toi-même et non ce que les autres veulent que tu sois. Be your own self. Not what others want you to be.” Eine kleine und eindringliche Mahnung sich nicht verbiegen zu lassen und das in einem riesigen Raum, der optisch eine Verbindung zur Natur und zum Universum herstellt. Mir kam sofort Psalm 8 in den Sinn: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Wer bin ich angesichts der Größe des Universums. Und wer möchte ich sein. Nach solch philosophischen Gedanken empfiehlt sich  Tarte au citron und Café au lait in der wunderschönen Innenstadt von Metz (#reiselust)

 

Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.01.21

Vielfach wurde die Rede der Schriftstellerin Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens geteilt und kommentiert.

Mir ist ein Satz in besonderer Weise nachgegangen: „Using your voice is a political choice.“

Trifft das nicht immer wieder zu? Wenn wir nicht sprechen über das, was uns bewegt, was uns Angst macht, was wir gut finden, dann werden wir allzu schnell Teil einer scheinbar andersdenkenden Mehrheit. Ich frage mich, ob das auch auf uns als Kirche zutrifft. Nutzen wir unsere Stimme zu selten? 

Oder haben wir Angst als Außenseiter dazustehen? Wir müssen nicht zu allem etwas sagen, aber da, wo es unsere Themen betrifft, können und sollen wir uns einmischen und für die eintreten, deren Stimme sonst nicht gehört wird.

Amanda Gorman hat ihre Worte natürlich in einem anderen Kontext ausgesprochen, aber mir geben sie viel Stoff zum Nachdenken! Vielen Dank dafür!!!!!


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.01.21
Was genau ist eigentlich Heimat? Der Ort, wo wir leben? Oder die Stadt, in der wir geboren wurden? Oder der Ort, an dem es uns einfach nur gut geht? Oder der Ort, wo unsere Lieben auch sind?
Kann man Heimat verlieren? Und wiederfinden? Oder neu finden?
Alles Fragen, die im heutigen Predigttext aus dem spannenden Buch Rut im Alten Testament auftauchen. Sehr aktuell dabei die Sicht auf Migration und Flucht, auf Ankommen und Zuhause sein und neuen Aufbruch.
Es geht um Heimat im Sinne eines konkreten Ortes, um religiöse Heimat in einer pluralen Gesellschaft und eine Liebegeschichte steht auch noch im Buch Rut. Schaut doch mal rein 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.01.21

#lichtfenster – unter diesem Hashtag wird eine Aktion beworben, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufruft.

Die Aktion ist simpel: ein Licht wird gut sichtbar in einem Fenster der eigenen Wohnung platziert und dient als Zeichen für Nachbarn und Passanten in der dunklen Jahreszeit. „Ich denke an dich“, „ich sehe dich und fühle mit dir“, „du bist nicht allein“. Auch soll mit diesem Licht der viel zu vielen Toten gedacht werden, die während der Corona-Pandemie ihr Leben verloren haben.

In Zeiten zunehmender Vereinsamung vieler Menschen vielleicht ein hilfloses Zeichen, aber vielleicht auch ein wirksames. Nicht das grelle Ausleuchten von Schwächen und Verletzlichkeiten, sondern das stetige Leuchten in der Dunkelheit, das Wärme und Orientierung gibt – lasst es uns doch ausprobieren!

Und dann auch bei der Zusatzaktion mitmachen: ein Foto vom eigenen Fenster machen und hochladen www.facebook.com/Bundespraesident.Steinmeier oder www.instagram.com/bundespraesident.steinmeier


Foto: S.Landau 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.01.21

Ich bin im letzten Jahr zum totalen Zoom-Fan geworden. Sehr viele Fahrtzeiten konnte ich einfach wegsparen, die Sitzungen verliefen oft disziplinierter als Präsenzsitzungen und waren dadurch meist auch kürzer. An die ständig wiederkehrenden Fragen „könnt ihr mich hören“, „hast du dein Mikro an“, „bist du noch da“ kann man sich gewöhnen. Eine Arbeitserleichterung im Alltag.

Allerdings auch eine Arbeitserleichterung mit Grenzen. Für Krisengespräche, Feierabendplaudereien, Projektplanung, Brainstorming und Familientreffen brauche ich ein echtes Gegenüber. All die kleinen Gesten, die man während eines Gesprächs macht, die Mimik, die bei Zoom meist verrutscht, die kleinen Nebenbemerkungen, die zu jeder Sitzung dazugehören – all das fehlt. 

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir wieder echte Gegenüber haben bei all dem, wo wir eines brauchen. Und dass wir uns genügend Zeit für das Gegenüber verschaffen, indem wir andere Sitzungen getrost von zu Hause aus und per Zoom erledigen. Gerne auch nach Corona!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.01.21

Ich gehöre zu denen, die während der Corona-Krise nicht jammern dürfen – und es deshalb auch nicht tun! Aber so langsam fällt mir eine Veränderung auf – eine besondere Gabe geht verloren😉 Ich wusste bei den meisten bekannten Liedern unseres Gesangbuchs die Nummer auswendig. Nach fast einem Jahr ohne Gottesdienstgesang liege ich öfter daneben oder habe gleich gar keine Idee.

Natürlich ist das nicht wichtig – ich kann die Nummern ja auch nachschlagen – aber es verändert sich etwas, langsam und nachdrücklich. Und das geht uns bei einigem Nachdenken auch mit anderen Dingen so. Wenn wir beispielsweise die Maske abnehmen wollen, aber gar keine getragen hatten oder wenn wir einen Film schauen und finden, dass die Personen darin ganz schön eng beieinandersitzen. Ganz langsam verändert sich die Realität und unsere Wahrnehmung. Wir sollten das gut beobachten, damit uns nicht auch Dinge abhandenkommen, die wir noch schmerzlich vermissen werden.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.01.21

Die Universität Yale hat ein geniales Programm aufgelegt. Und zwar nicht nur für zahlungskräftige Elitestudenten, sondern für jeden Interessierten per Digitalangebot: eine Vorlesung zum Thema „Science of Well-Beeing“. Auch wenn es so klingt, es geht nicht um Beauty und Co., sondern um die Frage, was uns eigentlich glücklich macht und warum. Was uns morgens erwartungsvoll in den Tag blicken lässt und was wir verändern müssten, um diese Haltung einzuüben. 

Initiiert hat das Ganze Laurie Renee Santos. Sie ist Kognitionswissenschaftlerin und Professorin für Psychologie an der Universität Yale und sie hat ihr Forschungsprojekt „Happiness Lab“ genannt. Da werde ich mal reinschauen 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.01.21
Liebe Medienvertreter, liebe Journalisten, liebe Alle, ich wünsche mir zum neuen Jahr etwas von Euch: berichtet doch bitte nur dann etwas, wenn es auch etwas zu berichten gibt. Es ist in dieser Zeit nicht hilfreich zu lesen, dass möglicherweise ein Mann (oder auch eine Frau) in der Schweiz (oder auch woanders) nach einer Corona-Impfung (wahrscheinlich mehrere Tage danach) verstorben sei (aber unklar ist, woran eigentlich).  Daraus wird ganz schnell die Schlagzeile: Nach Corona-Impfung verstorben! Wer will uns ausrotten?
Leider lesen ziemlich viele Leute nur die Schlagzeile und dann nicht weiter. Und so entstehen wieder ein paar neue Impfgegner. Wenn tatsächlich ein Mensch nach einer Corona-Impfung verstorben ist, dann wäre es doch auch möglich, erst dann eine Meldung zu machen, wenn klar ist, was warum wann und wo passiert ist.
Hilft übrigens auch bei anderen Themen: „Jesus ist mit der Arche Noah nach Jerusalem gefahren“ -
einfach mal nachfragen😊
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.01.21

Ich habe heute beschlossen, keine Kommentare mehr bei Facebook oder in Internetforen zum Thema „Lockdown“ zu lesen! Viele Kommentare machen mich fassungslos, wütend, traurig, hilflos. 

Ich wünschte, jeder der ewig besserwissenden und kritisierenden Kommentatoren würde nur einen einzigen Beitrag leisten, der für irgendetwas oder irgendjemanden hilfreich ist. Dann würde ich vielleicht wieder Kommentare lesen.

Aber im Moment empfehle ich nur den Text von Horst Kläuser, auf FB veröffentlicht am 05.01.!

Foto: S.Landau


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.01.21
Kinder haben oft auf komplexe Fragen sehr einfache Antworten – und sind zufrieden damit. Je älter wir werden, desto mehr zweifeln wir diese Antworten an. Je mehr wir wissen, desto mehr neue Fragen tun sich auf.
Ohne, dass die Frage gestellt würde, geben Kinder manchmal bei Trauerfeiern eine Antwort. „Gott wohnt natürlich im Himmel!“ „Woher weißt du das?“ „Wenn Sonne durch die Wolken scheint, dann freut sich Gott!“
Erwachsene lächeln dann meist, abgeklärt, aber auch ein bisschen wehmütig.
Der Schriftsteller Martin Walser schreibt zu diesem Phänomen: „Er konnte sich sagen, er verfalle, wenn er in diesem aus den Wolken brechenden Glanz Gottes sehe, lediglich einer Vorstellung, die in seiner Kindheit in ihm fixiert worden sei; aber dadurch ließ sich das Gefühl, der Glanz aus den Wolken sei Gott, nicht vertreiben. Dieses Gefühl ließ sich nur widerlegen. Aber das Widerlegen nützt nichts. Die Macht der Vorstellung aus der Kindheit ist nicht durch Widerlegung zu brechen.“

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.01.21

„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ – seit ewigen Zeiten wird dieses Lied als „modernes“ Kirchenlied gehandelt. Dabei ist es im letzten Jahr schon 60 geworden 😉 Aber der Text hat etwas - ein eindrückliches Bild von Gemeinde, das uns leider nicht immer und überall umzusetzen gelingt. 

Ich lese gerade „Mit Gott auf der Insel“ (vielen Dank, liebe Elke😊) und auch dort taucht dieses Bild auf und zwar mit einer sehr schönen Formulierung: „Die Kirche ein Schiff: Und wir die Mitfahrenden, die Fahrgäste, die übersetzen wollen in ein anderes Land.“ (Fabian Brand)

Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.01.21

Zur Zeit tagt die Landessynode – heute wird voraussichtlich ein neuer oder eine neue Präses gewählt. Auch im Kirchenkreis haben wir regelmäßig zweimal im Jahr eine Synode. Auf der werden ebenfalls Entscheidungen getroffen, Menschen in Ämter gewählt, die Finanzsituation des Kirchenkreises besprochen und vieles mehr.

Aber wieso eigentlich „Synode“? Warum nicht „Versammlung“ oder „Tagung“? Das Wort „Synode“ kommt aus dem Griechischen und Wikipedia sagt, es hieße „Versammlung“. Und wer würde schon Wikipedia widersprechen? 😉

Mir liegt allerdings eine andere Übersetzung mehr am Herzen. „Syn-odia“ heißt „Reisegesellschaft“ (lt. Rehkopf, Deutsch-Griechisches Wörterbuch). Das trifft es für mich voll und ganz. Auf einer Synode sind sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebenssituationen, Wünschen und Hoffnungen zusammen, aber auf einem gemeinsamen Weg. Sie alle haben ein Ziel und halten bestmöglich zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Wie in jeder Reisegesellschaft gibt es auch mal Streit und böse Worte, aber keiner steigt aus und fährt nach Hause😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.01.21

Erinnert Ihr Euch an Janosch? An Tigerente und Panama?

Offenbar konnte Janosch auch ganz anders, philosophisch, nachdenklich, überraschend. Vor ein paar Tagen in den „anderen Zeiten“ entdeckt und über das neue Jahr gestellt:

„Zeit. Nach bisheriger Vermutung läuft sie ab von hinten nach vorn. Inzwischen weiß die Physik, dass es möglicherweise nicht so ist. Am besten, du setzt dich hin und lässt sie tropfenweise über die Finger rinnen und freust dich.“ (Janosch)

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.01.21

Ich mache schon ewig mit Begeisterung Yoga. Allerdings nicht immer mit der gleichen Begeisterung. Es gibt auch Wochen (und manchmal Monate), wo ich kaum etwas tue, wo die Motivation schwerfällt und ich die Übungen bestenfalls halbherzig ausführe. Der Erfolg ist dann meistens gleich Null. 

Zum Glück gibt es immer mal wieder Yoga-Challenges. Anfang Januar war auch eine meiner Lieblingsyogalehrerinnen bei Youtube mit einer Challenge dabei. Et voilá – ich bin total motiviert und jeden Morgen gespannt, welche Übungen für den Tag vorgesehen sind und was sie mit Muskulatur, Haltung und meiner Laune anstellen.

Und nun frage ich mich, ob es da Parallelen gibt zu unserem Glaubensleben – oder besser GlaubensERleben. Fehlt uns die regelmäßige Übung? Oder ein guter Anleiter? Oder brauchen wir eine bessere Kette für den inneren Schweinehund? Das wünsche ich mir, liebe Youtube-Macher: eine Challenge für die Glaubenspraxis, 30 kleine Übungen für zuhause und für jede und jeden, morgens durchführbar und im Laufe des Tages auszuprobieren. Am Ende ein Rückblick, wie es war, was sich verändert hat, wie die nächsten 30 Tage aussehen könnten😉

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.01.21
In meinen Augen war Dag Hammarskjöld ein wirklich kluger Mann. Der jüngste Sohn des ehemaligen schwedischen Premierministers war ein ausgezeichneter Schüler, studierte später Philosophie, Jura und Wirtschaftswissenschaften und habilitierte sich an den Universitäten Uppsala und Stockholm. 1953 wurde er zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. Sein Tod 1961 bei einem Flugzeugabsturz an der Grenze zwischen Kongo und dem heutigen Sambia ist nie vollständig aufgeklärt worden, aber es hält sich bis heute die Vermutung, dass Hammarskjöld mit seinen stetigen Bemühungen um Kompromisse und Lösungen jemandem im Weg stand. Nach seinem Tod wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
Für mich ist Dag Hammarskjöld ein Mensch mit Haltung und Kenntnis, mit spiritueller Offenheit und einem unerschöpflichen Wissen. Deshalb beeindruckt mich eines seiner Zitate ganz besonders: „Es gibt keinen, von dem du nicht lernen könntest.“ Jetzt müssen wir nur noch wollen 😊
 
 


Foto von Dag Hammarsjköld aus Wikipedia, gemeinfrei

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.01.21

Morgen beginnt die Tagung der Landessynode – digital natürlich! Die Landessynode ist gewissermaßen das Kirchenparlament und das oberste Entscheidungsorgan der Evangelischen Kirche im Rheinland. 

Während der fünftägigen Synode wird gewählt – der/die Präses der Landeskirche steht zur Wahl. Es geht um Partizipation in kirchlichen Gremien, um stärkere Beteiligung junger Menschen auf Entscheidungsebenen, um verantwortliches Handeln im Bezug auf Klimaschutz, Gerechtigkeit, Eine Welt, Flüchtlingspolitik. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Bin gespannt, welche Themen und Beschlüsse es bis in die Öffentlichkeit schaffen und wahrgenommen werden und woran wir in der Zukunft weiterarbeiten werden. Ich werde hier berichten 😉#Landessynode2021

Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.01.21
Manchmal hat man doch das Gefühl, man könne nichts wirklich bewirken, das eigene Handeln würde nichts Bedeutsames austragen. Wie schön, wenn man gesagt bekommt, dass das keineswegs so ist! Die Schriftstellerin Gioconda Belli hat das uns allen gesagt: „Ich nenne mich glücklich, denn ich bin Teil einer neuen Zeit, denn ich habe erkannt, wie wichtig es ist, dass ich lebe, dass du lebst, dass wir alle leben, dass meine Hand sich mit anderen Händen verschränkt, mein Lied sich vereint mit anderen Liedern.“


Foto: S.Landau

 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.01.21

Was für eine gute Idee bei „Andere Zeiten“: Stellt euch vor, wir schauen am Ende von 2021 auf das Jahr zurück und sagen: 2021 war ein richtig gutes Jahr!

Was müsste dafür in dem vor uns liegenden Jahr passieren, damit wir dies im Dezember 2021 voller Überzeugung sagen können? Eine erfolgreiche Impfung bekommen, das steht vielleicht ganz oben, aber daneben könnten auch nochandere Dinge stehen: Freundschaften pflegen, etwas dazulernen, eine schöne Reise machen, Zeit für sich haben, etwas für andere tun. Klar, wenn das nur einer tut, passiert nicht viel, aber wenn das alle tun würden, die es können……….

 

„Was Pfarrer gerade so machen

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.01.21

Die Bilder vom Sturm auf das Kapitol sehe ich, nachdem ich mich gerade mit dem Predigttext für den kommenden Sonntag beschäftigt hatte. Und ich bin fassungslos!

Mehr noch als die Worte der Journalisten erschrecken die Bilder von paramilitärisch Verkleideten, die mit grobem Gerät Fenster und Türen einschlagen, Kameras zerstören und die Stühle demokratisch gewählter Volksvertreter besetzen. Es wirkt, als würde hier die Demokratie ihres Amtes enthoben.

Selten habe ich einen Bibeltext als so wohltuend und in die Zeit sprechend empfunden, wie gestern: Paulus hat ein Gesellschaftsmodell entworfen, das so völlig anders ist und gänzlich ohne Gewalt auskommt. Ein Modell, in dem jeder wichtig und unverzichtbar ist, wo auf alle gehört wird, und am Ende ein vernünftiges Handeln herauskommt, von dem alle etwas haben. Wie ein lebendiger Organismus muss eine Gemeinschaft funktionieren. Niemand ist so wichtig, dass es nur auf ihn allein ankommt, aber es ist auch niemand so unwichtig, dass sein Fehlen nicht bemerkt würde. 

Das ist eine Utopie – aber nur solange, bis wir alle anfangen sie umzusetzen!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.01.21

6. Januar – Tag der Heiligen drei Könige! So steht es heute in meinem Kalender. Wenn man mal davon absieht, dass es vermutlich keine Könige waren, die sich vom Stern nach Bethlehem führen ließen, und die wohl auch weder zu dritt noch Heilige waren, dann bleiben am Ende immerhin drei faszinierende Gestalten. Mich haben sie jedenfalls beeindruckt. Im Griechischen steht da weder König, noch Heiliger, noch Weiser, sondern „magoi“. Magier oder gar Zauberer, was vermutlich dem näher kommt, was diese Besucher aus fernen Landen darstellten. Astronomen, Wissenschaftler, Schriftkundige – Gelehrte ihrer Zeit, vielleicht sogar mit Geheimwissen ausgestattet.

Mich beeindruckt an ihnen, dass sie sich auf ein Abenteuer einließen, dass sie ihre gewohnte Umgebung und ihre Sicherheiten aufgaben, dass sie bereit waren, für möglich zu halten, dass Herrscher ganz anders zur Welt kommen können als in einem Königspalast. Aber am meisten beeindruckt mich, dass diese Besucher, obwohl sie Gold und wertvolle Kräuter dabeihatten, vor dem Kind auf die Knie sinken und beten.

Was für eine Größe! Irgendwie sind sie wohl doch „Könige der Herzen“😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.01.21

„Das ist hier der Himmel auf Erden“ – erinnert Ihr Euch auch daran, wann Ihr das mal jemanden habt sagen hören? Vielleicht auf einer Reise an einem besonderen Ort? Oder auch in extrem netter Gesellschaft? Oder angesichts eines perfekten Stücks Stachelbeerbaiser?

Was ist das eigentlich, ein Stück Himmel auf Erden?

Vielleicht dies: Der Ort, an dem ich bedingungslos geliebt werde. Eine Freundschaft, die ein Leben lang hält. Die Geburt eines Kindes. Das erste Wort nach einem Streit. Der Sieg der Wahrheit über die Lüge. Eine kleine Veränderung, die Großes bewirkt. Ein dunkler Tag, von einem Lächeln erhellt.

Was fällt Euch dazu ein? 😊


Foto: S.Landau

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.01.21

Unter dem Titel „mal angenommen“ ist auf der Internetseite der Tagesschau ein geniales Gedankenspiel zu finden. Ein Zukunfts-Podcast, der mit gedanklichen Experimenten spielt. „Mal angenommen, alle Menschen wären Veganer, was würde sich verändern – beim Klima zum Beispiel“.

Ganz unterschiedliche Themen werden aufgegriffen und vor dem Hintergrund beleuchtet, dass sie schon umgesetzt wären.

Ich will auch Zukunftspodcast spielen! „Mal angenommen, alle Menschen auf der Welt hätten genug zu essen“ …….!

Wenn ich mir das vorstelle, sehe ich ein fantastisches Bild – Frieden könnte einkehren. Millionen Menschen auf der Welt könnten sich wieder mit anderen Dingen beschäftigen, ihre Kinder zur Schule schicken, anbauen, wofür der Boden geschaffen ist, die medizinischen Probleme angehen…..

Und wir? Was müssten wir in Deutschland tun, damit dieses Bild wahr wird?????

 


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.01.21
Stolperte mal wieder über einen Bibelvers 😉 Ich mag sehr die alttestamentlichen Prophetentexte, weil es oft um ganz praktische Dinge geht, um soziales Verhalten oder um das Funktionieren einer Gesellschaft. Vom Propheten Jesaja – der uns zu Weihnachten so schöne Licht-Analogien beschert hat – stammt folgender Ausspruch: „Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen trösten und ihnen neuen Mut zusprechen kann.“ (Jesaja 50,4)
Mut und Trost nicht aus sich selbst heraus, sondern aus Gottes Hand, als Geschenk empfangen und als Geschenk weitergegeben. Unsere Besuchsdienstmitarbeitenden erzählen manchmal davon, wie ihnen in schwierigen oder traurigen Gesprächen plötzlich genau die Worte einfallen, die trösten oder ermutigen. Obwohl die Worte vorher nicht gedacht waren, kamen sie im richtigen Moment. Geschenk des Himmels😉
 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.01.21

Gestern interessanten Podcast entdeckt: 50 Fragen an Dich selbst!

Eine perfekte Selbstreflektion, bei der man ehrlich zu sich selbst sein muss, damit es einen weiterbringt.

Da waren solche Fragen dabei wie „wofür bist du dankbar gewesen im vergangenen Jahr“ oder „was hat dich am meisten vorangebracht“ oder „welche deiner Eigenschaften würdest du gerne ablegen“.

Am schwierigsten fand ich diese Frage: „Wem müsstest du noch etwas verzeihen“ und „wen müsstest du noch um Verzeihung bitten“. Erstaunlicherweise ist das Bitten um Verzeihung leichter, als das selber verzeihen. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, kann ich ihn meistens auch irgendwann einsehen und das dann auch zugeben. Aber jemandem zu verzeihen, der vielleicht gar nicht um Verzeihung bittet, sondern im neuen Jahr genauso weitermacht, wie im alten Jahr? Trotzdem! Nicht verzeihen zu können, belastet letztlich immer auch einen selbst. Den Ärger über jemanden oder etwas einfach abzulegen und zu versuchen, eine andere Haltung dazu zu bekommen – vielleicht ist das ein kluger Weg.

Werde ich ausprobieren 😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.01.21

Da sind wir nun im neuen Jahr – und alles fühlt sich an wie im alten Jahr. 

War doch eigentlich klar, wir sind ja nur 24 Stunden weiter, aber noch am selben Ort und dieselben Menschen und mit denselben Herausforderungen konfrontiert. 

Aber ich fange heute trotzdem an mit der Umsetzung eines meiner vielen Neujahrsvorsätze: ich nehme ab! Nein, nicht was Ihr jetzt denkt, ich meine Digital Detox😉

Nervten mich früher Papierstapel auf dem Schreibtisch und quer eingelegte Bücher über einer bereits überfüllten Buchreihe und Post Its rund um den Bildschirm, so ist es heute der Datenmüll, der mir gewaltig auf die Nerven geht. Und anscheinend nicht nur mir, denn es gibt sogar ein Wort dafür: Digital hoarding! Oder auch: Kann man ja nochmal brauchen!

Mag sein, dass man diese oder jene Datei nochmal brauchen könnte, aber dazu müsste man wissen, was sich hinter dem Speichernamen „KiKo15AltÜberarbeitet“ verbirgt oder warum ein kompletter Ordner mit Protokollen bei den Gottesdiensten gelandet ist. Ich werde mich ab heute jeden Tag durch einen kleinen Ordner arbeiten, jede Datei öffnen, die mir nichts sagt und in den Papierkorb verschieben, was überflüssig ist. Hoffentlich geht dann das Hochfahren zukünftig etwas schneller!

Ob das bei uns auch funktioniert? Gedankenmüll raus aus dem Kopf und dann schneller aufstehen können????

Euch allen ein gesegnetes und behütetes neues Jahr!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.12.20

Seltsame Stimmung heute am letzten Tag des Jahres! Viele sind froh, dass dieses Jahr mit all seinen Herausforderungen endlich vorbei ist. Aber da wir leider kein Reset machen können, ist noch gar nicht so klar, was uns im nächsten Jahr eigentlich erwartet. Wer heute Abend nicht in Trübsal verfallen will, sollte erstmal positiv denken und nach vorne schauen, denn wir müssen da durch, egal was kommt.

Mir helfen Listen mit Vorsätzen und Plänen, um die wirren Gedanken zu ordnen. Und wohl auch, um mir selbst klarzumachen, dass Zeit etwas ist, was ich gestalten kann mit all den Dingen, die mir wichtig sind, Zeit ist nicht mein Feind, der mir mein Leben wegnimmt und die schönsten Situationen am schnellsten vorbeigehen lässt. Zeit ist der Rahmen meines Lebens. Wie ich ihn ausfülle, bestimme immer noch ich. Und da war er schon: der erste Vorsatz! Eine kluge Zeiteinteilung und ausreichend freie Zeit zum Auftanken und Ideensammeln.

Was mir aber auch hilft, ist die Einsicht, dass das Leben nie ganz zu planen ist. Deshalb braucht es noch einen anderen Rahmen meines Lebens, den Dietrich Bonhoeffer in Worte gefasst hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarte ich getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

(Dietrich Bonhoeffer, 1944)

Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.12.20

1527, als in Wittenberg die Pest ausbrach, schrieb Martin Luther einen sogenannten „Pestbrief“. Eine theologische, aber auch praktisch orientierte Gedankenreise über die Frage, wie man als glaubender Mensch mit einer Seuche umgehen sollte. Das Haus ausräuchern und Orte meiden, wo man gerade nichts zu suchen hat, das gehört zu den praktischen Tipps. Aber auch dieses: Bleibt zuversichtlich und seid da, wenn euch jemand braucht.

Ich musste an diesen Text denken, nachdem ich einen Menschen zu beerdigen hatte, der Corona zum Opfer gefallen war. Wie gehen wir damit um, dass wir uns in Gefahr begeben müssen, weil Angehörige vielleicht noch Kontakt hatten? Einerseits müssen wir uns und andere schützen, andererseits dürfen wir die nicht alleine lassen, die gerade Trost brauchen. Nach Weihnachten sind auch wieder andere kreative Lösungen gefragt. Zum Beispiel solche, wie sich Trauergespräche auch sinnvoll und tiefgründig und persönlich in Ausnahmefällen am Telefon führen lassen. Und das wird wahrscheinlich nicht die einzige Anfrage bleiben. Lasst uns also die kreativen Schübe der Weihnachtszeit ins neue Jahr retten – wir werden sie wohl noch brauchen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.12.20

Triage – das Wort war mir vor Corona nicht bekannt, wohl aber das, was es bedeutet. Wenn sogenannte große Schadenslagen geschehen – Unfälle mit sehr vielen Beteiligten oder Anschläge oder Explosionen oder ähnliches – dann werden die Verletzten danach sortiert, wer sofort Hilfe benötigt und wer warten kann. Bisher erschien mir das völlig logisch. Wenn jemand bei einem Unfall scheinbar mit einem Beinbruch davongekommen ist, während ein anderer bewusstlos mit blutender Kopfwunde aufgefunden wird, dann ist es sinnvoll eine Rangfolge zu erstellen. Dem Beinbruch werden einige Minuten Wartezeit nicht schaden, dem Bewusstlosen vielleicht schon.

Was wir zur Zeit unter Triage verstehen, macht mir allerdings große Sorge. Ärzte müssen nicht im seltenen Katastrophenfall entscheiden, wem sie zuerst helfen, sondern in Alltagssituationen in ihrem Krankenhaus. Es geht darum, wer die besseren Überlebenschancen hat, weil nicht für alle Patienten Beatmungsplätze bereitstehen, die aber einen solchen benötigen würden, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben. Ich kann verstehen, dass Ärzte so entscheiden müssen. Ich kann aber allmählich nicht mehr verstehen, warum die offensichtlichen Probleme – fehlendes Personal und fehlende Ausstattung – in einem Land wie Deutschland nicht etwas schneller angegangen werden könnten. Wahrscheinlich kenne ich nicht alle Fakten, um das beurteilen zu können – aber wünschen darf ich mir ja was für das neue Jahr 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.12.20

Zwischenzeit – ich liebe diese Tage „zwischen den Jahren“. Das ist eine Zeit zum Innehalten, zum Zurückschauen, was war (und da war nicht nur Corona 😉) und eine Zeit zum Vorausschauen auf das, was wir uns wünschen und erhoffen (und das ist nicht nur das Ende von Corona 😉).

Da ich sonst im Jahr begeisterte Listenschreiberin bin, mache ich das natürlich auch in diesen Tagen. Eine To-Do-Liste der Dinge, die ich nicht mit in das neue Jahr schleppen möchte. Und eine To-Do-Liste mit den Dingen, die ich gerne im neuen Jahr starten möchte. Und das ganze ohne Stress, denn es ist egal, ob am Ende die Listen abgehakt sind oder nicht. Hauptsache, im Kopf herrscht wieder Ordnung 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.12.20

Jetzt hat der Alltag uns also wieder! Obwohl – irgendwie ist auch das anders als sonst. Das Weihnachtsfest war nicht das rauschende Fest vergangener Jahre, sondern stiller, sorgenvoller, nachdenklicher. Deshalb ist auch der Übergang in den Alltag anders. Denn auch der Alltag ist nicht wie sonst.

Eines meiner Lieblings-Nach-Weihnachtslieder ist dieses Jahr folgendes:

„Die Weisen sind gegangen. Der Schall verklang, der Schein verging, der Alltag hat in jedem Ding nun wieder angefangen.

Der Wanderstern verglühte, kein Engel spricht, kein Schäfer rennt, und niemand beugt sich und erkennt, die Größe und die Güte.

Auch sie sind nicht geblieben, die beiden mit dem kleinen Kind. Ob sie schon an der Grenze sind, geflüchtet und vertrieben?

Was soll ich weiter fragen. Ich habe manches mitgemacht – wem trau ich mehr: der einen Nacht oder den vielen Tagen?“ (eg 548, Text: Gerhard Valentin, 1965)

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.12.20

Ganz schön anders als geplant – diese Geburt ihres ersten Sohnes

So war das nicht gedacht! Das Baby sollte zuhause geboren werden. Die Mutter sollte dabei sein, weil sie sich auskannte mit Babys. Zuhause war auch alles vorbereitet. 

Und dann das! Volkszählung, schnell ein paar Sachen einpacken und los geht es. Ganz schön anstrengend ist der Weg, am Ende gibt es kein freies Zimmer, nur einen Stall. 

Trotzdem – der Engel hat gesagt „fürchte dich nicht“ und das wirkt. Alles wird ganz still und hell und friedlich.

 

Ganz schön anders als geplant – diese Nacht auf dem Feld

So war das nicht gedacht! Wenn die Schafe endlich versorgt sind, dann ist Zeit für ein schönes Feuer, für ein warmes Essen, für Männergespräche.

Und dann das! Licht am Himmel. Und eine Botschaft: Euch ist heute der Heiland geboren! Unglaublich, aber sie sehen und hören es alle. Und sie trauen dem, was sie hören und sehen.

Und dann gehen sie los, anders als geplant.

Trotzdem – wer hätte das gedacht? Ausgerechnet ihnen passiert das. Und es fühlt sich richtig gut an. 

 

Ganz schön anders als geplant – dieses Weihnachten im Jahr 2020

So war das nicht gedacht! Eigentlich hätten wir die Kirche geöffnet und nicht gewusst, wohin mit all den Menschen. Wir hätten gesungen, dicht gedrängt fröhliche Weihnacht gewünscht. Und wir hätten vielleicht das Haus voll gehabt mit Familie und Freunden.

Und dann das! Ein winzig kleines Etwas macht sich breit auf der Welt. Nimmt uns Nähe und Kontakt und macht alle Pläne zunichte.

Trotzdem – es gilt, was die Engel sagen: Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren! Der braucht keinen Raum und keine Versammlung. Der braucht offene Herzen, die sich beschenken lassen mit Liebe und Zuversicht. Auch das beginnt ganz klein. Aber es bleibt nicht klein, wenn wir es weitergeben!

(Ein Dankeschön an Sandra Herold, für ein paar Anleihen!)

 

 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.12.20
Letztes Türchen/Säckchen/Päckchen vom Adventskalender! 24 x Vorfreude und dann ist alles vorbei?! Na ja, nicht ganz, heute ist ja immerhin noch Heilig Abend – anders, als sonst, aber trotzdem. 
Und morgen ist immer noch Weihnachten und übermorgen auch. Warum enden eigentlich die Adventskalender nicht erst am 26.12.? Das hat sich auch ein ganz liebes Gemeindemitglied aus dem Schlieperfeld gefragt – und auch gleich eine Antwort geliefert: Weil noch niemand auf die Idee gekommen ist! Und prompt hat unser Adventskalender im Schaukasten ein 25. Poster.
Also an alle, die ihren Spaziergang um die Schaukästen herum machen: ein Ausflug am 25.12. lohnt sich auf jeden Fall😊
Euch allen gesegnete Weihnachten!


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.12.20

„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern! (Erich Kästner)

Mein persönlicher Spruch der Woche 😉Wenn jemand eine Idee hat, wie wir Corona verhindern können, bin ich dabei!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.12.20 

Vor ein paar Tagen gab es einen öffentlichen Kommentar eines Psychologen (leider weiß ich nicht mehr, wer das war), der sich des Themas „Familienbesuche zu Weihnachten“ annahm. 

Er warb dafür, so wenig wie möglich „in Familie“ zu feiern, mahnte eindringlich dazu, besser ganz allein zu bleiben. Seine Begründung: wir Menschen würden dazu neigen, bei Familienangehörigen und Freunden weniger davon auszugehen, dass sie infektiös sein könnten, als bei Bekannten oder gar Fremden. Aber das sei eben nur subjektiv so, objektiv können natürlich jeder Mensch, ganz gleich ob nahe stehend oder fern, ein Infektionsrisiko sein. 

Wahrscheinlich hat der Mann mit allem recht. Zumindest, was Corona betrifft. Aber in anderer Hinsicht ist das auch ein ermutigendes Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung: Die meisten Menschen haben noch Vertraute, andere Menschen, denen sie zutrauen, dass sie sich um Sorgfalt und Risikominimierung bemühen, dass andere ihnen nicht egal sind und dass man mit ihnen offen auch über diese Themen sprechen kann. Natürlich will kaum jemand Weihnachten alleine feiern, aber es ist doch schon ein guter Schritt, mit den weihnachtlichen Lieblingsmenschen das Thema „Infektionsrisiko“ ganz einfach offen anzusprechen. Dann werden sich auch Lösungen finden! 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.12.20

Vor ein paar Tagen sprach ein Kollege über die Lockdown-Zeit als eine Wanderschaft. 

Wanderschaft? Wandern ist toll, man sucht ein schönes Ziel aus, wartet gutes Wetter ab, zieht feste Schuhe an, nimmt Wasser und etwas zu essen mit und freut sich vielleicht auf eine Hütte mit Kaiserschmarrn und Kaffee. SO ist der Lockdown definitiv nicht. Oder doch? Es kommt wahrscheinlich auf unseren Blickwinkel an. Versuchen wir es doch mal so: Wir sind auf einem Weg, den wir nur noch vorwärts gehen können, weil der Rückweg viel länger dauern würde. Das Ziel ist zwar noch nicht zu sehen, aber wir wissen, dass es da ist. Das Ziel besteht aus Treffen mit Familie und Freunden, aus Reisen in ferne Länder, aus Umarmungen und maskenfreien Gesichtern.

Aber noch ist es nicht so weit, noch haben wir etliche Höhenmeter und viele Kurven vor uns. Dafür braucht es gute Laune, viele Ideen zum Durchhalten und leckeres Essen schadet auch nicht 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.12.20

Wer noch mit der Adventsstimmung in diesem Jahr hadert, für den habe ich etwas gefunden😊

Der Theologe und Autor Pierre Stutz hat sich Gedanken über die Adventsbeleuchtung gemacht und kommt zu folgendem Schluss:

„Adventliche Beleuchtung überall – 

uns nicht blenden lassen, sondern darin die tiefe Sehnsucht nach Liebe entdecken.

Adventliche Lichter überall –

uns nicht beirren lassen, den Blick für das Wesentliche schärfen: das göttliche Licht in jedem Menschen.

Adventliche Straßen überall –

uns nicht aufhalten lassen, den Weg nach innen wagen, Dunkles in mir erhellen lassen.“

In diesem Sinne Euch allen ein gesegnetes Adventswochenende!

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.12.20

Gefühlt sind gerade alle Leute dabei, immer wieder neue Pläne für die Weihnachtsfeiertage zu entwerfen. Niemand weiß gerade so genau, was richtig ist, was für alle Beteiligten das Beste wäre. Wir haben in unserer Kirchengemeinde lange darum gerungen und schließlich entschieden, dass wir ab sofort alle Präsenzgottesdienste einstellen und wieder auf digitale Formate umstellen bzw. wieder Hausandachten und die „Andacht to go“ anbieten. Wir sind da, wie immer, aber eben verstärkt übers Telefon, über Email und Zoom oder über die guten alten Briefe erreichbar. Wir halten diese Entscheidung angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen für geboten. Wir wollen uns solidarisch zeigen mit denen, die ebenfalls gute Konzepte entwickelt hatten und trotzdem nicht tun dürfen, was sie tun möchten. Und ja, Religionsfreiheit ist ein Grundrecht. Aber es ist auch ein Privileg, das die Kirchen haben und mit dem sie sorgsam umgehen sollten. Wenn eine Gesellschaft auf so vieles verzichten muss, wie wir es im Moment erleben, dann sollte auch Kirche auf ihr Privileg verzichten und gemeinsam mit allen anderen nach neuen Wegen suchen, wie Gemeinschaft gelebt und gefeiert werden kann. Und damit dies nicht nur Worte sind, setzen wir sie auch um und hoffen sehr, dass Ihr, liebe Gemeinde, diesen Weg mittragt. 

 

 

 

 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.12.20

Die meisten Menschen haben irgendeine Meinung über Gott. Die Bandbreite reicht von „gibt es nicht“ bis „ist immer bei mir“. Jetzt in der Vorweihnachtszeit spekulieren erstaunlich viele Leute darüber, was das eigentlich bedeutet: Gott kommt in die Welt! In jedem Adventsgottesdienst wiederholt und ausgelegt und nicht zu erklären. Da sind Fragen berechtigt wie „wo war er denn vorher“, „warum erst jetzt“ oder auch „soll er doch bleiben, wo er ist“.

Im anderen Advent stand dazu eine Mini-Kurzfassung der Weihnachtsgeschichte: 1. Gott existiert! 2. Du bist es nicht! Gott und Mensch – eine ganz schön schwierige Beziehungsgeschichte! Aber sich bewusst zu machen, dass wir Menschen schonmal nicht Gott sind, ist wohl der erste Schritt zur Erkenntnis 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.12.20
Da sind wir also wieder – im Lockdown! Viel zu spät und nicht streng genug – sagen die einen. Viel zu überzogen und nicht nötig – sagen die anderen. Irgendwo dazwischen bewegt sich wohl die emotionale Großwetterlage in Deutschland. 
Alle sind sich sicher, dass sie über die Monate sehr gute Konzepte entwickelt haben, um Infektionsrisiken zu minimieren. Einige dieser Akteure mit sehr guten Konzepten mussten Anfang November schließen: Theater, Museen, Restaurants, Fitnessstudios und viele mehr. Geholfen hat es nicht; die Zahlen stiegen trotzdem. Nun der nächste Versuch mit dem Einzelhandel, Schulen, KiTas und strengere Regeln für private Kontakte.
Woran lag es bisher, dass die Zahlen nicht gesunken sind? Entweder haben sich zu viele Menschen nicht an die bestehenden Konzepte gehalten oder die Konzepte sind zwar gut gedacht, aber gar nicht geeignet, weil die Ansteckungswege andere sind, als wir bisher dachten?
Solange diese Frage nicht geklärt ist, bleibt wohl nur die Lösung, möglichst viel zu Hause zu bleiben und das möglichst alleine. Nicht gerade aufbauend, aber hoffentlich wenigstens hilfreich!
Wir in den Gemeinden müssen bis zum Wochenende klären, wie wir es mit unseren Gottesdiensten zu Weihnachten halten. Die meisten Großveranstaltungen sind längst abgesagt, aber was ist mit den kleinen Feiern? Ganz gleich, was wir machen – ich fürchte, wir werden Menschen verärgern. Entweder entscheiden wir uns fürs Digitale, dann heißt es, wir zögen uns aus Angst vor Ansteckung zurück und ließen Menschen allein. Oder wir entscheiden uns für kleine Präsenzveranstaltungen, dann heißt es, wir seien unsolidarisch mit denen, die jetzt auch schließen müssen und hätten doch keine Sonderrolle.
Meine persönliche Meinung: wir sollten alles tun, um an keinem weiteren Tag 952 Menschenleben beklagen zu müssen! Und falls jemand den Eindruck hat, wir zögen uns ins Digitale zurück – schaut mal auf unserer Homepage, was wir sonst noch so machen oder ruft uns an oder schreibt uns. Neben präsenten Gottesdiensten kann man noch so viel anderes machen und „da sein“! Bleibt alle behütet!

Foto: S.Landau
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.12.20

Wir haben in unseren Schaukästen gerade Adventskalender. Auf der Honsberger Straße und am Eingang zum Kirchpark Hasten wechseln täglich Plakate mit Gedanken und Bilder und Geschichten und kreativen Einfällen von Gemeindegliedern rund um den Advent (noch bis zum 24.12., macht doch mal einen Spaziergang 😉)

Immer wieder tauchen Kerzen auf diesen Plakaten auf – in Geschichten über Kerzen, als Bilder oder im übertragenen Sinn. Kerzen bzw. Licht als DAS Symbol in der Adventszeit?

Definitiv JA, findet der Theologe und Autor Axel Kühner. In seiner Geschichte „Geheimnis des Lichts“ geht er der Frage nach, was Kerzen und Weihnachten gemeinsam haben:

Stille – Kerzen brennen lautlos – Gott kommt leise zur Welt

Freude – Kerzen flackern fröhlich und hell – Worte vom Frieden und von der Liebe zaubern Leuchten in die Gesichter und in die Herzen

Wärme – Kerzenschein ist Feuer – wohltuende Worte wärmen die Seele

Veränderung – Kerzenflammen sind ständig in Bewegung – Gottes Worte immer wieder neu ausgelegt und dadurch aktuell

Und noch vieles mehr……..vielleicht fällt uns ja auch noch etwas dazu ein😊

Bild: Schaukasten Kirchpark Hasten

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.12.20

„Jesus, was hat dich so klein gemacht? Die Liebe!“ – dieses kleine fiktive Zwiegespräch stammt von dem mittelalterlichen Mystiker Bernhard von Clairvaux. 

Immer wieder taucht über die Jahrhunderte diese Frage auf, warum Gott, wenn er selbst in Menschengestalt in die Welt kommt, es nicht in bedeutenderer Gestalt tut; als Feldherr, als der geborene Anführer, als Weiser. Warum ausgerechnet als Kind? Aus Liebe!

Ist das so? Dass etwas aus Liebe klein wird? Vielleicht tatsächlich; aus Liebe nimmt man sich selbst zurück. Aus Liebe gibt man. Aus Liebe opfert man etwas. Aus Liebe wächst der Wunsch zu schützen und zu behüten. Ein Kind fordert all das heraus. Ein neugeborenes Baby lockt das Beste in uns Menschen hervor. Also vielleicht doch eine gute Idee 😉

 
Bild: Christus mit Bernhard von Clairvaux und Martin Luther, Altenberger Dom
Foto: Siegfried Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.12.20

„Bereitet dem Herrn den Weg“ – das ist der Spruch für den 3. Advent. Gesagt hatte das lange vor Jesus der Seher Jesaja. Gott wird kommen und was wird er vorfinden?

Als ein Wegbereiter für Jesus wird Johannes, der Täufer, gesehen. Er hatte versucht, den Weg zu bereiten. Hatte Unrecht und Ungerechtigkeit, Neid und Hass angeprangert und zur Umkehr aufgerufen. SO bereitet man dem Herrn den Weg, er wurde nicht müde, das immer wieder zu sagen. Und bezahlte schließlich mit dem Leben dafür.

Wir hören nicht gerne, dass wir etwas verändern sollen. Schon gar nicht, wenn andere uns sagen, was vielleicht schlecht läuft. 

Aber wenn wir mal ehrlich sind: das eine oder andere gäbe es doch schon zu verbessern, oder? Wie wäre es, den 3. Adventssonntag mal dafür zu nutzen, eine Sache von der Liste „müsste man mal machen“ in Angriff zu nehmen? Vielleicht nicht gerade „Keller aufräumen“, sondern eher sowas wie „eine Stunde nur für mich allein“ 😊Bleibt alle behütet!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.12.20

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas kenne ich in- und auswendig!

Dachte ich jedenfalls bis heute Morgen. Und dann bin ich über ein Wort gestolpert: Über Maria steht in Vers 19, dass sie alle Worte, die sie gehört hat, in ihrem Herzen bewegte. 

Wie macht man das „Worte im Herzen bewegen“? In einer neueren Bibelübersetzung steht „sie prägte sich alle Worte gut ein und dachte viel darüber nach“. Klingt gut! Klingt modern! Aber fühlt sich falsch an!!! Im Herzen bewegen, das ist irgendwie mehr. 

Das Lukas- Evangelium ist auf Griechisch geschrieben und im Griechischen hätte man Worte für eine andere Formulierung durchaus gehabt. Aber es wurde genau dieses gewählt. Ist doch spannend! Im Urtext steht das Wort „symballo“ = zusammenfügen. Das Wort „Symbol“ kommt daher, ein Zeichen, an dem man etwas erkennen kann. Zeichen und Bedeutung werden zusammengefügt. Was also fügt Maria da zusammen????? Die Worte des Engels, die Anordnung des römischen Kaisers, Josephs Worte, ihre eigenen Fragen, die Freude über ihr Kind, die Engelerscheinung bei den Hirten auf dem Feld, die römische Besatzung in ihrer Heimat. Plötzlich passt alles zusammen. Weihnachten ist das Symbol fürs Leben. Ein Zeichen dafür, dass Gott und Welt zusammenkommen.

Und wie für alle Symbole gilt: man muss genau hinschauen, um es entschlüsseln zu können. Dafür braucht es ein bisschen Zeit, vielleicht eine Kerze, Musik und eine Tasse Tee. Auf keinen Fall braucht es Massenveranstaltungen. Nicht nur in diesem Jahr nicht!

 

Foto: S.Landau

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.12.20

Von Dietrich Bonhoeffer stammt die Definition von Advent, die es meiner Meinung nach am besten trifft: „Eine Gefängniszelle ist ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet und hofft und tut dies oder jenes – die Tür ist verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden.“ Bonhoeffer saß von 1943 bis zu seiner Hinrichtung 1945 im Gefängnis. Er wusste, wovon er sprach.

Advent = Wartezeit! Aber Wartezeit auf das, was aus einer anderen Welt zu uns kommt. Nicht Warten darauf, dass uns einer die Corona-Entscheidungen abnimmt. Für die ist JETZT der richtige Augenblick!

Bild: Dietrich Bonhoeffer mit Schülern
Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316 / CC-BY-SA 3.0

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.12.20

Gestern und heute haben wir mit allen acht Klassen der Grundschule - ein paar Tage zu früh und sehr verkürzt, aber immerhin - „una posada“ veranstaltet. Einen Umzug durch den Kirchpark mit Maria und Josef auf ihrer Herbergssuche. In Südamerika und Teilen der USA ist diese Art des vorweihnachtlichen Krippenspiels fester Bestandteil der Adventsrituale. Wir hatten ihn nun coronabedingt zum ersten Mal. Interessanterweise erlebt man als Mitspieler die alte Geschichte ganz neu: warum haben sich die Wirte eigentlich nicht mehr Mühe mit den armen Leuten gegeben? Wie schwer es einem doch fällt, eine Schwangere abzuweisen! Und wie schrecklich, wenn dann eine ganz Grundschulklasse entsetzt den Kopf schüttelt, weil man Maria und Josef den Raum in der Herberge verweigert und das Fenster im Kirchturm geräuschvoll zuknallt. Nächstes Mal möchte ich ein liebes Schaf spielen😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.12.20

„Wie viele Tote ist uns Weihnachten wert?“ So lautete vor ein paar Tagen eine Überschrift über einem Bericht zu den Feiertagsplanungen. Die Antwort ist klar: jeder einzelne Tote ist zu viel.
Aber heute las ich, man möge sich doch nicht so aufregen, die paar Infizierten (und dann vielleicht auch Tote), die es durch Weihnachten mehr gäbe, müsse man hinnehmen.
Dazu eine kleine Geschichte, die mir jemand zugesteckt hat (leider ist mir der Verfasser nicht bekannt): Ein kleines Mädchen kommt nach einer schlimmen Sturmnacht an den Strand und findet diesen übersät mit Seesternen, die der Sturm auf den Sand gespült hat. Das Mädchen beginnt, die Seesterne wieder ins Wasser zu werfen. Ein Erwachsener beobachtet sie und sagt schließlich, dass es zu viele seien, sie könne nicht alle retten. Was sie da tue, das ändere doch nichts. Das Mädchen nahm den nächsten Seestern, warf ihn ins Wasser und sagte: „Für ihn wird es etwas ändern.“
Lasst uns etwas ändern!
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.12.20

Die Infektionszahlen sinken kaum, die vielen Toten sind kaum zu ertragen. Jetzt kündigt Sachsen als erstes Bundesland einen harten Lockdown an.

In mir streiten gerade zwei Wünsche: ich will unbedingt, dass die Zahlen runter gehen. Ich möchte, dass Menschen weiterleben und Teil ihrer Familie sein können. Aber ich möchte auch Weihnachten feiern mit allen Lieben und einem schönen Gottesdienst.

In meinen Gedanken siegt gerade der erste Wunsch über den zweiten. Wie seht Ihr das?

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.12.20

„Maria ist guter Hoffnung“ – das las ich eben in einem alten Adventstext. Guter Hoffnung sein – das sagte man vor langer Zeit zu Schwangeren. Ob Maria das wohl selbst auch so gesehen hätte? War sie tatsächlich „guter Hoffnung“? Sie war ja wohl noch ziemlich jung und lebte in unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen und in politisch schwierigen Zeiten. Auch war die Ankündigung der Schwangerschaft ja nicht gerade das, was frau erwartet hätte. Kann man da wirklich guten Mutes und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen? Uns fällt das doch gerade ganz schön schwer. Weihnachten nun doch wieder in Gefahr, steigende Infektionszahlen, immer mehr Spaltung in der Gesellschaft.

Wenn wir Maria und was wir über sie wissen, ernst nehmen wollen, dann ist Weihnachten nicht in Gefahr – nur das, was wir daraus gemacht haben. Maria hat sich nach dem ersten Schock über die, vermutlich nicht gewollte und geplante, Schwangerschaft dem Leben gestellt. Hat sich abgefunden mit dem, was ihr geschah und offensichtlich eine Menge Mut und Hoffnung geschenkt bekommen, denn darüber ist im Lukasevangelium ein schönes Lied mit Marias Worten aufgeschrieben. Wer’s nachlesen möchte: Lukas 1,47-55 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.12.20

Heute kleine Überraschung auf der Fußmatte und in (nicht geputzten) Boots gefunden 😊  #beste Nachbarn der Welt

Eine Menge Legenden ranken sich um den Bischof Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts etwa 100 km südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei, wirkte.

Den Legenden gemeinsam ist, dass Nikolaus von Myra für andere da war, auf ganz unterschiedliche Weise und in verschiedenen Situationen.

Dazu passt, dass gestern die Religionsgemeinschaften in Remscheid Brot verteilt haben als Zeichen für unseren Zusammenhalt. Damals waren es die Not eines armen Vaters oder Seeleute in einem schlimmen Sturm oder die Heimführung eines entführten Kindes, an deren Rettung Nikolaus beteiligt gewesen sein soll. Heute ist es die Sorge um unseren Zusammenhalt und die Gemeinsamkeiten in einer Stadt, die unter den Corona-Beschränkungen leidet und sich fragt, wie es weitergeht. Das Brot soll ein Zeichen sein. Wir alle brauchen Brot, aber auch den Zusammenhalt und die Gemeinschaft in unserer Stadt, um die schwierige Situation, in der wir stecken, gemeinsam zu bewältigen. Nikolaus von Myra wird uns da nicht mehr helfen können. Aber wir können einander helfen!

Bild: Nikolaus von Myra, russ. Ikone von 1294, Museum Nowgorod, Quelle: Wikipedia, gemeinfrei 

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„Was Pfarrer gerade so machen

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.12.20

…….heute mal wieder etwas, was Pfarrer normalerweise eigentlich nicht machen 😊

Weil wir noch nicht wissen, wie sich das in diesem Jahr mit den Weihnachtsgottesdiensten gestaltet, haben wir aus unserem Krippenspiel einen Film gemacht. Heute war erster Drehtag an der Mäusebande (Stall von Bethlehem), auf der Zufahrt (Einfallstraße nach Bethlehem), auf der Wiese hinter der Mäusebande (Feld mit Hirten und Engel) und an drei Haustüren in der Honsberger Str. (wo heute die Wirte wohnen). 

Bei bestem Winterwetter, Kettensägen im Hintergrund und Rush Hour auf dem Honsberg haben wir wieder und wieder die einzelnen Szenen gespielt, gefilmt, kommentiert. Draußen auf der Straße oder auf der Wiese fühlten sich die vertrauten alten Worte ganz neu an und ließen sich plötzlich sehr leicht in unser corona-geschütteltes Remscheid übertragen.

Jetzt fehlen noch die Lesungen und die Propheten und die Musik. Das wird der zweite Drehtag.

Allen, die heute mitgemacht und stundenlang bei fünf Grad ausgehalten haben, von Herzen Danke!!!! Ihr habt das alle wunderbar gemacht und wart sehr überzeugende junge Eltern, Hirten, Hirtenhunde, Wirtsleute, Engel und Könige 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.12.20

Das Corona-Virus hat neben den bekannten möglichen Langzeitfolgen noch eine gravierende weitere Folge: es macht uninteressiert an dem, was sonst noch so in der Welt los ist. Wir sind alle mit uns beschäftigt, mit Maßnahmen und ihren Konsequenzen, mit den Versuchen, das eigene Leben halbwegs normal zu gestalten, Weihnachten zu retten. Da ist verständlicherweise der Kopf zu für die Probleme aller anderen. Aber wenn wir jetzt die Augen verschließen vor dem, was sonst noch ist, dann wird uns das einholen.

Nachdem monatelang über die Flüchtlingscamps in Griechenland berichtet wurde, ist es da jetzt sehr still geworden. Auch die Flüchtlingsboote, die auf den Kanarischen Inseln ankommen, sind nur mehr eine Randnotiz der Tagesmeldungen. Oder die Menschen, die aus der Region Tigray in den nicht minder unsicheren Sudan flüchten. Die lebenswichtige Frage, wie wir mit Geflüchteten umgehen, die macht keine Corona-Pause. Ich war entsetzt, als ich gestern in einem Kommentar las, „das seien ja nur Flüchtlinge, denen es sowieso schlecht geht, egal, was wir tun“. Wenn Weihnachten, das gerade alle retten wollen, das Fest der Liebe ist, dann doch bitte auch der Liebe zu denen, die gerade ganz andere Probleme haben als ein ausgefallenes Weihnachtsfest.

Unsere großen biblischen Helden, die jedes Kind aus dem Kindergarten oder der Grundschule kennt, waren übrigens Flüchtlinge: Mose flieht vor dem Pharao und lässt sich in Midian nieder (2. Mose 2); Abraham sucht mit seiner Familie Zuflucht in Ägypten, um einer Hungersnot zu entkommen (1. Mose 12) und eine uns gut bekannte Familie, bestehend aus Josef, Maria und Jesus,  fliehen vor den Übergriffen eines machtbesessenen Königs (Matthäus 2).“Nur“ Flüchtlinge, aber Glaubensväter und -mütter über Jahrtausende.

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Annette Cersovsky, 02.12.20

Vor unserem Haus stehen Altpapier-, Altglas- und Altkleidercontainer. Wie der Name schon sagt sind die bestimmt für Altglas, Altpapier und ausrangierte Kleidung. Nur das kann bei der Abholung vernünftig entsorgt werden.

Jede Woche können wir allerdings bewundern, was neben, vor und auf den Containern abgeladen wird: Hausmüll, Elektrogeräte, Spielzeug, Kleinmöbel, sogar einmal ein Kochtopf inklusive Essen.

Eine Freundin sagte ihren Kindern immer, wenn sie irgendwo Müll fallen ließen: Was glaubt ihr eigentlich, wer den Müll wegräumt? Die Frage reichte aus. Es war sofort klar, dass diejenigen den Müll wegräumen, die ihn weder produziert, noch fallen gelassen hatten und die nicht für das Wegräumen zuständig waren.

Was mich so ärgert, ist das Menschenbild, das ich hinter der Müllabladeaktion sehe: Ist mir doch egal, wer das wegmacht. Irgendein Dummer wird sich schon finden. 

Die netten Menschen, die jede Woche hier die Container leeren, nehmen die Sachen mit. Sie sind weder dumm noch zuständig. Sie kümmern sich. Wäre doch nett, wenn wir an sie dächten, bevor wir gedankenlos den nächsten Kochtopf elegant auf dem Container platzieren. 

Die Kinder der zitierten Freundin haben das Thema übrigens blitzschnell gelernt. Ist auch nicht so schwer 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.12.20

Mögt Ihr Adventskalender? Falls ja, habe ich hier zwei Ideen für Euch😊

Wer digital unterwegs ist, kann auf den FB Seiten der Kirchenmusiker Johannes Gessner und Christoph Spengler zwei musikalische Adventskalender finden und jeden Tag ein Türchen mit Musik öffnen.

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, kann ab heute in unseren beiden Gemeindeschaukästen (Honsberger Str. und Eingang Kirchpark Hasten) 24 Tage lang jeweils ein neues Poster anschauen, die 24 liebe Menschen aus unseren beiden Pfarrbezirken gestaltet haben. Euch allen von Herzen Danke dafür!!!!

Die Poster geben 24 Einblicke, was Menschen im Advent bewegt. Vielleicht ist ja auch eine Anregung für Sie und Euch dabei.

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.11.20

„Augen zu und tanzen“ – unter diesem Motto veröffentlichten Kollegen aus der Nordkirche ihren Impuls zum ersten Advent. „Augen zu und tanzen“ – das kenne ich gut. Tanzen gehört zu meinen Lieblingshobbys und ist in der Form, in der ich tanze, schon seit März nicht mehr möglich. Aber es war immer genauso: Augen zu und tanzen und dann rückt alles andere langsam wieder an den richtigen Platz. Die Sicht wird wieder klar und der Kopf frei für Ideen.

Aber Tanzen und Advent? Bekam ich nicht wirklich zusammen, bis ich von vielen Leuten hörte und las, die ausgerechnet gestern besonders deprimiert waren. In anderen Jahren läutete der erste Advent die Zeit der Lichter ein, der Geselligkeit, der Familien- und Freundestreffen. Und weil diesmal alles anders ist, will auch die Freude nicht so recht einziehen.

Wie wäre es mal mit „Augen zu und tanzen“? Die „Jerusalema Dance Challenge“ ist gerade überall zu sehen und leicht nachzutanzen. Aber auch eine schöne Salsa-Choreo kann man bei Youtube ansehen und üben. Oder sonst etwas zu der Musik, die ihr mögt? Vielleicht rücken dann auch die Dinge wieder an ihren Ort und es wird Platz für Freude.

Ungewöhnliches Adventsritual, aber es ist ja auch ein ungewöhnlicher Advent und einen Versuch ist es doch wert, oder? 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.11.20

Um den 1. Advent herum finden in unserer Gemeinde seit Anbeginn der Zeit die großen Seniorenadventfeiern statt. Viele hundert Menschen kommen zusammen, singen, hören, schauen. Die Kindergartenkinder sind da, es gibt Adventsrätsel und leckeren Kuchen, nachdenkliche und lustige Geschichten von der Wörtersammlern, Gebasteltes und vieles mehr.

In diesem Jahr haben wir diese Feiern ganz klein gemacht, bis sie in eine Papiertüte passten. In den letzten Tagen haben wir 650 Tüten heimlich in Briefkästen versteckt und sind sehr dankbar und reich beschenkt wieder nach Hause gekommen. Es macht so viel Freude, etwas für andere zu tun! Das haben alle Helferinnen und Helfer gesagt. Bei denen möchte ich mich heute besonders bedanken!!!!! Alle haben hoch motiviert und tatkräftig zugepackt, waren dabei bester Laune und hatten für jeden und jede ein gutes Wort. #allerbeste Gemeinde

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.11.20

Normalerweise würden wir heute mit ganz verschiedenen Aktionen zum Advent starten. Normal ist dieses Jahr aber ja nichts, deshalb haben wir ein bisschen „off topic“ geplant 😉

Wenn Ihr mögt, dann gibt es ab heute jeden Samstag einen kleinen Adventsimpuls zum Schauen, Lesen oder Hören und jeden Mittwoch bis Weihnachten gibt es eine kleine Adventsandacht, die wir aus unserer Pauluskirche streamen. Beides findet Ihr in unserer digitalen Kirche auf www.evangelischaufdemhasten.de

Wir, Team Hasten und Team Honsberg-Kremenholl, wünschen Euch einen guten Start in den Advent. Bleibt alle behütet!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.11.20

Falls Ihr denkt, es gäbe nur die Corona-Leugner, kann ich Euch heute berichten, dass es auch die Leugner kirchlicher Weiterentwicklung gibt😉

„Mit Kirche will ich nichts zu tun haben, die wollen nur Andersgläubige umdrehen. Mission heißt das bei denen!“ Zufällig mitbekommen in der Warteschlange im Supermarkt.

Mission hat viel Schlimmes bewirkt, darauf zielte diese Bemerkung wahrscheinlich ab. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber glücklicherweise muss auch Kirche nicht so bleiben, wie sie mal war.

Heute ist Mission keine Einbahnstraße, sondern ein Austausch auf Augenhöhe. Wir können das in unserem Kirchenkreis sehr eindrucksvoll erleben. Unser Kirchenkreis hat eine sogenannte trilaterale Partnerschaft mit Gemeinden in Ruanda und auf Java in Indonesien. Wir sind drei völlig unterschiedliche Organisationsformen mit unterschiedlichen religiösen Ausprägungen und unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Aber wir alle sind Gemeinde und lernen gerade voneinander, wie Gemeinde in der Krise geht. Dank Zoomkonferenz können wir uns hören und sehen und über alle Grenzen hinweg verbunden bleiben. Dafür bin ich sehr dankbar!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.11.20

Liebe Landeschefs und alle, die heute Allgemeinverfügungen basteln müssen,

wisst Ihr, was uns Bürger*innen wirklich helfen würde? Wenn es Regelungen gäbe, die nicht nur in sich schlüssig wären, sondern auch zu den übrigen Regeln passen würden und wenn diejenigen, die die Regeln umsetzen müssen, es auch tun würden. Wir Bürger*innen wollen nämlich sehr gerne helfen, dass die Inzidenzen sinken, aber wir scheitern manchmal an den Umsetzungen.

Kleines Beispiel, das Freunde gestern so erlebt haben (nicht in Remscheid 😉):

Einer wacht morgens mit Erkältungssymptomen auf. Da wir immer gesagt bekommen, die corona-typischen Symptome träten keineswegs typischerweise auf, ist man verunsichert, ob die Symptome jetzt auf Covid 19 oder auf einen gewöhnlichen grippalen Infekt hindeuten. Also ruft man den Hausarzt an. Der sagt, es wären ja nicht alle typischen Symptome vorhanden, also wäre es auch nicht Covid 19. Aber vorsichtshalber solle man nicht zur Arbeit gehen. Der Arbeitgeber hätte aber gerne eine Krankmeldung, um zu dokumentieren, dass ein Mitarbeitender Symptome hat. Also wieder Hausarzt anrufen und um telefonische Krankmeldung bitten. Die, so der Hausarzt, gäbe es gar nicht, da müsse man schon kommen (und seeeehr viel Zeit mitbringen). Also mit Symptomen zum Arzt, um dann zu hören, es seien ja nicht alle typischen Symptome einer Covid 19 Erkrankung vorhanden, also könne man auch nicht testen und wahrscheinlich wäre ja sowieso alles gut. Tests würde die Praxis im Übrigen auch gar nicht machen, weil das Ergebnis eine Woche auf sich warten ließe und dann wäre ja meistens alles wieder gut. Unsere Freunde haben sich dann freiwillig in Quarantäne begeben.

Wisst Ihr, was ich meine? 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Annette Cersovsky, 25.11.20

Kennt Ihr auch diese seltsame Redewendung „zwischen den Jahren“? Manchmal sagen das die Leute in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Nun gibt es aber gar kein „zwischen den Jahren“. Am 31.12. um 23:59 Uhr ist noch das alte Jahr und um 0:00 Uhr beginnt das neue Jahr. Dazwischen ist also nur ein Wimpernschlag. Aber wir fühlen dieses „dazwischen“. 

Heute habe ich dieses Gefühl auch. Das alte Kirchenjahr endet mit dem Ewigkeitssonntag und das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent. Und die Zeit dazwischen? Die ist geprägt vom „noch nicht“ und „schon jetzt“. Beim Abendspaziergang gestern ist es mir aufgefallen. Wir hängen noch gedanklich bei den Menschen, von denen wir uns in diesem Jahr und davor verabschieden mussten. Waren vielleicht auf dem Friedhof oder haben Fotoalben angeschaut oder Erinnerungskisten. Aber in vielen Fenstern leuchten schon die Weihnachtssterne und die Gärten sind festlich geschmückt. Eine Zeit des Übergangs ist das gerade. Morgen kaufe ich einen Adventskranz, der dann am Samstag bei uns bestückt wird. Ein kleines Ritual auf dem Weg von gestern nach morgen😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.11.20

Letztes Wochenende hat der Rapper Kontra K eine 1Live Krone in der Kategorie „Bester Hip Hop Act“ gewonnen. Im Anschluss wurde er interviewt: wie er zur Musik gekommen sei, was ihn im Leben verändert habe und natürlich auch, was Corona mit ihm gemacht hat. Er sei noch zu einem guten Menschen geworden, sagte er. Wie er das meine, wurde er zurückgefragt. Heute setze er sich für Zusammenhalt ein, er versuche Menschen zu motivieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Und auf die Corona-Frage antwortete er: „Ich bete zu Gott, dass die Krise vorbei geht.“ Nur eine Redewendung? Oder schon ein Gebet? 

Nach dem Interview dachte ich, dass es bei Kontra K beides war. Und dass es vielleicht meistens beides ist, wenn Menschen so etwas sagen. Das ist nochmal anders, als das inflationär gebrauchte OMG. Menschen benutzen solche Redewendungen, wenn es um Dinge geht, die sie nicht in der Hand haben, die irgendwie größer sind. Dieses Wissen darum, dass wir in einem großen Zusammenhang stehen, der über unsere Welt hinaus geht, ist ein kleiner gemeinsamer Nenner, der auch Rapper und Frauenhilfsdamen zusammenbringt. Wie schön, dass es das gibt😊Und an Kontra K herzliche Glückwünsche zur Krone!

 Foto: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-3.0 de

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.11.20

Erst Anne Frank, jetzt Sophie Scholl. Ich verstehe es einfach nicht! Was geht in Menschen vor, die ihre augenblickliche Situation ausgerechnet mit diesen beiden vergleichen?

Sie sagen, sie befänden sich im Widerstand, würden kämpfen für den richtigen Weg und mit Flugblättern aufmerksam machen, was falsch läuft. Mag alles sein, aber der Feind ist ein anderer und da wird es ziemlich schräg.

Unser Feind ist zuallererst ein Virus, wissenschaftlich nachweisbar und leider so neu, dass es noch keine Erfahrungen damit gab, als es festgestellt wurde. Dieser Feind macht keine Unterschiede. Menschen aller Nationen, aller Religionen, aller politischen Ausrichtungen können betroffen sein. Deshalb heißt es „Pan“-demie. Aber das Virus ist keine menschenverachtende Institution, kein Machtapparat, der Menschen wegen ihrer Volkszugehörigkeit verfolgt und ermordet. Also bleibt doch bitte auf dem Teppich! Ihr dürft gegen die Maßnahmen protestieren, ihr dürft eure Meinung sagen, sogar solche Vergleiche mit Anne Frank und Sophie Scholl. Aber ihr müsst auch damit leben, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Maßnahmen unterstützt, den gemeinsamen Feind unter Kontrolle bringen will, damit alle wieder ohne Einschränkungen leben können.

Ich frage mich, was uns Anne Frank und Sophie Scholl wohl heute sagen würden? Vielleicht dieses: sorgt dafür, dass die Weltbevölkerung lernt gut miteinander zu leben. Und fangt damit bei euch an, in eurer Stadt, in eurem Stadtviertel. Schaut nach denen, die abgehängt sind und nehmt sie mit. Hört auf, die Gesellschaft spalten zu wollen. Diskutiert, verbessert das System, widersprecht und macht bessere Vorschläge. Und sorgt dafür, dass nie wieder ein Mensch das erleben muss, was wir erlebt haben.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.11.20

Reden wir zu früh, zu viel, zu vollmundig von der Hoffnung? Das frage ich mich jedes Mal, wenn ich nach einer Beerdigung an einem Grab stehe. Alle Worte sind gesprochen, die Angehörigen treten nacheinander ans Grab, manchmal weinend, manchmal mit versteinerter Miene, manchmal fassungslos. Habe ich die richtigen Worte gefunden? Trösten kann ich ja nicht, denn von jetzt an wird dieser eine besondere Mensch immer fehlen. Aber habe ich wenigstens eine Perspektive in der Trauer öffnen können? Für das, was kommt? Oder wird einer denken, dass das alles leere Worte waren, gesprochen aus Hilflosigkeit angesichts des Todes?

Im Augenblick der Beerdigung gibt es wenig Tröstliches. Es tut weh, einen Menschen zu verlieren. Und es ist richtig, wenn am Grab geweint wird. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ehrlicher Ausdruck dessen, was man im Moment des Abschieds fühlt. Der Tod beendet nicht nur das Leben der Verstorbenen, sondern sehr oft auch die Hoffnungen und Träume der Angehörigen und Freunde. Daran werden sich viele Menschen am kommenden Sonntag erinnern. Totensonntag! 

Zu hoffen, ohne zu wissen – das scheint zu wenig zu sein. Die Psalmbeter Israels kannten auch den Tod und wussten, wie weh der Abschied tut. Aber sie hatten Bilder im Kopf, die ihnen den Blick über die Trauer hinaus öffneten, auch ohne zu wissen. So wie dieses Bild aus Psalm 56: „Du sammelst meine Tränen in deinen Krug!“ Keine Träne, bei einem Abschied geweint, ist vergebens und keine Lebensgeschichte geht verloren. Wie kostbares Öl werden bei Gott Erinnerungen in einem Gefäß gesammelt und aufbewahrt und geschätzt. Denn eines Tages wird aus den Erinnerungen und den Tränen und der Trauer wieder Leben werden. Wir wissen es zwar nicht, aber manchmal können wir es fühlen. Ewigkeitssonntag!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.11.20

Seit die Ministerpräsidentenkonferenz getagt hat, wird geschimpft. Den einen gehen die Forderungen viel zu weit, den anderen nicht weit genug. Die nächsten sehen überhaupt keine Notwendigkeit für irgendetwas, und wieder andere beschwören das Ende der Welt. Und alle sehen sorgenvoll und Böses ahnend auf die nächste Konferenz. 

Klar, es wäre sehr traurig, wenn wir Weihnachten nicht feiern könnten, wie wir es gerne haben. Es ist schade, dass wir keinen Bummel über den Weihnachtsmarkt machen können oder mit Freunden wichteln. Aber deswegen auf alle Regeln verzichten?

Wie wäre es mit der ABC-Entscheidungstaktik?

A: Wir wollen alle nicht, dass die Infektionszahlen steigen. Abstand und Maske hilft dabei.

B: Die Infektionszahlen steigen, wenn wir Kontakte nicht reduzieren und die Maske fröhlich unter dem Kinn tragen.

C: Gibt es im Moment leider nicht. 

Entweder entscheiden wir uns alle für A oder die, die für B sind, haben eine bessere Idee, wie man die Infektionszahlen anders senken könnte. Falls das der Fall ist, bitte unbedingt nach Berlin melden😉

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Annette Cersovsky, 20.11.20

„Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist!“ Dieser Vers aus dem 34. Psalm war gestern Tageslosung. Vielen Gottesdienstbesuchern wird er aus der Liturgie der Abendmahlsfeier bekannt sein. 

Kann man Freundlichkeit schmecken? Oder sehen? 

Die Theologin Christina Brudereck hatte eine sehr schöne Idee, wie man Freundlichkeit schmackhaft und sichtbar machen könnte. Ihr Text heißt „Ein Zutaten-Gebet“. Ihre Zutaten für Freundlichkeit sind beispielsweise Chili für den Mut, Couscous für die Entdeckerlust, Ingwer für frische Energie, Zimt für adventliche Vorfreude und vieles mehr. Freundlichkeit kann ja viele Gesichter haben, deshalb braucht es auch viele verschiedene Zutaten.

Ich wünsche mir noch Lavendeltee für mehr Geduld, Thymian für Gelassenheit und Zwiebelsäckchen für offene Ohren. Und die tägliche Erinnerung, dass Gott mir auch freundlich begegnet😊Auf dass aus vielen Zutaten freundliche Taten werden!

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.11.20

Nach dem ganzen Durcheinander wegen des Infektionsschutzgesetzes habe ich mal die Juristin in der Familie gefragt, was eigentlich genau im Gesetz steht und was jetzt verändert wird und warum.

Große Überraschung: das meiste stand schon immer im Gesetz, hat nur niemanden interessiert. Die Änderungen ergeben sich aus der sich ständig verändernden Lage. Man kann die Änderungen gut oder schlecht finden, notwendig oder überzogen. Auf dem Weg zur Diktatur sind wir jedenfalls nicht. Und alle Vergleiche mit dem Nationalsozialismus verbieten sich eigentlich von selbst.

Dieses Phänomen begegnet mir in anderer Weise in Form von Aussagen, was alles in der Bibel stünde und weswegen man nie und nimmer daran glauben könne.

Wenn man wirklich interessiert wäre, würde man nachfragen und hoffentlich Antworten bekommen. Vielleicht gefallen die nicht oder sie werfen neue Fragen auf. Aber dann ist man im Gespräch und kann den eigenen Horizont erweitern. Herumschreien und den Reichstag stürmen verhilft jedenfalls nicht zu Antworten!

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.11.20

Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Buß- und Bettag mal ein Feiertag war. Als Schülerin fand ich diesen Tag super. Er fiel immer auf einen Mittwoch und unterbrach damit die Schulwoche. Und ab Donnerstag war dann schon das Wochenende ganz nah. Anfangen konnte ich allerdings wenig mit diesem Tag. Beten kannte ich, büßen sagte mir nichts, klang aber gar nicht gut. Irgendwie nach Bestrafen und sich schlecht fühlen müssen.

Heute ist dieser Tag ein normaler Werktag. Aber ich habe ihn als Erwachsene sehr viel mehr schätzen gelernt. Kein Tag, an dem mir etwas vorgeworfen oder vorgehalten wird. Kein Tag, an dem ich mich schlecht fühlen muss. Einfach nur ein Tag im Jahr, an dem ich erinnert werde, dass es manchmal gut wäre, innezuhalten, zu reflektieren, was man gerade tut, sich vielleicht neu auszurichten. Für mich ist heute die Botschaft des Buß- und Bettages: Du musst nicht so bleiben, wie du bist, wenn du dich verändern willst. Du kannst deinem Leben jederzeit eine Kurskorrektur verpassen und musst nicht Wege weitergehen, die niemandem guttun. Genau genommen gilt das für jeden Tag, glaube ich, aber es ist gut, jedes Jahr wieder daran erinnert zu werden 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.11.20

Heute, am 17. November, wäre ich, wie jedes Jahr, zum Geburtstag eingeladen gewesen. Am Vormittag ihres Geburtstages lud eine unserer sehr aktiven Ehrenamtlichen gerne alle ein, mit denen sie im Gemeindealltag zu tun hatte. Das war immer eine große und lustige Runde. Man kannte sich und tauschte sich aus. Über die Gemeinde, über Menschen und ihre Geschichten, aber auch über das eigene Alter und die zunehmende Gebrechlichkeit, die vieles unmöglich machte, was früher so selbstverständlich war. Das Geburtstagskind hat bei diesen Gesprächen immer nach vorne geschaut, andere motiviert und von seinem Glauben erzählt. 

Ich dachte dann immer an diese Verse aus dem Römerbrief: „15 Freut euch mit den Fröhlichen. Weint mit den Weinenden.16 Seid alle miteinander auf Einigkeit aus. Werdet nicht überheblich, sondern lasst euch auf die Unbedeutenden ein. Baut nicht auf eure eigene Klugheit.17 Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.18 Lebt mit allen Menschen in Frieden –soweit das möglich ist und es an euch liegt.“ Das hat unser Geburtstagskind gelebt! In diesem Jahr mussten wir Abschied nehmen. Aber vergessen werden wir nicht!

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.11.20
Gestern startete die ARD mit ihrer neuen Themenwoche „Wie wollen wir leben?“.
Sofort kam Protest: viel zu weit gefasst, zu unkonkret, zu wenig klar.
Mir allerdings gefällt das Thema gut, denn es ist eine Frage an uns alle, als Bürger*innen unserer Wohnorte, als Mitglieder unserer Religionsgemeinschaften, als Menschen aller sozialen Gesellschaftsschichten, Interessengruppen, Vereine, In- und Ausländer*innen, Menschen mit und ohne Arbeit, Kranke und Gesunde, Arme und Reiche u.s.w.
Wie wir zukünftig leben wollen, diese Frage müsste uns alle umtreiben und wenn wir versuchten sie zu beantworten, würden wir sehr schnell bei sehr konkreten Themen landen. 
Wer in einer Welt mit gut funktionierendem Gesundheitssystem leben möchte, muss die dort Arbeitenden vernünftig bezahlen. Wer seine Kinder in sauberer Umwelt aufwachsen lassen will, dem kann der Klimawandel nicht egal sein. Wer die Verlierer der Globalisierung nicht aus den Augen verlieren will, müsste sich mit dem Lieferkettengesetz beschäftigen.

Wenn die Pandemie uns eines gezeigt hat, dann doch dieses: niemand von uns ist allein auf diesem Planeten und wie wir handeln, hat Auswirkungen an anderen Orten, auch wenn wir sie nicht kennen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.11.20

Dort, wo ich aufgewachsen bin, gab es gleich hinter dem Gartenzaun einen großen Wald - unser liebster Spielplatz. Aber am allerliebsten waren wir am Rand des Waldes auf einem ummauerten, gepflasterten Rondell. Ringsum zugewachsen wie Dornröschens Schloss, in der Mitte ein steinerner Tisch, auf dem man wunderbar „Supermarkt“ spielen konnte. Weil dieses Rondell im Gegensatz zum Wald völlig eben war, übten wir dort auch das Laufen auf Stelzen. Allerdings sollten wir dort gar nicht spielen, hatten unsere Eltern gemahnt. Aber wir taten es natürlich trotzdem, nur heimlich. Einmal war ich dabei von den Stelzen gefallen und hatte mir ziemlich übel das Knie aufgeschlagen. Es klappte also mit dem Verheimlichen nicht wirklich gut an diesem Tag. Wie zu erwarten war, bekam ich reichlich Ärger. Warum wir dort nicht spielen dürften, fragte ich. Meine Mutter antwortete, weil das Rondell ein Ort sei, an dem man sich erinnern solle: an all die Menschen, die während der Weltkriege gestorben waren. Und damit man erinnert würde, dass es nie wieder Krieg geben dürfe. Meine Mutter hatte den Krieg als Kind erlebt und wusste, wovon sie sprach. 

An einem Tag im November erklang Musik von unserem Rondell. Wir gingen nachschauen und sahen den Posaunenchor dort stehen und spielen. Und sehr viele Blumen auf „unserem“ Tisch. Volkstrauertag, sagte meine Mutter. Da macht man das so.

Das konnte ich verstehen. Ein Volk trauert an diesem Tag. Und wie bei einer Beerdigung sind Menschen gekommen, um sich zu erinnern.

Heute ist Volkstrauertag. Und es gibt so viel zu betrauern. Die Opfer aller Kriege weltweit. Die Opfer von Gewalt und Unterdrückung. Die Opfer von Hass und Neid und Gier. 

Auch heute gilt: nie mehr! Für Krieg und Gewalt gibt es keine Entschuldigung!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.11.20

Heute gab es einen sehr anregenden Vortrag auf unserer Kreissynode. Per Zoom zugeschaltet war Frau Prof. Pohl-Patalong, die Thesen zur Zukunftsfähigkeit der Kirche aufstellte.

Wie immer bei der Frage nach dem richtigen Weg für die Zukunft, wurde auch heute engagiert diskutiert. Zum Beispiel darüber, ob Kirche nicht zu sehr von ihren Strukturen her bestimmt wird oder ob Verkündigung vielleicht zu einseitig geschieht. Eine zukunftsfähige Kirche, so Frau Pohl-Patalong, sollte von ihrem Auftrag her denken und daraus Strukturen entwickeln. Die Verkündigung sollte so vielfältig wie möglich geschehen. Menschen sollen sich beteiligen können in dem, was sie interessiert, nicht nur da, wo sie gerade gebraucht werden. Kirche soll sich stärker, auch uneigennützig, im Gemeinwesen engagieren und sich arbeitsteiliger orientieren. 

Das ist nur ein kleiner Auszug der heutigen Themen. Gerne würde ich darüber weiterdiskutieren. Vielleicht in einem Barcamp? Was meint Ihr?

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.11.20

Gestern Webinar von Churchdesk besucht: #Weihnachten2020 !

Manche Ideen haben wir tatsächlich auch schon gehabt und sind dabei, sie umzusetzen. Andere könnten noch dazu kommen. Was haltet Ihr von kleinen Weihnachtsandachten zum Mitnehmen an einer Wäscheleine im Kirchpark? Könnte man mitnehmen, wenn man sowieso gerade einen Weihnachtsspaziergang macht.

Auch nett finde ich den musikalischen Adventskalender auf der Gemeindehomepage, wo Kirchenmusiker*innen oder andere Kulturschaffende ihre Lieblingsweihnachtslieder einstellen.

Oder beleuchtete Kollektenbeutel, die man auch nachts im Kirchpark gut sehen könnte und womit wir für „Brot für die Welt“ sammeln könnten. Die 62. Weihnachtsaktion geht diesmal an Projekte, die sich für Alternativen zur Kinderarbeit einsetzen, um möglichst vielen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Wie schön, dass es überall in den Gemeinden in Deutschland gerade Ideen gibt, was wir tun könnten, um Weihnachten zu erleben, auch wenn es in diesem Jahr wohl ganz anders werden wird.

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.11.2020

Habe eine schöne Idee für trübe Tage entdeckt. Kennt Ihr die auch? Diese Tage, die nicht nur wettermäßig trüb sind, sondern auch ansonsten wenig Überraschendes versprechen, und wenn doch, dann nichts Gutes?

Man hat doch oft an solchen Tagen das Gefühl, es wäre nicht ein einziger Lichtblick dabei gewesen und das ganze Leben in diesen 24 Stunden sei irgendwie im grauen Nebel vorübergezogen.

Dass das vielleicht gar nicht so war, könnte ein Danke-ABC ans Licht bringen. Geht ganz einfach:

Danke für

A          Aufstehen geglückt

B           Bauchgefühl noch da

C           Cappuccino war lecker

D          Draußen war es doch nicht so schlimm

u.s.w.

😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.11.2020

Fuhr heute hinter einem Auto her, das überall mit sehr speziellen Aufklebern versehen war: „Lies die Bibel“; „Jesus hilft dir“, „Jesus ist Leben“ u.s.w.

Ich fragte mich, was die Besitzer des Wagens motiviert haben könnte, ihre Botschaften auf diese Weise durch die Stadt zu fahren. Und welche Reaktionen sie sich wohl erhoffen.

Ich selbst fühlte mich nicht angesprochen. Obwohl ich durchaus die Bibel lese und sie für existentiell halte. Auch denke ich, dass mein Glaube mir in vielen Situationen hilft. Aber das sind immer sehr persönliche Erfahrungen. Ich glaube nicht, dass plakative Äußerungen auf einem Auto dazu beitragen, dass Menschen Lust bekommen, in der Bibel zu lesen. 

Ich erlebe es eher so, dass Menschen sich fragen, warum ich bestimmte Dinge so und nicht anders für mich entscheide oder warum ich dies oder jenes tue. Und wenn ich dann sage, dass das auch mit meinem Glauben zu tun hat, dann ist oft Interesse da. Auch Interesse, mal nachzuschlagen, wo ich meine Weisheiten eigentlich herhole. Und manchmal kommt dann ein Gespräch zustande. Auch schonmal eines, indem ich selbst neue Sichtweisen zum Nachdenken bekommen. Für mich funktioniert das so: im Dialog sein, aufeinander hören, voneinander lernen. Das ist spannend, macht Spaß und Lust auf mehr 😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.11.20

Habe mir mittlerweile einige Reden von Mr. President Elect angehört. Was für eine Wohltat! Eine wertschätzende Haltung, eine höfliche Sprache, gut überlegte Formulierungen, die auch einer kritischen Überprüfung standhalten können. Natürlich wird jetzt nicht alles einfach gut. Dafür gibt es zu viele Probleme und tiefe Gräben. Aber es ist wieder eine andere Sprache da, die Dialogfähigkeit verspricht und aufmerksames Zuhören, und den aufrichtigen Willen zu einer fairen Auseinandersetzung.

Wie sehr würde ich mir das doch auch bei den Querdenkern wünschen! 


"Was Pfarrer gerade so machen"

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.11.20

Der 9. November erzählt in Deutschland zwei Geschichten. Die eine beschreibt, was geschieht, wenn Menschen dem Bösen nachgeben. Die andere beschreibt, welche Möglichkeiten darin liegen können, das Gute zu tun.
Ein Gedenktag für zwei bedeutsame Ereignisse in der deutschen Geschichte. Ein Gedenktag für ganz unterschiedliche Schicksale, die mit diesem Tag verbunden sind.
Ein Gedenktag, der uns gleichermaßen Mahnung und Hoffnung sein kann. Wir alle haben es in der Hand, denn jeder von uns trifft täglich Entscheidungen. Und jede Entscheidung eines Einzelnen kann dazu führen, dass eine ganze Nation kippt, auf die Seite des Bösen oder auf die Seite des Guten. Wir haben beides in Deutschland erlebt – 1938 und 1989. Wo hätten wir gestanden – 1938 und 1989? 
Der Antisemitismus ist heute in Deutschland erschreckend weit verbreitet. Zu einem geeinten Deutschland gehört für mich auch, dass Jüdinnen und Juden in unserem Land sicher leben können. Solange das nicht ist, haben wir als Kirche eine Aufgabe: zu mahnen und dafür einzustehen, dass niemals wieder ein 1938 geschehen kann und zu erinnern, was gewaltfreier Widerstand der Vielen bewegen kann. 
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“!(Römerbrief 12,21)
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“Was Pfarrer gerade so machen” 


... heute tatkräftig die Martinsaktion des Stadtteil e.V. Honsberg unterstützen 💪🏽Im Bus sind die Weckmänner und liebe Grüße aus dem Lindenhof. 

Thorsten ist für die Logistik zuständig 👏.

Der KoVoHo ist natürlich mit dabei!

Oops 😷so ist natürlich richtig

Geschafft! Und gut geschätzt! Und viele nette Menschen getroffen, die uns gute Wünsche und liebe Worte mitgegeben haben🤗Bleibt alle behütet, euer Team vom Neuen Lindenhof!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.11.20

Am ersten Sonntag im Mai feiern wir in der Pauluskirche Konfirmation. Immer! Na ja, fast immer. 

Ihr wisst, was in diesem Jahr am ersten Sonntag im Mai los war. 
 Die Konfirmationen wurde verschoben. Und weil wir besonders vorsichtig sein wollten, haben wir sie gleich bis in den Oktober verschoben. 

Ihr wisst, was im Oktober los war. Zunehmend waren Schulen und KiTas von Infektionen und damit verbundenen Quarantänemaßnahmen betroffen. Und so mussten ein paar Konfirmationen wieder verschoben werden, weil die Konfirmandinnen und Konfirmanden in Quarantäne steckten. Für diese Jugendlichen haben wir einen Alternativtermin im November gefunden. 

Ihr wisst, was im November los ist. Gottesdienste dürfen zwar stattfinden, aber keine Familienfeiern. Einige Konfirmationen finden jetzt ohne Familienfeier statt. Die anderen haben wir verschoben. Diesmal in den Januar. Hat schon jemand eine Ahnung, was dann passiert????

Für uns als Gemeinde ist das nicht so schlimm. Wir können die Konfirmationen jederzeit nachholen. Aber für Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden und Eltern ist das eine echte Herausforderung. Planen, Vorbereiten, Einladen, dann wieder ausladen, alles rückgängig machen, dann wieder planen, einladen…..!

Heute muss ich Euch mal sagen, dass ich Eure Geduld bewundere und Euren Humor und dass Ihr die Hoffnung nicht verliert, dass irgendwann alle Konfirmation gehabt haben werden!!!!

An uns soll es nicht liegen, wir werden immer kreativer 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.11.20

Kleine Erinnerung: Wer noch Lust hat, Beiträge zu unserem Online-Andachtsbuch zu verfassen, der kann das sehr gerne noch bis Ende November tun.

Ihr findet die Bibelverse für die Monate des Jahres 2021 auf unserer Homepage www.evangelischaufdemhasten.de unter „Forum“ und dann „Online-Andachtsbuch“. Eure Texte schickt Ihr einfach an mich (per PN bei Facebook oder an meine Email-Adresse auf der Homepage oder in Papierform in meinen Briefkasten).

Kleine Info, weil es dazu Rückfragen gab: Es geht nur um kurze Gedanken, Geschichten, Einfälle, die Euch zu den Bibelversen kommen. Es geht definitiv nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern es zählt, was ein Bibelvers bei Euch auslöst😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.11.20

Wenn man eine Fremdsprache lernen will, muss man auch Vokabeln lernen. Sozusagen als Handwerkszeug der Verständigung.

Wir alle haben wohl in diesem Jahr Infektionssprache gelernt. Und dazu gehörten auch viele neue Vokabeln: Inzidenzwert, Superspreader, Hotspot (dachten wir doch früher immer, das hätte mit dem Internet zu tun 😉), Reproduktionszahl, Triage, Nachverfolgung.

Fand eben in meinem Andachtsbuch einen netten Gegenentwurf:

Achtung Ansteckungsgefahr!

1.      Glücksnachrichten

2.      Wiedersehensfreude

3.      Gute Laune

4.      Lust auf Abenteuer

5.      Begeisterte Gesichter

(aus: Redaktion der Herrnhuter Losungen, Losungen für junge Leute 2020)

 

Bitte, bitte, steckt Euch damit an! Das hilft gegen Novemberblues und Chaosnachrichten😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.11.20

Vor vier Jahren bin ich morgens aufgewacht und war mir nicht ganz sicher, ob ich nicht doch noch träume. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Was für mich undenkbar ist.

Diesmal bin ich gar nicht erst schlafen gegangen, habe so lange es ging den Wahlkrimi verfolgt. Und denke jetzt wieder, ich träume das nur. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Sollte es wirklich möglich sein, dass gezielte Desinformation am Ende weltpolitisches Geschick bestimmt? Für Millionen Menschen in den USA und überall? 

Ich habe in den USA während der Obama-Zeit gute Erfahrungen gemacht, interessante Menschen kennen gelernt, grandiose Städte besucht und wunderbare Landschaften erlebt. Aber jetzt frage ich mich einmal mehr, ob nicht schon immer unter der Oberfläche geschlafen hat, was jetzt wieder zutage tritt. Weil niemand es sehen wollte? Oder konnte? 

Hoffen wir, dass die Demokratie noch eine Chance bekommt! Damit das Gute eine Chance zum Wachsen bekommt. Für die Menschen, die von guter Politik abhängig sind und sich gerade darauf verlassen müssen, dass in ihrem Sinne gehandelt wird.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.11.20

 

Beschäftige mich gerade mit dem Predigttext für nächsten Sonntag. „Wir und die anderen“ ist mein gedanklicher Aufhänger. In diese Überlegungen hinein trudeln immer mehr Nachrichten aus Wien. Woher kommen so viel Hass und eine so große Gewaltbereitschaft? „Wir und die anderen“? Immer wieder? Im 1. Thessalonicherbrief entdecke ich auch dieses „wir und die anderen“. Aber mit einer anderen Intention. Weil wir Hoffnung haben und Liebe und Vertrauen, müssen wir nicht andere verurteilen, ausgrenzen, mit Hass und Gewalt überziehen. Weil wir geliebte Kinder Gottes sind, können wir anerkennen, dass das auch für alle anderen Menschen gilt. Dann kann man sich auch an einen Tisch setzen und über all das sprechen, was in unserer Welt im Argen liegt. Und das ist eine unglaublich große Menge. Ich habe für Attentate, für jegliche Gewaltanwendung, kein Verständnis und bin schockiert darüber, dass es schon wieder passiert. Aber wäre es nicht wichtig, wenn wir verstehen könnten, was Menschen zu Attentätern macht? Vielleicht wären dann Lösungen nicht ganz so fern und der große Verhandlungstisch der Welt ehrlich und aufrichtig an Lösungen interessiert.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.11.20

Nachts (fast ganz) allein im Museum! Als ehemalige Burger Pfarrerin dachte ich, ich würde das Schloss sehr gut kennen. Aber bei Nacht und fast ohne Besucher und ohne die normale Beleuchtung war alles ganz anders. Lichtinstallationen setzten überraschende Akzente, anderes blieb verborgen. Vertrautes sah plötzlich anders aus und Unvertrautes machte neugierig.

Da bekommt Jesus‘ Selbstaussage „Ich bin das Licht der Welt“ nochmal eine neue Bedeutung für mich. Im Licht dessen, was Jesus tat, sieht ja auch manches anders aus. Der Blick auf den Anderen, die Frage nach dem Wesentlichen, die Entscheidung, wo wir unsere Lichtakzente setzen wollen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.11.20

Da sind wir also wieder – Lockdown oder eine Light-Version davon. Aber kein bisschen „light“ für die, die jetzt erneut hart getroffen sind. Für die ist es eher wieder neues „Leid“.

Wer trägt eigentlich Schuld daran, dass es wieder so weit gekommen ist? Jeder zeigt gerade mit dem Finger auf andere. 

Die Infektionsherde lägen im privaten Bereich, sagen die Wissenschaftler. Das leuchtet ein, denn dort bewegen wir uns auf vertrautem Gelände, machen vieles wie immer und kontrolliert werden wir dort natürlich auch nicht. Das ist auch richtig so, weil die private Wohnung ein besonders geschützter Bereich ist. Aber an diesem Punkt beginnen wir uns im Kreis zu drehen. Wir wollen uns im Privaten nicht einschränken lassen, wir wollen keine Kontrollen im privaten Raum, wir wollen aber, dass die Infektionszahlen möglichst schnell auf Null zurückgehen. Findet den Fehler😉

Wahrscheinlich tragen wir alle einen Teil der Schuld. Und sollten jetzt auch alle dazu beitragen, dass es wieder besser wird. „Suchet der Stadt Bestes“ – hieß es heute im Predigttext aus dem Jeremia-Buch. DAS zumindest können wir tun, da ist unsere Kreativität gefragt. Wer es sich leisten kann, sollte seinem Sportverein, Tanzkurs, Fitnessstudio, Theater etc. treu bleiben und keine Abos oder Mitgliedsbeiträge aufkündigen. Wenn euer Lieblingsrestaurant einen Abholservice anbietet, dann wäre doch ein „Day off“ in der Küche eine WinWin-Situation. Wenn Ihr Kulturschaffende kennt, fragt sie doch mal, womit man ihnen helfen könnte? Seid nett zum medizinischen Personal und geduldig im Supermarkt. Lächelt trotz Maske euer Gegenüber auf der Straße an. Informiert euch, was eure Stadt gerade brauchen könnte. 

Übrigens: heute startet die Aktion „Laternenfenster“. Wenn Ihr noch eine Laterne zu Hause habt, hängt sie heute Abend ins Fenster. Vom 01.-11.November können Kinder mit ihren Laternen durch die Straßen gehen und Laternenfenster zählen. Kein Martinszug, aber eine süße Alternatividee 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“ - Aktion zum Mitmachen

…..ab und zu mal was Neues ausdenken 😉

Habt Ihr auch schonmal gedacht, dass Andachten zu Bibelversen manchmal wenig lebensnah sind und nichts mit Euch zu tun haben?

Dann habt Ihr jetzt die Chance, etwas dagegen zu tun!

Ich würde gerne zu den Monatssprüchen 2021 eine Sammlung lebensnaher und persönlicher Gedanken zusammenstellen. Die kann dann online das ganze Jahr 2021 weitergedacht und -geschrieben werden, als gedruckte Version möchte ich sie gerne zu Weihnachten an liebe Menschen in unserer Gemeinde verschenken.

Wenn Ihr Lust habt mitzumachen, dann schaut doch mal auf www.evangelischaufdemhasten.de unter „Aktuelles“ – da findet Ihr die Monatssprüche. Eure Beiträge könnt Ihr auf der Homepage ins Forum stellen als PN bei Facebook an mich schicken oder an meine Mailadresse annette.cersovsky@gmx.net oder einfach in meinen Briefkasten werfen 😊. In Eurem Beitrag sollte der Monatsspruch stehen, auf den Ihr Euch bezieht und ein Hinweis, ob Euer Name dazugeschrieben werden darf oder ob Ihr anonym bleiben wollt.

Ich bin gespannt, was da alles zusammenkommt und freue mich auf Eure Beiträge!