„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.07.2020

„Was macht ihr Pfarrer eigentlich gerade, wo ihr doch gar nichts machen könnt?“ – mit dieser Frage fing alles an – genau heute vor vier Monaten.

Ich habe in diesen Monaten eine Menge gelernt, Neues ausprobiert, Altes über Bord geworfen. Das Kirchenschiff ist ordentlich durchgeschüttelt worden – vermutlich war es mal an der Zeit. Wir haben viele Mitglieder verloren – auch das muss uns weiter beschäftigen, denn eine Krise wie die, die wir gerade erleben, zeigt deutlich, dass das Kirchensteuermodell vielleicht nicht das Beste aller möglichen Modelle ist. Es haben aber auch Menschen zu unserer Gemeinde gefunden, denen wir vorher zu langweilig waren oder zu sehr hinter unseren Mauern verschanzt oder zu wenig abwechslungsreich oder nicht genug alltagstauglich.

Es gab unglaublich viele spannende Gespräche, Anregungen, kreative Ideen, Angebote zur Mithilfe, spontane Aktionen und und und….für all das bin ich sehr dankbar!

Ich habe heute beschlossen, ab sofort nicht mehr täglich hier zu schreiben, sondern nur noch dann und wann. Es ist Zeit für Neues und ich habe auch schon ein Projekt im Kopf, das ich gerne mit euch zusammen starten würde. Das stelle ich in den nächsten Tagen hier vor……Bleibt alle behütet!!!!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.07.2020

Mr. Fauci bemüht sich in den USA nach Kräften darum, ein paar Fakten über Corona, die Covid 19 Erkrankung und Infektionsgeschehen im Allgemeinen unterzubringen. Letzte Woche quittierte Mr. President diese Bemühungen mit der Aussage „…Fauci habe viele Fehler gemacht“.

Aber auch bei uns wird mehr und mehr angezweifelt, dass Wissenschaftler uns in diesen Zeiten etwas zu sagen hätten.

Ich frage mich, wo das herkommt. Wissenschaftler haben die Aufgabe, die Welt zu erforschen. Epidemiologen forschen zur Zeit in der Welt der Viren. Hätten sie uns einen Impfstoff präsentiert, wären sie wie Helden gefeiert worden. Empfehlen sie Mundschutz und Abstand, gehen wir demonstrieren. So ganz verstehe ich diese Reaktion nicht. Die widersprüchlichen Forschungsergebnisse deuten auch für Laien verständlich darauf hin, dass es noch keine genaueren Ergebnisse gibt. Mir ist sehr viel wohler dabei, ein bisschen mehr an Schutzmaßnahmen empfohlen zu bekommen, wenn man eben nicht so genau weiß. Wir müssen schon auch den Willen mitbringen, uns mit dem zu beschäftigen, was gerade unser Leben bestimmt. Und wenn wir selbst von Forschung und Epidemiologie keine Ahnung haben, können wir nur schwerlich Argumente dagegensetzen. Einfach nur mit dem Fuß aufstampfen, die Maske in die Ecke pfeffern und trotzig Wissenschaftler beleidigen ist jetzt nicht so hilfreich. Also – ruhig bleiben. Es wird schon😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.07.20

Habe mich eben im Kalender verblättert und bin im Juni gelandet. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich am 15. Juni einen wichtigen Tag gar nicht gewürdigt habe. Das hole ich hiermit nach😊

Am 15. Juni ist der „Tag des Strandkorbs“. Der soll von dem Korbmacher Wilhelm Bartelmann im Sommer 1882 erstmals für eine vom Rheuma geplagte Dame hergestellt worden sein.

Ich mag die Strandkörbe am liebsten außen weiß und innen blau-weiß-gestreift. Das ist ultimatives Stranddesign 😉 Die Körbe bieten Schutz vor Wind und Sand und Regen. Gleichzeitig ermöglichen sie aber auch, bei jedem Wetter an den Strand zu gehen. Sie beherbergen Schwimmtiere, Handtücher, sandverklebte Bücher und riechen wundervoll nach Sonnenöl. Sie geben einen Ausschnitt vom Strand und vom Meer frei – einfach nur für mich. Und wenn ich genug geschaut habe, dann kann ich aufstehen und mir ein neues Stück Strand und Meer erwandern. 

Wegen mir, liebe Strandkorbaufsteller, müsstet ihr die Körbe auch nicht jeden Abend typisch deutsch neu aufstellen. Lasst sie doch einfach so herumstehen, wie sie verlassen wurden. Jeder Strandkorb erzählt doch die Geschichte, die der vorherige Gast dort erlebt hat und zeigt seinen Ausschnitt von Strand und Meer 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.07.2020

Ich lese gerade einen Thriller über raffiniert eingefädelte Wirtschaftskriminalität und wie man ihr allmählich auf die Spur kam. Die Familie des Haupttäters erwischen die Ermittlungen kalt. Sie wussten von nichts, hätten niemals damit gerechnet, dass so etwas überhaupt in ihrer Familie passieren könnte. Und nun sind sie ihrer Sicherheiten beraubt, materiell natürlich, aber auch im Hinblick auf Vertrauen und Zukunftshoffnungen. In der Familie wird ein Ausspruch zum Motto: „Immer das Beste hoffen, aber mit dem Schlimmsten rechnen.“ Ist das so? Sollten wir nicht immer nur das Beste hoffen? Damit sich etwas vorwärtsbewegt und wir handlungsfähig bleiben und das Ziel nicht aus den Augen verlieren? Wenn ich mir im Augenblick die Weltpolitik anschaue, dann hilft der hoffnungsvolle Blick nach vorne nur bedingt. Er sorgt dafür, dass wir Ziele setzen und Strategien erarbeiten. Aber mit dem Schlimmsten rechnen hilft dabei, keine Zeit zu verlieren und niemanden zurückzulassen. Heute schon im Kopf zu haben, für wen es eng werden könnte in der Corona-Pandemie, könnte dabei helfen, frühzeitig zu agieren, statt immer nur auf Hotspots zu reagieren. Und was würde sich erst alles ergeben, wenn wir nicht nur Corona-Hotspots, sondern auch Kriegs-Hotspots und Hunger-Hotspots in den Blick nähmen!

 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.07.2020

Leider bin ich nicht immer so wahnsinnig geduldig. Mich nervt es, dass es oft so lange dauert, bis sich Erkenntnisse durchgesetzt haben oder endlich umgesetzt werden.

In meiner ersten Vorlesung 1984 wurde über den Kohleausstieg debattiert, weil inzwischen bekannt war, dass chinesische Importkohle nicht nur sehr viel billiger als deutsche Kohle zu haben war, sondern dass sie zudem mit viel geringeren schädlichen Folgen für die Umwelt abzubauen war.

Ihr wisst, wann der Kohleausstieg endgültig beschlossen wurde 😉

Ich habe mich im Laufe der Jahre dabei ertappt, dass ich über manche Probleme einfach nicht mehr nachgedacht habe, weil sich ja sowieso nichts ändert. Aber das ist die völlig falsche Einstellung, denn am Ende kommt doch etwas dabei heraus und zwar das Gute und Richtige. Das meint zumindest kein Geringerer als Georg Wilhelm Friedrich Hegel. In seiner Vorrede der „Phänomenologie des Geistes“ steht folgender Satz: „Wir müssen überzeugt sein, dass das Wahre die Natur hat, durchzudringen, wenn seine Zeit gekommen….“. Also, keine Ausrede mehr fürs Nicht-Mitdenken 😊

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.07.2020

Vor meinem Fenster spielten doch tatsächlich mal wieder Kinder Verstecken. Auch so eine Corona-Folge: miteinander Spielen, draußen sein, Bewegung und frische Luft haben wieder an Bedeutung gewonnen. Und – offensichtlich – auch das schöne alte Spiel „Ich zähle bis zwanzig, dann suche ich euch“.

Erwachsene, dachte ich, spielen auch manchmal Verstecken. Nicht an der frischen Luft und aus Lust am Spiel, sondern um etwas zu verbergen, das andere nicht sehen sollen. Machen gute Miene zum bösen Spiel, weil die anderen mehr sind oder man kein Spielverderber sein will. Manchmal setzen wir auch ein Lächeln auf, wenn uns zum Weinen zumute ist – nicht jeder soll unsere Schwäche bemerken oder gar Mitleid zeigen. Dann fühlt man sich ja noch schlechter.  Im Buch Jeremia lässt Gott durch den Propheten fragen „Meinst du, dass sich jemand heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?“ (Jeremia 23,24) Früher hat man solche Bibelworte gerne (fragwürdig) pädagogisch genutzt: Gott sieht alles! Gott straft jede kleine Verfehlung!....und die großen sowieso! Bei Jeremia ist davon nichts zu spüren. Wir mögen viele Gründe haben, etwas zu verbergen, aber Gott sieht, wie es wirklich um uns bestellt ist. Das hat etwas sehr Entlastendes, denn dann kann ich einfach so mit Gott sprechen, muss ihm nichts vormachen, kann all das sagen, was sonst niemand wissen darf.  Ich würde nicht sagen, dass ein Gebet automatisch jedes Problem löst, aber einmal auszusprechen, was einen beschäftigt, schafft Raum für neue Gedanken und öffnet gelegentlich Perspektiven, wie man anders damit umgehen kann. Und immer wieder passiert es auch, dass da ein Weg ist, der vorher nicht da war. Zufall! Oder eine Antwort auf ein Gebet 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.07.20

Unsere Kirchengemeinde macht mit bei „Remscheid tolerant“. Ob Toleranz denn überhaupt in der Bibel vorkäme, fragte kürzlich eine kritische Stimme zu unserem Engagement. Gute Frage – das Wort selbst kommt nicht vor. Die Gesellschaft, in der Jesus lebte, war intolerant. Mit den Samaritanern wurde gefremdelt, weil sie nicht zum Beten in den Jerusalemer Tempel kamen. Frauen hatten wenig Rechte, durften nicht als Zeuginnen vor Gericht aussagen und verfügten in den seltensten Fällen über eigenes Vermögen. Die geistlichen Gelehrten verachteten das einfache Volk, weil es ungebildet war. Die Zöllner wurden offen angefeindet, weil sie mit den römischen Besatzern kollaborierten. 

All diese Geschichten von Fremden, von Frauen, von Zöllnern und Gelehrten zeigen allerdings, wie Jesus in der Begegnung mit ihnen Toleranz verstand. „Toleranz“ kommt von „tolerare“ (Lat.), etwas aushalten,  das gelten lassen anderer Überzeugungen und Handlungsweisen als den eigenen. In der Begegnung mit dem „anderen“ stand bei Jesus immer im Vordergrund, nicht die Überzeugung und die Handlungsweise um jeden Preis gelten zu lassen, sondern den Menschen, der sie vertritt, ernst zu nehmen, ihm zuzuhören und in einen Austausch zu kommen. Toleranz heißt nicht, alles gut zu finden. Aber „Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht haben könnte.“ (Kurt Tucholsky)

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.07.20

Fragt man ein bisschen herum, was typisch für das Christentum wäre, dann lautet die Antwort oft „Nächstenliebe“. Und da ist ja auch etwas dran. Jesus selbst hatte die sogenannte „Goldene Regel“ aufgestellt: Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! (Matthäus 7,12)

Man mag sich selbst ja durchaus auch nicht immer, aber gut behandelt werden möchte man schon. Was bedeutet also „den Nächsten lieben“? Vielleicht so: Zuhören, wenn einer ein offenes Ohr braucht. Gastfreundlich sein. Niemanden in Schubladen stecken. Teilen, was einem gegeben ist. Anpacken, wenn helfende Hände gebraucht werden. Aufmerksam sein für das, was in der Welt passiert. Aufregen über Ungerechtigkeit, Gewalt, Rassismus. Mutig eintreten für das, wovon man überzeugt ist. 

Die Liste kann sicher noch Ergänzungen vertragen 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.07.20

Corona ist immer wieder Thema in Gesprächen mit Familie und Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen und sogar mit völlig wildfremden Menschen, wenn man in derselben Schlange ansteht oder mit der Maske kämpft. Natürlich stehen die Sorgen im Vordergrund, aber sehr viele Gespräche haben auch eine hoffnungsvolle Note. Corona hat uns gezeigt, worauf es ankommt und was wir wirklich im Leben brauchen. Und Corona hat uns eine Welt gezeigt, wie sie ohne persönliche Begegnungen wäre, eine digitale Welt ohne Umarmung und Naschen vom anderen Teller, ohne Enkelkinder auf den Schoß nehmen zu können oder mit der besten Freundin Arm in Arm durch den Park zu laufen.

Wir haben gelernt, dass schnelles Handeln und das Durchbrechen von Routine möglich sind, wenn nur alle wollen.

Der Chemiker und Professor Rainer Grießhammer erforscht an der Universität Freiburg nachhaltige Produkte. Er wirbt gerade darum, dass wir diesen positiven Schwung aus der Krise aufnehmen, um auch in Richtung Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie Veränderung möglich zu machen. Dafür sind politische Entscheidungen nötig und natürlich auch Geld. Und es braucht uns, eine Bevölkerung, die mehrheitlich mitmacht, die bereit ist, Dinge auch persönlich zu verändern, die anders Urlaub macht, weniger schnell fährt, einen Veggie-Day nicht ganz so katastrophal findet. Was wir davon hätten? Saubere Luft, leckeres Gemüse von heimischen Feldern, glückliche Tiere in großen Ställen, weniger Herz- und Kreislaufprobleme, weniger Stress, mehr Radwege, einen ausgebauten Nah- und Fernverkehr.

Laut Professor Grießhammer sind die meisten Klimaschutzmaßnahmen sogar ganz ohne Komforteinbußen zu haben. Wäre doch dumm, wenn wir nicht mitmachen würden😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.07.2020

Nun hat sich also auch Jair Bolsonaro, der brasilianische Präsident, mit Corona infiziert. Monatelang tat er Covid 19 als harmlose Grippe ab, wehrte sich gegen Masken und Abstandsregeln, ließ nur wenig testen. Bitte jetzt nicht falsch verstehen! Ich gönne ihm keineswegs die Erkrankung. Ich wünsche ihm wie allen anderen Erkrankten, dass er schnell wieder gesund wird und keine gesundheitlichen Folgen zurückbehält. Aber ich wünsche im Interesse der vielen Erkrankten in seinem Land, dass mit der Genesung auch die Vernunft kommt. Und die Einsicht in die Verantwortung, die er trägt. Und die Demut, dass Macht alleine aus einem Menschen noch keinen guten Staatsmann macht.

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.07.20

Hatte immer schon den Verdacht, dass Aristoteles ein ziemlich kluger Mann gewesen sein muss 😉

Vielleicht hätte er einen seiner berühmten Aussprüche auch in unserer Zeit angewandt, wenn er den Umgang mit der Corona-Pandemie verfolgt hätte. Lockern oder Lockdown, Maske oder keine Maske, Corona-App oder jede andere App (nur nicht diese), Soforthilfen oder Mehrwertsteuersenkungen oder EU-Hilfspakete – egal, was beschlossen wird, es gibt sofort Kritik und Gegenstimmen. Bitte nicht falsch verstehen: es ist gut, dass wir in einem Land leben, in dem man die Regierung kritisch anfragen kann, ja sogar soll. Mitdenker sind wichtig und meistens haben die Dinge ja auch mehr als eine Dimension. Aber Aristoteles hatte einen guten Blick darauf, wie man Kritik und Kritiker auch sehen könnte:

„Wenn du Kritik vermeiden willst: Sage nichts. Tue nichts! Sei niemand!“ (Aristoteles)

Etwas weniger weise und dafür mehr alltagspraktisch würde ich sagen: Kritik üben ist gut und wichtig. Aber dann bitte auch mit Begründung und, am allerbesten, mit kreativen Gegenvorschlägen.

Rechts: Büste von Aristoteles, Museo nazionale romano di Palazzo Altemps, Wikipedia, gemeinfrei

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.07.20
Liebe Einbrecher, was habt Ihr Euch heute Nacht nur gedacht? Wir haben kein Bargeld, außer den kleinen Notfallkassen, die Ihr gefunden habt. Wir haben leider auch sonst nichts, was sich zu Geld machen lässt. Ihr habt also nicht viel gewonnen und seid dafür ein großes Risiko eingegangen.
Wir haben nun mehrere eingetretene Türen, zerbrochene Fensterscheiben, herausgebrochene Schlösser und Schranktüren und viel Papierchaos im Büro.
Das Wertvollste, das unsere Gemeinde hat, sind aber die vielen Menschen, die sich bei uns ehrenamtlich und hauptamtlich engagieren, die niemals auf die Idee kämen bei uns einzubrechen, weil sie wissen, dass man uns in jeder Notlage ansprechen kann. Und das gilt auch für Euch! Wenn Ihr Geld gesucht habt, weil Ihr in Not seid, dann hätten wir versucht zu helfen. Aber „einfach so“ irgendwo einsteigen? Sorry, aber dafür haben wir kein Verständnis!


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.07.2020

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ – Ein geflügeltes Wort, das gerne mal verwendet wird, um sich über irgendeine politische Entscheidung zu beschweren, weil einer denkt, sie würde unserem Land schaden.

Bei einer kleinen Recherche über Heinrich Heine bin ich über diesen Ausspruch gestolpert. Er stammt aus dem Gedicht „Nachtgedanken“, das 1844 in dem Zyklus „Zeitgedichte“ erschien.

Aber Heine beschwert sich nicht über eine Entscheidung, die ihm nicht passt. Der Ausspruch hat einen viel ernsteren Hintergrund. Heine schrieb dieses Gedicht im Exil in Paris. Als kritischer, politisch engagierter Journalist und wegen seiner jüdischen Herkunft war er gleichermaßen von Antisemiten und Nationalisten so bedrängt worden, dass er seine Heimat verließ.

Immer wieder dasselbe Thema! Vorurteile, Abgrenzungen, mangelhafte Kenntnisse über andere Länder und Kulturen. In einem anderen Gedicht, „Diesseits und jenseits des Rheins“, wirft er einen überaus kritischen Blick auf den Umgang der Deutschen mit Frankreich.

Als überzeugte Europäerin wünsche ich mir, dass er mit diesem Gedicht niemals Recht behalten möge!


Bild rechts:
Heinrich Heine
 (Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831,
Kunsthalle Hamburg) 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.07.20

Starten – oder doch nicht starten? So haben wir uns wochenlang gefragt, denn das Projekt „Kirche unterwegs“ war, wie alles in diesen Wochen, durch Corona bedroht.

„Kirche unterwegs“ – das sind zahlreiche Projekte in ganz Deutschland, in denen Kirche neu gedacht wird. In unserem Kirchenkreis ist „Kirche unterwegs“ auf dem Zeltplatz II an der Bever zu finden. Wir sind dort Dauer-Camper, haben einen Wohnwagen aufgestellt und jetzt in den Ferien auch Zelte. Sechs Wochen lang sind fünf Mitarbeiterinnen im Einsatz, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein paar schöne Erlebnisse zu schenken. Spiele und Aktionen, Geschichten, Bastelideen, Singen, Schwimmen. Aber auch offene Ohren für Gespräche, die sich nur ergeben, wenn man Zeit hat, Interesse an den Lebensgeschichten anderer Menschen und Offenheit für einen ehrlichen Austausch. Gespräche über Gott und die Welt und keine fertigen Lösungen, gemeinsam Glauben entdecken, statt starrer Glaubensdogmen. Heute Abend geht es los – eingeladen ist jeder, der Lust hat zu kommen. Natürlich in erster Linie alle Urlauber auf den Zeltplätzen, aber es ist immer noch Platz für diejenigen, die einfach so vorbeikommen wollen. Wir freuen uns auf euch! Wer nähere Infos möchte – einfach bei mir anrufen oder eine Mail schreiben 😊

 

 

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.07.2020

Neulich so geschehen in einer Zoom-Vorlesung an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal: ein Zoom-Bombing. Bisher hatte man ja höchstens mal davon gehört, dass es Leute gäbe, die Zoom- oder andere Online-Veranstaltungen hacken, weil die Meeting-IDs leicht zu erraten sind, und sich dann massiv störend in eine Veranstaltung einschalten. Aber auch das ist Realität, wie sich nun gezeigt hat.

Und ich frage mich, was eigentlich Menschen dazu veranlasst, solche Dinge zu tun. Einfach zu stören oder zu zerstören oder Menschen anzugreifen – scheinbar ohne Grund. In den letzten Wochen kam all das vor und wir nehmen das kopfschüttelnd wahr. Solche Angriffe aus dem Nichts machen hilflos, weil man ihnen nichts entgegensetzen kann. Aber wir können jeden Versuch unterstützen, den wir in unserem persönlichen Umfeld wahrnehmen, wenn solche Angriffe geschehen – im Kleinen, vielleicht „nur“ verbal. Im Hebräerbrief im Neuen Testament gab es dazu schonmal einen Aufruf: „Wir wollen uns umeinander kümmern und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“ (Hebräer 10,24)

Klingt doch nach einem guten Plan 😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.07.20

Viele Leute lesen jeden Tag die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Auch über einem Jahr steht jeweils eine solche Losung. Dass aber auch die Monate eigene Losungen haben, wissen viele nicht. Bei dem Wort „Losung“ muss ich immer an die andere Bedeutung denken: eine Losung ist auch ein Wahlspruch, etwas, wonach man sich richten kann. In diesem Sinne steht über dem Ferienmonat Juli ein Vers aus der Elia-Geschichte, der gut zu den Ferien passt, finde ich: „Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ (1. Könige 19,7) Elia ist erschöpft und ausgelaugt. Schlimme Dinge hat er getan, dafür wird er nun verfolgt. Der Weg zum Frieden ist weit. Und dann, ganz unvermittelt und unerwartet, gibt es einen Motivationsschub. Keine Strafpredigt, denn Elia weiß längst um seine Schuld und leidet darunter. Was er jetzt braucht, ist neue Kraft und Stärkung für den Weg, den er wieder aufnehmen muss. Und er lernt etwas dabei: was ihn stark macht, das sind nicht die Waffen, sondern das Eingestehen von Schuld und das Übernehmen von Verantwortung und das Aussteigen aus der Gewaltspirale. 

Für uns in der Ferienzeit vielleicht ein Weckruf: mit sich ins Reine kommen, sich trennen von dem, was belastet und nichts bringt und wieder das eigene Leben in die Hand nehmen, um es – trotz Corona – wieder zum eigenen Leben zu machen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.06.20

Lockdown im Kreis Gütersloh und die fragile Freiheit dieses Sommers – ich frage mich, ob wir nicht, statt auf Lockerungen zu drängeln, lieber alle ein wenig länger im Shutdown hätten aushalten sollen. Die Folgen für die Wirtschaft sind katastrophal, aber sie würden noch katastrophaler ausfallen, wenn es nicht mehr nur um einen Landkreis geht, der wieder herunterfahren muss.

Ich würde auch lieber ein schönes Urlaubsziel auswählen und ein paar Tage lang alles vergessen, den Duft des Meeres in der Nase oder die fernen Berge im Blick. Aber das ist nicht die einzige Form von Freiheit. Freiheit ist es auch, wenn ich wählen kann. Wenn ich mich bewusst entscheide, weiter vorsichtig zu sein, noch nicht wieder alles in Anspruch zu nehmen, was erlaubt ist, sondern abzuwarten und mich und andere dadurch zu schützen. Viele denken so, das ist zumindest mein Eindruck. Wir könnten eine starke Gesellschaft sein, die das aushält und daran wächst. Vielleicht gelingt es ja noch – sogar ganz ohne, dass uns jemand vorschreiben muss, wie wir uns zu verhalten haben.

 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.06.20
„Der Glaube versetzt Berge“ – das wird gerne mal in den Raum geworfen, wenn einer ehrlich interessiert nachfragt, was der Glaube denn eigentlich sei oder was er im Leben ausmacht. „Der Glaube versetzt Berge“ – aber er heilt nicht das kranke Kind auf der Intensivstation oder befriedet die Kriegsgebiete in der Welt. Der Glaube schützt nicht vor Angst und Trauer und auch nicht vor dem Tod.
Im Hebräerbrief steht eine Definition von „Glaube“: Der Glaube ist die Gestalt dessen, worauf man hofft. Er liefert den Beweis der Wirklichkeit, die nicht sichtbar ist. (Hebräer 11,1) Glaube ist also das, was selbstverantwortliche Menschen für nicht angemessen halten müssen. Eine Flucht vor der Wirklichkeit, sagen manche, und ein Abtauchen in schöne Zukunftsbilder.
Man könnte aber auch anders argumentieren: wer glaubt, sieht, erlebt und durchlebt genau das, was alle anderen auch sehen, erleben und erleiden. Aber wer glaubt, hat einen anderen Blick auf all diese Dinge. Wer glaubt, hält nicht alles Schöne im Leben für Zufall und alles Schlimme für Strafe oder Schicksal. Wer glaubt, hat einen Adressaten für Freude und Kummer und auch für den Zweifel, weiß sich getragen, wenn nichts sonst mehr hilft. Der Glaube ist Perspektivwechsel; weg von mir selbst und hin auf einen großen Zusammenhang.
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.06.20

Besorgt sahen letztes Wochenende viele nach Stuttgart. Scheinbar unpolitisch und ohne Motiv gingen zahlreiche junge Leute auf Polizisten los. Die Frage nach den Gründen konnte keiner beantworten. Es sei die Partyszene gewesen, hieß es. Aber wer ist das? „Die Partyszene“? 

Es fällt auf, dass gerade an vielen Orten die Schranken dessen fallen, was common sense in einer Gesellschaft sein sollte: Gewaltlosigkeit, die Bereitschaft aufeinander zu hören, einander zu helfen und auch zu akzeptieren, dass es Grenzen gibt, die in einer Gesellschaft zum Wohl aller nicht überschritten werden dürfen. Woher kommt dieses Gefühl, gegen alle Regeln verstoßen zu müssen? Und was wäre die Alternative zu einem Staat, wie dem unsrigen? Wir können für unsere Rechte Rechtsmittel einlegen. Wir können politisch Einfluss nehmen. Wir können überall und zu jederzeit unsere Meinung sagen. Aber tun wir das alle? Engagieren wir uns genug für eine freie Gesellschaft? Und sagen wir klar genug, wann es genug ist? Mein Eindruck: wir haben selbst Angst, dass jemand über uns herfällt, wenn wir beispielsweise in der S7 jemanden bitten, die Füße vom Sitz zu nehmen. Aber die Angst müssten wir nicht haben, wenn wir die Mehrheit wären😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.06.20

Verfolgt Ihr auch, wie es mit Tönnies weitergeht? Abend für Abend schaut man die Nachrichten und denkt, es könnte nicht schlimmer werden, und dann taucht ein neues Detail auf.

Aber mal ehrlich: eigentlich war doch bekannt, dass die Fleischpreise nicht auf so einem niedrigen Niveau sein können, wenn die Produktion sauber und die Belegschaft ordentlich bezahlt und untergebracht würde. Das gleiche Thema hatten wir doch schon vor Jahren mit den Shirts für ein paar Euro. Globalisierung ist super, wenn es bedeutet, dass wir überall auf der Welt reisen, studieren, investieren und handeln können. Aber Globalisierung heißt dann auch, dass alles mit allem zusammenhängt. Ein günstiges Shirt in Remscheid bedeutet niedrige Löhne für die Näherin in Bangladesch. Ein günstiger Fleischpreis bei unseren Discountern bedeutet, dass die Arbeiter in schlechten Unterkünften leben und wenig Lohn bekommen. Und dass sie das alles in Kauf nehmen, weil es in ihren Heimatländern noch schlechter aussieht. Wir sind eine Welt! Und tragen Verantwortung für die eine Welt. Alle! 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.06.20

Habe gestern Abend bei den Tagesthemen ein neues Wort gelernt: social distancing shaming.

Es ging um die Urlauber aus dem Kreis Gütersloh, die auf Usedom Ferien machten und dann aufgefordert wurden abzureisen. Begründung: von ihnen ginge Gefahr aus, sie kämen aus einer Hochrisikoregion und man müsse sich schützen. Im Seebad Ahlbeck wurden andere Urlauber, die das Glück hatten, woanders zu wohnen, befragt. Wie sie das fänden, was da mit den Menschen aus Gütersloh passiert sei, wollte ein Journalist wissen. Antwort: Richtig so! Wer eine Gefahr für andere darstellt, muss ausgewiesen werden. Die sollen dahin zurückkehren, wo sie hergekommen sind! Fällt euch was auf? Die Wortwahl und die Nachdrücklichkeit, mit der die Worte ausgesprochen wurden, erinnern doch sehr daran, wie immer wieder mit „den anderen“ umgegangen wird. Fühlt sich nur gar nicht gut an, wenn man plötzlich selbst „der andere“ ist. Für den Lerneffekt ein wichtiger Schritt. Für den Zusammenhalt in unserem Land (und für den Tourismus) ist das gar nicht gut.

Ich habe noch keinen Urlaub geplant, aber die Lust dazu vergeht mir auch gerade. Wer weiß, ob dann nicht die bergische Region vom Shaming der „guten Bürger“ betroffen ist. Wohlgemerkt nicht, weil ein Beratungsresistenter mit einer bestätigten Covid 19 Diagnose in Urlaub gefahren wäre, sondern wegen seiner Postleitzahl. 

Einen Tipp aus Ahlbeck gab es auch noch: man dürfe ja kommen, aber nur, wenn man einen maximal 48 Stunden alten Corona-Test nachweisen könne. Getestet wird aber nur bei Symptomen, bei Kontakt mit Infizierten und in bestimmten Berufsgruppen, nicht weil man Urlaub auf Usedom machen möchte. SO stärken wir den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wohl eher nicht! Wir und die anderen – das ist schonmal der erste Fehler, finde ich!!!

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.06.20

Heute ist einer der in Vergessenheit geratenen Gedenktage der Kirche. Rhabarberliebhaber kennen den Johannistag als den letzten Tag, an dem man Rhabarber unbedenklich essen kann. Aber eigentlich wird am Johannistag an Johannes den Täufer erinnert. Mit Jesus war er verwandt, optisch muss er wohl gewöhnungsbedürftig gewesen sein und auch im Hinblick auf seine Essensvorlieben. Aber bekannt geworden ist er als derjenige, der sehr früh zur Umkehr aufgerufen hat. Er hat den Finger in die Wunden seiner Zeit gelegt, Lüge, Neid, Hass und Rücksichtslosigkeit aufgedeckt und dafür geworben, diesem Leben den Rücken zu kehren und neu zu beginnen. Als Zeichen dieses Neubeginns wurden die Menschen, die dazu bereit waren, im Jordan kurz untergetaucht. Bis heute ist die Taufe das Symbol für den Neubeginn und den Start in ein Leben in den Spuren, die Jesus gelegt hat. Heute nehmen wir nur eine Handvoll Wasser zum Taufen, aber die Idee dahinter ist dieselbe: das Wasser wäscht symbolisch ab, was uns von Gott trennen könnte und den Getauften wird zugesprochen, dass sie zu Gott gehören und geliebt sind, ganz ohne Vorleistung oder Vorbedingung. Johannes wurde getötet für seine mutigen Worte. Er kam den Mächtigen seiner Zeit in die Quere. Darauf müssen wir aufpassen, dass kritische Stimmen bei uns immer Gehör finden.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.06.2020

Meine liebe Kollegin hat eine neue App. Sie ist naturbegeistert, beobachtet gerne Tiere, fotografiert und hört den Vögeln zu. Im Gegensatz zu mir kann sie Vogelstimmen unterscheiden und manche auch zuordnen. Aber eben nicht alle. Die neue App kann das. Man nimmt das Gezwitscher auf und die App sagt dann zum Beispiel: Buchfink! Genial 😉

Ich habe keine Ahnung von Vogelstimmen, aber seit sie mir die App gezeigt hat, höre ich aufmerksamer hin. Und tatsächlich, auch ich lerne zu unterscheiden – und bin überrascht, wie wenig ähnlich sich das Gezwitscher ist. Wie bei Menschen auch hat jeder Vogel seine eigene Stimme und eine eigene Melodie.

Das ist also gemeint, wenn es in Psalm 104 heißt: „Wie zahlreich sind deine Werke, Herr. In Weisheit hast du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von deinen Gütern.“ (Ps 104,24)

Und wir haben sie wohl längst noch nicht alle entdeckt 😊

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.06.20

Kennt Ihr noch „Lukas, der Lokomotivführer“? Da kommt eine Figur vor, die mir gelegentlich auch schonmal begegnet ist: ein Scheinriese. Der Scheinriese sieht, wie der Name schon sagt, riesig aus, bedrohlich, angsteinflößend. Aber wenn man sich ihm nähert, wird er immer kleiner, bis er nur noch ein armer und unglücklicher Mann in Normalgröße mit Normalproblemen ist. So ist es manchmal mit Problemen. Sie erscheinen wie ein riesiger Berg. Und je weiter wir sie wegschieben, umso mehr Raum nehmen sie ein. Aber gleichzeitig engen sie uns damit auch ein. Sich dem Problem zu stellen, hilft manchmal, es wieder auf handlichere Größe zu schrumpfen. „The fears you don’t face, become your limits.“ Manchmal sind bei Whats App verschickte Sprüche auch ganz einleuchtend😉

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.06.2020
Von dem Publizisten und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel stammt folgender Ausspruch: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.“ Das wirkt auf den ersten Blick fragwürdig, weil Gleichgültigkeit so viel weniger schlimm erscheint als Hass. Aber im Blick auf die Entwicklungen in den USA müssen wir uns die Frage stellen, ob nicht gerade die lange Phase der Gleichgültigkeit gegenüber dem versteckten (oder auch offenen) Rassismus in Teilen der Gesellschaft den Hass beförderte, der jetzt zutage tritt.
Elie Wiesel war 1928 als Sohn einer jüdischen Familie in Rumänien zur Welt gekommen. In seiner Romantrilogie „Elischa“ erzählt er, wie die Gleichgültigkeit der Gesellschaft dazu führte, dass der Mord an den Juden gesellschaftsfähig werden konnte. Elie Wiesel überlebte Auschwitz und Buchenwald und wurde am 11.April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Diesen Tag beschreibt er in seinem Buch mit dem sogenannten Spiegelerlebnis. Am Tag der Befreiung konnte er das erste Mal wieder sich selbst im Spiegel anschauen und schrieb dazu: „Aus dem Spiegel blickte mich ein Leichnam an. Sein Blick verlässt mich nicht mehr.“ Zeitlebens setzte sich Elie Wiesel für die Aufarbeitung des Holocaust ein und wurde zu einem Mahner gegen Gleichgültigkeit. 
Wir dürfen auf keinen Fall Gefahr laufen, diese Gleichgültigkeit in unserem eigenen Land gegenüber Rassismus und Antisemitismus so lange zu ignorieren, bis sie wieder mehrheitsfähig ist!
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.06.2020

Corona-Warn-App! Seit kurzem in den App-Stores verfügbar und heftig umstritten, ob sie etwas bringt, ob sie sicher ist, ob man sich auf die Anonymität verlassen kann u.v.m.

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Wahrscheinlich kommt es auf einen Versuch an, wie immer, wenn etwas ganz neu auf den Markt kommt.

Aber ein Contra-Argument erscheint mir doch wenig sinnvoll: die Corona-App beschränke unsere Freiheit, war da in einem Kommentar zu lesen. Eine Gesellschaft, die sich freiwillig auf Facebook, Instagram, Twitter oder TikTok vernetzt, die auf Jodel schaut, was andere in der Stadt so machen, die in Online Games abhängt und zweite Leben lebt, hat für sich doch schon einer gewissen Offenheit und Transparenz zugestimmt. Bei allen sozialen Medien sind wir frei, sie zu nutzen und wir sind frei, selbst zu bestimmen, welche Inhalte, Infos und Fotos wir allgemein zugänglich machen. Die Sicherheitsstandards können die meisten von uns nicht überprüfen. Wir vertrauen einfach, dass es schon gut gehen wird, wenn wir uns für die Vernetzung im digitalen Raum entscheiden. Das gilt dann doch wohl auch für die Corona-App. Es bleibt die Frage, was denn eigentlich genau unsere Freiheit dabei beschränkt. Wir sind frei zu entscheiden und leben in einem Land, in dem wir das ohne Konsequenzen tun können. Ist es nicht viel eher so, dass wir uns in der Vielfalt der Möglichkeiten verstricken? Freiheit braucht auch Orientierung und Vertrauen. Nur wer sich an etwas orientiert, kann eine Entscheidung treffen. Im Fall der Corona-App ist es doch einen Versuch wert, andere zu schützen.

 

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.06.2020
Corona ist vorbei? So sagen viele, aber vermutlich stimmt das nicht, denn sonst würden wir ohne Masken einkaufen, auf Festivals gehen, Partys mit vielen Freunden organisieren und uns zur Begrüßung in den Arm nehmen. Wir haben uns gewöhnt an das Ungewöhnliche und gelernt, damit zu leben. Die Sorge bleibt. Vielleicht die Zeit für ein solches Gebet:
Wenn wir keinen Ausweg mehr sehen, sprich Du Worte, die ermutigen.
Wenn wir durch schwierige Umstände gebunden sind, sprich du Worte, die befreien.
Wenn wir aufbrechen wollen, aber der Mut zu klein ist, sprich Du Worte, die beflügeln.
(aus: Losungen für junge Leute, Hg.. E. Heckmeier)
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.06.20

Als ich ganz neu in Remscheid war, konnte ich mir überhaupt nicht erklären, wieso so unglaublich viele Menschen von der „See-Stadt“ sprachen. Ich bedauere nämlich sehr, dass Remscheid gerade nicht an der See liegt. Inzwischen weiß ich, wo der Begriff herkommt. Er geht ja auch noch weiter „Seestadt auf dem Berge“. Das macht es in Kombination mit der Geschichte der Stadt etwas klarer.

In diesen Tagen wird darüber diskutiert, ob unsere „Seestadt“ auch einen Hafen bekommt. 

Dahinter steht die Idee der Initiative „Seebrücke“, bei der sich Städte zu sicheren Häfen erklären können. Remscheid hat zur Zeit Aufnahmekapazitäten für solche Flüchtlinge, die im Augenblick in überfüllten Camps v.a. in Griechenland festsitzen. Dort herrschen sehr schwierige hygienische Zustände, die Versorgung mit sauberem Wasser und ärztlicher Hilfe ist nicht immer gewährleistet und die Camps sind absolut überfüllt.

Es ist ein Zeichen europäischer Solidarität, dass wir über Corona nicht diejenigen vergessen, für die Hände waschen und desinfizieren nicht ein lästiger Alltagsusus ist, sondern schlichtweg unmöglich, weil es an allem fehlt, auch an Perspektiven und Hoffnung.

Es wird sicher jede Menge Argumente gegen diese Aktion geben. Aber aus meiner Sicht tun wir gut daran, uns an das zu halten, was Jesus seinen Zeitgenossen immer wieder ans Herz gelegt hat: Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen!“ (Matthäus 7,12) Eigentlich logisch, oder?

Wer sich informieren möchte: https://seebruecke.org und Bündnis „Städte Sichere Häfen“

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.06.2020

Der Sonntag Trinitatis war Anfang Juni. Trinitatis – eine Woche nach Pfingsten werden wir erinnert, dass Gott in dreierlei Gestalt Menschen begegnet. Als Schöpfergott, weit weg und zu groß, um ihn zu begreifen. Als Bruder in Jesus Christus, der den fernen Gott ganz nah gebracht hat und durch sein Handeln gezeigt hat, wie Gott ist. Und als Kraft in uns selbst, als Geist Gottes, die manchmal geschenkt wird, nicht fassbar und nicht verfügbar, aber dennoch da.

Gott ist nur einer, aber er kann uns unterschiedlich begegnen.

Ganz schön kompliziert! Leider ist mir erst jetzt eingefallen, dass es ein schönes, einfaches Beispiel gibt, die Trinität zu erklären. Das Beispiel stammt aus dem 5. Jahrhundert, der Erfinder wird bis heute am 17. März gefeiert. St. Patrick, der erste Missionar Irlands, nahm der Legende nach ein Kleeblatt als Beispiel. Er soll gesagt haben, dass es mit der Trinität sei, wie bei einem Kleeblatt. Das habe drei Blätter und bilde dennoch eine Einheit. Die vielen Dreipass-Ornamente in unserer Pauluskirche erinnern an diese Symbolik. Wenn die Predigt mal langweilig sein sollte, kann man die Dreipass-Ornamente zählen: es sind Hunderte 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.06.2020
Mit Sorge blicken gerade viele in die USA. Das Land, das für Fortschritt, Innovation und unbegrenzte Möglichkeiten stand, droht im Chaos zu versinken: die Gesellschaft gespalten, die politische Führung entweder hilflos oder mit eigenen Interessen befasst, zunehmend abgeschottet durch Aufkündigen wichtiger Bündnisse.
Aber bevor wir uns zurücklehnen und froh darüber sind, dass wir Europäer sein dürfen, täte uns ein Blick in die eigene Gesellschaft gut. Auch in weltoffenen Großstädten trennen wir uns in „wir“ und „die anderen“. „Die anderen“, das sind die, mit denen die eigenen Kinder nicht die Schule besuchen sollen, die wir nicht als Nachbarn wollen, die immer so arrogant gucken, die sich für besser halten oder Dschungelcamp gucken, vegan essen, Campingurlaub machen oder was auch immer. Es ist völlig egal, worum es geht, es wird nicht mehr auf der Sachebene diskutiert, ob beispielsweise vegan leben sinnvoll sein könnte oder warum jemand Dschungelcamp guckt. Es wird wahrgenommen und geurteilt und in eine Schublade gepackt. Der Soziologe Henri Tajfel erforschte schon in den 60er Jahren, dass Menschen eher geneigt sind, innerhalb der eigenen sozialen Gruppe zu helfen als außerhalb.
What would Jesus do? Unter diesem Motto fragen sich gelegentlich Menschen, was denn eigentlich ein christliches Menschenbild in einer gesellschaftlichen Frage als Antwort hätte. Was würde Jesus tun? Die Geschichten, die über ihn erzählt werden, lassen keinen Zweifel zu: er hatte mit Menschen aller sozialen Schichten Kontakt. Ihn hat nicht gestört, wenn andere das unmöglich fanden. Aber er war auch nicht mit jedem eng befreundet. Nur jedem gegenüber respektvoll und interessiert.


 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.06.2020 

Eine meiner Lieblingsmethoden für Bibelarbeit ist der Bibliolog. Ein biblischer Text wird eingeführt, Personen und Setting bekannt gemacht, und dann werden die Teilnehmenden eingeladen, sich in eine dieser Personen hineinzuversetzen und als diese Personen auf Fragen zu antworten. Dabei geht es nicht um „richtige“ Antworten, also die, die im Text vielleicht vorkommen könnten. Es geht um die eigene Sicht. Beispiel Predigttext gestern: in der Apostelgeschichte wird im 4. Kapitel erzählt, dass die ersten Gemeinden alles, was sie an Gütern und Geld besaßen, untereinander geteilt haben. 

Ein Bibliolog zu dieser Geschichte könnte nun so aussehen: Du bist Simon und hast gerade erfahren, dass du als Mitglied deiner Gemeinde all dein Geld mit den anderen teilen solltest. Simon, wie fühlt sich das für dich an? Ist das gerecht? 

Manchmal ist es erstaunlich, welche Antworten bei einem solchen Spiel am Ende herauskommen. 

Bibliolog geht vermutlich auch per Zoom. Wer hat Lust auf einen Versuch? 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.06.2020

Diese Woche gab es einen Besuchsdienst-Workshop. In einem Zoom-Meeting tauschten sich 40 Hauptamtliche aus der ganzen Landeskirche miteinander aus. Besuchsdienst in Corona-Zeiten hat sich natürlich verändert. Überall werden Gratulationen schriftlich oder telefonisch übermittelt. Persönliche Gespräche finden an geöffneten Fenstern, vor Balkonen oder im Hausflur statt. Ein Lock-Down für die persönliche Beziehung, aber auch eine Chance, anders wieder aus dem Lock-Down herauszukommen. Viele Kolleg*innen berichteten von denselben Phänomenen. Trotz der Schwierigkeiten beim Kontakthalten ohne Kontakt kamen erstaunlich viele Kontakte zustande. Auch ganz neue Kontakte, überraschend und erfrischend. Im persönlichen Briefwechsel oder am Telefon ließ es sich wohl manchmal leichter reden, als anlässlich des 85. Geburtstages, wenn die Nachbarn mit auf dem Sofa sitzen. Besuchsdienst wird sich verändern. Wir können schon jetzt nicht mehr alle Senior*innen persönlich zum Geburtstag besuchen, obwohl wir zu den wenigen glücklichen Gemeinden gehören, die noch einen funktionsfähigen Besuchsdienstkreis haben. Aber wir wollen unbedingt die Menschen erreichen, die sich über unseren Besuch freuen, die etwas mitteilen möchten oder einfach mal nur wieder Besuch bekommen wollen, weil sonst nie jemand kommt. Wenn das dann am Ende doch ganz viele Menschen sind, dann brauchen wir mehr Engagierte, die Besuche machen möchten. Wäre das nichts für Euch? Wir bieten Schulungen und Begleitung an und einen sehr netten Besuchsdienstkreis 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.06.2020

Auf Facebook tauchte vor ein paar Tagen ein neues Spruchfoto auf. „Die Arbeit läuft nicht davon, wenn du einem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du deine Arbeit beendet hast.“

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und es ist wunderbar, von ihnen zu lernen, auf die Dinge neu zu achten. Jeden Regenbogen wie ein Wunder und jeden Käfer wie ein Geschenk anzuschauen und zu staunen über die Vielfalt der Welt.

Und ich frage mich, wie oft wir bei unserer Arbeit in der Gemeinde das Staunen und Wundern zurückstellen, weil wir so viel anderes zu tun haben. Wie oft mag Gott uns schon ein Wundergeschenk in den Weg gestellt haben, das wir wegen einer wichtigen Sitzung achtlos weggeschoben haben? Achtsamkeit mal ganz anders 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.06.2020

So langsam fühlen sich ein paar Dinge schon wieder ganz gut an. Wir haben unsere Kinder mal wieder gesehen – ohne Laptop dazwischen.  Eine Fahrradtour ist gemacht und etwas anderes als Lebensmittel haben wir auch wieder eingekauft. An die Masken haben wir uns widerwillig gewöhnt, Desinfektionsmittel, Nudeln und Toilettenpapier sind wieder zu haben.

Gottesdienste sind auch wieder zu haben. Bei uns allerdings noch nicht. Irgendwie unwürdig, wie da alle so vereinzelt sitzen, unkenntlich gemacht und in Angst vor Ansteckung, weil doch gerade Gottesdienste zuletzt zur Brutstätte von Superspreadern wurden. Also weiter mit digitalen Angeboten – geht ja auch noch eine Weile.

Aber eine Sache geht echt richtig schlecht: ich liebe es im Gottesdienst mit anderen gemeinsam zu singen. Und das können weder die Balkonmusik, noch der Vortragsgesang noch die gelesenen Liedstrophen zur Orgelbegleitung noch die liebevoll inszenierten Trostlieder im Internet ersetzen.

Ich möchte wieder singen! Im Chor oder der Gemeinde, mit Orgel- oder Klavierbegleitung.

Liebe Kirchenmusiker*innen: könntet ihr nicht ein Karaokeprogramm erfinden mit Lieblingskirchenliedern – alten und neuen – die wir dann zuhause losschmettern können? Das wäre doch sicher auch für die Stimmbildung wichtig, damit unser Gemeindegesang nicht einrostet😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.06.2020

Ab und zu leihe ich mir für Gebete oder Impulse oder Grußkarten Worte anderer. Es gibt einfach Formulierungen, die verlieren an Kraft, wenn man an ihnen herumbastelt.

So eine Formulierung hat, finde ich, die Autorin Tina Willms für ihr Buch über die Jahreslosung 2020 gefunden. Und sie spricht damit all diejenigen an, die sich ernsthaft mit ihrem Glauben auseinandersetzen und sich hinterfragen. Ihr Buchtitel zur Jahreslosung und den Monatssprüchen lautet: „Im Glauben: Zweifel. Im Zweifel: Glauben“. Ein Eingeständnis, dass zum Glauben der Zweifel gehört. Wie entlastend! Ich muss nicht immer überzeugt und mit gedachtem Heiligenschein durchs Leben schweben. Wenn mir das Leben Steine in den Weg wirft, dann darf ich auch an einem guten Hirten zweifeln. Wenn sich Probleme und Sorgen auftürmen, dann ist es okay, wenn mir kein Loblied mehr einfällt.

Aber umgekehrt gilt es auch: Wenn ich hadere mit den Steinen, die den Weg versperren, wenn ich Gott sage, wie ich gerade drauf bin und dass er mir sehr weit weg zu sein scheint, dann ist auch das Glauben.

Ambivalenzen sind schwer auszuhalten. Aber oberflächliche Trostworte wie „Gott hat dich trotzdem lieb“ sind in einer echten Krise noch viel schwerer auszuhalten.

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.06.2020

Meine liebe Schwägerin erzählte mir von einem Spruch, den ihr jemand geschickt hatte (leider konnten wir den Urheber nicht herausfinden). Wir hatten uns über Politik unterhalten, über Verschwörungstheorien und die Stimmung in der Bevölkerung. Dabei fiel ihr dieser Spruch ein: „Der Kluge sucht nach Lösungen, der Dumme nur nach Schuldigen.“ Nun lässt sich dieser Satz auf ziemlich viel anwenden. Aber statt auf andere zu schauen, wäre es wichtig, dass wir bei uns bleiben und selbst lieber die Lösungen suchen. Bin gespannt, worauf das heute passen könnte😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.06.2020

Kennt Ihr die Eifel-Krimis von Jaques Berndorf? Habe gerade das Hörbuch „Eifel-Gold“ zu Ende gehört und war total überrascht über die letzte Wendung (ich muss jetzt mal spoilern 😉).

Auf völlig unauffällige Weise und ohne Tote und Verletzte wird ein Geldtransporter überfallen und mit 18 Millionen geklaut. Bundeskriminalamt, Lokalpolizei, Privatermittler, Politiker, Journalisten und viele Dorfbewohner suchen nach Geld, Transporter und Tätern, allerdings erfolglos. Am Ende wird die Tat dem organisierten Verbrechen in die Schuhe geschoben.

Der Leser/Hörer erfährt aber die Geschichte hinter der Geschichte. Die Täter gab es durchaus, drei Eifelbauern, die sich um ihre Heimat sorgen und unter den Restriktionen für die Landwirtschaft leiden, die in den 90er Jahren aktuell waren. Dass sie nicht entdeckt wurden, lag an einem kleinen, aber überraschenden Detail: sie nahmen das Geld nicht für sich, sondern bewahrten es auf und verschenkten es nach und nach anonym an Projekte, die ihnen am Herzen lagen. Da war eine Baumaßnahme für einen Kindergarten dabei, ein Landwirt mit kaputtem Mähdrescher, ein Krankenpflegeprogramm u.s.w.

Natürlich rechtfertigt die gute Tat immer noch nicht das Klauen fremden Geldes, aber die feinsinnig erzählte Geschichte zeigt, dass wir manchmal das Böse, das Ungerechte, das moralisch Falsche für das Normale halten.

Wie schön wäre es, wenn wir alle miteinander wieder lernen könnten, dass das Gute normal ist, das, was anderen hilft und allen ein gutes Leben ermöglicht.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.06.2020

Es gibt Worte, die bei Facebook und Co. geteilt werden, die muss man kommentieren und ihnen etwas entgegensetzen. Es gibt aber auch Worte, denen muss man nichts hinzufügen.

 

Je reicher wir geworden sind,

desto mehr sind wir moralisch 

und geistig verarmt.

 

Wir haben gelernt,

wie die Vögel zu fliegen und

wie die Fische zu schwimmen.

 

Aber die einfache Kunst,

wie Geschwister zusammenzuleben,

haben wir noch nicht erlernt.

 

(Martin Luther King)

 
Foto:
Martin Luther King.  Bild:  Hugo van Gelderen / Anefo (gemeinfrei - Wikimedia Commons)

 

„Was Pfarrer gerade so machen“ 

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.06.2020 

Ich bin jetzt nicht so der Mathe-Freak, aber ein bisschen was habe ich doch verstanden. Zum Beispiel, dass eine Länge von 1,50 m bei mir genauso lang ist wie bei einem anderen Menschen. Dachte ich zumindest immer. Aber ganz offensichtlich stimmt das überhaupt nicht. Meine 1,50 m sind nämlich länger als die vieler anderer Menschen im Supermarkt, im Gartencenter oder bei der Post. 

Es wird schon wieder rücksichtslos gedrängelt und geschoben. Corona ist doch weg und die Maske hält ab, falls doch noch ein vorwitziges Aerosol herumtoben sollte. 

Nun war Mathe nicht so mein Ding, aber lesen kann ich ziemlich gut. Auch die Veröffentlichungen der Virologen und die sind da ganz anderer Meinung. Da ich weniger Ahnung von Viren habe als die, bin ich bereit, deren Vorsichtsmaßnahmen erstmal zu folgen. Und die lauten: Mindestabstand von 1,50 m. Und zwar die 1,50 m, die auf dem Maßband stehen, nicht die gefühlten 1,50 m. 

Neulich kam ich am Spielplatz vorbei. Ein Kind war schon auf dem Klettergerüst, ein anderes wollte gerade hinaufklettern. Das Kind oben rief: „Ey, bist du doof? Du musst Abstand halten“. Die Kinder waren höchstens 8, hatten aber alles verstanden (an „ey, bist du doof“ kann man ja noch arbeiten 😉). 

Und wer will schon doof sein? 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.06.2020

Über Geld denken wir ganz schön oft nach. Ist ja auch logisch, denn Geld brauchen wir alle: Privat für den täglichen Bedarf, aber auch für Wohnung, Versicherungen, Medikamente, Hobbys, Ausbildung und vieles mehr. Von dem Geld, das wir anderen bezahlen, leben die anderen. Wenn das Geld knapp wird in Zeiten von Wirtschaftskrisen oder weil man arbeitslos geworden ist oder weil irgendwelche Lebensumstände einen in eine prekäre Situation gebracht haben, dann ist Geld manchmal ein so bestimmendes Thema, dass nichts anderes daneben Platz hat. Über Geld nicht zu sprechen, kann sich in der Regel nur der leisten, der genug davon hat.

Einen interessanten neuen Blickwinkel auf das Geld habe ich kürzlich bei Benjamin Franklin gefunden. Der war Politiker in den USA im 18. Jahrhundert und stellte sich die Frage, welchen Stellenwert man dem Geld zumisst. Wahrscheinlich hatte er eine sehr konkrete politische Situation vor Augen, als er folgenden Satz sagte: „Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist.“ Wir wissen alle, dass man ohne Geld schlecht klarkommt. Aber wir wissen ja auch alle, dass Geld alleine tatsächlich nicht auf Dauer glücklich macht. Wir brauchen wohl einen guten Umgang mit dem Geld, mit unserem eigenen, aber auch als Kommune, als Bundesland, als Staat, damit wir nicht maßlos werden, uns nicht von falschen Versprechen kaufen lassen und die nicht aus dem Blick verlieren, die es sich nicht leisten können, über Geld nicht zu sprechen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.06.2020

„Pfarrer bestimmen immer alles in der Gemeinde“ – habt Ihr das auch schonmal gedacht?

Falls Ihr das mal so erlebt habt, ist das sehr schade. Denn eigentlich war das mal ganz anders gedacht. Paulus hat im 12. Kapitel des Korintherbriefs darüber geschrieben, wie er sich Gemeinde vorstellt: wie einen Körper, bei dem alles miteinander zusammenhängt und wo alles gebraucht wird, nichts unwichtig ist.

Die Gestalt unserer Gemeinden soll das abbilden. Und deshalb darf eben nicht der Pfarrer bestimmen, wo es lang geht.

Heute tagt die Synode unseres Kirchenkreises. Synode – das ist die Versammlung der Beauftragten aller Gemeinden eines Kirchenkreises. Und die entscheiden gemeinsam per Abstimmung. Heute zum Beispiel wird eine neue Superintendentin oder ein neuer Superintendent gewählt. Aber es geht auch um Finanzen, Personal und Planungen für die Zukunft.

Wenn Ihr schonmal dachtet, dass die Beauftragten das nicht in Eurem Sinne machen, dann habe ich hier einen schönen Vorschlag. Beauftragter wird man nämlich so: man engagiert sich in seiner Kirchengemeinden für den Bereich, der einen interessiert (Kinder und Jugend, Gottesdienst, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit, Gebäude, Musik etc.). Dann lässt man sich fürs Presbyterium aufstellen. Das ist die Versammlung der Beauftragten einer Gemeinde. Die bestimmt dann aus ihrem Kreis die Beauftragten für die Kreissynode. Jede Gemeinde bespricht vor den Synoden, was sie zur Tagesordnung wichtig findet und die Beauftragten vertreten dann in der Versammlung ihre Gemeinde. Natürlich wird auch diskutiert, manchmal gestritten, aber meistens nach einer konstruktiven Lösung gesucht.

Na, Lust bekommen? Dann los! Ab Herbst 2023 gehen wir wieder auf Suche nach neuen Presbyteriumsmitgliedern. Also noch viel Zeit, um sich das durch den Kopf gehen zu lassen 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 04.06.2020

„Zurück zur Normalität“ – ich kann das nicht mehr hören. Ich denke auch, es hilft nichts, wenn wir das wie ein Mantra ständig wiederholen. Im Herzen wissen wir doch längst, dass sich nicht so schnell wieder Normalität einstellen wird. Die neue Normalität trägt Maske und ein Fläschchen Desinfektionsmittel in der Tasche und hinterlässt überall Name, Adresse und Telefonnummer. Alles drei Dinge, die uns in der alten Normalität nicht in den Sinn gekommen wären.

Noch habe ich aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir mit unseren Gemeindeveranstaltungen, mit Gottesdiensten und Seelsorge nicht einfach wieder zur alten Normalität zurückkehren, nur eben mit Maske, Fläschchen, Liste. Noch hoffe ich, dass es gelingt, umzusetzen, was wir in Krisenzeiten gelernt haben: Sprache zu überdenken, mutiger und offener und gelassener zu werden, auch wenn nicht alles immer sofort gut gelingt, viele Menschen beteiligen, weil die Weisheit aller mehr ist, als die Summe unserer Teilweisheiten. Aber da sind die Bedenkenträger (und manchmal sind wir auch selbst einer). Was könnte nicht alles schief gehen, wenn wir dies oder jenes machen? 

In meinem Arbeitszimmer hängt jetzt eine Spruchkarte: Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist ja keines da. (Franz Kafka)

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 03.06.2020

Ich liebe es, alles zu organisieren. Egal, ob es um die Arbeit, den Haushalt, Einkaufslisten, Putzpläne oder Hobbys geht. Es macht mir einfach Spaß zu planen. 

Jetzt allerdings nicht mehr. Gerade las ich in einer Kolumne ein Zitat von Blaise Pascal: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Ich befürchte, dass das nicht nett gemeint ist im Bezug auf meine Planerei. Pascal war Mathematiker und Physiker, also eigentlich ein Mensch, dem das Planen liegen müsste. Andererseits lebte er im 17. Jahrhundert. Er wird wohl ziemlich oft erlebt haben, dass das Leben nicht so gut zu berechnen ist, wie eine Kalkulation. Es macht gelegentlich, was es will. Habe ich dieses Jahr auch schon mehrfach festgestellt: der diesjährige Bibeldialog in Berlin musste wegen eines schlimmen Sturms überstürzt abgebrochen werden, damit wir alle noch nach Hause kamen; der Wanderurlaub in Südtirol fiel Corona zum Opfer; mein Lieblingshobby kann ich wohl auf lange Sicht abschreiben. Dabei hatte ich doch alles so schön geplant.

„Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der Herr.“ So heißt ein Sprichwort im Buch der Sprüche. Bei uns wurde daraus „der Mensch denkt, aber Gott lenkt“. Ziemlich frustrierend, finde ich. Hatte Gott Sturm und Corona auf seinem Plan? Das will ich doch nicht hoffen. Aber vielleicht ist es so auch gar nicht gemeint. Wir können ruhig planen, meistens gehen die Pläne ja auch auf. Aber wenn sie einmal nicht aufgehen, dann ist in den allermeisten Fällen das Leben trotzdem noch lebenswert und wir können Ausschau nach anderen Möglichkeiten halten. Auf jeden Fall die bessere Strategie, als zu jammern, was dieses Jahr alles nicht geht. Und wer weiß, vielleicht kommt ja ungeplant etwas ganz und gar überraschend Neues auf uns zu!

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.06.2020
Ich bin verwirrt! Waren nicht Trump und Twitter best buddies? Der eine zwitscherte und der andere sorgte dafür, dass alle schrägen Vögel das Gezwitscher mitbekamen. Was ist da passiert mit den ziemlich besten Freunden?
Es scheint, als sei die Wahrheit passiert. Dabei ist das doch das, was man von Freunden erwartet: dass sie einem die Wahrheit sagen und warnen, wenn man sich verrannt hat. Freunde nehmen einem das Smartphone weg, wenn man total wütend dem Liebsten eine Nachricht schicken will. Und Freunde wenden sich auch schonmal ab, wenn es ihnen zu viel wird. Normalerweise würde man dann am nächsten Tag anrufen oder mit Cupcakes vor der Tür stehen, sich entschuldigen und über alles in Ruhe reden.
Man kann aber auch die Zwitscherfirma dicht machen wollen. Das ist einfacher, als selbst einen Fehler einzugestehen.
Aber das Ding mit der Zwitscherfirma wirkt ganz harmlos, wenn man die aktuellen Nachrichten verfolgt: mit der Bibel in den Kampf gegen ……ja, wen eigentlich?
Die liberalen Kirchen der USA wehren sich gegen derartigen Missbrauch – zu Recht! Meine Unterstützung haben sie. Wer jetzt schweigt, macht mit. Denn wenn man die Bibel nicht nur in die Kamera hält, sondern aufschlägt, dann findet man zum Beispiel diese Ermutigung: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) Kraft zum Handeln, Liebe, die niemanden ausschließt, und Besonnenheit, um mit Verstand und Klugheit auf Situationen zu reagieren.


„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.06.2020
Jedes Jahr reisen Jugendgruppen aus aller Welt über Pfingsten nach Taizé. Die Pfingsttreffen in der Kommunität sind legendär und inspirieren (nicht nur) junge Leute, etwas von dem Geist, der in Taizé seltsam greifbar ist, mit nach Hause zu nehmen.
In diesem Jahr ist auch in Burgund alles anders und das Pfingsttreffen findet digital statt. Sicher ist das kein Ersatz für das gemeinsame Singen und Beten im großen Zelt, für Bibellesen und Diskutieren an der Quelle im Wald oder das fröhliche Gequatsche beim Vorbereiten des Mittagessens, wenn alle mit anpacken.
Andererseits ist die digitale Variante eine relativ einfache Möglichkeit, ein bisschen Taizé nach Hause zu holen. Die Brüder von Taizé stellen jeden Tag ihre Abendandacht ins Netz. Ich finde, das ist auch digital sehr schön. Wenn Ihr da mal reinschauen wollt: www.taize.fr  und dann auf Abendandacht klicken. Vielleicht treffen wir uns da😉
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.05.2020

Wenn ich mit jemandem über seinen Glauben ins Gespräch komme, dann sind es manchmal ganz praktische Fragen, die einen Menschen bewegen: Woran merke ich eigentlich, dass ich glaube? Müsste ich nicht irgendwie anders sein? Besser womöglich?

Ich habe keine allgemeingültigen Antworten auf diese Fragen. Ich denke, der persönliche Glaube ist nichts, was man „hat“, sondern was sich entwickelt, indem man sein Leben lebt. Manchmal wird er kaum eine Rolle spielen, dann wieder eine Entscheidung grundlegend beeinflussen, dann vielleicht einen neuen Gedanken produzieren. Morgen ist Pfingsten – vielleicht könnte man sagen, dass es der Geist Gottes ist, der uns Glauben schenkt (nur leider nicht auf Vorrat).

Heute fand ich zu diesen Gedanken folgende Zeilen eines, leider unbekannten, Verfassers:

Ich suchte meinen Glauben

und fand ihn nicht.

Ich suchte meinen Gott

und fand ihn nicht.

Ich suchte meinen Nächsten

und fand alle drei.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.05.2020

Habt ihr den Youtube Clip „Männerwelten“ gesehen? Ein Projekt von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer Umlauf, in dem sie den Zuschauer durch eine Ausstellung führen lassen. Ausgestellt sind Berichte von Frauen über Übergriffe, peinliche Fotos, die ihnen zugeschickt wurden, beleidigende Kommentare im Internet und vieles mehr. In Corona-Zeiten sollte dieses Thema nicht hinten runterfallen, fanden die beiden Macher. Sie ernteten viel Lob für ihre Aktion, aber auch Kritik. Auf ein Problem hinzuweisen, führe noch nicht zu seiner Lösung, schrieb eine Journalistin. Ja, das sehe ich auch so. Aber nicht auf ein Problem hinzuweisen, führt auch nicht zu seiner Lösung. 

Am erschreckendsten an diesem Beitrag war für mich die Erkenntnis, an wieviel Hate Speech und Alltagschauvinismus wir uns längst gewöhnt haben.

Aber gefragt sind nun tatsächlich alle: sich nichts gefallen lassen, aber dabei Maß halten und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, auf seine Sprache achten und vielleicht auch mal korrigieren, öffentlich dagegen sein, wenn andere verspottet oder angemacht werden – das wird eine spannende Reise durch eine neue Sprachkultur und ein neues Aufeinanderachtgeben. Klingt wie gemacht für eine Reise in Corona-Zeiten! 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.05.2020

Beim Sportunterricht in der Schule gehörte ich zu denen, die erst sehr spät in eine Mannschaft gewählt wurden, für die es ein schlechter Tag war, wenn Schwimmen auf dem Stundenplan stand und die prinzipiell nicht mit Anlauf über einen Kasten springen konnten. Glücklicherweise war ich mit diesem Problem nicht alleine, so dass ich die Schulzeit relativ unbeschadet überstanden und heute Sportarten für mich entdeckt habe, die sehr viel Spaß machen und mein Leben bereichern.

Was mich immer richtig geärgert hat, waren die Vergleiche mit der Besten im Sport. Schau mal, die XY schafft das doch auch! Die XY schaffte alles. Die XY war nämlich Stadtmeisterin in Leichtathletik und insofern für mich keine Option.

Jetzt habe ich im Kolosserbrief einen Vers entdeckt, der nahelegt, dass wir uns selbst mit dem Besten vergleichen sollen. Och nö, bitte nicht, dachte ich. „Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kolosser 3,13) 

Ich stelle mir sehr gerne vor, dass Gott mir vergibt, wenn ich einen Tag lang missgelaunt, streitsüchtig und launisch war. Aber wenn mir ein anderer missgelaunt, streitsüchtig und launisch begegnet, dann sehe ich das doch überhaupt nicht ein. Kann ich doch nichts für, wenn er oder sie gerade keinen Lauf hat. Sollen die mich doch damit in Ruhe lassen. Man kann doch nicht für alles immer Verständnis haben. Es sei denn, man wäre Gott. Bin ich aber nicht. Wie also soll das gehen?

Das Geheimnis steckt wohl in einem Wort: euch. Weil uns alles vergeben ist, sollten wir doch eigentlich wissen, wie schön sich das anfühlt. Dann müssten wir doch auch in der Lage sein, den ersten Schritt zu gehen oder nicht jeden Fehler aufzurechnen und eine neue Chance einzuräumen. Ganz schön schwer manchmal! 

P.S. XY aus meiner Schule war übrigens richtig nett und konnte nichts dafür, dass sie uns immer als perfektes Vorbild hingestellt wurde 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.05.2020
Kennt ihr die Geschichte von Zachäus? Er war Zolleintreiber, arbeitete für die Römer und war logischerweise nicht sonderlich beliebt. Vor allem deshalb nicht, weil allgemein bekannt war, dass er nebenbei auch für sich selbst ein nettes Sümmchen beiseitegeschafft hatte.
Im Lukasevangelium wird erzählt, wie Zachäus und Jesus einander begegnen. Zachäus ist inzwischen ein reicher Mann. Aber im Gespräch muss er zugeben, dass ihn sein Geld nicht wirklich reich gemacht hat. Er hat nämlich keine Freunde mehr, niemanden, dem er am Herzen liegt, für den er wichtig ist. Nach der Begegnung beschließt er, das Geld zurückzugeben, das er unrechtmäßig einkassiert hatte. Hoffentlich wurde seine Geste bemerkt und trug dazu bei, dass er wieder mit anderen Menschen in Kontakt kam.
Mir stellt sich die Frage, warum wir immer erst in der Rückschau auf unser Leben fragen, was uns reich gemacht hat. Meist fallen die Antworten doch ganz ähnlich aus: Familie, Freunde, ein erfüllender Beruf, Interessen, sinnvoll gestaltete Zeit, schöne Erlebnisse und Erfahrungen machen uns wirklich reich. Es wäre doch eigentlich klug, aus der Erfahrung des Zachäus zu lernen und vor einschneidenden Veränderungen, die wir vornehmen wollen, zu fragen, ob sie uns reich machen werden? Werden sie uns neue Kontakte bescheren? Werden sie uns Horizonte öffnen? Werden uns Erfahrungen  ein bisschen weise werden lassen? Werden wir Spaß haben? Etwas Neues lernen? Einen Menschen glücklich machen? Ich denke, Kuchen für Freunde backen bekommt dann einen ebenso hohen Stellenwert wie Aktien verkaufen 😉

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.05.2020

Am kommenden Wochenende wollen wir in unserer Gemeinde beraten, wie es mit den Gottesdiensten weitergeht: Präsenz oder Online oder beides? In diese Überlegungen mischt sich nun die Berichterstattung über die Corona-Infizierten in einer Frankfurter Baptistengemeinde. Alle Regeln seien beachtet worden, man habe die Hygienekonzepte befolgt, sagen die einen. Die Gemeinde stelle sich schon seit Wochen gegen die angeordneten Maßnahmen und mache, was sie wolle. Wer an Gott glaube, würde nicht an Corona erkranken, so wäre ihre erklärte Haltung, sagen die anderen.

Ich habe keine Ahnung, was stimmt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dem Virus völlig egal ist, wer an wen oder was glaubt. Das Virus braucht einfach einen Wirt und macht keine Unterschiede (das einzig positive Merkmal an diesem Teil). 

Aber der Vorgang in Frankfurt zeigt doch auch, dass jederzeit, ob unvorsichtig oder nicht, überall wieder ein Hotspot auftreten kann. Ich möchte auf keinen Fall, dass das in unserer Gemeinde geschieht. Selbst wenn alle im Gottesdienst Masken tragen, nicht singen und Abstand halten, kann niemand garantieren, dass nicht doch ein Virus den Weg durch alle Barrieren findet. 

Lasst uns doch lieber die Online-Gottesdienste noch etwas optimieren, mehr Lieder zum Mitsingen einbauen, mehr thematische Abwechslung, Feilen an der Gottesdienstsprache, verschiedene Kameraeinstellungen – noch ist doch Luft nach oben und die Besucherzahlen der Onlinegottesdienste sind erfreulich hoch.

Einkaufen im Supermarkt muss sein – da gib es wenig Alternativen. Beim Gottesdienst schon! Ist ja nicht für immer 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Annette Cersovsky, 25.05.2020

Wisst Ihr, was mir wirklich sehr fehlt in diesen Corona-Kontaktbeschränkungs-Gemeindezeiten? Ich stelle jede Woche mehr fest, wie sehr Gottesdienste und Andachten vom Austausch mit anderen leben. Normalerweise habe ich in einer Woche eine Vielzahl ganz unterschiedlicher persönlicher Kontakte. Man spricht über dies oder jenes und plötzlich entsteht eine Verbindung zum Predigttext des kommenden Sonntags oder eine Idee für die nächste Andacht im Seniorenkreis oder für die Konfistunde. 

In besonderer Weise geschieht das in unserem Kreis „GBB“. Ursprünglich ist das die Abkürzung für Gespräche über Glaube Bibel Bekenntnis. Ich werde den jetzt umbenennen in Gemeinde Bedenkt Bibeltexte. Hoffentlich sehe ich Euch ganz bald wieder😉

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.05.2020

In einem wissenschaftlichen Vortrag über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie tauchte immer wieder ein Terminus auf, der mir noch nachgeht. „God of the Gaps“ – eine Form des Gottesbeweises, wie einige meinen. Überall dort, wo wissenschaftliche Beweise nicht gelingen, da ist Gott zu finden. Das würde dann aber bedeuten, dass Gottes Bereich immer kleiner würde, weil wir immer mehr Wissen anhäufen. Es würde auch bedeuten, dass Gott jenseits von Verstehbarem seinen Ort hat. Mir wäre ein God of the Gaps nicht genug. Ich würde dann versuchen, die Lücken mit Wissenschaft zu füllen. Was mich aber viel mehr interessiert, ist die Erkenntnis, dass immer mehr Wissen der Menschheit immer mehr Fragen nach sich zieht. Die Menge der Antworten schließt also keine Lücken, sondern schafft nur neue. Die Lücken werden wir vielleicht irgendwann mit Wissenschaft gefüllt haben, aber werden wir jemals das ganze Bild der Welt und der Menschheit sehen können?

Paulus machte sich diese Gedanken schon im 1. Jahrhundert und verneint die Frage. Auf unserer Seite des Lebens sehen wir wie durch einen Spiegel ein dunkles Bild und können nur Bruchstücke erkennen. Erst auf der anderen Seite des Lebens wird sich das vollständige Bild zeigen.

Ich finde das nicht schlimm. Mich fasziniert Wissenschaft und ich liebe es zu entdecken, wie alles zusammenhängt. Aber ich kann auch damit leben, dass es immer neue Rätsel gibt. Eines Tages werden sie gelöst sein.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.05.2020

Erinnert Ihr Euch noch ans Balkonsingen? Musizieren oder Singen vom eigenen Balkon oder dem geöffneten Fenster aus? „Der Mond ist aufgegangen“, damit fing es an, aber bei einigen wurden ganze Konzerte daraus. Unser Balkonmusiker, Salvatore Vicari, ist einer der wenigen Musiker, der ganz treu bei dieser schönen Aktion geblieben ist und immer noch Abend für Abend mit seinem Saxofon auf der Terrasse steht und ein abwechslungsreiches Programm spielt. Kirchenlieder, Jazz, Volkslieder, Improvisationen, Musicalstücke, Popsongs – alles dabei. Und – ganz wichtig – ein fester Termin im Tagesablauf der benachbarten Altenheimbewohner. Heute gilt mein ganz besonderer Dank Salvatore!!!!!! (Ich höre Deine Musik jeden Abend im Garten und freue mich darauf!!!!!)

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.05.2020

Gestern las ich ein Interview mit der Überschrift „Was eine Kassiererin wirklich denkt“. Eine ganze Reihe von Interviews beschäftigte sich mit Menschen, die während der Corona-Krise in besonderer Weise gefordert waren und fragte sie, wie sie im Rückblick darüber denken. Eine Frau, Kassiererin in einem Supermarkt, beschrieb ihren ganz normalen Arbeitsalltag während der letzten Wochen. Sie erzählte von den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt war, wenn sie Kunden bitten musste, nicht drei Pakete Toilettenpapier zu kaufen, sondern nur eines, damit andere auch noch etwas haben. Sie beschrieb, wie ihr die Tränen kamen, als sie alte Menschen vor leeren Regalen stehen sah. Die hatten sich auf den mühsamen Weg zum Einkauf gemacht und mussten nun unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Diese Situation hat sich inzwischen etwas entspannt, aber nun gibt es neue Konfliktthemen: unbelehrbare Kunden, die partout keinen Abstand halten wollen und ihre Maske demonstrativ absetzen, weil „die Regierung unsere Grundrechte mit Füßen tritt“. Die Kassiererin erzählte, wie schwer es ihr manchmal fällt, dann die Ruhe zu bewahren, sachlich zu argumentieren und freundlich zu bleiben. Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht, war ihre Antwort kurz und klar: Mehr Respekt und eine angemessene Bezahlung. Sollte doch möglich sein, oder?

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.05.2020
Vatertag – in sämtlichen Medien wurde die bange Frage diskutiert, wie es in diesem Jahr mit Bier und Bollerwagen laufen soll. Ich würde sagen, genauso, wie mit dem Himmelfahrtstag – nämlich anders als sonst. Bei uns läuft der Open Air Familiengottesdienst im Netz, so wie alle Gottesdienste im Mai in unseren Kirchen.
Aber eines ist so wie jedes Jahr: die Frage, was es mit diesem Feiertag eigentlich auf sich hat. Meine Lieblingsantwort auf diese schwierige Frage hat ein Kind anlässlich der Beerdigung seiner Großmutter gegeben. „Jesus musste mit dem Wolkenaufzug nach Hause fahren, damit er bei meiner Oma sein kann, wenn sie da ankommt.“ Die Sache mit dem Wolkenaufzug kann ich mir auch nicht erklären, aber dass Jesus nicht mehr nur auf eine kleine Region begrenzt bleibt, sondern an einem, für uns unverfügbaren,  Ort für alle Menschen da ist, das leuchtet mir sehr ein.
Bei Netflix läuft gerade eine ziemlich umstrittene Serie, die sich mit der Frage beschäftigt, wie wir heute mit Jesus umgehen würden, wenn er an einem Ort der Welt auftreten würde und Dinge täte, wie Jesus sie getan hat. In „Messiah“ kommt ziemlich schnell heraus, dass sich Geheimdienste, Diktatoren, religiöse Fundamentalisten, Wissenschaftler und Forschungsinstitute darum reißen, den Mann festzusetzen und für die eigenen Ziele einzuspannen. Es sind immer die Kinder, die die Erwachsenen dann mahnen, doch einfach erstmal zuzuhören, was der Mann zu sagen hat.

Unsere Motivation

Unsere Arbeit ist unsere Leidenschaft und ein positiver Antrieb für jeden neuen Tag. Sie bringt uns dazu, Herausforderung als Chance zu verstehen und neue Ziele zu erreichen.

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.05.2020
Im Buch der Sprüche im Alten Testament sind, wie der Name schon vermuten lässt, Sprüche gesammelt. Ganz unterschiedliche Lebensweisheiten und Verhaltensregeln und Empfehlungen, darunter auch solche, die bei uns zu Sprichwörtern geworden sind. „Wer anderen eine Grube gräbt, der fällt selbst hinein“ – das geht beispielsweise auf Sprüche 26,27 zurück.
Die heutige Tageslosung kommt auch aus dem Buch der Sprüche: „Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.“ (Sprüche 29,7) Noch viel schärfer formuliert das hebräische Original: Gerecht ist, wer um die Rechtssache der Armen weiß. Für mich ist das heute die Antwort auf die Frage danach, was gerecht ist. Gerecht ist ein System dann, wenn auch für den Schwächsten das Recht gilt. Soweit klar, aber der Zusatz präzisiert es dann noch einmal: Gerecht ist ein System dann, wenn alle im System um das Recht der Schwächsten wissen. Nur wer sieht und erkennt, kann auch einen Missstand beheben. Weiß ich um das Recht des Schwächsten, der mir heute begegnet? Werde mit dieser Frage durch den Tag gehen 😊


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.05.2020

Zurück zur Normalität – jeden Abend höre ich es in irgendeinem Nachrichtenbeitrag, ich lese es, Leute sagen es. Aber wollen wir das wirklich?

Normal war, zu einer Tagung morgens nach London zu fliegen und abends zurück. Normal war, dass 30 Leute mit 25 Autos zu einer zweistündigen Sitzung fuhren. Normal war, dass keiner auf den Senior im Erdgeschoß achtete, weil man selber so viel zu tun hatte. Normal war, dass wir uns keine Gedanken machen mussten, ob unser Handeln in Frage zu stellen sei. Normal war, zu wissen, dass man nichts ändern kann, weil die Dinge so sind, wie sie sind. Aber wir könnten uns auch für eine neue Form der Normalität entscheiden, wenn wir wollten.

„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte „Wo kämen wir hin?“ und keiner ginge, zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“ (Kurt Marti)

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 18.05.2020

„Der liebe Gott sieht alles!“ In vielen Familien findet sich mindestens ein Verwandter, der diesen Satz als pädagogische Hilfe verstand und gerne den Kindern damit drohte, wenn sie irgendwas Verbotenes getan hatten. Allerdings war den meisten Kindern ziemlich schnell klar, dass es nicht Gott war, der danach Hausarrest oder Fernsehverbot verhängte.

Ärgerlich finde ich, dass durch diesen, überhaupt nicht pädagogisch wertvollen, Satz ein falsches Bild von Gott aufgebaut wird. So als wäre er ein miesepetriger Big Brother, der nur darauf wartet, dass wir über unsere eigenen Ansprüche stolpern und Fehler machen.

Mir gefällt viel besser ein Ausspruch des Kirchenvaters Augustin: „Gott hat sein Ohr an deinem Herzen.“ Gott weiß schon, was uns bedrückt, was uns glücklich macht oder in Angst und Schrecken versetzt. Bevor wir es denken und aussprechen können. Aber weil wir immer darauf warten, dass das Problem verschwindet, das uns gerade beschäftigt, hören wir nicht mehr auf die leisen Töne, die uns vielleicht auf andere Weise etwas schenken, um das Problem selbst zu lösen. Und wenn gar nichts hilft, dann ist es gut, dass wenigstens einer die allertiefsten Gedanken kennt – auch die, die wir niemals aussprechen würden.

Meine liebe Kollegin hat übrigens eine gute Antwort auf den Satz parat: Gott sieht alles – aber er petzt nicht! 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 17.05.2020

Achtsamkeitsübungen sind gerade total in. Seminare gibt es dazu, massenweise Bücher zum Selbststudium oder Lifehacks auf Youtube. Alle haben eins zum Ziel: mehr Work-Life-Balance, wieder in den Flow kommen, chilliger werden.

Alles total richtig und wichtig, denn wir neigen wohl dazu, entweder ruhelos zu arbeiten oder in Trägheit zu verfallen. Die Balance zwischen beidem bewusst zu gestalten, ergibt also Sinn.

Aber, mal abgesehen von Begriffen wie „Work-Life-Balance“, „Lifehack“ oder „Flow“ ist die Achtsamkeitsübung so alt wie die Welt. Klingt nur nicht so cool 😊

In der Bibel gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie ein Gebet Veränderung bringt. Heute, am Sonntag, Rogate, geht es genau um die Frage, was Beten austrägt, was sich verändert und was es uns bringt.

Beten kann auch mal Gemeinschaftsaktion sein, zum Beispiel im Gottesdienst, aber ansonsten ist Beten etwas für das stille Kämmerlein. Denn wir sollen es nicht für die anderen tun, damit die sehen, wie achtsam wir sind. Wir sollen es für uns tun; innehalten im Tagesgeschäft und ausbreiten, was uns beschäftigt und zwar ganz ehrlich mit uns selbst, ohne Erwartung, dass sofort ein Wunder passiert, aber mit der Erwartung, dass einer hört und sich kümmert. 

Von dem Dichter Gerhard Tersteegen stammt ein schöner Satz zum Beten: Du Atem aus der ewigen Stille durchwehe sanft der Seele Grund.

Herr Tersteegen lebte im 18. Jahrhundert. Heute würde ich es so sagen: Öffne dich für Gedanken, die nicht aus dir selbst kommen und lass zu, dass sie dich verändern!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 16.05.2020

Wir sollen alle einsichtig sein und im eigenen Interesse alle geltenden Regeln zur Eindämmung der Pandemie befolgen. So ähnlich war es diese Woche mehrfach wieder zu hören. Groß ist die Sorge, dass die Lockerungen, nach denen alle gerufen hatten, nun doch dazu führen könnten, dass sich niemand mehr an irgendetwas hält.

Wenn mir als Jugendliche einer gesagt hatte, ich solle einsichtig sein, dann hieß das soviel wie „du verstehst das noch nicht“ und „lass andere entscheiden, die das besser überblicken“.  Ist ja klar, dass ich dann alles andere als einsichtig war 😉

Aber nun bin ich über die Einsicht regelrecht gestolpert. Das Wort kommt in der Bibel vielfach vor, auch dort sollen Menschen einsichtig sein und Regeln befolgen. Martin Luther hat das Wort in diesem Kontext mehrfach eingebracht. Bei der Übersetzung eines Verses aus dem 1. Timotheusbrief fiel mir nun auf, dass das entsprechende griechische Wort aber noch viel mehr heißen kann. Es kann auch Scharfsinn bedeuten oder Verstand. Und schon bin ich gerne bereit einsichtig zu sein. Mit Scharfsinn die Corona-Lage erfassen, Verstand einschalten und Schutzmaßnahmen ergreifen, bis klar ist, was noch zu tun ist.

Manchmal sind es nur ein paar Buchstaben, die Haltung verändern 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.05.2020

Das Virus ist gar nicht ansteckend! Die Politikerinnen und Politiker wollen uns nur Angst machen. Auch soll eine Weltregierung etabliert werden mit maximaler Kontrolle und Überwachung. Bill Gates hat das alles erfunden, damit er mehr Geld verdient.

Sorry, aber es fällt mir schwer, Euch Verschwörungstheoretiker ernst zu nehmen.

Dass ein Virus ansteckend ist, wissen wir schon lange. Eine Weltregierung – dass das jemand plant, würde ich gar nicht ausschließen, aber ich sehe da gerade keine akute Gefahr in Berlin oder Brüssel. Das Ringen um den richtigen Weg, und auch der Schlingerkurs, weil niemand so genau über das neue Virus Bescheid weiß, das zeigt doch, dass weniger ein Plan dahinter steht, als vielmehr tastende Schritte auf der Suche nach dem richtigen Weg. Wir sollten alle mal an die Luft und frische Gedanken durchs Hirn wehen lassen 😉.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.05.2020

Nun hat es also auch uns erwischt. Eine unserer KiTas wurde geschlossen. Nachdem in der Familie eines Kindes ein Corona-Fall aufgetreten war, wurde jetzt auch das Kind positiv getestet. Unsere Gedanken sind zuallererst bei der betroffenen Familie. Wir hoffen, dass es allen weiterhin gut geht, dass sie die Erkrankung schnell überstehen und dass es bei den beiden bekannten Fällen bleibt.

Aber die ganze Sache macht mir auch Mut, was den Umgang mit schwierigen Situationen betrifft. Unser KiTa Team hat sehr besonnen reagiert und schnell alles getan, was zu tun ist. Die Behörden waren sofort vor Ort, alle notwendigen Schritte wurden eingeleitet, alle Eltern informiert, Tests veranlasst. Und das alles in ein paar Stunden nach Bekanntwerden des positiven Tests. Mein Dank gilt heute allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KiTa: Wir sind sehr froh darüber, dass Ihr ausgerechnet in unserer Gemeinde Euren Dienst tut, dass Ihr neben Vorschriften und Verwaltungsaufgaben immer als erstes Kinder und Eltern im Blick habt und nicht einmal jetzt Euren Humor verloren habt 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.05.2020

Vor unserer Kirchentür lag neulich ein Stein. Nicht irgendein Stein, sondern ein blau-weiß-gestreifter Stein. Den hatte jemand angemalt und mir kam sofort in den Sinn, dass das irgendwann mal modern war, Steine zu bemalen. Heute eher nicht mehr so. Aber heute ist das mit den Steinen auch eine ganz andere Geschichte, wie ich jetzt herausgefunden habe.

Auf der Rückseite „unseres“ Steins steht nämlich etwas: Remstein!

Nicht etwa ein unleserliches Remscheid, sondern wirklich „Remstein“. Das ist ein Hinweis auf eine Facebookgruppe und in die kann man ein Foto vom gefundenen Stein posten.

Die Idee kommt aus den USA und landete in Deutschland zunächst in Schleswig-Holstein. Dort bekam die Aktion den Namen „Elbstones“. Die Idee dahinter: anderen eine Freude machen – Kunst zum Mitmachen zu schaffen – in der Corona-Krise für Kinder ein Straßenspiel – durch die hochgeladenen Bilder Teil der Community werden und feststellen, wer da noch alles mitmacht – vielleicht Lust bekommen, selbst Steine zu bemalen. Übrigens: Remsteine heißen so, weil sie in Remscheid ausgelegt werden. Es gibt auch Wupperstones, Ittersteine u.s.w.

Coole Idee! Unser Remstein kommt also jetzt in die Facebookgruppe!

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.05.2020

Seit wir als Pfarrkollegen verstärkt digital unterwegs sind, fällt noch deutlicher als sonst auf, wie sehr „Kirchensprech“ dem Sprachgefühl der meisten Menschen entgegensteht. Oft sind es geprägte Formulierungen, die traditionell in bestimmten Zusammenhängen ausgesprochen wurden und die theologisch begründbar sind. Reden über „Gottes Gnade und Barmherzigkeit“ oder über „unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen“ mögen zutreffen, aber sie wirken auf viele Menschen wie eine Fremdsprache. Einzelne Begriffe gehören übersetzt in heutige Sprache und Aussagen müssen biblisch begründet und verständlich sein, finde ich. Das fällt uns allen nicht immer leicht und gelingt wohl in mancher Predigt einfach mal gar nicht. Aber wir arbeiten daran 😉

Eine solche Formulierung allerdings ist mir ans Herz gewachsen: „…dass Frieden und Gerechtigkeit sich küssen.“ (Psalm 85,11)

Manche biblischen Bilder sind einfach nicht übertragbar. Wenn zwei sich küssen, dann ist da etwas zwischen ihnen. Anziehungskraft, Zuneigung, Liebe. Die beiden, die sich küssen, wollen nicht ohne einander sein. Liebe Politikerinnen und Politiker, Frieden und Gerechtigkeit können nicht ohne einander. Nur in friedlichen Zeiten können wir daran arbeiten, dass es gerecht zugeht. Aber wenn es an immer mehr Stellen gerecht zugeht, sinkt die Gefahr, dass uns der Frieden wegbricht. Ja, ich weiß, das klingt einfacher, als es in der Umsetzung ist. Aber ich habe die große Hoffnung, dass es möglich ist.

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.05.2020
Über die freiheitliche demokratische Grundordnung in unserem Land ist in den letzten Tagen viel diskutiert worden. Und das ist auch richtig so, finde ich, denn die Grundrechte, die wir in Deutschland haben, sollte wir niemals leichtfertig aufs Spiel setzen. Freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit und der Schutz des Lebens gehören dazu. Problematisch wird es, wenn die Zulassung des einen Rechts ein anderes beschränkt. Das Recht auf Religionsausübung, zum Beispiel in einem Gottesdienst, kann dann eingeschränkt werden, wenn die Gesundheit der Menschen dabei gefährdet werden könnte, so wie es jetzt in der Corona-Zeit geschehen ist. Deshalb betonen unsere Politiker regelmäßig die Verhältnismäßigkeit der Regelungen, denn alle getroffenen Maßnahmen müssen ständig überprüft und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Die wenigsten Menschen haben in Deutschland Sorge, dass die derzeitigen Beschränkungen ein Problem für die Zukunft werden könnten. Niemand beabsichtigt beispielsweise, das Recht auf freie Religionsausübung dauerhaft einzuschränken. Deshalb muss ich mich auch nicht aufregen, wenn die Gottesdienste vorerst mit Einschränkungen oder auch noch gar nicht wieder aufgenommen werden. Wichtig ist nur, dass sie wieder starten können, wenn die Umstände es zulassen.
Schwieriger ist es bei einem ganz anderen Thema, denke ich. Mit welchem Recht verbieten wir Seniorinnen und Senioren mit Nachdruck den Wocheneinkauf oder den Spaziergang im Stadtpark, während wir fröhlich all das tun können. Natürlich – auch das geschieht zum Schutz. Wir meinen es ja gut. Aber auch ein 90jähriger sollte selbst einschätzen dürfen, ob er mit Maske und Desinfektionsmittel in den Supermarkt geht oder nicht. Er wird um das Risiko wissen und es vielleicht trotzdem in Kauf nehmen, weil die Einsamkeit und die Stille in der leeren Wohnung noch schwerer zu ertragen wären. 
Unsere Aufgabe ist es, so denke ich, ihn wissen zu lassen, dass es Menschen gibt, die ihm helfen werden, falls er das Risiko nicht eingehen möchte. 


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 10.05.2020

Heute wird Muttertag gefeiert! Naja, gefeiert ist vielleicht etwas übertrieben. In manchen Familien wird an diesem Tag das Frühstück ans Bett gebracht oder ein Ausflug gemacht oder die ganze Familie geht zum Essen (zumindest vor Corona war das so). Scherzhaft konnte man dieser Tage lesen, dass die Väter sich dieses Jahr selbst Gedanken zum Muttertag machen müssten, weil die KiTas geschlossen sind und die ErzieherInnen diesmal nicht die guten Ideen liefern. 

Ich habe nichts gegen den Muttertag, aber auch nicht viele Argumente dafür. Längst sind die Rollenverteilungen in Familien flexibel. Mütter legen oft gar keinen Wert auf diesen einen Tag im Jahr, wenn ihre Arbeit an den 364 übrigen Tagen nicht geschätzt wird. In vielen Familien hat der Vater die klassischen Mutter-Aufgaben übernommen, u.s.w…….

Trotzdem: wenn ich an meine Mutter denke, die nicht mehr lebt, dann würde ich gerne noch so vieles fragen. Ich würde ihr gerne erzählen, was ihre Familie gerade so treibt und wäre gespannt, was sie dazu zu sagen hätte. Und wenn ich traurig bin, dann wünschte ich, sie würde mich noch einmal trösten. Denn das konnte sie auch wunderbar.

Vielleicht hatte der Prophet Jesaja auch so eine Mutter. Denn er hat über Gott einmal gesagt, der könne so trösten, wie einen seine Mutter tröstet (Jes 66,13). Ich weiß genau, was er damit meint 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 09.05.2020

Heute also die angekündigte Fortsetzung von gestern mit dem Erfahrungsbericht.

Schwierig, schwierig, kann ich da nur sagen…….. 😊 Wahrscheinlich braucht es mehr Übung, um dem eigenen Handeln gerade dann Aufmerksamkeit zu schenken, wenn es sich um vermeintlich lästige und nebensächliche Tätigkeiten handelt. Allerdings ist mir aufgefallen, dass die gedankliche Beschäftigung mit diesem Thema ganz neue Gedanken freisetzt. Zum Beispiel die Frage, welche Tätigkeiten eigentlich tatsächlich nebensächlich sind (vielleicht kann man sie dann weglassen?) und welche nebensächlichen Tätigkeiten genaugenommen gar nicht so nebensächlich sind (weil sie zwar keinen Spaß machen, aber für andere einen Nutzen haben?). Mal wieder fällt mir diese buddhistische Weisheit ein, die in diesem Zusammenhang so oft erwähnt wird: Ein buddhistischer Meister wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so glücklich sein könne. Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich …“ (…) Da sagten die Leute: „Aber das tun wir doch auch!“ Er aber sagte zu ihnen: „Nein – wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“ Ist das gemeint, wenn wir alles, was wir tun, mit der Kraft tun sollen, die uns zur Verfügung steht? Wir verschwenden möglicherweise Energie, wenn wir neben dem, was wir gerade tun, schon das Nächste planen. Andererseits: ohne Planung wird es auch schwierig. Aber wie wäre es damit: das Planen für den nächsten Tag machen wir nicht nebenbei, sondern als eigenen Tagesordnungspunkt auf der inneren ToDo Liste. Mal sehen, was dann passiert 😉

 

 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 08.05.2020

Schon wieder Freitag! Geht Euch das auch so, dass die Corona-Zeit gefühlt schneller läuft, als die normale Zeit? Ich fand schon immer, dass die Zeit ein seltsames Ding ist. Sie will uns glauben lassen, sie würde metrisch akkurat in eine Richtung verlaufen, aber jeder weiß doch, dass das auf keinen Fall stimmen kann. Ein Termin beim Zahnarzt dauert eine Ewigkeit, während gleich viele Minuten (oder auch mal Stunden ☹ ) am Strand im Handumdrehen vorbei sind. Wenn man schlecht schläft, weil das Gedankenkarussell in Betrieb ist, dann dauert die Nacht unendlich lang. Ist man aber nach einer schönen Feier müde ins Bett gefallen, dann ist die Nacht in Windeseile vorbei, kaum, dass man zum Schlafen gekommen ist. Und dann gibt es Menschen, die wollen uns erzählen, man müsse nur den Augenblick festhalten. Die machen mich schonmal leicht aggressiv. 

Weil ich weiß, dass sie Recht haben und doch so wenig dagegen tun kann, dass mir die Zeit durch die Finger rinnt. Aber einen Versuch wäre es doch noch wert. Im Buch Kohelet fand ich folgenden Vers: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.(Kohelet 9,10)

Damit ist wohl auch die Hausarbeit gemeint, zu der ich so oft keine Lust habe. Oder Verwaltungskram. Oder die Steuererklärung. Oje…mir fallen gerade immer mehr Beispiele ein. Heute werde ich mir eine Sache vornehmen und sie ganz bewusst tun. Ich werde ihr Aufmerksamkeit schenken und gute Gedanken. Und morgen werde ich Euch wissen lassen, was daraus geworden ist😉

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 07.05.2020
Lockerungen, so weit das Auge reicht. Ich kann wieder Freunde treffen. Mein Lieblingsrestaurant wird öffnen, ebenso mein Fitness-Studio (das ich überraschenderweise sehr vermisst habe😉), vielleicht kann ich sogar ein Konzert besuchen oder eine Ausstellung. Warum will sich dann keine rechte Freude bei mir einstellen? Es geht mir mit den Lockerungen wie mit den Entscheidungen über die Gottesdienste letzte Woche: sind wir zu unvorsichtig? Politikerinnen und Politiker treffen ihre Entscheidungen nach vielen Abwägungen. Sie haben Wahlen zu gewinnen und vielleicht sogar das Kanzleramt. Ich kann verstehen, dass sie jede Entscheidung nach allen Seiten absichern wollen. Aber ich befürchte, dass das diesmal nicht geht. Diejenigen, die keine Wahlen gewinnen müssen oder sowieso ihren Chefsessel nach der nächsten Wahl räumen wollen, die Epidemiologen und Frau Merkel, scheinen sehr viel zurückhaltender zu sein. Von einer zweiten Welle ist die Rede, von einem steinigen Weg zum Impfstoff. Und sogar Wirtschaftsexperten warnen, dass eine zu frühe Lockerung noch größeren Schaden für die Wirtschaft anrichten würde, wenn ein zweiter Shutdown notwendig wäre.
Liebe Politikerinnen und Politiker, ich würde im Moment lieber eine für mich unbequeme Entscheidung hinnehmen, wenn ich das Gefühl hätte, dass ihr auf Expertenmeinungen mehr gebt, als auf Wahlbarometer. Natürlich sind sich auch die Experten nicht ganz einig, aber das zeigt doch einmal mehr, wie unsicher die ganze Geschichte insgesamt noch ist. Ich wünschte, wir könnten noch etwas mehr Geduld aufbringen. Auch bei der Öffnung der Gottesdienste und Gemeindegruppen!


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 06.05.2020

Ich war einigermaßen entsetzt, als ich in einer Focus-Schlagzeile las, was Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen, geäußert hatte. Inzwischen ist er zurückgerudert, aber die Aussage steht im Raum und beschäftigt mich. Palmer hatte eine drastische Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert, weil wir in Deutschland „möglicherweise Menschen retten, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“. Ich kann mir diese Äußerung eigentlich nur vor dem Hintergrund der dramatischen Zustände in Italien erklären, wo Mediziner tatsächlich abwägen mussten, wem sie zuerst helfen. Und dort wurde dann eben manchmal danach entschieden, wer sowieso schlechte Genesungschancen hatte.

Aber in Deutschland? Wir haben gar nicht so viele Beatmungsplätze benötigt, wie bereitstanden. Wir konnten europäischen Nachbarn aushelfen, bei denen es anders aussah. Niemand musste bei uns abwägen, ob ein Mensch mit multiplen Vorerkrankungen, wie es immer so schön heißt, eine Behandlung bekommen soll oder nicht.

Ich verstehe diese Aussage, wenn ein Arzt aus Bergamo sie trifft, der nicht mehr weiß, wie er nach 24 Stunden-Schichten und ohne genügende Schutzausrüstung noch klarkommen soll.  Wichtiger wäre, meiner Meinung nach, dafür Sorge zu tragen, dass allen geholfen werden kann, die Hilfe benötigen. Dazu braucht es genügend medizinisches Personal mit ausreichender Bezahlung, eine Priorisierung in der Beschaffung notwendiger Schutzmaterialien und grenzüberschreitende Hilfen. Das benötigte Geld könnten wir vielleicht aus dem Topf für Flugzeuge nehmen, die für Kernwaffen geeignet sind. 

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 05.05.2020

Die Einschränkungen werden langsam lästig. Das hört man gerade überall. Masken, Abstandsregeln, Warteschlangen, keine Besuche bei Familie und Freunden – keine Frage, das nervt. 

Trotzdem – es ist auszuhalten, wenn wir zu den Glücklichen gehören, die noch Arbeit haben und Geld dafür bekommen; wenn wir uns auch Zuhause beschäftigen können, einen funktionsfähigen PC besitzen und vielleicht noch einen Partner/eine Familie, mit dem/der man abends Gesellschaftsspiele spielen, gemeinsam kochen, einen Film schauen oder die Wohnung aufräumen kann.

Durch die Gemeindearbeit bekomme ich immer wieder Einblicke, wie es ist, wenn das alles fehlt. Die Corona-Krise trifft Menschen doppelt hart, denen eine feste Struktur im Alltag sowieso schon fehlte, die schon vorher am Existenzminimum lebten, denen es schwerfällt, sich selbst zu organisieren oder zu beschäftigen. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erzählen davon, wie es in den Familien zur Zeit aussieht und wie wenig sie im Moment tun können.

Aber eine Sache könnten wir alle tun: wenn wir zu der Gruppe der o.g. Glücklichen gehören, dann sollten wir das Wehklagen einstellen. Und falls wir jemanden kennen, der zu der u.g. Gruppe gehört, dann könnte ein Telefonat oder ein Brief oder eine Mail vielleicht ein kleines Wunder vollbringen.

 

Was Pfarrer so machen
Audioblog vom 4.5.2020
von Pfarrerin Annette Cersovsky

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Annette Cersovsky, 03.05.2020
Heute wäre Konfirmation. Eure Konfirmation, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Wir hatten uns auf den Tag gefreut und ein paar Pläne geschmiedet, damit Ihr einen schönen Gottesdienst erleben könnt. Und Ihr hattet auch Pläne für den Tag gemacht; schöne Kleider ausgesucht, Euer Lieblingsessen, die Hoffnung auf coole Geschenke. 
Eure Konfirmation fällt natürlich nicht aus. Sie ist nur um ein paar Monate verschoben – wie so vieles im Augenblick.
Heute ist aber ein guter Tag, um mal über die eigene Konfirmation nachzudenken. War das ein wichtiger Tag im Leben? Ein großer Schritt in der eigenen Glaubensgeschichte? Oder eher ein fröhliches, buntes Familienfest? 
Im Hinblick auf meine eigene Konfirmation würde ich sagen: von allem etwas. Man ist als Konfirmand und Konfirmandin an diesem Tag der Mittelpunkt. Die Eltern nehmen oft richtig viel Geld in die Hand, um alle Lieben von nah und fern einladen zu können. Es gibt Geschenke. Und natürlich gibt es zu Beginn des Tages einen Gottesdienst. 
Ich habe diesen Gottesdienst damals ernst genommen, und meine Freunde auch. Von der Predigt haben wir kaum etwas behalten, wahrscheinlich auch nicht verstanden. Wir haben auch nicht richtig hingehört, waren mit uns selbst und unserer Rolle an diesem Tag beschäftigt. Und trotzdem hat dieser Tag etwas mit uns gemacht. Die Hand auf dem Kopf aufgelegt, der gesprochene Segen dazu – das war eine Erfahrung, die wir gemacht haben. Und die für ein Leben gereicht hat – Du bist ein Segen. Es ist kein Zufall, dass Du da bist. Und Du bist genau richtig, so wie DU bist.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: ich freue mich auf den Tag, an dem ich Euch genau das zusprechen kann. Jeder und jede von Euch ist genau richtig. Und besonders. Besonders toll 😊


„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 02.05.2020

Seit letztem Sonntag sind wir auch dabei – Sigi Landau hat unserer Homepage ein Forum hinzugefügt. Ich bin kein Freund von Foren – normalerweise. In der Anonymität des Netzes wird in Foren viel zu oft völlig unkritisch und jenseits aller Anstands- und Rechtschreibregeln das geschrieben, was dem einen oder der anderen gerade so durch den Kopf geht. Es ist nicht ganz leicht in einem Forum auf der Sachebene zu bleiben und tatsächlich Argumente auszutauschen statt persönlicher Ressentiments oder emotionaler Aufreger.

Trotzdem: wir haben jetzt auch ein Forum und das finde ich gut und wichtig. Denn es gehört zu unserer Gemeindearbeit, dass wir im Austausch sind: über Aktuelles, über Tagespolitik, Generationenfragen, Alltagsprobleme, persönliche Dinge. Und natürlich immer wieder über Glaubensfragen. Glauben hat man nicht, sondern lebt ihn. Das bedeutet für mich, dass ich meinen eigenen Glauben hinterfragen kann, Positionen in neuem Licht anders sehen und auch meine Haltung zu Glaubensfragen ändern kann. Austausch in diesen Dingen bringt uns weiter, denke ich. Denn wir lernen andere Perspektiven kennen und erweitern unseren eigenen (Glaubens-)Horizont. Aber bitte auch bei uns mit der gebotenen Netiquette 😊

Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 01.05.2020

Ein paar Tage lang war sie fast verschwunden aus den Medien – die magische Zahl der Reproduktion. Ein Mensch infizierte weniger als einen weiteren Menschen – und das war gut. Seit Montag ist die Reproduktionszahl wieder gestiegen – und das ist nicht so gut. Die Sorge ist zurück, trotz all der Lockerungen und scheinbarer Rückkehr zur Normalität. Jetzt ist sie wieder gesunken – und das ist wieder gut. Und zurück gekommen sind die Forderungen nach weiteren Lockerungen.
Und etwas anderes ist leider auch zurückgekommen. Die rüpelhafte Art mancher Mitmenschen. Zu Beginn der Corona-Krise hatte sich deutlich etwas verändert im Miteinander: man grüßte freundlich wildfremde Menschen, wenn man ihnen auf dem Gehweg auswich, man drängelte nicht in der Warteschlange und ließ auch nicht die anderen teilhaben am eigenen Unmut über die Warterei, man fuhr nur Auto, wenn es unumgänglich war und blieb gelassen angesichts roter Welle oder schlechter Einparker. Jetzt, so scheint es, sind einige wieder zu unserem gewohnt rüpelhaften Umgang zurückgekehrt. Ihr Lieben, überlegt doch mal, was sich für Euch besser angefühlt hat und wo jede und jeder von uns dazu beitragen kann, dass es sich wieder so gut anfühlt 😉.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.04.2020

Diese Woche ging es so richtig los – immer mehr Lockerungen, immer mehr Geschäfte, die öffnen dürfen. Dazu nachvollziehbare Proteste von Restaurantbesitzern, dass es doch auch bei ihnen bald wieder losgehen soll. Ebenso die großen Kaufhäuser auf voller Fläche – eigentlich soll alles wieder öffnen, so wie früher. Als die Welt noch in Ordnung war und wir uns nicht so viele Gedanken machen mussten. 

Unsere Gesellschaft hat, so scheint es, ein wenig den Schwung verloren und die Lust, gemeinsam dazu beizutragen, dass wir die Krise in den Griff bekommen. Wir werden nachlässiger, tun so, als ob das Virus seine Bedrohung verloren habe, als wären wir tatsächlich auf dem Weg zur Normalität. 

Virologen sagen aber etwas anderes. Es wird immer deutlicher, dass sich unser ganzes Leben verändern wird und zwar für einen langen Zeitraum. Allmählich wird uns klar, dass wir keinen Urlaub machen werden, wie wir es gewohnt sind, wir werden keine Sommerfeste feiern und auch keine großen Familienfeste. Bei uns in der Gemeinde wurden Hochzeiten auf unbestimmte Zeit verschoben – das gab es noch nie.

Vielleicht ist der klügere Weg diesmal nicht, immer schneller immer mehr Lockerung zu verlangen und zu erwarten. Vielleicht ist es auch gar nicht klug, alles wieder so haben zu wollen, wie es vorher war. Lieber noch ein wenig aushalten und gut überlegen, was wir ändern könnten. Dass wir alle weniger mobil sind, ist gut fürs Klima. Home Office hilft, wenn das Kind krank ist. Für Nachbarn mitdenken, die das Haus nicht verlassen können, schafft ein gutes Gefühl und ein neues Verständnis von Nachbarschaft. Das digitale Ausprobieren der Gemeinden hat dazu geführt, dass wir endlich neue Wege beschritten haben, mutig etwas ausprobiert haben, auch mit dem Risiko zu scheitern. Ein gutes Mittelmaß zwischen „früher“ und „heute“ könnte lohnenswert für alle sein.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.04.2020

Je länger wir uns mit Corona beschäftigen müssen, umso mehr treten die vielen anderen Themen in den Hintergrund, die uns vor der Corona-Zeit beschäftigt haben. Klimawandel, Antisemitismus, der Krieg in Syrien, die katastrophale Lage in den griechischen Flüchtlingslagern – das waren die Top-Themen der Nachrichten. Im Augenblick sind es eher Randnotizen und es scheint fast so, als wäre da wie von Zauberhand alles gut. Das Klima regeneriert sich von selbst, weil wir alle weniger mobil sind, keine Nachrichten aus Syrien sind dann wohl gute Nachrichten, in den Flüchtlingscamps scheint es noch keine Corona-Fälle zu geben und Antisemitismus – war da mal was?

Ich befürchte, dass wir nachlässig werden, was all diese Themen angeht. Nicht über Themen zu sprechen, macht auch etwas mit den Themen.

„Was wir sagten und schrieben, denken ja viele. Nur wagen sie es nicht, es auszusprechen.“ (Sophie Scholl)

„Was Pfarrer gerade so machen“
 
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 28.04.2020
Im Frühjahr überfällt es mich regelmäßig – ich bekomme heftige Niesattacken und laufe mit unschönen roten Augen herum. Hasel und Birke sind die schuld daran. Wenn mich in früheren Jahren eine solche Niesattacke beim Einkaufen zwischen Nudeln und Milch heimsuchte, dann fand ich mich oft in einer Art Leidensgemeinschaft wieder. „Ach, Sie auch….?“ Wissendes Lächeln, freundliche Blicke, manchmal ein Tipp. Man fühlte sich einer Gruppe zugehörig, hatte den Eindruck, andere fühlen mit einem, man war  gut aufgehoben. 
Das ist heute anders. Wer heute zwischen Nudeln und Milch eine Niesattacke bekommt, wird böse angeschaut. Keiner denkt mehr an Birke oder Hasel, sondern sofort an Corona und die Bilder im Internet, von fliegenden Viren in Supermärkten, nachdem einer geniest hat.
Mir kommen biblische Geschichten in den Sinn, in denen es um die sogenannten Aussätzigen geht. Menschen, die an einer ansteckenden, nicht behandelbaren Krankheit litten und deshalb, um die Gemeinschaft zu schützen, aus den Dörfern und Städten verbannt wurden. Dort vegetierten sie dann vor sich hin – ohne soziale Nähe oder Hilfsstruktur, ohne Würde und ohne Hoffnung. Jesus hat sich bewusst diesen Menschen zugewandt. Hat sie wieder zum Teil der Gemeinschaft gemacht und mit der Frage aufgeräumt, ob Krankheiten nicht vielleicht doch selbst verursacht wurden durch persönliches Fehlverhalten. 
Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir die Gesellschaft nicht in gut und böse einteilen, in Menschen mit perfekten Gesichtsmasken und Plastikhandschuhen und denen, die nur einen Schal vor der Nase haben und vielleicht sogar niesen. Natürlich müssen wir alle uns schützen, aber doch lieber als Gesamtgemeinschaft. Ich hoffe sehr, dass wir alle mehr Geduld aufbringen können, um die Kontaktsperren noch ein wenig auszuhalten und mit unseren Masken klar zu kommen. Am schlimmsten wäre es doch, wenn uns katastrophale Zustände einholen, wie die, deren Bilder wir nicht aus dem Kopf kriegen – von einsam Sterbenden und in Gebäudeflügel verbannten Infizierten, an die sich niemand mehr herantraut. #stayathome


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.4.2020

Zu all den vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken, die uns Corona beschert hat, gehört auch, dass wir neue Stars haben. Allerdings keine Sänger oder Schauspieler, Youtuber oder DJs. Jetzt haben wir Virologen. Den Podcast von Herrn Drosten kennen unzählige Deutsche, das Gesicht von Herrn Kekulé ebenso. Aber habt Ihr auch schon Maja Göpel kennengerlernt? Zu beschreiben, wofür sie bekannt ist, fällt gar nicht so leicht. Sie ist Regierungsberaterin, Ökonomin und Expertin für Nachhaltigkeitswissenschaft. Mich beeindruckt sie vor allem deshalb, weil sie in Talkshows und Interviews nahezu ohne „ähm“ auskommt und komplizierte Sachverhalte ganz einfach erklären kann. Man kann ihr gut zuhören und nachvollziehen, was sie sagt. Das ist zur Zeit nicht bei jeder Talk-Runde der Fall 😉

Neben all dem Genannten ist sie aber auch noch Transformationsforscherin. Was das ist, musste ich nachschauen. Transformationsforschung stellt sich „dem wachsenden globalen Problemdruck und beschäftigt sich mit der Unterstützung von Nachhaltigkeitstransformationen“. So heißt es in einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes. Hilft, ehrlich gesagt, noch nicht so richtig weiter. Transformation kommt vom lateinischen „transformare“ und das meint ein Umformen. Da gibt es etwas und das wird umgeformt in etwas anderes. Möglicherweise in etwas Besseres. Im Fall von Frau Göpel in eine neue Form von Nachhaltigkeitswirtschaft, von Generationengerechtigkeit und neuen Formen von Globalisierung – das sind die Themen, zu denen sie kluge Sachen sagt. 

2020 ist ein neues Buch von ihr erschienen mit dem geradezu prophetischen Titel „Unsere Welt neu denken.“ Da werde ich wohl mal reinschauen.


"Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.04.2020

Wenn man Leute fragt, welche Bibeltexte sie kennen, dann sagen viele: Psalm 23. Der musste früher auswendig gelernt werden. Fanden die Konfis früher wahrscheinlich erstmal doof, aber heute kennen sie die alten Worten immer noch und finden sie sogar gut (liebe Konfis, schadet nicht, wenn Ihr den auch könnt 😉)

Heute ist Psalm 23 der vorgeschlagene Psalm für den Gottesdienst. Taugt das Bild noch, das der Psalmbeter sich von Gott macht? Er suchte wohl Analogien aus seinem Alltag, mit denen er doch wenigstens ein paar Facetten Gottes darstellen konnte, die für ihn wichtig waren.

Psalm 23 wird David zugeschrieben und der war am Anfang seines Lebens ein Hirte. Er kannte sich also aus, wusste um die Gefahren, in die seine Herde geraten konnte. Dass ein kurzer Ausflug abseits des Weges den Tod bedeuten konnte, weil hinter dichtem Gestrüpp eine Schlucht verborgen war oder weil urplötzlich wilde Tiere da waren. David hatte noch die Worte seines Vaters Isai im Kopf: die Schafe musst Du mit Deinem Leben beschützen! Die Schafe waren wichtig, sie sicherten die Existenz der ganzen Großfamilie. Aber sein Leben dafür geben? Kann das ein Mensch überhaupt versprechen?

David lebte sehr lange vor Jesus und dem ersten Ostermorgen, aber auch er hatte schon dieses Bild im Kopf, dass sein Gott zwar nicht die Gefahr wegnimmt, aber ihn durch jede Situation seines Lebens führen wird und am Ende auch durch den Tod hindurch in ein neues Leben begleite wird. Denn so endet Psalm 23: ….und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ Sein Leben geben, damit andere zum Leben kommen – das konnte vielleicht nur Jesus selbst.

„Was Pfarrer gerade so machen“

 

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 25.04.2020

Jetzt also doch: wir maskieren uns. Irgendwie hat sich das Stadtbild schon seit längerem verändert, weil schon vorher einige Leute durchaus mit Masken zum Einkaufen gingen; grüne OP Masken, Selbstgebasteltes in geblümt oder jeansfarbig, coole FFP Masken (wo haben die Leute die bloß her?), mit oder ohne Filter, Vlies oder Staubsaugerbeutel, so vielfältig wie der Kleidungsstil scheint sich auch die Maskenmode zu entwickeln. Ich finde das zwar lästig, aber auch nicht weiter schlimm, wenn es denn hilft. Nicht so toll finde ich das Durcheinander im Bezug auf die Maskenfrage. Wenn wir zukünftig innerdeutsche Landesgrenze überqueren werden – falls wir das denn wieder tun – dann müssen wir genau Bescheid wissen, in welchem Land welche Regelung gilt. Hoffentlich fallen wir nicht auch in den Köpfen in die Kleinstaaterei zurück, im Sinne von NRW first oder so. Das wäre wohl kaum hilfreich, wenn wir alle gemeinsam wieder aus der Corona-Zeit herausfinden wollen. Ich mag sehr die Vorgehensweise von Jacinda Ardern. Die sympathische Regierungschefin von Neuseeland hat extrem harte Maßnahmen durchgesetzt, war dabei klar und ehrlich – und hatte Erfolg, wie die Reproduktionszahl von 0,5 diese Woche zeigt. Und das Beste: Klarheit und Ehrlichkeit werden belohnt - die Neuseeländer stehen hinter ihr. So geht das!

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 24.04.2020

Heute gibt es mal einen kleinen Zwischenstand: 

Seelsorge läuft weiter wie beschrieben – viele Telefongespräche, aber auch Mails, Briefe und Kurznachrichten. Mein Eindruck ist, dass zwar einige den persönlichen Kontakt vorziehen würden, dass aber anderen, gerade wegen der größeren Anonymität, der Austausch über schwierige Themen leichter fällt.

Gottesdienste zeichnen wir auf, Andachten werden ins Haus geliefert. Unser Gebetsbriefkasten ist angebracht und Gebete zum Mitnehmen gibt es auch. Konfirmandenarbeit ist in Planung, das Gemeindehaus wurde aufgeräumt und viel Material geordnet.

Viele kleine Einzelaktionen haben inzwischen stattgefunden, z.B. das Musizieren vor dem Altenheim, What’s App Aktionen der KiTa Eltern, die Briefsammlung für Bewohnerinnen und Bewohner der Remscheider Senioreneinrichtungen (da fehlen noch ein paar 😉), Straßenspiele für Spaziergänger, die Regenbogenbilder in den Fenstern. Nächste Woche gibt es eine neue Aktion, aber die verrate ich noch nicht.

Auch die Seniorenarbeit funktioniert ganz gut über die Briefkästen, Vorgärten und Hauseingänge. Rätsel, Andachten, Fotos etc. werden geliefert und zu unserer großen Freude kommen Anrufe und Briefe zurück, z.B. mit gerätselten Lösungswörtern.

Gestern hatte meine liebe Kollegin die Idee, ein Rätsel auszudenken, in dem es um ein Kuchenrezept geht. Alle Zutaten sollten mit Hilfe von Bibelstellen geraten werden. Dabei haben wir festgestellt, dass es in der Bibel keinen Zucker gibt. Das sollte uns zu denken geben 😊


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 23.4.2020

Habt Ihr Euch schonmal gefragt, was Heilige eigentlich zu Heiligen macht? Hätte mich jemand nach einer Definition gefragt, hätte ich vermutlich so etwas geantwortet wie „Heilige sind Menschen, denen man ein Wunder nachsagt“ oder auch „Heilige sind Menschen, die nie irgendwelche Fehler machen“.
Auf jeden Fall bin ich mir absolut sicher, dass ich nicht dazugehöre. Ich kann keine Wunder machen, dafür aber leider Fehler. Deshalb hat mir noch nie so richtig eingeleuchtet, warum die Christen im Glaubensbekenntnis als Gemeinschaft der Heiligen bezeichnet werden. Ich weiß, was gemeint ist, aber ich finde das irreführend. Bis jetzt! Jetzt bin ich auf ein Zitat des Theologen und Friedensnobelpreisträgers Nathan Söderblom gestoßen. Er sagt: „Heilige sind Menschen, durch die es anderen leichter wird an Gott zu glauben“. Es ist sozusagen ein Ziel, auf das wir hinleben: so zu sein, dass andere erkennen, hier herrscht Geist Gottes! Ich glaube, es gibt noch viel zu tun😉 

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 22.4.2020

Seit uns Lockerungen bei den geltenden Beschränkungen versprochen wurden, gibt es ein erstaunliches Gezerre um die Gottesdienste. Die einen ziehen sogar vor Gericht, um eine Wiederaufnahme aller Gottesdienste durchzusetzen. Die anderen sind mehr für ein längeres Festhalten an den derzeitigen Beschränkungen. Ich wurde gefragt, wie ich dazu stehe, dass uns Gottesdienste verboten sind und wieso ich nichts unternehme. Hier meine Antwort:
Gottesdienste sind nicht verboten. Wir feiern sie an anderen Orten (nämlich Zuhause) und mit anderen Zugängen (nämlich digital oder mit herumgeschickten Andachten) oder, im Fall von Beerdigungen, mit besonderen Vorgaben (nämlich geringerer Personenzahl und draußen).
Ich gehöre auch zu denen, die ein längeres Festhalten an Beschränkungen vorziehen würden. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, wie wir in unserer Kirche auf Abstand sitzen, wo sich doch fast alle Gottesdienstbesucher gut kennen und viel zu erzählen haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie wir durch Mund-Nasen-Hauben singen, wo doch in unserer Kirche immer viel und gerne gesungen wird. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie wir die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzen sollen (so lautete ja ein Vorschlag), wo doch – Gott sei Dank – bei uns normalerweise viel mehr Leute kommen. Schicken wir die anderen weg? Oder feiern wir Gottesdienst in mehreren Schichten? Alles möglich, keine Frage, aber ich spüre in diesen Wochen, dass Gemeinde auch so lebt und eine tragfähige Gemeinschaft ist, verbunden im Gebet und im Geist und im gemeinsamen Verzicht üben. Wir brauchen keine Extraregeln, wir sind als Kirche Teil der Gesellschaft und wenn die Gesellschaft weiterhin Verzicht üben soll, warum dann nicht auch wir?


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 21.4.2020

Heute ist Dienstag. Der Dienstag nach den Osterferien. Heute würde der Konfi-Unterricht wieder starten. Wahrscheinlich wäre es so, wie meistens nach den Ferien. Wir würden erstmal quatschen, uns gegenseitig erzählen, wie die Ferien waren, was cool war in den schulfreien Wochen und was genervt hat. Vielleicht hätten wir ein Spiel gespielt, bevor wir hinüber in die Pauluskirche gegangen wären. Dort sollte in zwei Wochen Konfirmation gefeiert werden. Wir hätten den Gottesdienst durchgesprochen, hätten überlegt, wer mit wem wann nach vorne gekommen, wie der Ablauf geplant wäre. 

Ihr merkt schon: lauter Konjunktive! Die Konfirmation ist in den Oktober verschoben, der Konfi-Unterricht muss vorläufig noch ausfallen.

Zwischen heute und Oktober ist viel Zeit. Zufällig hatten wir im letzten Pfarrkonvent, der noch stattgefunden hat, einen kleinen Workshop zum Einsatz sozialer Medien. Da wussten wir noch nicht, wie bald wir diese Kenntnisse brauchen würden. Dabei gab es auch eine Menge schöner Ideen für den Konfi-Unterricht. Ich denke, das ist jetzt genau der Moment, in dem wir auch in diesem Bereich neue Wege suchen sollten. Am liebsten mit denen, die für Konfi-Unterricht die Experten sind: den Konfirmandinnen und Konfirmanden. Mal sehen, ob ich sie auf Instagram finde…. 😊

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 20.4.2020, (Foto S.Landau, Oktober 2019)

Vor einem Jahr war ich für ein paar Tage in Paris. Eine meiner Lieblingsstädte und ein bisschen ein Sehnsuchtsort. Es gab etwas zu feiern, da war die Kulisse besonders schön. Am Morgen vor der Abfahrt noch schnell ein Spaziergang am Seine-Ufer. Und ein Kaffee zum Mitnehmen, den wir dann vor Notre-Dame in der Sonne getrunken haben. 

24 Stunden später war die Kathedrale teilweise zerstört, der berühmte Turm eingestürzt, die Zukunft dieses Bauwerks im Herzen der Stadt ungewiss.

Zwei Tage zuvor hatten wir oben auf dem Dach in der Baustelle gestanden. Der berühmte Turm war gerade fertig restauriert worden. Schautafeln erklärten die verschiedenen Stadien der Restaurierung. Auf einer stand, dass dieser Turm nun wieder für hundert Jahre erhalten sei.

Als ich letzte Woche die Bilder noch einmal im Fernsehen sah, musste ich daran denken. Wir machen viele Pläne, wir denken, wir hätten die Zukunft in der Hand. Aber tatsächlich ist alles, was wir tun, zerbrechlich und hat wenig Bestand.

Aber etwas anderes hat Bestand und ist auch in Notre Dame erhalten geblieben. Der Kirchraum selbst ist fast vollständig erhalten geblieben und die Feuerwehrleute, die als erste in diesen Raum gekommen waren, berichteten später von der seltsamen Atmosphäre, die sie gespürt hätten. Vielleicht die Atmosphäre von jahrhundertealten Gebeten, Hoffnungen, Ängsten, Bitten, die in den Mauern ausgesprochen wurden – und oft auch eine Antwort fanden. Glaubenszeugnisse aus Jahrhunderten, die nicht verloren gehen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 19.4.2020

„Das hüte ich wie meinen Augapfel“ – wer das sagt, denkt an eine besonders kostbare Sache, irgendetwas, das eine besondere Bedeutung hat und unbedingt schützenswert ist. Das Bild ist ja auch einleuchtend – der Augapfel ist uns so nah und seine Bedeutung für unser Dasein ist immens.
Diese Bild taucht gleich zweimal in der Bibel auf. Einmal im 5. Buch Mose (das ist die heutige Tageslosung): Mose dankt Gott dafür, dass er sein Volk wie seinen Augapfel gehütet hat. Das ist insofern seltsam, weil durchaus dem Volk bis zu diesem Zeitpunkt alles Mögliche geschehen ist. Es hat gehadert mit seinem Gott und sich mehr als einmal gefragt, wo der Weg hingehen soll. Trotzdem! Am Ziel eines sehr langen Weges angekommen, kann Mose sagen, dass Gott sein Volk getragen hat, vielleicht gerade dann, wenn es in Not geriet. Wie so oft sind Gottes Wege mit Menschen auch hier erst im Rückblick zu verstehen.
Aber aus dieser Erkenntnis heraus, dass Gott dann trotzdem da ist, kann ein anderer Mensch, lange nach Mose, dieses Bild vom Augapfel als Gebet verstehen. In Psalm 17 bittet der Psalmbeter: Gott, behüte du mich wie einen Augapfel im Auge. Ein schönes Gebet für die tägliche Corona-Gebetsreihe, die auf Facebook jeden Tag neu und aktuell und in aller Kürze ein Anliegen an Gott schickt.
 


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky , 18.4.2020

Mr. President sucht einen Schuldigen! Nachdem auch in den USA die Zahl der Infizierten und Toten immer weiter anstieg, erkannte Donald Trump, dass seine Wiederwahl gefährdet sein könnte, wenn er nicht bald etwas vorzuweisen hätte. Zum Beispiel einen Schuldigen an der Corona-Krise. Zunächst war da China; schließlich kam das Virus vermutlich von dort. Dann waren es die bösen Europäer, die viel zu spät ihre Grenzen schlossen. Jetzt ist es, warum auch immer, die Weltgesundheitsorganisation. 
Tatsächlich ist es aber gar nicht so einfach einen Schuldigen auszumachen und es bringt uns auch nicht weiter. Nicht umsonst wurde anfangs immer vom „neuartigen Corona-Virus“ gesprochen. Es gibt keine Erfahrungen damit und niemand weiß im Augenblick, welche Maßnahmen helfen und welche überflüssig sind. Und selbst wenn sich Gerüchte über ein Laborleck bestätigen sollten, dann hilft das den Infizierten und Toten überhaupt nicht.
Im Alten Testament, im Buch Levitikus, gibt es für solche Situationen eine schöne Lösung. Symbolisch wird einem Bock die Schuld auferlegt und den schickt man dann in die Wüste. Aus Tierschutzgründen kein guter Plan für heute, aber die Intention, die dahintersteht, finde ich gut: Schuld wird benannt und an die Öffentlichkeit geholt. Dann wird mit ihr abgeschlossen und sie wird verbannt, damit sie nicht mehr länger den Blick verstellt. Und wenn das geschehen ist, ist der Weg frei, das tatsächliche Problem anzugehen. Aber ohne ständige Schuldzuweisungen und gegenseitige Vorwürfe. Das ist ein Bündeln von Energien, das auch Mr. President vielleicht gerade ganz gut gebrauchen könnte.


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky,  16.4.2020

Manch einer hat in den letzten Wochen süffisant bemerkt, das sei doch wohl nicht so schlimm, dass Gottesdienste ausfallen, da ginge doch sowieso kaum noch einer hin.

Das sehe ich natürlich anders 😉

Aber – jeder wie er denkt. Einen Nebeneffekt ausfallender Gottesdienste ist allerdings bisher kaum  bedacht worden. In Gottesdiensten wird jeden Sonntag für die unterschiedlichsten Projekte eine Spende eingesammelt. Die Gelder kommen Hilfswerken und Organisationen zugute, die im In- und Ausland etwas für andere Menschen tun. Das sind meist ganz unterschiedliche Projekte, etwa eine Aufforstung im Regenwald Brasiliens, ein Brunnenprojekt im Kongo oder eine Unterstützung der Tafelausgaben in Deutschland. In den einzelnen Gemeinden sind es meist kleine Beträge, die gespendet werden, aber in der Summe aller Gemeinden in Deutschland kommt dann doch für jedes Projekt eine schöne Summe zusammen, mit der sich etwas umsetzen lässt. Im Moment fällt all das weg. 

Deshalb eine große Bitte an alle, die ihr Gehalt noch bekommen und etwas davon abgeben können: spendet online die Summe, die ihr sonst in das Kollektenkörbchen legen würdet.  Das geht ganz unkompliziert, zum Beispiel auf der Seite des Hilfswerks „Brot für die Welt“ (www.brot-fuer-die-welt.de). Ihr helft damit den Menschen, die in der Corona-Krise in besonderer Weise belastet sind.

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 15.4.2020

Zu Ostern in Jerusalem – für viele ist das ein Lebenstraum. Einmal im Leben zu Ostern dort sein, wo alles anfing; über die Via Dolorosa gehen, vielleicht die Grabeskirche besuchen, die vielen Geschichten im Kopf, die Atmosphäre spüren. Zu Ostern in Jerusalem – da ist es normalerweise unglaublich voll, weil eben viele Menschen aus aller Welt diesen Wunsch hegen. In diesem Jahr ist alles anders. Corona hat auch Jerusalem im Griff. Alle Feierlichkeiten waren abgesagt worden, Touristen sind nicht erwünscht. Ein Einwohner Jerusalems wurde dieser Tage dazu interviewt und er hatte eine erstaunliche Sicht auf die spezielle Situation. Er sagte, diesmal sei es für alle gleich. Das Virus mache keine Unterschiede zwischen Juden und Christen und Muslimen. Ostern oder Pessach, dem Virus ist egal, welche Feierlichkeiten ausfallen müssen. Palästinenser und Israelis, Orthodoxe und Liberale, alle haben das gleiche Problem – die Sorge vor Ansteckung und die Frage, wie es weitergeht. Sehr viele haben darüber hinaus Angst um ihre Existenz. Dem Virus ist egal, wen es erwischt. 
Alle unsere Unterschiede, die sichtbaren, die, die wir aufrichten, die in unseren Köpfen – die sind alle unwichtig in dem Moment, in dem es einen gemeinsamen Feind gibt. Noch dazu einen Feind, der sich nicht bekämpfen lässt, den man nicht bestechen kann und mit dem sich kein Deal aushandeln lässt. Ein Feind der Menschheit. Auch daraus könnten wir lernen. Wenn es uns, der Menschheit, gelingen würde, diesen Feind zu besiegen, wäre es dann nicht auch an der Zeit, die anderen Feinde zu vertreiben, die die Menschheit bedrohen? Wie gut wäre es, wenn wir mit dem Hunger in der Welt anfangen könnten! 



„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 14.4.2020
Bleibt behütet – noch so eine neue Grußformel aus Corona-Zeiten. Sie steht unter Grußkarten, Mails, What’s App Nachrichten, man bekommt sie am Telefon gesagt oder auf der Straße zugerufen.
Bleibt behütet – wer wünscht da eigentlich was? Und wem? Wenn der Nachbar mir ein „Bleiben Sie behütet“ über die Straße zuwirft, dann heißt das ja wohl, dass ich auch vorher schon behütet war, dass der Nachbar mir lediglich wünscht, dass es auch weiterhin so sei. Behütet – das assoziiert irgendwie einen Hut. Ich trage keinen Hut. Aber ich kann mir vorstellen, was gemeint ist. Ein Hut schützt Kopf und Haar vor Regen oder zu viel Sonne. Ein Hut lässt abperlen, was sich unangenehm auf dem Kopf anfühlen würde. Ein Hut schirmt ab, was der Kopfhaut schaden könnte, wie zu viel Sonne. In Corona-Zeiten ist dieser Wunsch mehr als eine Grußformel. Man wünscht einem anderen, er oder sie möge vom Virus verschont bleiben. Oder aber schnell wieder gesund werden. Oder man möge geschützt bleiben vor traurigem Abschiednehmen. Oder auch davor, den Mut nicht sinken zu lassen und das Leben zu genießen, auch wenn es heute anders ist als noch vor ein paar Wochen.
Die Grußformel ist nicht in Corona-Zeiten entstanden. Sie steht schon in Psalm 121: Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. (Ps 121, 7+8) Menschen hatten wohl immer schon ein Gespür dafür, dass es Situationen im Leben gibt, in denen man nichts in der Hand hat, nicht alles selbst beeinflussen kann, sich schutzlos fühlt. Deshalb wünschte man einem anderen, dass Gott ihn behüten möge, vor Unheil und Sorge, sogar dann noch, wenn nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu wünschen bleibt. Gott behütet auch den letzten Weg, den niemand sonst mitgehen kann.  
Ein schöner Gruß in diesen Zeiten, die sich so haltlos anfühlen. Er sagt uns, dass wir trotzdem gehalten sind, auch dann, wenn wir im Moment wenig davon spüren. Also: Bleibt behütet!

„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 13.4.2020, Ostermontag

„Echten Christen kann Corona nichts anhaben“ – so posaunten es dieser Tage fundamentalistisch geprägte christliche Gemeinden in den USA in die Welt hinaus.

Krankheit als Strafe Gottes – wie mich sowas ärgert! Einen tiefgläubigen Menschen muss diese Aussage erst recht in eine Krise stürzen, denn sie sagt ihm, dass er eben einfach nicht genug geglaubt hat und selbst die Schuld an seiner Krankheit trägt. 

Wie gut, dass Jesus so einen Quatsch nie gesagt hat. Einmal brachte man einen Mann zu ihm, der von Geburt an blind gewesen war. Die Leute wollten von Jesus wissen, was der getan hätte, um dieses schlimme Schicksal zu erleiden. Er habe nichts getan, war die Antwort. Okay, aber dann haben seine Eltern bestimmt etwas ganz Schlimmes getan, dass nun sogar ihr Kind dafür leiden muss. Nein, auch die Eltern haben das nicht verursacht. Es ist einfach so. Manchmal werden Menschen krank oder kommen mit einem Handicap auf die Welt oder Lebensträume zerbrechen. So ist leider manchmal das Leben. Und es trifft Christen und Muslime und Juden und alle anderen in gleicher Weise. Aber es ist keine Strafe für etwas, sondern ein persönliches Schicksal, das wir alle tragen helfen können, indem wir unterstützen, wo wir können; indem wir unsere Gesellschaft so bauen, dass Krankheit und Behinderung nicht ausgrenzen; indem wir danach fragen, wie Jesus selbst mit Kranken umgegangen ist und davon lernen. 

„Was Pfarrer gerade so machen“

Von Pfarrerin Annette Cersovsky, 12.4.2020  Ostersonntag 

Gesegnete Ostern – das war gestern! Heute sagt man offensichtlich: Bleiben Sie gesund! Ganz ehrlich? Das klingt ein bisschen wie eine Drohung. Bleiben Sie gefälligst gesund. Sonst fallen Sie ja aus. Stecken andere an. Haben nicht genug für die Gesundheit getan. Ich weiß, so ist es nicht gemeint 😊 aber wenn wir mal darüber nachdenken, dann müssen wir uns doch eingestehen, dass in diesem Fall ein Imperativ nicht hilft. Gesundbleiben kann man nicht anordnen. Niemand wird freiwillig krank, die allermeisten Menschen tun viel für ihre Gesundheit. Bestenfalls könnten wir uns also gegenseitig wünschen, dass wir hoffentlich gesund bleiben.

Ich bleibe auf jeden Fall bei „Gesegnete Ostern“. Ostern ist Aufbruch in etwas Neues: Neue Perspektiven, neue Hoffnung, neue Ideen. Und Segen wünschen, das ist eine ganz alte Tradition, die sagt: Gott sei mit dir, wenn du aufbrichst!

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 11.4.2020

Für unsere KiTa-Kinder ist Corona vermutlich nur schwer zu verstehen. Aber dass Corona auch etwas mit ihnen macht, das verstehen sie durchaus. Der Kindergarten fällt aus! Die Erzieherinnen und Erzieher, die sonst jeden Tag verlässlich da sind, trifft man nun höchstens noch beim Einkaufen, vielleicht sogar mit Mundschutz. Der Morgenkreis, das gemeinsame Essen, Turnen, Basteln, im Garten spielen und die Geburtstagsfeiern – alles fehlt, was vorher zu einem geregelten Tagesablauf gehörte.

Die Mitarbeitenden unserer KiTa haben sich da was einfallen lassen: zu Ostern gibt es für jedes Kind einen Überraschungsbrief. Was drin ist? Verrate ich natürlich nicht 😉 Allen KiTa Kindern viel Spaß damit, allen Eltern ein gesegnetes Osterfest und allen Mitarbeitenden ein großes „Dankeschön“!!!!

Apropos Dankeschön: Eltern und Kinder hatten sich auch eine Überraschung ausgedacht. Sie stellten einen kleinen Film zusammen und schickten ihn an die Erzieherinnen und Erzieher. Und die waren sehr überrascht und sehr gerührt. Ihr seid ganz toll!!!!!!!

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky,         Karfreitag, 10.4.2020

Karfreitag – mir fehlt der Gottesdienst in „meiner“Pauluskirche. Die Abendmahlsfeier, die Ruhe, die vielen lieben Menschen, die jedes Jahr dabei sind. Und mir fehlt auch das Verabschieden, bei dem wir uns verabreden, uns am Ostersonntag um sechs Uhr zur Osternacht wiederzutreffen. Karfreitag und Ostern gehören zusammen – das wird in diesem Moment ganz praktisch deutlich.

Karfreitag – ich denke an Menschen, die nicht mehr da sind und mir immer noch fehlen. Das wird auch immer so bleiben, denn sie haben in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt. Als sie beerdigt wurden, war ich sehr traurig. Alles schien für einen Moment aus dem Gleis geraten zu sein. Wie soll es jetzt weitergehen? 

Karfreitag - die Freunde von Jesus haben so gefragt: Wie soll es jetzt weitergehen? Mit uns? Mit der großen Sache, für die wir uns stark gemacht haben? Wir haben so sehr gehofft und jetzt ist alle Hoffnung dahin. Der Tod hat wieder einmal das letzte Wort gehabt.

Karfreitag – die Freunde hatten den Ostertag noch nicht erlebt. Natürlich hatten sie keine Hoffnung. Worauf hätten sie auch hoffen sollen? Aber ich habe Hoffnung, denn ich weiß jetzt um jenen ersten Ostertag. Wie Auferstehung geht? Das weiß ich nicht. Aber dass es geht, davon bin ich überzeugt. Und deshalb denke ich heute in dankbarer Erinnerung an die Menschen, die vorausgegangen sind. Weil der Tod eben nicht das letzte Wort hat.

"Was Pfarrer gerade so machen"
von Pfarrerin Annette Cersovsky und Diakonin Marion Kruse

„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 8.4.2020

Heute gibt es eine schöne Aktion aus unserem Kirchenkreis. Ihr habt ja sicher auch aus den Medien gehört, wie die Situation in den Alten- und Pflegeheimen ist. Menschen, die sowieso schon isoliert lebten, müssen nun auch noch auf die Besuche ihrer Lieben verzichten. Viele haben Angst, dass sie ihre Familien nicht mehr wiedersehen werden. Angehörige haben sich schon einiges einfallen lassen, um trotzdem da zu sein: Geburtstagsständchen vor dem Fenster, Anrufe der Enkelkinder, kurze Gespräche über den Balkon. Aber es gibt auch Menschen, die sehr selten oder nie Besuch bekommen, weil sie niemanden mehr haben. Die Frauenreferentin des Kirchenkreises, Andrea Hansen, hatte deshalb die gute Idee, Menschen zu animieren, für Bewohnerinnen und Bewohner Briefe zu gestalten – ganz unterschiedlich und individuell mit Fotos, Gedichten, Geschichten und immer mit einem persönlichen Gruß versehen. Die ersten 90 Briefe konnten diese Woche im Haus Clarenbach verteilt werden.

Was meint Ihr, schaffen wir das auch für die Hastener Altenhilfe? Meldet Euch gerne bei mir, wenn Ihr mitmachen wollt.

„Was Pfarrer gerade so machen“

                    von Pfarrerin Annette Cersovsky, 7.4.2020

Vor einigen Tagen geisterte eine Meldung aus dem Robert-Koch-Institut durch die Medien. Man habe bereits 2012, in Kenntnis der ersten SARS Infektionswelle, vor einer möglichen Pandemie gewarnt.

Da fragt man sich natürlich, warum wir dann heute, acht Jahre später, Desinfektionsmittel auf dem Schwarzmarkt angeboten bekommen und Atemschutzmasken aus Flughäfen entwendet werden. Da hätte man sich doch besser vorbereiten können.

Aber dann fällt mir ein, wie ich selbst umgehe mit Dingen, die irgendwann einmal vielleicht möglicherweise zum Tragen kommen, um die ich mich aber eigentlich jetzt noch gar nicht kümmern will. Ich ignoriere sie erstmal, dann prokrastiniere ich ein bisschen, dann fange ich an, dann denke ich erstmal nach, dann schiebe ich wieder auf u.s.w.

Solange es sich dabei um meine Küchenschränke handelt, schadet das niemandem, aber manchmal geht es ja auch um Menschen. Wenn ich etwas versprochen habe und es nicht einhalte. Wenn ich zugesagt habe, etwas zu verändern, es dann aber immer wieder aufschiebe.

Der Prophet Amos war so einer, der nicht locker ließ und den prokrastinierenden Menschen immer weiter auf den Nerv ging. Sie sollten endlich aktiv werden gegen Wucher, Ungerechtigkeit, Verschwendung und Unterdrückung. Vom Nichtstun wurde auch dort nichts besser. Amos hatte, wie alle Propheten, etwas von Gott auszurichten. „Gott spricht: Sucht mich, so werdet ihr leben.“ Keine konkrete Handlungsstrategie. Eher so etwas wie eine Rätselaufgabe. Gott suchen, das heißt, danach zu fragen, was sein Weg sein könnte in dieser oder jener Situation. Damit alle besser miteinander leben können.

Für Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken wird hoffentlich zukünftig besser gesorgt werden. Und ich will mich um die Dinge kümmern, die bei mir auf der sprichwörtlichen, langen Bank liegen.

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 6.4.2020

Sonntags laden wir inzwischen schon zum dritten Mal einen vorher aufgezeichneten Gottesdienst hoch. Eine Alternative, weil es nicht anders geht, aber immerhin eine Möglichkeit für die, denen der Sonntagsgottesdienst sonst fehlen würde.
Diese neue Form bewirkt eine Menge bei uns, die wir die Gottesdienste vorbereiten. Wir müssen uns sehr kurz fassen, müssen gut überlegen, was für den Gottesdienst unbedingt notwendig ist und was wegfallen kann. Da sich jeden Tag alles ändern kann, müssen wir am Ball bleiben, was neue Infos angeht, denn die beschäftigen in der Regel auch unsere Zuhörerschaft.
Diejenigen, die am regelmäßigsten unsere Gottesdienste besucht haben, erreichen wir mit diesem Angebot aber kaum. Viele Seniorinnen und Senioren sind nicht digital erreichbar, waren aber bisher an jedem Sonntag in der Kirche. Für sie wollen wir vor Ostern noch einen Gottesdienst nach Hause bringen (Vielen Dank @Ev. Kirchengemeinde Langerfeld. Katharina, bei Dir habe ich die Idee geklaut😊).
Eine kleine Anleitung ist dabei, mit einem Bibeltext, einem Gebet, einer Mini-Auslegung und einem Lied, um einen Gottesdienst am eigenen Küchentisch zu feiern und sich verbunden zu fühlen mit denen, die das auch gerade tun. Statt Kirchenkaffee danach könntet Ihr jemanden anrufen, der sonst in der Kirchenbank neben euch sitzt.


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 5.4.2020

Heute mal eine Radtour an der Ruhr. Natürlich nur mit dem Menschen, mit dem ich sowieso gerade Home und Office teile😉Dabei ist mir bewusst geworden, wie dankbar ich für die geschenkte Zeit bin. Statt sieben Tage durcharbeiten endlich eine Auszeit – Luft und Sonne tanken und den Kopf frei bekommen für den Neustart am Montag. Und den festen Vorsatz, zukünftig immer Auszeiten fest einzuplanen. Denn ein freier Kopf und aufgefüllte Tanks helfen dem Neustart am Montag vermutlich am allermeisten! Wünsche Euch allen einen wunderschönen Abend (der sich ein bisschen wie der erste Sommerabend anfühlt)!


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 4.4.2020

Erinnert Ihr Euch noch an die Aktion „Balkonsingen“? Jeden Abend um 19 Uhr singen oder musizieren Leute auf dem Balkon oder am offenen Fenster. Gemeinsam spielen sie zu Beginn „Der Mond ist aufgegangen“. Das ist so eine schöne Idee, aber leider gerät sie gerade schon wieder in Vergessenheit. Aber nicht hier! Auf dem Hasten gibt es jeden Abend ein kleines Saxofon-Konzert. Die Bewohnerinnen und Bewohner des benachbarten Altenheims kennen das schon und warten darauf, dass Salvatore Vicari auf den Balkon kommt, den Notenständer aufbaut und spielt. Und weil ein Saxofon ziemlich laut ist, hören auch diejenigen die Musik, die weiter weg wohnen und den Musiker gar nicht sehen können. Salva, vielen Dank für Deinen unermüdlichen Einsatz! Du wirst unser Balkonmusiker des Jahres 😉


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 3.4.2020 

Diese Woche ist ein neues Projekt unseres diakonischen Werks an den Start gegangen: die Corona-Hotline (02191.5916066). Wie Ihr ja wisst, müssen unsere Beratungsangebote im Kirchenkreis  pausieren. Das trifft natürlich besonders hart all diejenigen, die kurzfristig Hilfe benötigen. Die Hotline kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, aber erfahrene Sozialarbeiter, Schuldnerberater und Experten für Notlagen von Familien bemühen sich darum z.B. Kontakte zu Behörden herzustellen, Vorschläge für konkrete Situationen zu machen oder auch einfach nur zuzuhören. Vielen Dank für die Idee!!!!!!

Allerdings geht Corona-Hotline auch anders (wenn kein Fachpersonal benötigt wird, aber trotzdem die Decke auf den Kopf fallen will): eine liebe Dame aus einem unserer Seniorenkreise ruft regelmäßig bei den anderen Teilnehmern an, erkundigt sich, wie es so geht, hat für jeden ein gutes Wort parat und erzählt lustige Anekdoten. Und sie ist eine wunderbare Zuhörerin, wenn es jemandem gerade mal nicht gut geht. Diese Art von Corona-Hotline kann jeder betreiben (in diesem Fall einfach die Telefonnummer der Diakonie durch die eigene ersetzen😉)

„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 2.4.2020

Mundschutz oder nicht Mundschutz – das ist hier die Frage! Offensichtlich ist das nicht nur bei uns Bürgerinnen und Bürgern die Frage. Virologen, Politiker, Mediziner – alle haben gerade Antworten auf diese Frage – aber leider hat jeder eine andere. Sogar bei der Bezeichnung herrscht Unklarheit: Mundschutz – Atemschutz – Mund-Nasen-Maske. Selbstgebastelt, ja oder nein? Zu bestellen gibt es überhaupt nichts mehr und überhaupt: die einzig wirksamen Masken stehen gar nicht zur Verfügung.
Liebe Leute, so helft Ihr uns nicht! Wir tun alles, was nötig ist, setzen Masken auf oder auch nicht, aber schön wäre es, wenn Ihr Euch einig würdet, was denn nun hilfreich ist😉
Und wenn ihr einmal dabei seid: ich hätte gerne noch einen Mundschutz á la Jakobus. Der soll helfen, alle Sätze zu stoppen die anfangen mit „Ey, Sie da“ oder „Weg da, ich zuerst“ oder „Mir doch egal, ob die heute Nudeln kochen können“.
Und wieso Jakobus? Weil der eine nette Beobachtung über die menschliche Zunge aufgeschrieben hat: die sei doch so klein und richte so viel Unheil an!


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin  Annette Cersovsky,
1.4.2020


……heute mal einfach Zuhören 😊
Liebe Freunde vom Bläserkreis der Auferstehungskirchengemeinde haben den Bewohnerinnen und Bewohnern unseres Altenheims eine große Freude gemacht. Kirchenlieder, Volkslieder, Spirituals…alles zum Mitsingen. Die Zuhörerschaft saß an den Fenstern im Sonnenschein und winkte fröhlich den Musikern zu.

Für solche spontanen Konzerte ist jetzt Zeit – und das wiederum ist geschenkte Zeit für die, die jetzt nicht aus dem Haus kommen und auch keinen Besuch empfangen dürfen. Liebe Bläser, vielen Dank für Euren Einsatz und Ihr dürft jederzeit gerne wiederkommen !!!



„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 31.3.2020

Man lernt ja in der Corona-Krise eine Menge neuer Wörter. Oder man lernt, bekannte Wörter in einem neuen Kontext zu verstehen. Zum Beispiel das Wort „Systemrelevanz“. Mir gehen die sogenannten systemrelevanten Berufe nicht mehr aus dem Kopf. Systemrelevant – also relevant für das System. Oder ganz allgemein gesagt: systemrelevant sind all die Menschen, die wir gerade brauchen, um unsere Gesundheit abzusichern und unseren Alltag zu regeln. Medizinische Berufe gehören dazu, die Feuerwehr und die Polizei, aber auch die vielen Mitarbeitenden in den Geschäften, die noch geöffnet haben und die gerade einen unglaublichen Run auf Dinge erleben, die wir sonst höchstens einmal in der Woche eingekauft haben. 
Drei Dinge fallen mir im Zusammenhang mit den systemrelevanten Berufen auf: wer systemrelevant ist, bekommt ein eher niedriges Gehalt. Systemrelevanz wurde also erst dann relevant, als uns bewusst wurde, was wir eigentlich wirklich brauchen. Und dann frage ich mich, ob nicht die meisten Berufe irgendwann systemrelevant werden, wenn der Ausnahmezustand nur lang genug dauert? Irgendwann fällt uns vermutlich auf, dass auch die Hersteller von Nudeln und Toilettenpapier Maschinen benötigen, um Nudeln und Toilettenpapier herzustellen. Und mir wird eine Idee der ersten christlichen Gemeinden gerade wieder sehr wichtig: die hatten auch irgendwann gemerkt, dass ein Geistlicher alleine noch keine Gemeinde ausmacht. Sehr schnell wurde dann arbeitsteilig weitergemacht mit Lehrern, Diakonen, Krankenpflegern u.s.w. Das Beste daran: alle waren systemrelevant, denn als Bild für diese Arbeitsteilung wählte der Apostel Paulus den menschlichen Körper. Essen auf dem Tisch, aber keine Hände, um es auch zu nehmen? Einen Weg sehen, aber keine Füße da, um ihn zu gehen? Einem traurigen Menschen zuhören, aber kein Herz haben, das sich anrühren lässt? Alles schwierig. Zusammen geht es einfach besser! Und dann sind letztlich alle gleich relevant. Sollten wir nach Corona mal dran denken 😉



„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 30.3.2020

Sie hat es wieder getan 😊 Meine liebe Kollegin Marion schafft es immer wieder, „ihre“ Kinder aus den verschiedenen Gemeindegruppen zu kleinen Künstlern werden zu lassen. Diesmal haben sie sich der Aktion #regenbogengegencorona angeschlossen. Kinder malen, basteln und gestalten Regenbogen, die dann als Mutmacher in den Fenstern befestigt werden. Auch in unserem Neuen Lindenhof sind nun wunderschöne Regenbogen zu sehen. Beim Spazierengehen kann man dann die Regenbogen zählen – jeder Regenbogen steht für ein Kind, das gerade zu Hause bleiben muss. Niemand ist alleine, auch wenn wir uns nicht sehen können.
Aber warum ist der Regenbogen eigentlich ein Mutmacher? In der Geschichte von Noah und der Arche ist er ein Zeichen für das Ende der großen Flut und er steht für ein Versprechen, das Gott den Menschen gegeben hat: dass er sie niemals verlassen wird. Auch in der größten Katastrophe ist er da. 
Noah hat das tatsächlich so erlebt – er hat sich nicht davon abbringen lassen, dass Gott Gutes mit ihm vorhat, obwohl seine Welt zusammenbrach. Wahrscheinlich haben seine Nachbarn und Freunde über ihn gelacht. So ein Tagträumer! Einer, der die Realität nicht sehen will! Aber Noah hat festgehalten an seinem Glauben und daraus Kraft und Ideen geschöpft. So konnte er tun, was in der Krise notwendig und lebensrettend war. 

Unser Projekt

Ich habe immer ein Projekt, an dem ich arbeite. Meistens für meine Kunden. Von Zeit zu Zeit ist es aber auch ein persönliches Vorhaben, das mich neue Inspiration gewinnen lässt.


„Was Pfarrer gerade so machen“

von Pfarrerin Annette Cersovsky, 29.3.2020


Jedes Mal, wenn ich diesen Satz lese oder höre, wird mir das ganze Grauen der Corona Pandemie aufs Neue bewusst: Menschen über 80 oder mit geringen Überlebenschancen werden nicht mehr beatmet. 

Ich verstehe, dass das der Überlastung der Intensivstationen geschuldet ist und dass kein Arzt eine solche Entscheidung leichten Herzens fällt. In manchen Krankenhäusern in den, am schlimmsten betroffenen, Regionen liegen die Nerven blank, die Erschöpfung zwingt alle irgendwann in die Knie. Fehlendes Material verschlimmert die Situation noch. Und dann müssen Entscheidungen getroffen werden.

Mich macht das sehr unglücklich, denn auch diese Menschen sind jemandes Großeltern, Eltern oder Kinder, Freunde, Nachbarn, Weggefährten. Sie bedeuteten jemandem etwas und werden nun fehlen. Ihre einsame Beisetzung wird auch noch schmerzen.

Ich wünschte, wir würden wenigstens das aus der Krise lernen: dass wir genügend Personal und Material besorgen, damit kein Arzt mehr einem Patienten sagen muss, er werde leider nicht mehr adäquat versorgt werden können.

Ich glaube, dass die meistens von uns dafür auf irgendetwas verzichten könnten. 


„Was Pfarrer gerade so machen“


von Pfrin Anette Cersovsky, 28.3.2020

Habe heute was Neues entdeckt, das ich sehr gerne in unserer Gemeinde einführen würde 😉

Eine Gemeinde hat vor ihr Gemeindehaus einen Aufsteller platziert. Daran hängt ein kleiner Briefkasten, der als Kummerkasten dient. Jeder kann dort ein Zettelchen mit einem Gebetsanliegen hineinwerfen. Menschen aus der Gemeinde werden die Gebetsanliegen in ihre Fürbitte einschließen. Und umgekehrt funktioniert der Aufsteller auch. Zusammengerollt und an kleinen Bändchen befestigt hängen Gebete dort, die man mit nach Hause nehmen kann. Jeden Morgen wird der Briefkasten geleert und neue Gebete aufgehängt. Wie findet Ihr das? Wäre das auch etwas für uns?

Auch so könnte Gemeinde miteinander und füreinander beten. 

 

Was Pfarrer gerade  so machen...


von Pfarrerin Annette Cersovsky, 27.3.2020

„Nach dieser Krise wird die Welt eine andere sein!“ Fast beschwörend hört man diesen Satz immer häufiger: Von Politikern, Medizinern, Sozialwissenschaftlern, aber auch von Nachbarn, Freunden, Kollegen, Familienmitgliedern. Wie wird die Welt danach sein? Werden wir etwas verbessern können? Wird sich der gesellschaftliche Zusammenhalt stärken lassen? Werden wir endlich die großen Themen beherzt angehen? Solche Themen wie Klimawandel, Digitalisierung, Energiewende, Pflegenotstand? Das Bewusstsein für die Veränderung ist gerade da. Der Wille vielleicht auch. Die Möglichkeiten müssen wir schaffen.

Und was würde dieser Satz für die Kirche bedeuten? Nach der Krise wird die Kirche eine andere sein? Ja, das hoffe ich tatsächlich. Wir erleben gerade, dass die kurzen Online-Gottesdienste, die es fast überall gibt, sehr viele Menschen ansprechen. Machen wir viel zu viele Worte? Versuchen wir Fragen zu beantworten, die niemand gestellt hat? Haben wir auf existentielle Fragen zu wenig Antworten gehabt? Das Interesse an Kirche und Gemeinde, welches wir gerade erleben, liegt wohl auch daran, dass die Krise uns zwingt, aktuell und nah an der Realität zu sein. Warum machen wir das eigentlich nicht immer?

 


„Was Pfarrer gerade so machen“
von Pfarrerin Annette Cersovsky, 26.3.2020

Mein Kollege und ich beschäftigen uns gerade mit dem Predigttext für kommenden Sonntag. Wir wollen wieder einen kurzen Gottesdienst in der leeren Kirche aufnehmen und am Sonntag ins Netz stellen. Darin dreht sich diesmal vieles um den Gegensatz von „drinnen“ und „draußen“. Im Augenblick sind wir alle drinnen – mehr oder weniger. Drinnen ist gut. Wer zuhause bleibt, schützt sich selbst und andere. Aber wer ist eigentlich gerade draußen? Draußen sind die, die sich nicht schützen können? Die, die wir nicht schützen? Wer steht draußen? Das kann uns, denen es ja vergleichsweise bei allen Einschränkungen noch ganz gut geht, nicht egal sein. Auch eine Frage für Corona-Zeiten: Wem geht es eigentlich schlechter als uns in diesen Tagen? Was können wir dagegen tun? Und eine Frage für Nach-Corona-Zeiten: Was können wir tun, damit es insgesamt weniger „Draußen“ gibt? Jesus hatte da wohl für sich eine sehr einfache Antwort gefunden: Er hatte die, die „draußen“ waren, nach „drinnen“ geholt. Gut fanden das damals keineswegs alle. Sie befürchteten, selbst auf etwas verzichten zu müssen.

Bis wir alle wieder tatsächlich nach draußen dürfen, könnten wir schonmal überlegen, wer bei uns viel zu oft im übertragenen Sinn draußen bleiben muss. Und warum das so ist!

„Was Pfarrer gerade so machen“

Heute haben wir im Team (natürlich per Telefon 😉) überlegt, wie wir den vielen Seniorinnen und Senioren zu Ostern eine Freude machen können. Die meisten sind nicht digital erreichbar und verlassen im Moment das Haus so gut wie gar nicht mehr. Wir erleben gerade auf überwältigende Weise, wie viel Freude ein kleiner Gruß macht und was ein Anruf so alles bewirkt bei denen, die selten Anrufe bekommen. Das motiviert uns sehr, uns immer wieder Neues einfallen zu lassen. 

Ich musste daran denken, als ich heute Morgen die Tageslosung las. Ein bisschen „Kirchensprech“ aus dem 1. Petrusbrief: Alle miteinander bekleidet euch mit Demut. Kirchensprech deshalb, weil das Wort „Demut“ aus der Mode gekommen ist. Schade eigentlich, denn heute passt es auf überraschende Weise wieder. Es hat seinen Ursprung im Althochdeutschen und bedeutet so viel wie dienstbereit sein. Unglaublich viele Menschen sind in diesen Tagen dienstbereit: Pflegepersonal, Mediziner, Supermarktangestellte, LKW Fahrer und und und…. Sie alle sind dienstbereit für uns. Und wir sollten auch dienstbereit für sie sein. Klatschen vom Balkon aus ist supernett und eine schöne Geste, aber noch besser wäre es wahrscheinlich, wenn wir uns aktiv dafür einsetzten, dass diese Menschen ein angemessenes Gehalt bekommen oder bessere Arbeitsbedingungen oder ganz einfach nettere Kunden und Patienten. Das kriegen wir doch wohl hoffentlich alle hin 😊

Und was die Seniorinnen und Senioren unserer Gemeinde betrifft: die sind sehr dankbar für alles, was jemand für sie tut. Und sie denken, sie könnten nichts zurückgeben. Aber da liegen sie falsch. Wir sindsehr dankbar und angerührt von den vielen lieben Worten, von selbstgeschriebenen Karten und dem fröhlichen Winken aus dem Fenster oder vom Balkon!

Was Pfarrer so machen...

Blog von Pfarrerin Annette Cersovsky


„Was Pfarrer gerade so machen“

23.3.2020 von Pfarrerin Annette Cersovsky

Gestern war der erste Sonntag, an dem flächendeckend in Deutschland keine Gottesdienste mehr in der Kirche und mit anwesenden Besuchern gefeiert werden durften. Viele von uns haben sich deshalb um digitale Möglichkeiten bemüht, die den Gottesdienst nach Hause transportieren und Gemeinschaft und Verbundenheit sichtbar machen wollten.

Aber gestern titelten auch viele Medien solche Versuche. Darunter ein Beitrag von Daniel Deckers in der Online Ausgabe der FAZ. Er sprach von „Auflösungserscheinungen gemeinschaftlich erlebter Religiosität“. Biblische Deutungsversuche der gegenwärtigen Situation würden angesichts der vielen Toten eher einer Bagatellisierung gleichkommen.

Ich frage mich, wer ernsthaft versucht, eine Pandemie biblisch zu deuten. Ein Virus löste die Corona-Krise aus und wie Viren entstehen und wie sie sich verbreiten, das kann das Robert-Koch-Institut sehr viel besser erklären als Kirchen. 

Aber gemeinschaftlich erlebte Religiosität – auch die digitale – verbindet uns mit Menschen über Zeiten und Kontinente hinweg und fragt danach, was im Leben eigentlich trägt und was Halt in haltlosen Zeiten verspricht. Im Leiden und Sterben einen Sinn zu suchen, das verbietet sich für mich. Aber Leidende und Sterbende in Anteilnahme zu begleiten, zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird und zu ermutigen, wo Durchhaltevermögen gerade auf die Probe gestellt wird, das ist durchaus für mich gelebte Gemeinschaft aus dem Glauben heraus.

Unser unprofessionell gestalteter kleiner Online-Gottesdienst hatte am gestrigen Sonntag so viele Besucher, wie wir sonst nur zu Weihnachten haben. Anscheinend denken doch gerade viele anders und das macht mir ziemlich viel Mut!

 

 


"Was Pfarrer gerade so machen“

22.3.2020
von Pfarrerin Annette Cersovsky

„Was Pfarrer gerade so machen“
……natürlich Gottesdienst feiern – heute ist Sonntag. Aber heute ist es anders als an anderen Sonntagen – wir haben den Gottesdienst gestern in der leeren Kirche aufgezeichnet. Heute wurde er zur üblichen Gottesdienstzeit bei Youtube hochgeladen. So geht es auch. In Notfällen geht alles. Aber mir ist dabei etwas bewusst geworden: Wie sehr mir die Gemeinde fehlt. Wieviel mir die Menschen bedeuten, die fast jeden Sonntag da sind, in deren Gesichter ich schaue, die ich fast alle kenne. Und oft weiß ich auch um persönliche Sorgen oder großes Glück. Der persönliche Kontakt ist es, der uns einen Gottesdienst wirklich feiern lässt. Das werde ich nie wieder für selbstverständlich halten!
Also, liebe Sonntagsgottesdienstgemeinde, von Herzen danke dafür, dass Ihr da seid! Und auch danke an all die, die nicht in die Kirche kommen, aber im Gebet oder in Gedanken mit uns verbunden sind. Wir wissen, dass Ihr da seid und schließen euch immer mit ein.



„Was Pfarrer gerade so machen“

21.3.2020

DAS sind Tomaten- und Erdbeerpflanzen. Die wollte ich eigentlich gerade ins Hochbeet setzen. Aber dann kam mir ein Interview in den Sinn, in dem es um den Begriff „Regnose“ ging. Hatte ich noch nie gehört, aber der Zukunftsforscher, Matthias Horx, bezeichnet damit eine „Corona-Rückwärts-Prognose“.

Und die geht so: Wir denken uns einige Monate voraus und stellen uns vor, wie wir wieder im Straßencafé sitzen und in den März 2020 zurückschauen. Und dann beschreibt er, was sich in diesen Monaten alles verändert haben könnte - weil wir Erfahrungen gemacht haben, weil wir Neues gelernt und ausprobiert haben und weil wir begriffen haben, was wirklich wichtig ist. Und was wir für die Zukunft verändern wollen.

Ist doch eigentlich das, was die Propheten im Alten Testament gemacht haben. Sie haben von der Zukunft erzählt, die Gott sich für die Menschen erdacht hat. Nicht, damit die Menschen sich nur noch nach dieser Zukunft sehnten, sondern damit sie handlungsfähig in ihrer gegenwärtigen Krise blieben und auf diese Zukunft hinwirken konnten. Das funktioniert vielleicht auch jetzt: Ich möchte gerne wieder im Straßencafé sitzen, Familie und Freunde treffen und zum Sport gehen, im Chor singen und sonntags mit allen zusammen Gottesdienst in der Kirche feiern. Damit das auch irgendwann wieder geht, bleibe ich jetzt zuhause! 

Ach ja, vielleicht fragt ihr euch, wie ich von Tomaten und Erdbeeren auf Regnose kam? Wenn ich etwas einpflanze, stelle ich mir gerne vor, wie es in ein paar Wochen aussieht, wenn ich die erste Erdbeere oder Tomate ernten kann. Das beflügelt beim Unkrautjäten😉


20.3.2020 als Audiodatei (hier klicken)

19.3.2020

„Was Pfarrer gerade so machen“

….heute ganz praktische Sachen!

Meine liebe Kollegin Marion hatte die schöne Idee, die Mitglieder unserer Seniorengruppen ein wenig für die ausgefallenen Gruppentreffen zu entschädigen und zwar mit einem „Garten To Go“ inklusive Frühlingsgruß, Miniandacht und Liedvers. Mit Hilfe von Sasa, die wegen Corona nicht in unserer Kleiderstube arbeiten kann, haben die beiden heute ein paar Dutzend Päckchen gepackt und die haben wir inzwischen vor ganz schön viele Türen gestellt.

Durch die Gegensprechanlage kann man wunderbar und ungefährdet ein paar nette Grüße hinterlassen. 

Besuchsdienst läuft jetzt so: jeden Tag schreibe ich drei Leuten einen Brief, eine What‘s App und eine Mail (je nachdem, auf welchem Kanal der Kontakt vorhanden ist) und einen Menschen rufe ich an. Das macht vier pro Tag und jeden bitte ich, auch ein paar Leute anzurufen. Das ist dann auch eine Infektionskette, aber eine von der schönen Sorte, die hoffentlich ein wenig Freude bringt und gegen Vereinsamung hilft.

Und nicht vergessen: Um 19 Uhr ist Balkonsingen 😉

 

Was Pfarrer so machen...

Kleiner Blog in Corona-Zeiten von Pfarrerin Annette Cersovsky
Mittwoch, 18.3.2020

Wenn alles herunterfährt – das ist nicht nur schlimm. Da ist auch eine Menge Druck raus und ziemlich viel Speed. Nichts muss jetzt sofort sein, wir haben Zeit, in Ruhe zu überlegen, was wir tun. Und wir haben Zeit, darüber nachzudenken, was uns wichtig ist, was wir tatsächlich kaufen müssen, was wir brauchen. Wir haben Zeit, darüber nachzudenken, womit wir unsere freie Zeit füllen können. Und was uns eigentlich bleibt, wenn das, was wir sonst tun, gerade nicht geht.
Und das Allerbeste daran: es funktioniert! 
Hier ein paar ermutigende Beispiele von heute: 
My Viertel bietet Einkaufshilfe für die Nachbarschaft an.
Läden entwickeln coole Ideen, wie sie ihre Kunden ohne Kontakt beliefern können.
In vielen Gemeinden wird „Kirche digital“ ausprobiert.
Die EKD schlägt Balkonsingen mit „Der Mond ist aufgegangen“ abends um 19 Uhr vor.
Die Kommunität Taizé bietet einen Live Stream an.
Völlig Fremde rufen sich von Balkonen und über die Straße gute Wünsche zu.
Die Krise macht etwas mit unserer Gesellschaft. 
Die Krise ist nicht gut. Die Veränderung schon!
 

Was Pfarrer so machen.

Kleiner Blog in Corona-Zeiten von Pfarrerin Annette Cersovsky

Dienstag, 17.3.2020

Mehrfach war inzwischen in den sozialen Medien zu lesen, dass sogar die Kirchen vor dem Coronavirus einknicken und alle Veranstaltungen absagen würden. 

Liebe Leute, wir tun das für Euch! Wir bieten fast ausschließlich öffentliche Veranstaltungen an und unterliegen deshalb selbstverständlich dem momentan geltenden Versammlungsverbot.

In den letzten Tagen waren wir damit beschäftigt, sehr viele Veranstaltungen abzusagen – darunter auch solche, deren Absage für Familien sehr ärgerlich ist, z.B. Taufen, Konfirmationen und alle Großveranstaltungen. Die Gottesdienstgemeinde vermisst unsere Treffen am Sonntag und alle, die unsere Häuser für ihre Freizeitaktivitäten nutzen, sitzen nun zu Hause.

Zu Hause – wie wir alle, da muss doch was zu machen sein 😉

Und deshalb sind wir gerade sehr aktiv dabei, andere Möglichkeiten zu finden, um unsere Arbeit zu tun.

Wir probieren Online-Gottesdienste aus, stellen Podcasts mit geistlichen Impulsen online, organisieren Hilfe für Leute aus Risikogruppen, z.B. Einkäufe oder Apothekengänge. Unser Besuchsdienst kommt in Form von Briefen oder Telefonaten ins Haus, mit vielen Menschen sind wir über die sozialen Medien verbunden. Unsere Hilfestrukturen für Bedürftige und Kranke halten wir aufrecht. So wollen wir Gemeinde bleiben!

Aber ich habe drei Bitten:

An die Medien – verbreitet nur, was auch gesichert ist. Alles andere verursacht Panik.

An alle Mitmenschen – haltet Abstand und seid nicht böse, wenn man dem Small Talk beim Einkaufen aus dem Weg geht. Lieber nett lächeln und später mal anrufen oder eine What‘s App schreiben.

An alle Hamsterkäufer – wenn ihr alle Regale leert, dann müssen alle anderen mehrfach in der Woche los, um ihren notwendigen Dingen hinterherzulaufen und das bedeutet mehr Ansteckungsgefahr für alle.

Je schneller wir uns alle an die neuen Regeln halten, umso größer ist die Chance, dass wir um Ausgangssperren herumkommen – und das wollen wir doch wohl alle!

Passt gut auf Euch auf😊

 

Annette Cersovsky

 

Gottesdienst

Jeden Sonn- und Feiertag

10.30 Uhr

Pauluskirche

Büchelstr. 47

42855 Remscheid


An jedem letzten

Sonntag im Monat

mit Abendmahl

(Wein und Saft im Einzelkelch)

Wozu Gottesdienst?

Der Gottesdienst ist das Herz unserer Gemeinde.

Im Gottesdienst erleben wir Gottes Gegenwart in seinem Wort und Sakrament.

Das kann man eigentlich nur feiern.

Feiern Sie mit uns!

Mit aktuellen Predigten wollen wir Sie ansprechen. Denn: Gott spricht uns an! Das möchten wir weitergeben!

Bei guter Musik und in festlich-feierlicher Atmosphäre in unserer Pauluskirche! 




 







Sonntag, 12.5.2019
10.30 Uhr Cersovsky

Sonntag, 19.5.2019
10.30 Uhr mit Abendmahl  Landau

Gottesdienst für Familien:

Schatzkiste

In  regelmäßigen Abständen findet unsere "Schatzkiste" statt. 

An einem Samstagmorgen zwischen 10:00 und 12:00 Uhr bereiten die Kinder sich kreativ mit unserem Team auf den Familiengottesdienst vor, der um 12:00 Uhr in der Pauluskirche gefeiert wird. 

Dazu sind die Familien und jedermann eingeladen!

 

Anschließend gibt es im Johannes-Schmiesing-Haus ein gemeinsames Mittagessen. 

Nächste Termine 2020: 

7. März, 20.Juni, 26.September, 21.November, 26. Dezember
Beginn jeweils im Johannes-Schmiesing-Haus